Sind Streber die besseren Ärzte?

20. April 2017
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Nur noch die allerbesten Abiturienten bekommen einen der begehrten Studienplätze für Medizin. Fraglich ist, ob die Einserschüler letztendlich auch die besseren Ärzte sind. Außerdem bleibt zu klären, ob dieses System dem Ärztemangel entgegen wirken kann.

War noch vor einigen Jahren an manchen Universitäten eine 1,2 oder 1,1 im Abiturzeugnis ausreichend, um direkt zum Studium zugelassen zu werden, steht bei den glücklichen Studenten, die im letzten Jahr direkt ihr Studium beginnen durften, in der Regel nur noch eine glatte 1,0 in ihrem Abschlusszeugnis. Nur die absolute Elite bekommt also direkt nach dem Abitur einen Medizinstudienplatz über die sogenannte Abiturbestenquote, nach der 20 % der Studienplätze vergeben werden.

Alle anderen müssen entweder warten oder den Weg über das Auswahlverfahren gehen. Hierbei können die Hochschulen selbst nach eigenen Kriterien ihre Kandidaten auswählen. Es werden jeweils 60 % der Studienplätze nach diesem Verfahren vergeben. Jedoch zählt zu diesen Kriterien in der Regel, und das meist zu keinem geringen Anteil, auch wieder die Abiturnote oder die im Abitur erreichte Punktzahl. Schüler mit einem schlechteren Abitur von beispielsweise 1,9 müssen sich gegenüber den Konkurrenten mit besserer Abschlussnote deutlich stärker ins Zeug legen, um noch eine Chance auf den ersehnten Studienplatz zu haben.

In der Warteschleife fürs Studium

Hat letztendlich alles nichts geholfen und war auch das Auswahlverfahren erfolglos, bleibt nur noch das Warten. War zum Wintersemester 2014/2015 noch eine Wartezeit von 12 Semestern, also eine Dauer von sechs Jahren, ausreichend, so mussten die zukünftigen Studenten im letzten Wintersemester bereits 14 Wartesemester vorweisen, um einen Studienplatz zu erhalten. Das sind sieben Jahre Wartezeit, in denen die Kandidaten kein anderes Studium beginnen dürfen und die irgendwie überbrückt werden wollen. Viele junge Menschen nutzen diese Zeit, um sich in einem medizinischen Ausbildungsberuf auf ein Leben in der Medizin vorzubereiten. Doch der Wunsch, Arzt zu werden, muss schon groß sein, um so lange bei der Stange zu bleiben und den Traumberuf nicht aus den Augen zu verlieren.

Eliteschüler – die besseren Ärzte?

Diverse Studien bestätigen, dass Schüler mit einer sehr guten Abschlussnote in der Regel auch im Studium gute Noten vorweisen und dieses zumeist in der Regelstudienzeit absolvieren. Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, dass sie auch automatisch Fähigkeiten besitzen, die speziell im klinisch-praktischen Bereich gefordert werden. Vollkommen logisch eigentlich. Nur weil bei einem Schüler eine 1,0 im Abizeugnis steht, heißt das schließlich noch lange nicht, dass er auch gut mit Menschen umgehen kann, in der Lage ist, komplizierte medizinische Sachverhalte verständlich zu erläutern oder besonderes, handwerkliches Geschick beim Operieren eines Patienten aufweist.

In einem Interview äußert sich der Facharzt für Allgemeinmedizin sowie allgemeine Chirurgie und Leiter einer Lehrpraxis, Mathias Sander, zu dieser Thematik: „Ich denke, dass für den Bereich Forschung und wissenschaftliches Arbeiten schon eine qualitative Voraussetzung gegeben sein muss, die sich meines Erachtens durchaus in der Abiturnote darstellt. Insofern sollte auf jeden Fall ein Teil der zugelassenen Studenten über die Abiturnote zugelassen werden. Für die Arbeit am Patienten spielen allerdings weitere Qualitäten eine wichtige Rolle, die sich wiederum nicht in der Abiturnote darstellen lassen. Hier wäre es eine wesentliche Aufgabe der Politik, einen Kriterienkatalog zu erarbeiten mit einer entsprechenden Gewichtung, je nach angestrebtem Berufsziel in der medizinischen Versorgung.“

Ärztemangel als Resultat der Auswahlkriterien?

Angesichts des aktuellen Ärztemangels, besonders im ländlichen Bereich, stellt sich die Frage, ob das derzeit angewandte Auswahlverfahren wirklich sinnvoll ist.
Denn wollen diese Eliteschüler, die jahrelang mit Ehrgeiz und Fleiß für eine Top-Abiturnote gekämpft haben, sich dann später wirklich mit einem Job in der Landarztpraxis zufrieden geben? Forschung und Klinik locken mit Geld und Karrierechancen. Als Landarzt sehen die Perspektiven heute teilweise deutlich weniger rosig aus.

Dies bestätigt auch Allgemeinmediziner Mathias Sander, der selbst eine Lehrarztpraxis in ländlichem Gebiet betreibt und mit der Problematik des Landarztberufes vertraut ist: „Natürlich haben die Auswahlkriterien einen Einfluss auf die ärztliche Versorgungsstruktur und auch auf die ärztliche Standespolitik, die untrennbar mit der Versorgungsstruktur verknüpft ist. Zunächst einmal müsste es tatsächlich ein von der GKV und der Politik getrenntes, wirklich freies Ärzteparlament in der gesetzlichen Krankenversorgung geben.“

„Zudem sollte eine Reform der ärztlichen Vergütung stattfinden, so dass es eine grundlegend gleiche Vergütung (Arztstunde ist Arztstunde und ist allen Ärzten gleich zu entlohnen) für alle Ärzte gibt, gemäß eines einheitlichen Stundenlohns, der dann um qualifikationsgebundene Boni erweitert werden kann. Grundsätzlich sollte eine gute qualifizierte Arbeit auch tatsächlich angemessen bezahlt werden, was zur Zeit nicht passiert. Es ist nicht zu begreifen, warum ein Radiologe mit einer 5-jährigen Facharztausbildung bei geringerer Arbeitszeit deutlich mehr verdient als ein ländlicher Hausarzt mit ebenfalls 5-jähriger Facharztausbildung und doppelt so langer Arbeitszeit. Auch muss eine andere Regelung zur Mengensteuerung der Medikamentenverordnungen gefunden werden, als die ständige Bedrohung der Ärzte mit Regressen und Budgetierungen. Keine andere Berufsgruppe, außer vielleicht die Landwirte, wird dermaßen gegängelt und geknebelt. Solange diese Missstände nicht abgeschafft sind, werden sich viel zu wenig Medizinstudenten für eine Patientenversorgung auf dem Land entscheiden,“ sagt Sander.

Auswahlkriterien neu überdenken

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Frank Ulrich Montgomery, stellt den Status Quo infrage und erklärt in einem Statement: „Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen ausgewählt werden, die hinterher auch in der Versorgung der Bevölkerung arbeiten wollen. Die Abiturnote allein reicht da nicht. Für das Auswahlverfahren bei der Studienplatzvergabe in der Medizin sollten neben der Abiturnote weitere Kriterien herangezogen werden. Dazu zählen unter anderem psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement, besondere naturwissenschaftliche Kenntnisse und einschlägige Berufserfahrung. Die Universitäten sollten hierfür objektive und transparente Auswahlverfahren nach bundeseinheitlichen Kriterien durchführen, die wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden. In diesem Punkt müssen die Universitäten finanziell unterstützt werden.“

Auch der Allgemeinmediziner Mathias Sander hält die Auswahlkriterien für ausbaufähig: „Ich denke, dass es sehr wichtig ist, weitere Auswahlkriterien wie gerade auch soziale Kompetenz, Empathiefähigkeit, aber auch Entscheidungsfähigkeit, problemorientiertes Denken und Handeln und eben auch feinmotorisches Geschick, räumliche Vorstellungskraft und Kreativität in den Vergabemodus mit einzubeziehen.“

88 Wertungen (4.1 ø)
Bildquelle: Daniel Huntley, flickr / Lizenz: CC BY-SA
Humanmedizin, Medizin, Studium
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79 Kommentare:

Ärztin
Ärztin

@ Fr. Waldmann: mit ihrem Kommentar haben Sie die Situation hervorragend zusammengefasst. Wie ich bereits anmerkte liegt ein gewaltiges Problem in der hohen Abbruchquote während des Studiums. Um den Ärztemangel zu beheben brauchen wir weder mehr Studienplätze, noch abgeworbene Mediziner aus dem Ausland. Es würde schon reichen unseren eigenen Studenten die immerhin viel auf sich nehmen mussten um ihren Studienplatz zu ergattern eine angemessene Ausbildung mit einer realistischen Einführung in das Berufsleben zu ermöglichen. Obwohl es bei mir schon ein paar Jahre her ist kann ich mich sehr gut an diese frustrierenden Zustände erinnern. Wieviele tolle, motivierte, hochintelligente und begabte Arztkollegen könnte ich heute an meiner Seite wissen die leider durch die von ihnen beschriebenen Umstände aus dem Studium vergrault wurden und ihren Traumberuf aufgegeben haben ohne ihn jemals wirklich kennen zu lernen? Ich kann nur allen raten für jedes Praktikum den Einzugsbereich der Großstadtunikliniken zu verlassen und sich in die Peripherie zu begeben. Hier ist meiner Erfahrung nach wirkliches praktisches Lernen unter der Obhut hochmotivierter Tutoren möglich. Das Studium ist tatsächlich in vielen Punkten etwas das man einfach nur überstehen muss um dann erst mit der richtigen Ausbildung anfangen zu dürfen… durchhalten! Es lohnt sich.

