Verdauung: Ein Gläschen in Ehren…?

27. Dezember 2012
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Für den Schnaps nach dem Essen gibt es viele Bezeichnungen: Digestif, Verteiler, Feuerwasser. Gerade in der hochkalorischen Weihnachtszeit mit ihren gustatorischen Herausforderungen ist die Frage spannend, ob ein Hochprozentiger wirklich die Verdauung anregt.

Schnaps bezeichnet alle alkoholischen Getränke, die durch Destillieren aus natürlichen und vergorenen Pflanzen oder Pflanzenbestandteilen hergestellt werden. Dabei muss der Alkoholgehalt der Brände oder Wässer bei mindestens 15 Prozent liegen. Der Gehalt an Zucker ist teilweise nicht unerheblich. “Laut einer Untersuchung liegt die durchschnittliche Gewichtszunahme in der Weihnachtszeit bei etwa einem halben Kilo. Viele Menschen nehmen aber deutlich mehr zu”, so das Ergebnis einer Untersuchung von Prof. Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München.

Advent, Advent der Magen brennt

Wenn Entenbraten, Knödel, Rotkohl & Co den Magen bis zum Äußersten belasten, dürstet es nicht selten nach einem “Verteiler”. Unabhängig vom gustatorischen Genuss bleibt die Frage, was derartige Verdauungshilfen wirklich bringen. Der Internist Professor Manfred Singer aus Mannheim hat in einer Studie untersucht, ob die klassischen Mahlzeitabschlussgetränke wirklich die Verdauung unterstützen. Sein Ergebnis ist ernüchternd: “Weder Fernet-Branca, noch Aquavit, noch Williamsbirne hatten verdauungsfördernde Wirkung“. Leitungswasser ist genauso gut oder wenig wirksam. Bei den Likören ist zudem der Zuckergehalt mit 100 g oder mehr pro Liter Spirituose eine Verdauungsbremse.

Atomspaltung nach Käsefondue

Ein beliebtes Schweizer Gericht zu Weihnachten oder Silvester ist Käsefondue. Schweizer Wissenschaftler untersuchten, ob Alkohol in Form von hochprozentigem Schnaps im Magen wieder Klarheit schafft. Die zwanzig Probanden im Alter von 23 bis 58 Jahren aßen Käsefondue. Eine Gruppe erhielt als Getränk zum Essen Wein und im Anschluss einen alkoholischen Digestif ohne Kräuterextrakte. Die zweite Gruppe trank Wasser und Schwarztee. Um den Grad der Verdauung zu analysieren, erhielten alle Probanden mit dem Fondue eine mit Kohlenstoffatomen markierte Fettsäure. Die C13-Atome wurden im Magen während des Verdauungsprozesses freigesetzt, gelangten nach der Resorption ins Blut und die Lunge. Nach dem Essen wurden die Atemluftproben spektrometrisch untersucht. Auch hier eine Enttäuschung in der Schnapsgruppe. Die Anzahl der C13-Atome in der Teetrinkergruppe war größer, sie hatten also besser verdaut. Die Forscher schlussfolgerten, dass Alkohol die Verdauung nicht fördert, sondern sogar hemmt.

Anderer Meinung ist Prof. Helmut Karl Seitz der Universität Heidelberg. Er ist überzeugt: Nach fettigem Essen kann ein Schnaps gegen das Völlegefühl helfen. “Kleine Mengen Magenbitter oder Grappa nach dem Essen steigern die Magenbewegung und damit auch die Magenentleerung”.

Trotz der Ergebnisse werden viele Konsumenten von alkoholischen Digestiven wie dem Korn oder Grappa das Gefühl haben, “es hilft irgendwie”. Können so viele Anwender irren? Oder ist der gesundheitliche Aspekt nur ein Alibi zum Genuss harter Spirituosen? Alkohol fördert zwar nicht die Verdauung, entspannt aber die Muskulatur der Magenwand. Die Verdauung verläuft nun zwar langsamer, dennoch entsteht subjektiv das Gefühl eines entspannten Magens. Eine andere Theorie ist, dass hochprozentiger Alkohol einen anaesthetischen Effekt auf die Magenschleimhäute hat.

Wenn, dann mit Kräutern

Von den klaren Bränden wie Grappa, Korn oder Rum müssen solche Zubereitungen mit Kräuterextrakten anders bewertet werden. Bei alkoholischen Auszügen mit Oregano, Anis, Kümmel oder Bitterstoffen wie Angelikawurzel und Chinarinde agiert Ethanol eher als Trägermedium für Amara oder ätherische Öle. Diese haben in der Tat eine valide Wirkung auf die Magenmotorik. Anders ist dies beispielsweise bei Kümmel als Teezubereitung. Da vermag zwar das warme Wasser den Magen beruhigen, nicht aber das Kümmelöl. Dies verdampft als ätherisches Öl im Wassermazerat und geht nicht in Lösung. Wieder anders beim Pfefferminztee. Auch hier geht das Öl “flöten”, aber das Menthol geht in das wässrige Medium über. Es wirkt cholagog und lokalanaesthetisch.

