Antidepressivum: Passt wie angegossen

11. April 2017
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Welches Antidepressivum Betroffenen hilft, lässt sich bisher nicht voraussagen. Patienten müssen sich häufig einigen Behandlungszyklen mit unterschiedlichen Antidepressiva unterziehen. Nun soll ein Bluttest anzeigen, ob eine Therapie Erfolg hat oder nicht.

Bisher sei die Entscheidung für ein bestimmtes Antidepressivum „nicht viel besser, als eine Münze zu werfen, so Professor Madhukar H. Trivedi vom Center for Depression Research and Clinical Care (CDRC) in Texas. Patienten reagieren ganz unterschiedlich auf Antidepressiva. Bei ungefähr einem Drittel zeigt das erste verordnete Antidepressivum keine Wirkung. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Wirksamkeit grundsätzlich erst nach vier bis sechs Wochen kontinuierlicher Einnahme herausstellt.

Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass Patienten sich einigen Behandlungszyklen mit unterschiedlichen Antidepressiva unterziehen müssen, bevor ein passendes Medikament in der geeigneten Dosierung gefunden ist. Abgesehen von den damit verbundenen Kosten führt dies zu langwierigem Leiden sowie zu einem erhöhten Suizidrisiko.

Antidepressiva: Mono- oder Kombinationstherapie?

Jetzt ist der Psychiater Trivedi optimistisch, erstmals einen biologischen Marker gefunden zu haben, mit dem sich die Wirksamkeit eines Antidepressivums prognostizieren lässt. Seine Annahme: der Gehalt an C-reaktivem Protein (CRP) im Blut kann die Ansprechrate auf eine Therapie mit dem SSRI Escitalopram voraussagen.

Dass erhöhte Entzündungswerte bzw. ein erhöhter CRP-Spiegel im Blut mit Depressionen einher gehen können, ist seit seit längerem bekannt. Trivedi überprüfte in seiner neuen Studie die Remissionsrate von 106 Patienten mit einer schweren Depression, die mit Escitalopram alleine oder in Kombination mit Bupropion behandelt wurden. Und stellte dabei einen klaren Zusammenhang zwischen CRP-Spiegel zu Beginn und beim Ansprechen der Therapie fest.

Die Studie ergab: Bei Probanden mit hohen CRP- Ausgangswerten (über 1 mg/l) erwies sich die Kombinationstherapie am effektivsten. Darauf sprachen 51 % der Patienten an, bei der Monotherapie waren es 33 %. Umgekehrt wirkte bei Probanden mit einem niedrigem CRP- Ausgangswert (unter 1 mg/l) die Monotherapie besser. Hier betrug die Ansprechrate 57 % im Vergleich zu 30 % der Patienten in Kombinationsbehandlung. Welche Therapieform für den jeweiligen Patienten potenziell geeignter ist, ließ sich unkompliziert feststellen. Dazu musste nur etwas Blut aus der Fingerbeere entnommen werden.

Vorteile personifizierter Therapie

Trivedi glaubt, dass depressive Patienten mit einer personalisierten Therapie motivierter sein könnten, die medikamentöse Behandlung fortzuführen und die Therapie nicht vorschnell abzubrechen. Das Aufgeben sei laut Trevedi ein zentrales Symptom dieser Krankheit. Eine biologische Erklärung könne den Betroffenen mit schwerer Depression zumindest helfen zu verstehen, warum die erste Therapie nicht erfolgreich verlief.

Die Ergebnisse deuten für Trivedi darauf hin, dass der simple CRP-Test unkompliziert in der Praxis  eingesetzt werden könnte. Das würde die Wahl eines passenden Antidepressivums erleichtern.  In einer Studie des Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) konnten Wissenschaftler zudem einen biologischen Marker für das Antidepressivum Paroxetin identifizieren. Sie zeigten, dass zwischen Glutamat- und Ubiquitin-Proteasom-Signalwegen und der Reaktion auf das Medikament ein direkter Zusammenhang besteht.

Originalpublikation:

Can C-reactive protein inform antidepressant medication selection in depressed outpatients? Findings from the CO-MED trial

 

31 Wertungen (4.39 ø)
Bildquelle: Liza, flickr / Lizenz: CC BY

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14 Kommentare:

Gast
Gast

@#13 Wenn ich einen Bandscheibenvorfall hätte, dann ruft mein Hausarzt direkt beim Orthopäden an, da habe ich den Termin drei Tage später und man vertröstet mich nicht auf in Sechs Wochen mit Schmerzmitteln.

zu Depression siehe: #9. Das war der DGPPN Kongress. Die halten dann schon die “Koryphäen” die Vorträge.

habe aber auch noch andere Links:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/926226/kritisch-hinterfragt-bringen-psychopharmaka.html

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/926708/60-jahre-stillstand-psychiatrische-therapie-tritt-stelle.html

Sind das auch Laien ?