#79 |
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Mariebelle Waldmann
Mariebelle Waldmann

Unter den Talaren – der Muff von … Jahren
Ich selbst stehe im Moment am Ende meines Medizinstudiums, kurz vor dem mündlichen zweiten StEx. Habe meinen Studienplatz über das Losverfahren erhalten, zuerst nur bis zum Physikum, in einem zweiten Losverfahren dann einen vollen Studienplatz. Ein unglaubliches Glück, denn mein NC hätte niemals gereicht. Nun habe ich aber dennoch fünf Jahre lang auf dieses Glück gewartet, ein anderes Studium kurz vor dem Abschluss abgebrochen und alles auf eine Karte gesetzt.
Nur um dann festzustellen, das Studium ist aber eben für Leute mit 1,… geschaffen. Praktische Fähigkeiten interessieren auch innerhalb des Studiums nicht oder nur marginal. Im Lehrplan steht zwar das Wort “Praktikum”, aber -Hand auf Herz- wieviel praktische Übung hat man tatsächlich? Da in den meisten Häusern kein Arzt für die Lehre freigestellt wird, sondern dieser das neben seinem Klinikalltag managen muss, wartet man dann zwei, drei Stunden auf dem Flur darauf, dass jemand kommt, nur um dann mit einer Unterschrift auf der Anweseheitsliste aber ohne Praxis wieder nach Hause zu gehen.
Warum also sollte man da praktische Fähigkeiten voher zum Auswahlkriterium machen? Solange die Leerinhalte so konfiguriert sind, sehe ich keinen Sinn darin. Es wird daran festgehalten, dass man, um Medizin parktizieren zu dürfen, am Besten umfassende Kenntnisse in theoretischer Physik sowie anorganischer Chemie haben muss (die dann auch noch zu den Rausschmeißer-Fächern gemacht werden, wäre es Physio oder Anatomie, hätte ich es noch verstanden). Des weiteren wird im Unterricht und in jedem Lehrbuch das ohnenhin schon uferlose medizinische Wissen mit nutzlosen therapeutischen Methoden von vor 30 Jahren ergänzt, die dann auch noch in den Staatsexamina abgefragt werden. Das selbe gilt für rein theoretische Anwendungen, die in der Realität niemals umgesetzt werden. Anstatt das Wissen über die wichtigsten und häufigsten Erkrankungen zu prüfen, werden Themen breitgetreten, die man in seiner Arztlaufbahn vielleicht ein bis zwei mal erleben wird (außer natürlich man arbeitet in einem speziellen Zentrum). Das führt dazu, dass man im PJ quasi vor dem Nichts steht und sich ernsthaft fragt, wozu man in den letzten fünf Jahren Tag und Nacht gepaukt hat – und was man da eigentlich gelernt hat.
Dazu kommen Kommilitonen, von denen ein Großteil das Studium aus Prestigegründen ergriffen hat(wobei das natürlich keiner jemals zugeben würde). Wer einen Doktortitel für sein Ego braucht, ist hier in sehr guter Gesellschaft. Querdenken und Hinterfragen, sowie das Blicken über den Tellerrand in Richtung alternativen medizinischen Möglichkeiten wurden mir als “gefährlich” bescheinigt. Der Idealismus, der Grund, weshalb ich mit dem Studium begonnen habe, ist mir dann im PJ endgültig ausgetrieben worden.
Bis dahin konnte ich mir noch einreden: die Patientenzufriedenheit zählt. Völliger Schwachsinn. Was zählt, ist ökonomisches Arbeiten – was im Klartext heißt: kurze Hospitationszeiten, maximale Auslastung der Strukturen und jedes einzelnen Mitarbeiters sowie das Diagnostizieren von gut vergüteten Erkrankungen nach DRG-System(ob sie nun zutreffen oder nicht). Wer Zeit beim Patienten kurz hält, gewinnt. Die wird lieber in die Bettenplanung mit den Case-Managern investiert, die jeden Tag mit der Peitsche hinter einem stehen und darauf verweisen, dass heute noch mindestens sechs Betten gebraucht würden und wer denn endlich entlassen werden könne. Eine Entmenschlichung ohne gleichen – von Patienten wie Ärzten. Kein wunder dass das Studium da so viel abverlangt, der zukünftige Sklave muss schließlich indoktriniert werden. Ethische Werte sind da nur hinderlich.
Fazit ist: die oberste Maxime im Bereich der Medizin ist Leistung. Und die bringt ein Einserkanditat nun mal eher als einer, der schlechtere Noten hat.
Ach, und wer wagt, das zu bemängeln, wird von den Kollegen als Beschmutzer des Arztethos deklariert, als Memme. Als jemand, der einem besseren Kanditaten den Studienpatz weggenommen und damit dem System Schaden zugefüg hat.
Anstatt die Lage kritisch zu betrachten, werden solche Werte und Maximen von den Studenten als Maßstab akzeptiert und noch schlimmer – sie gängeln sich dafür sogar gegenseitig. Wer mit 40 noch keinen Burnout hatte, ist schließlich kein richtiger Arzt.
Dieses Studium zu beginnen erfordert großen Mut, vorallem von Leuten, die nicht die Traumnoten von 1,… haben. Ich kann jedem, der zu dieser Kategorie gehört, nur raten, sich das wirklich gut zu überlegen.

#78 |
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Dr. med. Gernot Dr. Eysselein
Dr. med. Gernot Dr. Eysselein

Dr. Eysselein, Arzt im Ruhestand

Erfahrung nach 40 Jahren Berufstätigkeit:
Einser-Streber sind nicht das Holz aus dem Ärzte geschnitzt sind!
Empathie, Einsatz, Sensibilität und Gespür für Kranke können
nicht mit Noten abgebildet werden!
Die Meisten bleiben Mediziner, zum Arzt reicht`s selten!

#77 |
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Ärztin
Ärztin

Ich glaube kaum dass der Ärztemangel durch mehr Studienplätze oder das Abwerben ausländischer Mediziner zu beheben ist. Ich sehe das Problem auch zugespitzt durch die Fluktuation während des Studiums: wenn in manchen Universitäten von 700-900 Erstsemestern gerade einmal ein Viertel oder ein Drittel den Abschluss in der Regelstudienzeit schafft dann spricht das entweder für gravierende Defizite bei der Lehre oder der Auswahl der Studenten. Ich weiß nicht wie hoch die Abbruchquote bei Studenten mit NC-Zulassung im Vergleich zu denen ist die ihren Platz über die Wartezeit erhalten haben, aber ich persönlich war nach mehreren Jahren Wartezeit und Ausbildung in Krankenpflege hochmotiviert und konnte das Studium trotz Durchschnittsabi in der Regelstudienzeit beenden… und arbeite nun dauerhaft in der Klinik.

#76 |
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juliane fiebig
juliane fiebig

Dieser Numerus clausus zeigt, dass sich die Mär vom schönen Arztberuf hält. Leider sind Arbeitszeiten, Arbeitsatmosphäre, Entlohnung und soziale Anerkennung des Berufes oft nicht den Erwartungen entsprechend. Darüber sollten junge Studienanfänger sachlich informiert werden…

#75 |
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Gast
Gast

Die Noten in der Schule können kaum die notwendigen Kompetenzen der Schüler darstellen. Nehmen wir beispielsweise Kunst oder Sport. Hier zu bewerten ist einfach nicht gerecht, da es eine Sache des Könnens ist. Ebenso ist es mit Mathematik, Deutsch oder Fremdsprachen. Meiner Meinung nach ist das Bildungssystem nur darauf aus, eine willkürliche Einteilung der Leistungen eines Schülers vor zu nehmen ohne die tatsächlichen Fähigkeiten jener in Betracht zu ziehen. Ich seh es beispielsweise jeden Tag, wie man neue Studenten oder Ärzte im Dienst hat und diese zwar fachlich aber nicht sozial kompetent sind und auch den Patienten gegenüber nicht mal einen Spaß verstehen.

#74 |
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Gast
Gast

Regress hat keine Obergrenze. Kriminelle Delkte hingegen haben eine Höchststrafe, sonst könnte man nach den Regeln im deutschen Gesundheitssystem für einen Ladendiebstahl lebenslänglch verhängen.

#73 |
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Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

Das Leben schreibt die Noten. Pädagogen schreiben die Ersten und bewerten Lebensabschnitte mit ihren Erfahrungen bezüglich Sprache, Literatur, Selbstdarstellung, Naturkunde und Gedächtnis in wenigen Zahlen. Das Engagement, der Aufopferungswille, der Durchsetzungswille gepaart mit neugieriger Aufmerksamkeit für Details können dann im Studium und Praxis nur angestoßen werden. Der Umgang mit Kollegen, Mitarbeitern, Patienten und deren Angehörigen ist die Krönung der Berufung in aller Bescheidenheit.

#72 |
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Gast
Gast

Wir müssen uns von den Klischees lossagen.

In dieser Debatte kommen Argumente zu kurz. Stattdessen wird zwischen beiden Seiten polarisiert und mit zu simplen Sinnbildern die Wahrheit verzerrt: Die elitären 1,0er auf der einen Seite und die stets sozialkompetenten Wartezeitler auf der anderen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.
Dieser Artikel bildet hierbei keine Ausnahme, wobei hier erstere Gruppe ihr Fett abbekommt: Wenn man bereits im Titel den Begriff “Streber” benutzen muss, wird klar, wohin die Reise geht.
Auch die folgende Argumentationskette bedient sich geschickt dem rhetorischen Mittel der Übertreibung. So wird postuliert: Studenten bräuchten nun zwingend eine 1,0 ,um zum Studium zugelassen zu werden. Wer die Auswahlgrenzen des letzten WS und von diesem SS kennt, stellt sofort fest, dass das Quatsch ist. Mit eine geschickten Bewerbung hat man auch mit 1,3 noch beste Chancen auf einen Studienplatz. Mein Freund ist zum SS 16 z.B. mit 1,4 hereingekommen, ein anderer per TMS mit Abi von 1,9. Frankfurt hatte im WS 15 sogar einen NC von 1,5. Es stimmt zwar, dass die Auswahlgrenzen nicht unbedingt sinken. So weit wie im Artikel behauptet wird, sind wir aber noch lange nicht. Und fast sämtliche die Unis, bei denen eine 1,1 nicht mehr ausreicht, geben auf den TMS eine Bonierung von 0,6-0,8 auf die Abinote, sodass man dort die Abinote nicht als ausschlaggebenden Maßstab für den NC definieren kann.
Auch ist es falsch, dass man als 1,0er automatisch schon einen Studienplatz hat, da in der 1. Stufe der Abiturbestenquote meistens unter allen Bewerbern eines gleichen Schnitts gelost werden muss, unabhängig von der Punktzahl der HZB. Wird man nicht gezogen, hat man halt Pech gehabt.