In einer von der Pennsylvania State University durchgeführten Studie wurde die Wirkung von Oregano auf die Verdauung und die Flatulenzneigung an Holstein-Kühen untersucht. Das windige Ergebnis überrascht: Der Abgang von Methangas wurde um 40 Prozent reduziert. Voraussetzung ist jedoch, dass das Kraut bereits dem Essen zugesetzt wird und nicht post cenam verabreicht wird. Also am Besten Oregano nach der Zubereitung der Speisen zugeben, damit sich die ätherischen Öle beim Garprozess nicht verflüchtigen.

Auch ein Glas Orangensaft kann dem Fett den Kampf ansagen. Orangensaft ist reich an Flavonoiden und Antioxidantien. Laut einer Studie von “The American Journal of Clinical Nutrition” können die sekundären Inhaltstoffe die ungünstigen Effekte eines kalorienreichen Essen ausgleichen. Bereits ein Glas Saft zum Essen getrunken bewirkt eine Minderung der freien Radikale im Essen. In der Limonaden- und der Wassergruppe bewegte sich hier nichts.

Koffein lockt keine Säure

Auch Kaffee oder Espresso kann die Verdauung anregen. Es ist jedoch nicht die häufig postulierte Anregung der Magensaftproduktion. Nicht das Koffein, sondern bestimmte Kaffeeinhaltstoffe setzen den Muskeltonus herab. Röststoffe und Chlorogensäure reizen den Magen hingegen. Es ist also Unsinn, bei Magenproblemen auf die koffeinfreie Variante zurückzugreifen, besser ist röststoffarm. Eine cholesterinsteigernde Wirkung ist nur bei gekochtem, ungefiltertem Kaffee bzw. bei Espresso nachweisbar. Das Diterpen Cafestrol wird vom Papierfilter zurückgehalten. Bei täglichem Genuss von 5 Tassen ungefilterten Kaffees ist ein Anstieg der Cholesterinwerte um bis zu 5 Prozent feststellbar. Die im Kaffee enthaltenen Polyphenole haben gute und negative Eigenschaften. Sie hemmen die Eisenresorption, wirken andererseits jedoch antioxidativ. Die enthaltenen Diterpene stimulieren außerdem ein wichtiges Entgiftungssystem in der Leber, wodurch die Abwehrfähigkeit des Körpers gegenüber toxischen Substanzen erhöht wird.

“Kaffeetrinken regt nach einer Dickdarmentfernung die Darmtätigkeit schneller als Wasser an und wird gut vertragen”, so das Ergebnis einer Studie der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, publiziert im “British Journal of Surgery”. PD Dr. Sacha Müller et al. teilten die Patienten in zwei Gruppen. Eine Gruppe trank nach der Operation dreimal täglich je 100 ml Wasser, der anderen Gruppe wurde dreimal täglich je 100 ml Espresso (100 Prozent Arabica) serviert. In der Wassergruppe vergingen durchschnittlich 74 Stunden bis zur ersten Darmentleerung. In der Espressogruppe verkürzte sich diese Zeitspanne signifikant auf 60 Stunden. Die Espressotrinker waren bereits nach durchschnittlich 49 Stunden statt 56 Stunden in der Lage, feste Nahrung zu sich nehmen. Koffein ist für die Wirkung nicht verantwortlich, da auch entkoffeinierter Kaffee darmanregende Effekte zeigt.

Wer kennt den werbelyrischen Spruch nicht aus der Werbung, bei dem postuliert wird, dass ein bekanntes Antacidum “den Magen aufräumt”. Wie stellt sich der medizinische Laie wohl Aufräumen vor: Die Knödel werden atomisiert, die Entenkeule zerkleinert, das Mousse emulgiert. Antacida können jedoch eher verdauungshemmend wirken. Besonders Schichtgitterantazida mit salz- und gallesäurebindenden Eigenschaften schränken den Magen in seiner Verdauungsarbeit ein.