Und Antidepressiva machen noch ein Problem dazu.
Siehe:
http://adfd.org/

Bin ich selber Psychologe. Und fit in Methoden, Evaluation und Statistik. Bei vielen Studien die ich gelesen habe, da stehen mir nur die Haare zu Berge.

#14 |
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Ärztin
Ärztin

Oh ja Massagen noch vor der Bildgebung… tolle Idee. Das ist genau der blinde Aktionismus den Sie anderen vorwerfen. Wie soll denn ein Physiotherapeut oder Masseur die richtige Therapie durchführen wenn noch nicht einmal klar ist wo das Problem liegt? Keiner der Ahnung hat wird einfach riskieren in einen frischen Bandscheibenvorfall hineinzukneten und womöglich dadurch alles noch schlimmer zu machen… Solche Therapien sind wie ich bereits sagte erst sinnvoll wenn die Ursache klar ist (also bei diesem Beispiel erst NACH dem MRT) aber bis dahin sind lindernde Maßnahmen erforderlich (die kein Verletzungsrisiko bringen). Und genauso verhält es sich bei Depressionen, natürlich kann ein AD keine finanziellen Probleme lösen oder Depressionen heilen, aber es kann Linderung der Beschwerden verschaffen bis die Ursache identifiziert und behoben wurde-falls möglich. Sie haben das was ich geschrieben habe offenbar weder gründlich gelesen noch verstanden. Ich dachte dieses Portal dient dem Austausch von fachlich Interessierten… Aber bitte, verbreiten Sie Ihre Laienweisheiten und die damit verlinkten “Quellen” die Sie vermutlich auch nur überflogen haben ruhig weiter… gegen diese Kombination aus Halbwissen, Sturheit, Gesprächsverweigerung und Voreingenommenheit ist leider kein Kraut gewachsen. Ich bin hier raus.

#13 |
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Gast
Gast

# 11 Das Problem ist bei Antidepressiva, dass bei den meisten die Wirkung auf Placeboeffekt beruht mit dem Effekt der Abhängigkeit.

http://www.deutschlandradiokultur.de/antidepressiva-aehnlich-wirksam-wie-placebos.976.de.html?dram:article_id=377937

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/25/depressionen-psychotherapie-antidepressiva-serotonin-medikamente

Mit Tabletten lassen sich keine Probleme aus der Welt schaffen.Und seit wann behandelt man finanzielle Probleme mit Psychopharmaka. Des Weiteren gilt Keine Wirkung (Depression) ohne Ursache.
im Übrigen siehe #9

Zu Rückenschmerzen:
Da geht Symptomlinderung aus eigener Erfahrung auch Anders, z.B. Krankengymnastik oder Massagen und nicht Tabletten.
Der Schmerz zeigt immer an das was nicht stimmt.

Erst die Gesundheit an die Wand fahren und dann anstatt an die Ursache gehen, mit Psychopharmaka Symptome verschleiern. Der Herzinfarkt lässt grüßen. Das ist wohl der Zeitgeist. Schöne neue Welt.

#12 |
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Ärztin
Ärztin

Wieso reagiert werden muss? Was für eine merkwürdige Frage… Eine Depression ist eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung. Man muss die Symptome lindern da sie erheblichen Leidensdruck verursachen und im schlimmsten Fall zum Suizid führen. Die Ursache zu finden und zu beheben wäre natürlich optimal aber selbst wenn es eine identifizierbare Ursache wie z.B. Eisenmangel oder Hypothyreose oder finanzielle Probleme usw. gibt dann dauert es womöglich Wochen oder Monate das zu behandeln (und in vielen Fällen wird keine behandelbare Ursache gefunden…). Was soll der Patient bis dahin machen?

Symptome zu lindern gehört zu einer Behandlung dazu. Stellen Sie sich vor Sie suchen wegen Rückenschmerzen den Orthopäden auf und bekommen zur Ursachenabklärung einen MRT-Termin in 6 Wochen (also relativ schnell), was würden Sie davon halten wenn in dieser Zeit keinerlei Symptomlinderung erfolgen würde… zumindest ein Schmerzmittel für den akuten Bedarf wäre dann wohl auch kein “blinder Aktionismus” oder?