Stattdessen die gleiche Leier: Soziale Kriterien hier, Auswahlgespräch da. Am besten noch den Inbegriff des praktischen Arztes in Form eines Allgemeinmediziners zu Wort kommen lassen. Schön und gut, praktische Ärzte sollten jetzt nicht unbedingt eine Sozialphobie aufweisen. Aber ein System, das auf diesen Kriterien fußt, bietet der Willkür freien Lauf. Nicht nur, dass es extrovertierte Menschen extrem bevorzugt – ich stelle mir ernsthaft die Frage, wie man das objektiv testen möchte. Wer so ein Gespräch schon erlebt hat, dem wird klar, dass Heuchelei oft mehr geschätzt wird als ein ehrliches Leben. Nur noch kurz die Welt retten – Sozialkompetenz ist nichts, was man innerhalb eines Nachmittags unter Beweis stellen kann. Persönlichkeiten, die scharf auf Karriere sind, werden sich auch hier mit einem hohen Prozentsatz durchsetzen können.

Deutschland ist bezüglich seiner Auswahlkriterien ein tolerantes Land. Die Wartezeit als System bevorzugt erfahrene Berufsleute wie kaum woanders (vergleicht das mal mit der Schweiz oder USA). Und die Zulassungen in dieser Quote übersteigen schon längst die angestrebten 20%, weil sie Zuschlag durch nicht vergebene Vorabquoten bekommt. Und das eigentlich immer, wenn man sich die Zulassungszahlen ansieht.

Trotzdem: Die Wartezeit dauert qualvolle 14 Semester. Das ist bisheriger Höchststand. Und ich habe großen Respekt vor den Leuten, die sich nach solch einer Distanz noch ins Studium wagen. Aber Warten wird immer eine bestimmte Gruppe der Bewerber müssen, egal ob der NC nun bei 1,8 oder bei 1,3 liegt. Oder falls andere Kriterien nun einen neuartigen NC definieren sollten. Auf einen Studienplatz kommen fünf Bewerber. Wir bräuchten mehr Studienplätze. Das kostet Geld, das keiner hergeben will. Also erfinden wir den Klassenkampf neu, um politisch Stimmung zu machen. Der Masterplan in seiner jetzigen Form lenkt von dem eigentlichen Problem ab. Leider bleiben auch die Fachschaften der Studenten sehr einseitig. Und klar: Das System ist nicht perfekt, da lässt sich gut was ändern. Aber wir brauchen Argumente, Daten, Fakten, Zahlen, gute Recherchen, Objektivität… Da war der Artikel doch zu tendenziös. Aber nur meine eigene Meinung.

#71 |
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Gast
Gast

Mein Fazit nach 7 Jahren warten auf den Studienplatz und jetzt im 10. Semester. Schwer reinzukommen, einfach abzuschließen (wenn man es schafft sich mit Mitte-Ende 20 nochmal auf den Studentenstatus einzulassen und nicht schon Kind und Frau und geleastes Auto hat sondern ein leben vergleichbar mit dem eines Studenten führt und sich dementsprechend auf das Studium konzentrieren kann).
Was man braucht ist fleiß und ein bisschen Verstand. Vom einen mehr vom anderen weniger ist egal, aber machbar für jeden Durchschnittsgymnasiasten, der es ernst meint. Das Stichwort lautet Motivation!

Warum es trotzdem Ärztemangel gibt ist ein konservativ-elitäres Problem und der Unwillen sich von veralteten Traditionen zu lösen.
Ich mache in meinen Praktika immer gute Erfahrungen und kriege ausschließlich positives Feedback für meine Sozial- und Teamkompetenz von Patienten und zukünftigen Kollegen und konnte mir so schon den einen oder anderen lukrativen Nebenjob an Land ziehen.
Das hat aber noch nichtmal was mit meiner Ausbildung zu tun, so war ich auch schon immer. Nur halt nicht auf gute Noten aus (außer in den 1-2 Fächern die mich wirklich interessieren und auf die ich mich später spezialisiere) ich denke das ist ökonomisch und nachhaltig – viel hilft viel ist das gegenteil…).

#70 |
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Gast
Gast

Finde des sehr Begrüßenswert, was hier beschrieben wird.
Die Auswahlkriterien wurden bisher nach dem Kausalzusammenhang: Gute Note Schule -> Gute Note Studium gerechtfertigt.
Wenn man ein bisschen logisch darüber nachdenkt, findet man heraus, dass damit gezeigt wird, dass schüler die nach guten noten streben auch im studium nach guten noten streben aber nicht ob sie das Studium schaffen oder ob sie später im Arztberuf erfolgreich sind.
Was oft vergessen wird, ist dass die Vergleichsgruppen nicht gleich groß sind, und außerdem, dass innerhalb des Studiums die Noten stark divergieren.
Die Studien, die das alles Rechtfertigen haben nicht unbedingt einen hohen Evidenzgrad – Wo kein Kläger, da kein Richter.

Grundsätzlich gibt es auch im Medizinstudium Leute die auf “gute Noten” lernen und Leute die auf “bestehen” lernen. Und dazu leute die auf “Kompetenz” lernen.
Fakten für eine Klausur auswendig zu lernen ist nicht immer sinnvoll und führt zu Kompetenz wenn man nach 4-5 Jahren Studium verstanden hat, dass man die Tabelle eine woche nach der Klausur wieder vergessen hat – das klingt unökonomisch. Vorallem wenn sie aus einem Fachbereich kommen in den man sich später nicht begeben wird. Daher gibt es ja verschiedene Richtungen.

Gleichzeitig gibt es dann im Studium diejenigen, die sich 4 Wochen vor den Klausuren in ihr Zimmer einschließen und nichts anderes mehr machen und diejenigen, die sich außerhalb des Studiums orientieren weil es für sie nur auf den Abschluss ankommt und die gängige Meinung vorherrscht, dass man sowieso das wichtigste nach dem Studium lernt.

Und last but not least:
Das Medizinstudium ist, was den gelehrten Stoff angeht zwar Umfangreich aber nicht unbedingt “schwierig” hinsichtlich logischem Denken und dem Verständnis Komplexer Systeme. Es ist in erster Linie Wissensreproduktion. Wissenschaftliches denken fängt für alle erst nach dem Studium oder in der Doktorarbeit oder Freizeit an. (Zumindest wenn man es mit anderen Wissenschaften vergleicht, Natur- aber auch Geisteswissenschaften und Mathematik). Dazu wird nach dem Studium viel über das “machen wir schon immer so Prinzip beigebracht” und während des Studiums und auch beim Examen heißt das Prinzip “Altfragen”.
Das ist nicht immer sehr befriedigend wenn man real wissenschanftlich und differenziert lernen und “gelehrt” werden möchte aber man wartet dann halt bis zu Promotion oder bis zum Arbeiten ob man unter den Bedingungen dann ein “3” in der Klausur über den Fachbereich hat, der einen nach dem Studium nie wieder tangiert oder eine “1” ist einem herzlich egal – zumindest erwirbt man so die wichtige ärztliche Kompetenz, die Grenzen des eigenen Wissens zu erkennen und an kompetentere Kollegen zu überweisen.

#69 |
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Wissenschaftler
Wissenschaftler

Außer, wenn die freie Meinungsäußerung auf Schwachsinn hinweist … .

#68 |
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Gast
Gast

An Wissenschaftler: Jemanden als schwachsinnig zu bezeichnen ist beleidigend und borniert. Freie Meinungsäußerung für Alle.

#67 |
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Gast
Gast

#62 Die schlechten Erfahrungen im Krankenhaus habe ich mit Assistenzärztinnen und einem AssistenzArzt gemacht. Die waren unfreundlich, überheblich und sichtlich überfordert und waren von ihren Fehldiagnosen überzeugt. So was braucht kein hilfesuchender Patient.

#66 |
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Facharzt
Facharzt

Das Landarztproblem wird sich dadurch sowieso nicht lösen. Manager und Parlamentarier fahren dicke Gehälter (+ Spesen, Nebenbeschäftigung, Pensionen und was weiß ich) ein, die als “leistungsgerecht” angepriesen werden, und der G8-Abiturient mit sozialer Ader soll sich mit 17 Jahren dafür entscheiden, sich nach langjährigem Studium als Landarzt in der Pampa von der GKV und KV knechten zu lassen. Würde ich auch nicht machen.

#65 |
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Ärztin
Ärztin

@Gast47: natürlich möchte niemand einen “sympathischen Arzt der keine Ahnung hat”. Das versteht sich von selbst. Mit ihrer Aussage implizieren Sie jedoch dass die spätere Kompetenz und das Fachwissen automatisch dann höher ist wenn jemand ein 1,0-Abitur hat. Und genau das stimmt NICHT. Das Fachwissen wird erst an der Uni erworben und nicht auf dem Gymnasium, und an der Universität gibt es auch gewaltige Unterschiede welches Wissen der spätere Arzt braucht und welches nicht. Das was man braucht um ein guter Arzt zu werden kann man sich mit Fleiß und Disziplin auch dann aneignen wenn man “nur” ein 2er-Abitur hatte. Bei dem was man braucht um ein 1er Examen zu bekommen ist viel unnützer Ballast dabei. Ein 1er-Abiturient der nach dem Studium immer noch problemlos den Citratzyklus auswendig rekonstruieren kann aber den Kopf verliert wenn es drauf ankommt wird keinem das Leben retten, jemand der in kritischen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt und während einer Reanimation schnell und geschickt intubiert und ohne zögern die richtigen Medikamente spritzt hingegen schon. Hier tun manche so als hätte jemand dessen Abinote schlechter als eine 1,3 ist automatisch eine schwere Lernbehinderung. Jemand der mit Fleiß und Disziplin nicht imstande ist das nötige Fachwissen zu verinnerlichen um ein guter Arzt zu werden hätte meiner Ansicht nach wohl auch kein Abitur geschafft. (zumindest gilt das noch für meine Jahrgänge. Bei der heutigen Inflation mit dem G8-Abitur wo es für Außenstehende manchmal so aussieht als bekomme man die Einser fast schon hinterher geworfen kann ich das nicht beurteilen)

#64 |
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Gast
Gast

Na, ja, Ärzte sind auch nur Halbgötter in Weiß und keine Heiligen, die zählen noch zur Gattung Mensch.

#63 |
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Gast
Gast

@ Wissenschaftler: Weil wissen Sie, mir wurde nämlich übel mitgespielt von bestimmten Ärzten….und viele Ärzte sind so wie bestimmte persönliche Feinde von mir in einer bestimmten Klinik….aber es gibt natürlich auch viele Ärzte, und zwar die große Mehrheit in Deutschland, die ich sympathisch finde….