Säure gegen Fett

Bei einer Studie verfütterten Kondo et al. fettes Futter an Labormäuse. Das Futter der ersten Gruppe wurde mit 1,5 % Essig, das der zweiten mit 0,3 % Essig und das der dritten Gruppe nur mit Wasser ergänzt. Am Ende der Studie stellten die Forscher fest, dass bei beiden “Essig-Gruppen” eine dosisunabhängige Verminderung der Fettmasse im Vergleich zur Kontrollgruppe um rund zehn Prozent eingetreten war. Vermutlich übt Essig einen Einfluss auf die Fettoxidation, die Thermoregulation der Leber und PPAR-alpha-Rezeptoren aus. Ob dies auf den Menschen und die digestive Wirkung von Aceto balsamico nach dem Essen übertragbar ist, wurde nicht untersucht.

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Medizin

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15 Kommentare:

Apothekerin

Meine lieben KollegInnen,

so manche Kost, die man von seinen Mitmenschen serviert bekommt, läßt sich nur mit einem Korn verdauen.
(In Erinnerung an Heinz Erhardt)

;-)

#15 |
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Katharina von Schleussner
Katharina von Schleussner

Maßvoll auch an Feiertagen essen ist immer noch das Beste!!!

#14 |
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Apotheker

Wie Nahrungsmittel und Alkohol in unserem Körper miteinander umgehen ist bekannt. Darüber immer wieder zu diskutieren ist überflüssig. Wenn man die Grundregel beachtet, dem Körper beides nicht in Massen sondern nur in Maßen zuzumuten, werden sich beide vertragen, zum Wohl des maßhaltenden Genießers.

#13 |
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Dieser Artikel ist wahrlich keine Meisterleistung. Zum einen fehlt jede Art von Schlußfolgerung, die man aus einer Zusammenstellung von Studien ableiten könnte. Zum anderen aber sind alle genannten Studien von der typischen Medizinerkrankheit durchseucht: Völlige Unkenntnis der Grundregeln der Statistik! Ich hab’s langsam satt, so ein Zeug zu lesen. Wenn die Herausgeber medizinischer Zeitschriften nicht in der Lage sind, einen kritischen Blick auf die im Manuskript offerierten “Studien” zu werfen, sind sie fehl am Platz. Und wenn ein Medizinjournalist das Ganze dann unkritisch und unkommentiert übernimmt, darf man sich doch fragen, ob man hier nicht einfach veräppelt wird. Bitte mehr Niveau!

#12 |
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Das in dem Artikel Gesagte ist seit langem bekannt, wird aber von den wenigsten Gourmets anerkannt.

#11 |
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Dirk Blanke
Dirk Blanke

Mal ehrlich – wirklich überrascht hat das Ergebnis sicher keinen. Das Schnäpschen streichelt nicht den Margen, sondern die Seele. Alkohol wärmt ja auch nicht wirklich durch, sondern wärmt die Seele. Wenn es um die reine Erhöhung der Körpertemperatur geht, sind ein paar Decken sicher besser geeignet…

#10 |
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Wer vermutet, hinter der Artikelüberschrift verbirgt sich lediglich “alter Wein”, in der Form, dass Alkohol generell die Fettverdauung ausbremst, wird hier sehr positiv überrascht. Ein sehr gut recherierter und umfassender Artikel, der zeigt, dass die Fokussierung allein auf den Alkoholgehalt, die Nicht-Beachtung anderer Inhaltsstoffe und nicht zuletzt psychischer Faktoren entscheidenden Einfluss sowohl auf die tatsächliche als auch auf die persönlich empfundene Verdauungsleistung haben.

#9 |
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Michael Buchgert
Michael Buchgert

Ein eher chemischer Aspekt wäre noch zu erwähnen: Alkohol hat durch seine chemische Doppelnatur -lipophil und hydrophil – die treffliche Eigenschaft,Fett zu emulgieren,d.h. die Oberfläche der aufgenommenen Fette zu erhöhen;dies könnte der Fett-Verdauung durch eine bessere Verfügbarkeit des Subtrates Fett im folgenden enzymatsichen Abbau und biochemischen Folgeprozessen förderlich sein.

#8 |
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Medizinjournalistin

Ein interessantes Thema, aber ein schwer verdaulicher Artikel…

#7 |
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Dr. med. Kirsti Göttlicher
Dr. med. Kirsti Göttlicher

Ich lese gerne Ihre Kolumnen und stelle fest, dass man doch
auch noch bereits Ähnliches schon mal erlebt hat.
Ich bin selber ein begeisterter Kaffeetrinker geworden,
nachdem ich gelesen habe, dass Leute,die Kaffee trinken, länger leben, da er einfach durchblutungsfördernd wirkt und
ausserdem einen so manchen müden Menschen munter macht.
Einmal fand ich bei einer Patientin einen Cholesterinwert
>1400, wobei man als Auslöser dafür nichts weiter als einen übermäßigen
Kaffeekonsum, bis zu 2ltr./die, fand. Nun las ich, dass unter bestimmten Bedingungen eben der Cholesterinwert
steigt, nun glaube ich dass ich seinerzeit doch im Recht
war mit meiner Vermutung!!
Ich wünsche allen Kollegen ein frohes und gesegnetes
Neues Jahr 2013 !!!