#11 |
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Gast
Gast

#6 wieso muss in “irgendeiner” Art reagiert werden. Blinder Aktionismus hat noch nie etwas geholfen, sondern Ursache finden und diese beseitigen. Und die ist in den wenigsten Fällen zu wenig Serotonin.

#10 |
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Gast
Gast

#6 auf einem dgppn Kongress vor wenigen Jahren wurde ein Studie vorgestellt.
Antidepressiva vs.
Psychotherapie vs.
Gespräche mit einem guten Freund.
Was glauben Sie was rausgekommen ist.
Wohl dem der einen guten Freund hat.
wie stand mal in der FAZ: Das Problem beginnt dann wenn Anspruch und Realität in einen unauflösbaren Widerspruch geraten sind.
Natürlich gibt es auch Depressionen die körperlich bedingt sind. Das sind aber die Wenigsten.

#9 |
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Ärztin
Ärztin

Manchmal ist man leider gezwungen sich mit der bestmöglichen Behandlungsmethode zufrieden zu geben, weil einem nun einmal keine bessere zur Verfügung steht. Es gibt in der Medizin leider nur wenige Behandlungen die eine 100% Erfolgsquote aufweisen (z.B. Appendektomie > nach der OP wird der Patient mit 100%-Sicherheit nie wieder eine “Blinddarmentzündung” haben)…

Leider steht zur Behandlung von Depressionen solch eine Methode nicht zur Verfügung. Von den zusätzlich zu anderen ambulanten und stationären Therapieangeboten (Psychotherapie, usw) verfügbaren Medikamenten ist leider bei keinem eine derartige Erfolgsquote zu erreichen. Aber natürlich muss man seinem Patienten helfen, also beginnt man indem man es mit einem Medikament versucht das statistisch gute Erfolge bei verhältnismäßig guter Verträglichkeit verspricht… wenn der Patient dann zu den in diesem Fall 30-50% gehört kann man die Dosis steigern, bei gutem Erfolg ein paar Monate therapieren und im besten Fall nach ausgestandener Episode wieder ausschleichen. Wenn nicht, dann muss man von vorne beginnen und ein anderes Präparat versuchen… das ist frustrierend für Patient und Arzt aber für die meisten findet man etwas passendes…

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

Gast 6 “Es muß ja schließlich in irgendeiner Weise reagiert werden. ” Ja, aber blinder Aktionismus ist auch nicht zielführend.
Die Wirksamkeit von AD ist wohl auch hier im Forum, wenn ich mir Antwort 2 und 3 betrachte ( übrigens Danke an Dr. Peveling und @Ärztin ) höchst umstritten.

#7 |
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Gast
Gast

Gast 4 und 5. Das sind überflüssige Bemerkungen. Es muß ja schließlich in irgendeiner Weise reagiert werden. Um solche Kritik ernst zu nehmen, erwahrte ich sinnvolle Alternativvorschläge.

#6 |
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Gast
Gast

Ein angegossenes Plazebo mit Suchtcharakter, ach nein das nennt man da ja nicht Entzugsymtome sondern Absetzsyndrom.

#5 |
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Gast
Gast

Sie Nebenwirkungen sind erheblich!

#4 |
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Ärztin
Ärztin

Nein, das haben Sie nicht richtig verstanden. Bei den 30 bzw 50% handelte es sich um das Ansprechen auf Monotherapie mit Escitalopram bzw. Kombination mit Bupropion mit jeweils hohem oder niedrigem CRP-Wert. Das bedeutet die Ergebnisse beziehen sich lediglich auf diese(s) Medikament(e) und nicht auf alle Antidepressiva, und bei einer so niedrigen Probandenzahl (106) ist die Aussagekraft ohnehin stark eingeschränkt. Den übrigen 50-70% hätte oder hat dann eventuell ein anderes Präparat geholfen, das wurde hier nicht überprüft bzw. erwähnt.

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In etwa ist es leider immer noch so.

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Nichtmedizinische Berufe

Verstehe ich es richtig, dass die Ansprechrate auch unter günstigen Bedingungen bei AD nur zwischen 33 und 57% liegt? Das heißt, jeder Zweite hat nur Nebenwirkungen und gar keinen Hauptnutzen?

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