#62 |
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Gast
Gast

Und auch noch erwähnenswert: Wer weiß, welche Personengruppe im Facebook die Selbstdarstellung auf die Spitze treibt?…Richtig! Ärzte! ….und es wird vor allem damit geprahlt, wie toll man ist, weil man ja schließlich Arzt ist und man es schließlich geschafft hat …auch das aus direkter Erfahrung… @ Wissenschaftler: Man wird doch noch seine tiefe Antipathie gegen relevante Teile dieses Berufsstands Kund tun dürfen…

#61 |
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Wissenschaftler
Wissenschaftler

Warum werden solch schwachsinnige Kommentare wie die beiden letzten von Gast überhaupt veröffentlicht? Warum läßt die Redaktion das zu?

#60 |
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Gast
Gast

Ein ebenso anschauliches Beispiel ist der Gigolo-Doc. Ich durfte einmal einen solchen Musterfall erleben: Ein Klinikarzt fand sich in seiner Wirkung auf Frauen so toll, dass er das auch jeden und v.a. Jede wissen ließ und schon die entsprechende Frisur etc.. Er hat dann was angefangen mit einer 36-jährigen Oberärztin…dass diese verheiratet war und 2 kleine Kinder hatte, war ihm natürlich scheißegal…wenn ich in charakterlicher Hinsicht einen gewissen Anspruch an mich selber habe, dann weiß ich, was sich gehört und was nicht… und solche “Typen” dürfte es in der Ärzteschaft auch genügend geben. Ich stelle hier mal ergänzend die Frage: Sind Ärzte mit schlechtem Charakter die besseren Ärzte? …und irgendwie habe ich das Gefühl, das bei Charakter da so manch ein Arzt an das denkt, was in Studentenverbindungen unter Charakter verstanden wird…

#59 |
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Gast
Gast

Ach, und last but not least, Bullies gibt es auch en masse unter Ärzten abseits der Wartezeitquote…. Bullies wie Donald Trump und wie dargestellt im Film “The Gift” …so richtig menschlich abstoßende, aber auf der Karriereleiter meist zumindest einigermaßen erfolgreiche Charakterschweine… wie der böse Bube im Büro, der anderen Leuten vorsätzlich schadet schlichtweg deshalb, weil er es kann…ich habe leider selbst mit entsprechenden Charakteren in der Ärzteschaft an Kliniken Bekanntschaft machen dürfen und spreche daher aus Erfahrung.

#58 |
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Dr. J. Becker, Allgemeinarzt i. R.
Dr. J. Becker, Allgemeinarzt i. R.

Die Auswahlkriterien zum Medizinstudium halte ich für einseitig. Außer den Abiturnoten sollte Kompetenz beim Umgang mit Menschen und handwerkliche Fähigkeiten mit einbezogen werden, wenn man bedenkt, wie viel Ärzte in der Chiruurgie, Orthopädie und anderen mit der Chirurgie betrauten Fächern ihr “Handwerk” ausüben. Auch für den Allgemeinarzt ist eine chirugische Fähigkeit von Vorteil. Wer lange Wartezeiten bis zur Zulassung in Kauf nimmt, hat wohl eher ein helfendes ärztliches Handeln als eine Karriere im Sinn.

#57 |
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Gast
Gast

Ärzte sollten Heiler sein und nicht Dienstleister.

#56 |
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Gast
Gast

Eliten -sind und bleiben Eliten und somit essentiell.
Der Prozentsatz von Eliten-Ärzten sollte marginal bleiben .
Um etwas auswendig zu lernen bedarf es eher weniger Hirnschmalz.
Nur das Geld verlockt – daher die hohen Hürden.
Klassisch gesehen sind Ärzte Dienende -und sollten es auch bleiben !

#55 |
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Wissenschaftler
Wissenschaftler

Ich würde es begrüßen, wenn das Bewerberverfahren je nach Berufsziel “aufgesplittet” werden könnte: Für die wissenschaftliche Laufbahn weiterhin überwiegend via NC, für die praktische ärztlich-klinische Tätigkeit schwerpunktmäßig nach “social skills”. Wenn Jahrgangsbeste letztlich womöglich in der Patientenversorgung in der Peripherie landen, stellt das auch eine gehörige Ressourcenverschwendung dar.

#54 |
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Gast
Gast

Bei den Standpunkten, die hier von Ärzten vertreten werden, und vor allem, die herablassende, eitle Arroganz und der Standes-Dünkel, mit der diese Standpunkte vertreten werden, lassen einen nicht mehr wundern über Ärzte-Bashing in den Medien und durch Patienten und Patienten-Lobby-Gruppen.

#53 |
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Gast
Gast

Diese Auswahl halte ich für Kritisch. 1-ser-Leute sind sich gut aber oft auch einseitig begabt, vor allem nach dem Studium in der Praxis.
Bessere Auswahl währe ein Gruppe mit 1-er und 2-er dazu je ~10 %der
3-er und 4-er
Der “Dr.” sollte in Hintergrund treten, wie in anderen Studiengängen
Ich bin überzeugt wir hätte im Schnitt dadurch die besseren Ärzte!
Das gilt auch für andere Berufsgruppen

#52 |
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Gast
Gast

#49 Die beste Idee des Tages, ein Roboter ist Genial, immer freundlich und macht was die Patienten wollen. Auch tobendes Klientel wird zuvorkommend behandelt, hoffentlich überlebt die Maschine das Alles auch.

#51 |
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Professor Ferdinand Sauerbruch hatte 1855 ein sehr schlechtes Zeugnis! Veröffentlicht in “Medical Tribune” am 24. September 1976 (die meisten Fächer “mangelhaft” (Realgymnasium zu Elberfeld)

#50 |
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Gast
Gast

Wir sollten mehr Geld in die Forschung stecken – damit wir endlich einen perfekten
Roboter – Kollegen bekommen !
Voll vom Strom abhängig -aber variabel programmierbar !

#49 |
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Gast
Gast

Ich halte es für absolut idiotisch, die Aufnahme eines Medizinstudiums vom Notendurchschnitt abhängig zu machen. Es besteht angeblich ein Ärztemangel, der durch ausländische Ärzte, die der deutschen Sprache meist kaum mächtig sind, behoben werden soll. Oft höre ich von meinem Patienten, ich bin 52-jähriger Orthopäde, dass in den Reha-Kliniken entsprechende sprachliche Barrieren zwischen Patient und Ärzten bestehen. Außerdem führt das Abwerben ausländischer Ärzte nur in den Herkunftsrändern zu einem Mangel in der medizinischen Versorgung der dortigen Bevölkerung. Auch dieses ist alles ein Zeichen dafür, kurzsichtig und und überlegt unseren werten Politiker gewisse Probleme behandeln.
Dr. M.Prange aus Celle

#48 |
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Gast
Gast

#44 Da bin ich D’accord, was nutzt mir ein lieber, netter, empathischer Arzt ,wenn er nur an einem rumdoktert und wenig Ahnung hat. Ein guter Hausarzt zeichnet sich dadurch aus, dass er oder sie zu Fachärzten überweißt wenn Dr. mit ihrem Latein am Ende sind.

#47 |
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Gast
Gast

„Ärztemangel“ ist Ausdruck und Erkennungsmerkmal der Wertevorstellung unserer kapitalistischen geldorientierten Gesellschaft. „Ärztemangel“ gibt es deswegen nicht in der („reichen“) Sparte z.B. der Radiologen, sondern nur in der („armen“) Loge z.B. der Hausärzte auf dem Land.

Wer sich als Ärztin oder Arzt aber von der einseitigen Betrachtung des alleinigen Geldes ab und sich einem revolutionäreren System befriedigender Lebensmaxime zuwenden möchte, könnte das gerade auch als Landarzt erproben (z.B. in der Gemeinschaftspraxis „geyer-gromotka-geyer.de“ in Niederbayern |:-))) ).

#46 |
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Gast
Gast

@#32 Rudolf Prösl: Zahnmediziner mögen vielleicht Ahnung haben vom internistischen Bereich, aber leider zu wenig Wissen, leider.

Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen haben nach 22 Semestern und 2 Approbationen fundiertes Wissen als Ärzte und Zahnmediziner und nach weiteren 5 Jahren Weiterbildung und bestandener Facharztprüfung sind sie Fachärzte.

#45 |
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Gast
Gast

Unser chirurgischer Oberarzt war ein gefürchteter Chauvi. Aber alle ließen sich nur von ihm behandeln. Seine spätere Praxis hatte lange Wartezeiten. Warum wohl? Weil er ein Profi seines Fachs war und darauf kommt’s an.

#44 |
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Gast
Gast

Nur die Abschaffung aller !!! NC’ s schafft freie Bildungswahl und eine Chancengleichheit. Studienabbrecher gibt es in anderen Studiengängen auch. Was man haben kann verliert an Attraktivität und es werden sich nur die Studenten durch ein Medizindtudium quälen, die es wirklich wollen und schaffen. Mit der Zeit gehen….junge Menschen brauchen heutzutage länger, bis sie sich im Berufsleben orientieren.

#43 |
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Gast
Gast

#41 Das war bestimmt in Köln in meinem Lieblingskrankenhaus und bei meinem Lieblingschirurgen. Dieser Chefarzt der Chirurgie ist Super Klasse, sehr kompetent, professionell , sensibel und zudem hat er eine hohe soziale Kompetenz. Der würde jeder Frau mit Kindern den Vortritt lassen.

#42 |
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Gast
Gast

Herr Professor, logisch zu denken ist dann schwierig, wenn man eine Schranke im Kopf hat. Männerquote- gehts noch????
Vielleicht könnte man diesen Beruf in Ausbildung und Ausübung so gestalten, daß Frau Ihre Familienplanung locker hinkriegt. Das wäre ja wohl mal eine Überlegung, die dringend anstünde für die Herren Schlips- und Entscheidungsträger.
Meiner 4 Kinder wegen habe ich mir nicht nur bei der Wohnungssuche dumme Kommentare anhören müssen, die Kollegen, bei denen ich mich vorgestellt habe haben sich keinen noch so frauenfeindlichen Kommentar verkniffen. Allerdings wurde ich hochschwanger mit dem 4ten Kind zu meinen Bedingungen in meiner Wunschabteilung eingestellt, sogar das hat es gegeben….