#6 |
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Ulrich Mähler
Ulrich Mähler

Dass Alkohol nicht der besseren Fettverdauung dient, ist nach
meinem Wissen nichts Neues. Er betäubt aber die feinen Magen-
wandnerven hinter der Schleimhaut, was, wenn man in den Festtagen zuviel gegessen hat, Erleichterung verschaffen kann, da dadurch das Völlegefühl zurück geht.

#5 |
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Meine Meinung zur Verdauung des Magens ,reicht ein Glas Rotwein .Dann wird alles gut gehen. Die fetten Speisen werden besser verarbeitet ,und schneller zur entleerung des Darms bringen.
Selber habe ich bei vielen meiner Patienten dieses Medikament,
etwas Rorwein sehr am Aberd zu sich zu nehmen, sehr großen Erfolg hatte. Zur Genesesung des ganzen Körpers.

#4 |
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Nichtmedizinische Berufe

Sehr überrascht bin ich über die Zusammenstellung von Verdauung von Fett und Alkohol! Es ist sicherlich unstreitig, dass der als Gretränk zugeführte Alkohol, egal in welcher Konzentration, ein Zellgift mit ganz erheblichem Schädigungspotential ist. Das Problem der Fettverdauung wird durch die Natur perfekt gelöst: a) nur unerhitzte pflanzliche Fette zu essen b) es bei normaler körperlichen Arbeit mit ca. 30g/T bei 75kg Körpergewicht es zu belassen.
Das Erhitzen von Fetten führt sehr schnell in die Toximie besonders beim grillen, braten, frittieren und einer Temperatur von über 120-oC, durch Stärke und/ oder Zucker in in der Speise wird die Katastrophe und der Stress für die Organe dramatisch potentiert. Z. B.: selbst Sterne-Köche verbreiten gesundheitsschädlichen Unsinn wie das karamelisieren von Gemüsen wie Möhren in der Pfanne und das Hochloben von “Röstarome”, die meist mit dem Fett zu Transfettsäuren umgewandelt werden. Erwähnt sollte auch das Entstehen von Acrylamat selbst in Plätzchen im Backofen. Transfettsäuren lagern sich in der Darmwandung an/ab und erschweren ganz erheblich die Aufnahme von Vitalstoffen.
Platon hat noch immer Recht mit seiner Feststellung ” Der Tod sitzt im Darm!” Nüsse als Super-Fett-Vitalstoffquelle sollten immer nur eingeweicht, ungeröstet (!!!!) und ungesalzen verzehrt werden. Empfehlung: Statt eines Käsefondues würdich es mal mit einer reifen Avocado versuchen, die bestimmt nicht schwer im Magen liegt soweit der Kern nicht mitverzehrt wird.
namasté Wolf Henrichs, Ernährungsberater

#3 |
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Lieber Herr Bastigkeit,
eigentlich lese ich Ihre Artikel gerne. Dieser scheint aber mit der “heißen Nadel gestrickt” zu sein. Es sind reichlich viele Schreibfehler und Beziehungsfehler darin, manche Sätze sind kaum verständlich.
Zuerst aber zu einem Problem, das mit Ihnen nichts zu tun hat: die zitierte Schweizer Studie selber. Ist die Kohlenstoffresorption überhaupt ein verwertbares Maß für Verdauungstätigkeit? Der Umkehrschluß wäre logischer: durch Alkoholgenuß werden weniger Fette aufgenommen – das ist doch auch was!
Wichtig und richtig ist die Unterscheidung – die Sie ja auch treffen – zwischen “Klaren” und Kräuterschnäpsen sowie Likören. Letztere haben wirklich zu viel Zucker. Aber Fernet gehört zu den kräuterhaltigen Digestifs.
Was haben weiterhin Radikale mit Kalorien zu tun? Beim Oregano ist ein “also” zuviel. Oregano gehört in die Speise, nicht als Kraut danach; die Italiener fügen es am Ende oder unmittelbar nach Zubereitung zu. Das “also” hat hier einen falschen Bezug. Und ein paar weitere Ungereimtheiten.
Ich halte es jedenfalls mit Prof. Mickan (@1) und wünsche Ihnen, Herr Bastigkeit, und allen Kollegen, die dies lesen,
Salute, amici; auf ein gutes und gesundes Neues Jahr
(und damit das Käsefondue nicht zu schwer im Magne liegt)

#2 |
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Salute, amici.

#1 |
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