#41 |
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Gast
Gast

14 Wartesemester?? Uns gehen in den Kliniken die Ärtze aus und unser Nachwuchs muss 14 !! Semester = 7 Jahre auf einen Studienplatz warten??? Irgendwie plant hier jemand am Bedarf vorbei. Wahrscheinlich jemand der keine Idee hat, wie es in Kliniken außerhalb von Ballungszentren aussieht…

#40 |
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Gast
Gast

Gruß nach Landshut, Axel… (bzw. Prof. Dr. med. Holstege)…mich will ich von dir übrigens nicht behandeln lassen, Axel..lg

#39 |
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Gast
Gast

Genau, aber den Prof. Dr. als Titel tragen. Da kann man nur den Kopf schütteln.

#38 |
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petra.nothhelfer
petra.nothhelfer

Dem Verfasser des Vorkommentars, der in der heutigen Zeit über eine Männerquote nachdenken möchte, sollte man eigentlich “den Hosenboden langziehen”. Für mich ist dies ein frauenfeindlicher Gedanke. Hoffentlich besitzen Sie keinen universitären Lehrstuhl. Würden die Männer ihre Rolle bei Kinderverantwortung ernst nehmen und die Hälfte des Erziehungsurlaubes beanspruchen, steht jedem ja bekanntlich gesetzlich zu, und würde die Chefärzte dies akzeptieren würden sicher mehr Frauen in den Chefarzt- und Lehrstuhlreihen zu finden sein – aber wie immer muß auch dort die Kandidatin midestens dreimal so gut sein wie ihr männlicher Mitbewerber.
Ein einser Kandidat wird nicht unbedingt ein besserer Diagnostiker oder Therapeut, hat sogar praktisch zwei linke Hände. Alle Zulassen und wie in Frankreich nach einem Jahr Prüfung könnt ein Anfang sei. Alle Praktikas vor Studienbewerbung. Die Schummelquote der Arztkinder im Auswahlgespräch würde auch geringer.
FÄ Allgeimein- und Arbeitsmedizin

#37 |
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Gast
Gast

10 Ärzte und 10 verschiedene Meinungen.

#36 |
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Prof. Dr. Holstege
Prof. Dr. Holstege

Gute Noten bedeuten nicht, dass man automatisch ein schlechter Arzt ist schlechte Noten bedeuten nicht, dass man automatisch ein guter Arzt ist. Ein guter Schüler/Schülerin bietet zumindest einige in unserem Beruf wichtige Eigenschaften (Fleiß, Sorgfalt, ggfs. naturwissenschaftliche Interessen). Die für einen Arzt wichtigen Eigenschaften wie Empathie und Fürsorge werden im Abitur nicht geprüft.
Gymnasiastinnen schneiden im Abitur meist besser als ihre männlichen Mitschüler, was dazu führt, dass 70% der Studienanfänger in der Medizin Frauen sind. Leider ist der Arztberuf mit seinen hohen zeitlichen Anforderungen kaum mit einer Familiengründung vereinbar, so dass dies nicht selten für Frauen ein Grund dafür ist, der Medizin den Rücken zu kehren. Es wäre interessant zu untersuchen, ob Medizinnerinnen häufiger Ihren Job an den Nagel hängen als Männer. Wäre dies so, sollte man tatsächlich wie von einem Diskutanten vorgeschlagen, mit allem Für und Wider über eine “Männerquote” nachdenken.

#35 |
  15
Dr. Theo Streicher Zahnarzt
Dr. Theo Streicher Zahnarzt

@#31, Gast: Kleine Info aus den Tagen meines Zahnmedizinstudiums:Den Studienteil bis zum Physikum, also fast die Hälfte, haben wir zusammen mit den Medizinern die Kurse, Vorlesungen und Prüfungen absolviert und ZUSÄTZLICH die praktischen “Zahnikurse”. Ein Unterschied war nur beim Physikum und Staatsexamen, die sind bei den Zahnmedizinern praktisch, bzw. mündlich, bei den Medizinern meist als MC-Test.

#34 |
  1
Gast
Gast

Man kann auch fragen, warum Ärzte ( wirklich ) Arzt werden wollen oder gar den Hut anstreben. Das darf man auch bei Psychologen, Theologen usw. usf. .

#33 |
  2
Rudolf Prösl
Rudolf Prösl

@#31 Sie werden lachen – obwohl es eigentlich nicht zum Lachen ist – das waren durchgängig 1,x-er Abiturienten ohne Wartesemester! Allerdings teilweise gerade mal 18 Jahre – aber das ist ein anderes Thema.
Was den Lernstoff angeht, haben Sie bedingt recht.
Wenn Sie den Zeitaufwand für Propädeutik – und Behandlungskurse mitrechnen, kehrt sich das ganze um deutlich.
Was den Lernstoff angeht, wäre es wünschenswert, wenn die Mediziner vom MKG-Bereich so viel Ahnung hätten wie die Zahnmediziner vom internistischen.

#32 |
  0
Gast
Gast

@#29 Herr Prösl, daß ein Studium zu zeitaufwendig sei, kann wohl nur von nicht lernerfahrenen, schlechten Abiturienten als Argument angeführt worden sein. Dabei ist das handwerklich angelegte Zahnmedizinstudium bei weitem nicht vergleichbar mit dem Lernstoff des Medizinstudiums.

#31 |
  3
Nichtmedizinische Berufe

Gast 3 : Ärzte aus dem Ausland abzuwerben, hat ja dann auch die “Nebenwirkung” , dass dort Ärzte fehlen. Kann man moralisch nur vertreten, wenn es im Anwerbeland eine hohe Arbeitslosigkeit unter Medizinern gibt.

#30 |
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Rudolf Prösl
Rudolf Prösl

Meine Tochter hat nach fünfjähriger Wartezeit, in der sie zur Überbrückung unter anderem eine Ausbildung zur ZFA absolvierte, einen Studienplatz Zahnmedizin bekommen.
Während des 1. Semesters und zu Beginn des 2. Semesters sind 6 (in Worten sechs) ihrer Kommilitonen/-innen ausgeschieden bzw. haben sich nicht zurückgemeldet, unter anderem mit der Begründung, ihnen wäre nicht bewusst gewesen, wie zeitaufwändig das Studium sei bzw. dass man da auch seine Hände gebrauchen müsste.

#29 |
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Nichtmedizinische Berufe

Warum könnte nicht ein Bewerber, der sich nach dem Studium für 10 Jahre als Landarzt verpflichtet,, bei der Aufnahme einen Bonus erhalten?
Damit kämen auch Abiturienten mit schlechteren Abiturnoten “zum Zuge”.
Die Bundeswehr macht es ja ähnlich: WEnn jemand auf Kosten der BW
Medizin studiert, muss er sich hinterher sogar 17 Jahre verpflichten.

#28 |
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Gast
Gast

Der beste Abiturient in Baden-Württemberg hat vor einiger Zeit keinen Medizinstudienplatz bekommen. Noch Fragen, Kienzle?

Die Medizinstudienplatzvergabe via NC ist eine Mär. Jede Arzthelferin/Krankenschwester mit gutem Abschluß aber ohne Abitur bekommt eher einen Studienplatz als ein sehr guter Abiturient. Dabei haben wir diese doch in der Schule immer abschreiben lassen.

#27 |
  8
le vieux rat (Georg M.)
le vieux rat (Georg M.)

Zustimmung zu 1 + 15

Basistenor der meisten z.T. banalen oder nabelschauenden Kommentare: “es gibt so´ne und solche“ – das sind Allgemeinplätze !!!
Vita:
40 Jahre Klinikerfahrung, Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivtherapie u.v.m, durfte trotz 8 Studienbewerbungen in der DDR nicht Medizin studieren.
Gewollt falsche Auswahlkriterien waren damals schon en vouge, damals politisch heute
oft nur noch leistungsgetriggert.
Meine Erfahrung:
alle Ärzte mit einer beruflichen Tätigkeit vor ihrem Studium waren achtsamer und sozialer im Umgang mit Patienten und Pflegepersonal und menschlich gefestigter.
Wir bekämen den Pflegenotstand wunderbar in der Griff, wenn das Kriterium für die Zulassung zum Medizinstudium eine erfolgreiche Krankenpflegeausbildung wäre. Sie trennt Spreu vom Weizen. Das Medizinstudium könnte umstrukturiert werden, denn Grundwissen beinhaltet die Vorausbildung.

Nach dem Motto “Begreifen heißt Anfassen“ haben diese Pflegepraktiker gelernt:
– ob kranke Menschen überhaupt ihr Arbeitsfeld sind
– den Umgang mit Kranken, Spritzen applizieren, in die Scheiße fassen können und
müssen, Blut sehen und damit umgehen, Sterben sehen und begleiten, Tote würdig zu behandeln und zu verbringen, Schwestern und Pfleger sehen bei ihrer
schweren Arbeit, Ärzte in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen zu erleben –als Vorbild oder nie so zu werden,
– dass Arzt sein nicht nur Sozialprestige verheißt, sondern soziale Kompetenz
voraussetzt, wenn sie primär nicht vorhanden ist, hat diese sich in der Pflegeausbildung gebildet, oder sie verlassen den Beruf – und das ist gut so,
– sie haben als evtl. Studienabbrecher einen wunderbaren, hoffentlich bald wieder
“sozial und gesellschaftlich anerkannteren Beruf“, den sie wunderbar und fachlich und adjuvant zum Studium als Nebenjob ausüben könnten – sie wären sehr begehrt, erwartet und gebraucht

Ich glaube, das ist gesellschaftlich und politisch so lange nicht gewollt, wie das Gesundheitswesen durch kaufmännisch-kapitalistische Sichtweise kommerziell v e r k o m m t .

#26 |
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Hippokrates
Hippokrates

Das Problem liegt doch nicht im Zugang zum Studium, bei aller berechtigter Kritik.
Solange die Medizin unter der Herrschaft des Geldes und der Politsysteme steht, werden ÄRZTE in diesem Land nicht gedeihen.
Mediziner in Krankenhauskonzernen wird es genug geben, und die werden politisch gewollt die Patientenversorgung der Zukunft sicher stellen in Krankenhaus- angeflanschten Zentren. Auf dem Land werden Public-Health-Schwestern mit kleinem Medizinstudium den Hausarzt ersetzen. Und für alle anderen Sachen sucht der Patient sowieso “seinen” Heilpraktiker auf.

[Kommentar wurde von der Redaktion gekürzt]

#25 |
  7
Gast
Gast

Solange die Medizinpädagogik im Studium keine Alternative für Binge-Learning und gedankenloses Auswendigpauken offeriert, solange sind Streber die besseren Ärzte. Und das fällt auch gar nicht auf, wenn die Präselektion vor dem Physikum gut funktioniert und die universitäre Quote stimmt. Und warum sollten in einer Leistungs- und Ellenbogengesellschaft nicht auch nur die Leistungswilligen mit Ellenbogen durchkommen?! (Achtung Ironie)
Ich glaube, der Arztberuf erfordert einiges mehr als das und auch dafür sollte in einem Studium der Grundstein gelegt werden. Mich persönlich macht es etwas traurig, dass der Vorzug der universitären Ausbildung immer noch dem Erhalt eines elitären Establishment gegeben zu werden scheint, anstatt es so auszurichten, dass Menschen tatsächlich berufsbefähigt werden.
Andernfalls scheitern sie doch, wenn nicht an der Hürde Studium, irgendwann an einer Berufsrealität, die ihnen dramatisch mehr abverlangt, als träges Fach- und Regelwissen.
Eigentlich müsste da die Ärzteschaft selbst doch aufbegehren, oder?

#24 |
  3

Ach ja, ich weiß, ein leidiges Thema, mit dem ich mich sicherlich auch wieder mal in’s Abseits schieße – aber vielleicht sollte man bald mal über eine Männerquote nachdenken, z.B. mal mindestens 40%. Zumindest mal in die Zukunft gedacht. Früher hätte ich diese Meinung nicht vertreten, heute aber nach einigen Jahren ärztlicher Tätigkeit und Wissen um die Strukturen…

#23 |
  7

Ich glaube, es sollte auch allmählich wieder darüber nachgedacht werden, das Studium zum Humanarzt komplett (oder evtl. z.B. nach der Vorklinik) von dem zum medizinischen Wissenschaftler und Forscher zu trennen. Ansonsten kann man dazu auch nur sagen, dass das Ziel ja ganz klar war, auch mehr wissenschaftliche Leistungen für die Unis rauszuholen. Wie oft wurde uns damals im Studium gepredigt, dass es an Forschenden fehlen würde? Und das war 2004-2010. Es war politisch gewollt, fehlen tun Ärzte in allen Bereichen, die willigen Studentenanwärter wären da – nun, Milchmädchen rechnen und handeln schlauer in solchen Fällen, denn es läge auf der Hand, was zu tun wäre bei tausenden Wartenden auf zu knappe Studienplatzangebote mit gleichzeitigem Ärztemangel. Man muss schon hinterfragen, steckt ein Plan dahinter, ist es also weiter gewollt, den Land- Hausarzt auf lange Sicht abzuschaffen oder ist es einfach nur politische Inkompetenz?

#22 |
  2

Ich fände generell eine (medizinische) Ausbildung vorm Studium nicht schlecht. Es zeigt sich, daß Leute, die eine solche absolviert haben, sich oft besser mit dem nichtärztlichen Personal verstehen. Manch ein “Jungarzt” mit 1er Abi und dann möglichst auch 1er Examen kommt dann in die Klinik mit der Einstellung “Ich Arzt – Du Schwester, Ich sagen – Du tun”, was bei Schwestern mit 20 Jahren Berufserfahrung auf der IT besonders gut ankommt. So eine Ausbildung lehrt ein wenig Respekt vor den anderen Berufsgruppen und erweitert den Horizont.

#21 |
  7
Studentin der Humanmedizin

Naja, ich weiß ja nicht ob man wrikoich gut vor dem Studium abschätzen kann wer später Landarzt werden möchte. Ich kenne genau eine Person, die auch vom Land stammt und auch sagt Stadtleben ist nicht so was für sie, die das so durchziehen wollte. Und selbst sie muss ja nach dem Studium erstmal im Krankenhaus anfangen, und ich weiß nicht ob sie schon in einer Praxis angekommen ist.
Aber Punkt ist: Selbst wenn die Leute vor dem Studium motiviert für die ländliche Versorgung sind, dann müssen sie mindestens 6 Jahre an der Uni verbringen. Die sind meist in einer Stadt. Man lebt dort, lernt dort Freunde kennen, etc. und merkt im Studium vielleicht dass man sich anstelle von Allgemeinmedizin doch in ein spezielles Fachgebiet (sei es Biochemie, Urologie, Herzchirirgie…) verliebt hat, und das weiter machen will. Das sieht man Menschen vor dem Studium nicht an.
Natürlich kann man kritisieren, dass die 60% der Plätze (als ich angefangen habe waren es noch 30%) auch oft noch nach Noten gehen. Aber ich weiß auch von vielen Unis die sich da doch mehr Mühe geben. Interviews führen, etc. Da wird ganz bestimmt auch schon berücksichtigt, ob jemand ne Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Dachdecker hat…
30% Note, 60% Uni-Wahl finde ich gar nicht so schlecht! Da kann die Uni was draus machen. Natürlich kann man immer optimieren.
Man sollte sicherlich mal drüber nachdenken welche Leute am ehesten nach dem Studium gute Ärzte werden und erfolgreich studieren werden.
ABER ich glaube nicht, dass das nur an Faktoren/eigenschaften hängt die die Leute bereits VOR dem Studium besitzen. Natürlich ist es nicht so toll, wenn jemand das Studium wieder abbricht, weil es nicht dass ist was er gedacht hatte was es sein würde (gibt es aber in jedem Studiengang, aber auch verständlich das Leute die diesen Studienplatz super gerne gehabt hätten ärgerlich finden!) Das Medizinstudium (wie manchmal jedes Studium, aber mit Besonderheiten) ist abert auch nicht einfach. Man muss viel Auswendig Lernen, man kann mit der Lehre unzufrieden sein, man kann vom ehrlichen Einblick in das System Medizin abgestoßen sein. Man kann selbst Famiienprobleme haben, oder psychisch erkranken (siehe hierzu die Artikel zu Depressionen zum Teil schon im Studium, oder bei jungen Ärzten) und all das kann den Erfolg des Studiums mindern. Das sind aber oft Sachen bei denn die Lösung meiner Meinung nach nicht sein sollte diese Leute vor dem Studium herauszufiltern, sondern die Rahmenbedingungen zu ändern und sie zu unterstützen. Und es gibt auch wirklich Leute die (trotz Lernen! nicht Lernen können wegen psychischen Voraussetzungen s.o.) an den akademischen Anforderungen scheitern. Da ist die Note zum Vorraussehen eben doch nicht sooo schlecht.
Am Ende geht es mir darum, dass man auch das Studium an sich und die Bedingungen im Gesundheitssystem, als zum Teil durchaus kritikwürdig, berücksichtigen muss. Und zwar nicht nur in dem Sinne, dass potentielle Studierende schon die möglichst realistischte Vorstellung davon besitzen sollten. Dann dürften ja nur noch Kinder von Ärzten (oder so ähnlich) studieren. Man muss nicht schon Jahre vor dem Abi den Traumberuf Arzt haben um ein guter zu werden.
Auch der Umgang mit dem Patienten ist durchaus etwas was man während des Studiums lernen sollte! Und da ist die Uni sicherlich noch verbesserungsfähig, aber wenn man etwas aufpasst lernt man auch heute schon viel! explizit und durchs beobachten. Das sollte sicher auch etwas sein, was im Arztleben in der Klinik ggf. noch mehr an die Assistenten herangetragen wird. Gerade weil hier das Beispiel der Oberärzte auch noch viel wert ist.
Zurück zum Thema Landarzt: Da ist die Frage ganz einfach die Attraktivität und die Zeitmäßigkeit des Jobangebotes. Was der Artikel ja sogar selbst erwähnt. Wir müssen eine sinnvolle Lösung finden, jungen Menschen die lange studiert haben (und armer Student waren) und nun Aussichten auf einen Job mit guter Bezahlung haben ein sinnvolles Angebot zu machen. Bzw. ja jungen Ärzten die bereits ein paar Jahre im Krankenhaus gearbeitet haben, denn das muss man ja erstmal (auch wenn es Anstellungen gibt die direkt auf den Hausarzt hinziehlen) Landarzt in einem Gebiet in dem man potentiell rund um die Uhr angerufen wird, alleine zuständig ist, mit einer überalterten Bevölkerung und strukturschwach? Da fragt man sich dann eben: Wo finde ich Freunde, was mache ich in meiner Freizeit? Hab ich schon ne Frau/Mann? Will er/sie auch aufs Land? Kinder kriegen? Andere Kinder zum Spielen? Schulen? Perspektiven? Und noch vieles mehr. Hier muss man Antworten finden, und keine Leute die sich verzweifelt genug wünschen Arzt zu werden, dass sie am Ende bereit sein sollen alles zu tun was man von ihnen verlangt.
(Mal ganz davon ab, ein bis zwei Jahre Pflichtarbeit in der ländlichen Versorgung finde ich nicht grundlegend verkehrt, dann aber ggf für alle. Ich bin aber auch für Pflicht”zivi” für jeden.)
Grundsätzlich hat dieser Artikel mir nicht viel neues gesagt. Kurze Artikel darüber wie schwer es ist einen Studienplatz zu bekommen und dass es nicht fair ist dass die “Streber” alles bekommen gibts wahrscheinlich schon so lange es die Studienplatzvergabe so gibt… Wie am Anfang gesagt ist das ja heute schon lockerer als es vor 13 Jahren war. Ich muss ja zugeben dass ich meinen Platz über mein 1,0 Abi bekommen habe, und im Studium so meine Probleme hatte. Meine Freunde im Studium hatten alle keine 1,0, sondern es anders geschafft, und ich habe Schnösel getroffen von denen man nur hoffen kann dass sie ein Bisschen menschlicher werden bevor sie mal wirklich einen Patienten behandeln…. Also bin ich sicherlich nicht ohne Einfluss meiner eigenen Erfahrungen. Diese Artikel über die Platzvergabe sind aber auch immer von Leuten geschrieben die nicht selbst Medizin studiert haben. Ich will damit gar nicht sagen: Hast es eben nicht geschafft, ne???, und sicher ist es wertvoll Leuten zuzuhören die das System nicht reingelassen hat. Aber dann schreibt mal was neues. Und “Streber” zu beschimpfen hat was von 5. Klasse.
Generell braucht man im Leben auch mal den Platz um sich selbst zu finden. Gerade wenn auch Platz für Fehler war finde ich versteht man auch die Patienten am Ende oft besser, oder hat zumindest etwas mehr Toleranz für Leute die nicht immer alles richtig machen.
Das ganze hat jetzt vielleicht kein ganz klares Fazit, weil es kein einfaches Thema ist. Raum für Fehler enthält eben die Leute die in der Oberstufe eher auf Selbstfindung als auf Noten aus waren, oder die die es später während des Studiums machen oder oder… Generell ist es nicht einfach zu erraten was genau für ein Arzt werden würde. Wobei ich schon mit Abiturienten bei Studienberatungen gesprochen habe, wo mein Instinkt sagte: Die wären bestimmt gut! Oder: Oh Gott, bloß nicht! Aber da können 6 Jahre ne Menge Einfluss haben, und die Ausbildung sollte dazu beitragen!
Fazit: Man sollte sicher mal darauf schauen, was für Biases in der Studienplatzvergabe stecken. (z.B. auch Bildungsstand der Eltern, andere Herkunftsmerkmale, und auch Noten). Die ländliche Versorgung ist dann ein anderes Thema. Ich hatte während meines Studiums schon den Eindruck dass eine große Vielfalt an Menschen Medizin studiert. Da muss es doch auch heute schon einen Anteil geben, der ein attraktives Angebot in der ländlichen Versorgung eben attraktiv finden würde. (Die Strukturschwäche mancher ländlicher Regionen, die man auf GANZ anderer Ebene angehen muss, die aber dazu beiträgt dass auch junge Ärzte da nicht unbedingt wohnen wollen ist nochmal ein ganz anderes Thema!)

#20 |
  13
Student der Humanmedizin

Kleine Randglosse unter dem Motto: Wider den virulenten Genitivismus!
‘Gemäß’ (ebenso wie dank, nahe etc.) ist bis heute noch eine Dativ-Präpostion.
Sich in dieser Hinsicht etwas aufzufrischen, hilft eventuelle Peinlichkeiten im Berichtswesen zu vermeiden.

#19 |
  28
Ärztin
Ärztin

Ein wirklich sinnvolles Auswahlkriterium könnte es doch sein von JEDEM Studienplatzbewerber einen Bezug zum zukünftigen Beruf zu erwarten. Ich kann nachvollziehen dass davon ausgegangen wird dass je besser der Abischnitt ist, desto besser sich der künftige Student an der Uni machen wird (wobei auch 2,5er Abiturienten immer wieder beweisen dass sie durchaus in der Lage sind den intellektuellen Anforderungen zu genügen und das Studium in der Regelstudienzeit erfolgreich zu absolvieren). Aber ein 1er Abiturient der auf Anhieb einen Platz bekommt aber dann wieder abbricht weil das Studium und der künftige Beruf doch nicht seinen Vorstellungen entspricht nützt auch niemandem. Beispielsweise könnte man bei denjenigen die während der Wartezeit eine Ausbildung absolvieren unterscheiden WELCHE Ausbildung das ist. Ein Rettungsassistent oder eine Krankenschwester hat bereits mehr Bezug zum Fach und ist bereits in Vorleistung gegangen und sollte eher einen Platz bekommen als ein Dachdecker mit gleichem Abitur und gleicher Wartezeit… auch von einem 1er Abiturienten wäre ein Praktikum nicht zuviel verlangt. Das wäre doch im Sinne aller Beteiligten: Studienplätze nur für Leute die wissen worauf sie sich einlassen.

#18 |
  3
Student der Humanmedizin

Ach herje dieses ewige gebashe in den Kommentaren nervt doch. Es ist doch so dass man sowohl sozial mitm Patienten umgehen können muss als auch gutes Fachwissen mitbringen muss.

Was nützt es denn einem super mitm Pat. klar zu kommen aber nicht die richtige Diagnose zu stellen. Genauso wenig ist dem Pat. geholfen wenn man zwar weiß wie die Diagnose lautet und die Therapie sofort parat hat aber die Compliance des Pat. nicht stimmt weil man Ihm zu arrogant rüber kommt oder er nicht versteht warum denn diese blöde AB-Packung bis zum Ende eingenommen werden soll.

RIIICHTIG die Mischung machts. Hab ich damals während meiner Kifferphase im Abitur schon gesagt. Man musste ja auch maln bissle Leben. Deswegen werde ich nun trotzdem Arzt und gucke den Leuten in alle möglichen Öffnungen und stecke Dinge hinein.

Für “sinnvollere” Zulassungsbedingungen wäre ich dennoch. Den TMS finde ich ja im Prinzip schon dufte. Vielleicht sollte man diesen eher noch weiterentwickeln und höher gewichten.

#17 |
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Sehr gute Abiturleistungen korrelieren sicherlich mit guten Studienerfolgen im Medizinstudium. Ob dann jedoch aus jemandem ein guter Arzt wird, hängt von ganz anderen Kriterien ab; diese können durch den Abiturdurchschnitt sicherlich nicht vollumfänglich erfasst werden.

#16 |
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Student der Humanmedizin

Ich, Abi 3,1 und rund 10 Jahre Wartezeit, die ich in Ausbildung (Pflege), Arbeit und Familienplanung steckte. Vorteil? Vielleicht gewisse soziale Kompetenzen und Menschenkenntnis und eine realistischere Sicht auf die Widrigkeiten des zukünftigen Berufes (es wird nicht alles toll und es ist, wie jede andere Arbeit auch, erst einmal “nur” eine Arbeit). Spricht es jetzt den 1er Abiturienten jegliche sozialen Kompetenzen von vornherein ab? Nein! Es gibt, mit Verlaub, sozial-inkompetente Menschen in jeder Kultur, in jeder Schicht, in jedem Seminar und in jedem Hörsaal (unabhängig davon, ob Student, Dozent oder Arzt). Es mag durchaus möglich sein, dass ein “Späteinsteiger” seine Zukunftsvorstellungen eher in eine durchaus nicht so anspruchslosen Niederlassung auf dem Lande verortet, als in einer jahrzehntelangen Karriere an einer Klinik bis zur Habil und Chefarztposten. Aber auch solche muss es geben. Wichtiger ist doch, dass man, für welchen Weg man sich auch entscheidet, professionell agiert und wenn dann noch Empathie für den Patienten dabei herausspringt, ist doch alles gut. Generell sollten die Rahmenbedingungen für Landärzte/ Allgemeinmediziner attraktiver gestaltet werden. Damit hat meiner Ansicht wenig die Ausbildung zu tun, als eher die gesundheitspolitischen Umstände.

beste Grüße

#15 |
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geneigter Leser, Arzt
geneigter Leser, Arzt

Interessanter Artikel und Kommentare zum Teil erschreckend naiv.

Jeder kennt das eine oder andere Beispiel. Ich kenne einen 1er Medizinabsolventen, der nicht mal eine Nadel legen konnte und dann in der Forschung landete. Aber in meinem Studium hatten wir auch eine 1er Abiturientin aus Gelsenkirchen, die mit einem Stipendium des Landes NRW prahlte und nicht in der Lage war die einfachsten Scheine der Vorklinik (Physik, Chemie und Biologie) in Bochum zu bestehen.
Machen wir uns doch nichts vor: Das Medizinstudium ist doch nicht nur eine Anleitung, Empathie für Patienten zu erlernen. Es ist langes und teilweise stumpfsinniges Auswendiglernen. Und das können bei naturwissenschaftlich geprägten Abiturprüfungen nun mal die Klassenprimi.
Das ist der Grundstock, Leute. Die sozialen Fähigkeiten sind wichtig, entwickeln sich aber auch noch im Studium und die Vielfalt der weiteren Arztberufszweige bieten auch Empathiearmen eine Entfaltungsmöglichkeit.

Ich möchte lieber von einem grimmigen kompetenten Chirurgen operiert werden, als von einem Versteher, der die Anatomie und OP- Lehre nur so 2,8 kennt.

Bezahlt die Ärzte wieder anständig, dann gehen sie auch gerne aufs Land.

Hinterfragen sollte man die Kriterien zur Zulassung aber sinnvollerweise häufig.

#14 |
  2
Gast
Gast

Nicht Soziophobiker…die meinte hier wohl auch eher niemand…Gemeint war eher das kühle, reservierte, nur ebenso gepolte Personen akzeptierende, oft barsche (und das schon als kleiner Nobody im Studium, wie ist das dann erst als Oberarzt) Auftreten…das Gegenteil von “”Menschenfreund”…Soziophobiker haben keine Freunde, Arschlöcher schon (und zwar vor allem von Ihresgleichen) und tendenziell! ( es gibt wie überall solche und solche) gibt es unter 1er-Abiturienten und entsprechenden Ärzten mehr davon. Wie sagte mal ein erfahrener Arzt zu mir: “Der größte Arsch, das ist der Arzt.” …und nochmal es gibt eben solche und solche.

#13 |
  11
Gast
Gast

Also zunächst bekommt man auch heute noch mit einer 1,2 ohne weitere Bemühungen einen Studienplatz – der erste Absatz klingt sehr reißerisch. Es wird ein wenig in den Hintergrund gerückt, dass das AdH die Kernsäule darstellt und hier noch viele Unis nur nach Note gehen.

Darüberhinaus sehe ich in meinem Studiengang wenige Soziophobiker. Die Frage ist doch, weshalb die Abiturienten mit schlechten Abi-Schnitten diese haben: entweder sie waren faul und hatten keine hinreichend gute Einstellung zum Lernen oder sie haben eine begrenzte Intelligenz. Beide Personengruppen möchte ich nicht als Ärzte sehen. Übrig bleiben die Abiturienten mit “schlechten” 1er oder guten 2er-Schnitten. Nun ja, die kann man über diverse Tests mit ins Rennen schicken (was m.E. auch schon hinreichend gelingt). Letztendlich kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen: Die hohe Bewerberzahl auf die begrenzte Studienplatzanzahl wird immer bestehen bleiben und irgendwo muss eine Abstufung getätigt werden. Wo soll dies am fairsten geschehen, wenn nicht bei der Abiturnote?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der föderale Bildungsirrsinn! Wer in Niedersachsen Abitur macht hat nachweislich deutlich schlechtere Karten als jemand aus NRW, Hamburg, o.ä.

An meiner Schule war ich mit der Note 1,2 der Jahrgangsbeste (NDS). Viele meiner Kommilitonen kommen von einer Schule mit 5 oder mehr 1,0er-Schüler pro Jahrgang. Das nenne ich Noteninflation und so kann definitiv keine Differenzierung mehr geschehen.

#12 |
  5
Student der Humanmedizin

Ob “Streber” die besseren Ärzte sind, kann man nicht mehr überprüfen, wenn man nur noch “Streber” zulässt… Weiterhin sind nicht alle 1,0 Abiturienten Streber. Es ist doch weithin bekannt, dass die Abiturnote zu einem nicht unbedeutenden Teil auch davon abhängt, wo man das Gymnasium besucht, da momentan (und das ist das Problem, das den NC ad absurdum führt) mit 1,0er-Schnitten inflationär herumgeworfen wird.

Ein weiteres Problem bzgl. der ländlichen Versorgung, das hier genannt wird, aber ganz offensichtlich keinen interessiert, ist die unverhältnismäßig unterschiedliche Vergütung und die Regresswut der GKV. Um mehr Studenten für Allgemeinmedizin zu begeistern, wird ebenso gegängelt und geknebelt, wie es von Herrn Sander von anderer Seite her beanstandet wird: Es soll ein Pflichtquartal in der hausärztlichen Versorgung kommen, weil wieder erst gemacht und dann gedacht wird. Nötigung schafft kein Interesse, im Gegenteil! Ich habe neben den verpflichtenden Praktika auch eine weitere Famulatur beim Hausarzt gemacht, weil mir diese Arbeit an sich Spaß macht. Aber die Probleme mit den Regressen, die im Vergleich zu anderen Fachärzten (die weniger arbeiten und mehr verdienen) lächerliche Vergütung und Budgetierung, werden mit verpflichtenden PJ-Quartalen und noch mehr Praktika nur eins bezwecken: es wird bald keinen mehr geben, der diese Schikanierung und Benachteiligung erdulden wird, wenn man so lange Zeit Einblicke in den täglichen Abrechnungswahnsinn der niedergelassenen Hausärzte erhält.

#11 |
  1
Gast
Gast

@ #8: entgegen Ihrer Annahme war ich selbst ein 1er-Abiturient
@ #7: Wer die Wichtigkeit von sozialer Kompetenz (und ich meine hier nicht nur Führungsstärke) im Arztberuf nicht erkennt, der hat nichts verstanden. Solche Ärzte verschrecken dann ihre Patienten mit ihren kalten, barschen Umgangsformen und treiben sie zu Scharlatanen aus der Heilpraktiker- und Homöopathen-Ecke. Was spricht denn dagegen, dass man gleichzeitig Arzt, fachlich kompetent, psychisch resilient und (nicht nur als “I-Tüpfelchen”) ein “Menschenfreund” sein kann?

#10 |
  2
Gast
Gast

Hallo,

ich bin etwas schockiert über den Umfang an Vorurteilen, der sich in diesem Forum breit macht. Dass ein 1er Schüler sozial inkompetent sei und derjenige mit dem schlechteren Abitur die eingesparte Lernzeit gleichsam mit dem Training seiner Social-Skills verbringe ist dann doch wenig differenziert.

Sicherlich gibt es auch soziophobe geistige Überflieger, aber auch für diese gibt es in der Medizin entsprechende Nischen.

Ich habe bisher noch keine klugen und umsetzbaren Vorschlag gehört, der das aktuelle Verfahren verbessern könnte. Empathie ist leider (?) nicht messbar, direkte Auswahlgespräche über 30 Minuten sind auch häufig ebenfalls maximal unfair und zu verlangen, dass ein 18 jähriger sich schon beruflich profiliert haben muss (durch soziales Engagement, berufliche Erfahrung etc. – s.o.) ist widersinnige gegenüber dem Argument, dass man im Lebensalter von 16-18 Jahren ja noch gar nicht viel über seine späteren beruflichen Neigungen wissen könne und deswegen keine Einsicht bestehe sich für das Abitur anzustrengen.

Ebenso finde ich, dass Lernfähigkeit und Disziplin nicht bagatellisiert werden sollten, da sie ebenfalls wichtige Eigenschaften für ein erfolgreiches Studium und die Berufspraxis sind.
Dass die soziale Kompetenz letztlich möglicherweise die wichtigste Eigenschaft für eine gute Betreuung von Menschen in Notsituationen und eine erfolgreiche Behandlung der selbigen ist, steht außer Frage, allerdings glaube ich nicht, dass sie in irgendeiner Weise mit den beiden o.g. korreliert.

Am Rande: dass der NC in der Medizin steigt liegt zum einen daran, dass die Bewerberzahl sich kontinuierlich erhöht (also wird es immer viele Enttäuschte geben – so viele Ärzte braucht man einfach nicht), aber auch daran, dass in Deutschland in den letzten 10 – 15 Jahren kontinuierlich bessere Abiturnoten vergeben werden (wie es auch in der aktuellen Medienlandschaft nachzulesen ist).

Dass die Politik sich nun wieder mit dem Thema beschäftigt steht auf einem völlig anderen Blatt und wird sicherlich nicht zu einem faireren Auswahlverfahren führen, sondern höchstens diejenigen bevorzugen, die sich 7 Jahre vor Berufsbeginn schon auf ihre spätere Tätigkeit festnageln lassen.

Die einzige Idee, die ich habe ist, Schüler vor Beginn ihrer Abiturzeit ausreichend beruflich aufzuklären und ihnen ein Verantwortungsbewusstsein für ihre Abiturleistung und deren Bedeutung auf die spätere Berufswahl zu vermitteln.

Viele Grüße

#9 |
  2
Gast
Gast

Viele 1er abiturienten die ich kenne sind gleichzeitig hochengagiert gewesen als zB schülersprecher. Die mit den schlechten Noten waren jedes Wochenende saufen.

Wer ist der bessere Arzt? Der Engagierte, oder der Faule der danach den Engagierten als sozial inkompetent beschimpft um ihm seinen Verdienten Lohn – den Platz -abzunehmen?

#8 |
  15
Gast
Gast

Kurze, definitive Antwort: Ja, engagierte und strebsame Menschen die hochqualifiziert sind sollten Ärzte werden, und nur die.

Außerdem NEIN, unangagiert und daul zu sein macht Sie nicht sozial kompetebter und ich will Sie nicht als Arzt.

Das: Ich will aber so gerne-Argument zieht nicht. Denn genau das macht sie zu einem schlechten Arzt, anstatt an sich selbst zu arbeiten will man ein Drama draus machen um seine eigene Faulheit und Inkompetenz zu überdecken.

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Student der Humanmedizin

Schon in der Schule waren die 1er Schüler stets jene, die eine ausgeprägte soziale Ader an den Tag gelegt haben. Immer für die Mitmenschen engagiert und eher unterstützend als konkurrierend durchs Leben gehend bekommen gerade diese zu Recht einen Platz.
Falls man es bis zu diesem Punkt noch nicht bemerkt hat: das war blanker Sarkasmus.
Um ein guter Arzt sein zu können muss man eine Beziehung zu seinen Patienten aufbauen können und ich muss sagen, mir ist auch derjenige Arzt lieber, der weiss wo seine Grenzen sind und mich an einen befreundeten Doktor verweist der es besser wissen könnte, als der 1er Schüler der, sobald sich das Krankheitsbild ausserhalb eines gelernten Musters befindet, den Patienten eher gar nicht oder sogar noch falsch behandelt.

Natürlich gibt es auch 1er Abiturienten die vollkommen aus meiner Beschreibung fallen. Fakt ist jedoch, dass die Note nichts über die Kompetenz eines zukünftigen Mediziners zum Ausdruck bringt (zumal die meisten während ihrer Schulzeit ohnehin noch nicht wissen, was sie mit ihrer Zukunft anfangen werden wollen).

#6 |
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Gast
Gast

Führt einen Intelligenztest ein! Ich hatte mit 18 ganz andere
Sachen im Kopf, als mich beim Lehrer anzubiedern.

#5 |
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Gast
Gast

PS: Man kann es natürlich nicht pauschalisieren, aber es gibt Tendenzen.

#4 |
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Gast
Gast

Der Anteil an Personen mit autistischen und asozialen Zügen ist bei Ärzten und Medizinstudenten mit 1er-Abitur höher als im Rest der Bevölkerung. Man muss sich nur mal die Dozenten und Medizin-Professoren anschauen. Wohltuend fand ich dagegen die Leute mit Wartezeit-Quote und die Quereinsteiger, die zuvor in Rumänien, Bulgarien oder Lettland (Riga) gegen Cash die ersten Semester absolviert hatten. Die Leute, die man ansprach im Studium und bei denen dann nichts zurückkam, kackten mich das ganze Studium über an.

PS: die sympathischeren und insbesondere auch die kompetenteren Ärzte sind ausländische Ärzte aus Ost- und Südosteuropa und auch dem arabischen Raum. Die sind nicht weniger tough aber sozialer und tendenziell auch kompetenter als die oft stocksteifen, verklemmten und in ihrem Horizont beschränkten preußischen Militärärzte aus Deutschland. Daher finde ich die Zuwanderung ausländischer Ärzte überaus positiv.

#3 |
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Gast
Gast

Umgekehrt sagt eine schlechte Abiturnote allerdings auch nichts über die Qualifikation zum Arzt aus, und fachliche Kompetenz (und sich diese im Studium anzueignen) stellt die Grundlage ärztlichen Handelns dar. Aber anstatt die Bedingungen und Vergütungen von Landärzten zu verbessern und attraktiver zu gestalten wird lieber eine Landarztquote eingeführt, um die verzweifelten Wartezeitler in einen Beruf zu drängen, von dem sie vor dem Studium noch gar keine Ahnung haben, nur um einen Studienplatz zu erhalten. Im übrigen ist das MedizinSTUDIUM ein Universitätsstudium und sollte sich nicht andauernd ausschließlich auf die praktische Arztausbildung reduzieren lassen…

#2 |
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Gast
Gast

Was macht es mit jungen Menschen, die noch in Kinderschuhen laufen und sich auf Einsernoten konzentrieren? Die keine Zeit haben um abzuhängen, Kameradschaft zu leben und sich auszuprobieren?
Wieviel Stress erlebt ein junger Mensch, der sich auf die optimierte 1+ ausrichtet? Um deretwegen gemobbt wird? Der nicht einmal Zeit hat, einen fieberhaften Infekt noch drei weitere Tage auszukurieren?

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