Wie behandelt man Methusalem?

26. April 2017

4,5 Millionen Deutsche sind 80 Jahre alt oder älter. Doch unser Gesundheitssystem ist auf diese Menschen nicht gut vorbereitet, so fehlt es beispielsweise an Leitlinien für diese Altersgruppe. Als Behandlungsziel steht nicht immer die Heilung an erster Stelle.

Ein „biblisches“ Lebensalter zu erreichen, ist in Deutschland und Europa nichts Ungewöhnliches mehr. Zur Zeit sind etwa 4,5 Millionen Menschen in Deutschland 80 Jahre oder älter – das sind 5,4 Prozent der Bevölkerung. Und die Anzahl sehr alter Menschen – über 90 oder über 100 Jahre alt – steigt immer weiter an. Was zunächst erfreulich klingt, ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Im hohen Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit chronisch oder mehrfach erkrankt zu sein, eine Vielzahl von Medikamenten einzunehmen, auf technische Hilfsmittel oder die Unterstützung anderer Menschen angewiesen zu sein und irgendwann pflegebedürftig zu werden.

Mehrere Studien haben sich nun damit befasst, wie es um die Lebenserwartung und die Fähigkeiten der über 80-Jährigen bestellt ist. So zeigen zwei Studien aus Dänemark und Großbritannien, dass sowohl die Lebenserwartung, als auch die kognitive Leistungsfähigkeit, die Bewältigung alltäglicher Aufgaben sowie die Einschätzung der eigenen Gesundheit bei später geborenen Hochbetagten höher sind als in einer früher geborenen Kohorte. Dagegen unterschied sich die körperliche Leistungsfähigkeit (Ganggeschwindigkeit, Aufstehen von einem Stuhl) nicht zwischen den früher und später geborenen Gruppen.

„Insgesamt zeigt die Evidenz in industrialisierten Ländern, dass Menschen über 80 Jahre von Generation zu Generation gesünder sind und länger ein unabhängiges Leben führen können“, sagt Ursula M. Staudinger, Alternsforscherin an der Columbia University in New York und Vizepräsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. „Darüber hinaus sind ihre kognitiven Fähigkeiten besser und die Prävalenz von Demenzen geringer als in früheren Generationen.“

Längeres Leben, aber mit körperlichen Einschränkungen

Auch eine aktuelle Studie mit Teilnehmern aus China kommt zu dem Ergebnis, dass die Sterblichkeit und die Einschränkung bei Alltagsfähigkeiten bei später geborenen Hochbetagten (zwischen 80 und 105 Jahren) geringer sind als in einer zehn Jahre früher geborenen Kohorte. Allerdings waren die mit objektiven Tests erfassten körperlichen Fähigkeiten (etwa, von einem Stuhl aufzustehen) sowie die kognitiven Fähigkeiten bei den später Geborenen geringer als in der früheren Generation. „Es könnte sein, dass eine längere Lebensspanne auch mit stärkeren Einschränkungen der körperlichen und kognitiven Funktionsfähigkeit einhergeht“, schreiben die Autoren um Yi Zeng von der Medical School of Duke University in Durham (USA).

Allerdings könnten auch schwierige Bedingungen in der Kindheit und ein geringeres Bildungsniveau zu den geringeren kognitiven Leistungen der späteren Generation beigetragen haben. Dagegen könnte ein verbessertes Krankheitsmanagment in China dazu geführt haben, dass später geborene Hochbetagte ihren Alltag länger selbst bewältigen können, so die Forscher.

„Eine erhöhte Lebenserwartung geht nicht unbedingt mit einer besseren Gesundheit einher“, folgern Olga Theou und Kenneth Rockwood von der Dalhousie University in Halifax (Kanada) in einem Kommentar zur Studie. So kommt auch eine schwedische Untersuchung zum Ergebnis, dass in einer später geborenen Generation sehr alte Menschen zwar das Sterberisiko geringer ist, die Gebrechlichkeit aber ebenso hoch wie in einer früheren Generation.

„Eine Verschlechterung der Mobilität bei später geborenen Generationen könnte damit zusammenhängen, dass körperliche Aktivität in unserem modernen Lebensstil eine geringere Rolle spielt“, erläutert Staudinger. Aber gerade der altersbedingte Abbau der Skelettmuskulatur (Sarkopenie) trage häufig stark zu einer erhöhten Gebrechlichkeit bei.

Weitreichende Änderungen im Gesundheitssystem notwendig

Dass auch der Bedarf an medizinischer Versorgung durch die zunehmende Zahl sehr alter Menschen stark ansteigt, macht eine Untersuchung aus Portugal deutlich: Sie zeigt, dass die Zahl der Krankenhausaufnahmen der über 80-Jährigen zwischen 2000 und 2014 signifikant angestiegen ist. Die häufigsten Gründe für die Aufnahme waren Lungenentzündungen, akute Störungen der Gehirndurchblutung (zerebrovaskuläre Störungen) und Herzversagen. Als Komorbiditäten wurden am häufigsten Diabetes und Herzinsuffizienz beobachtet.

„Die Studien machen deutlich, dass sich das Gesundheitssystem in Zukunft zunehmend auf die Bedürfnisse sehr alter Menschen einstellen muss“, so Theou und Rockwood. Neben der akuten und langfristigen medizinischen Versorgung seien hier Hilfsmittel zur Gewährleitung der Mobilität wichtig, betonen Yi Zeng und sein Team. Auch präventive Maßnahmen, die altersbedingte Einschränkungen hinauszögern können, seien von großer Bedeutung.

„Um die körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, sollte Bewegung wieder ein normaler Bestandteil des Alltags werden“, sagt Staudinger. „Wichtig sind auch gezielte Übungen, die einem altersbedingten Muskelabbau entgegenwirken.“ Um geistig und körperlich fit zu bleiben, sollten auch Hochbetagte so lange wie möglich aktiv am Leben teilnehmen und sich jeden Tag eine neue Herausforderung suchen, so die Forscherin. „Das kann ein Teilzeitjob, ein Ehrenamt, ein Hobby oder die Betreuung der Enkelkinder sein.“

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Behandlungsleitlinien für sehr alte Menschen fehlen

In ihrer Stellungnahme „Medizinische Versorgung im Alter – welche Evidenz brauchen wir?“ haben sich 15 Wissenschaftler der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und zweier weiterer Fachakademien damit auseinandergesetzt, welche Veränderungen im Gesundheitssystem für eine bestmögliche Versorgung sehr alter Menschen notwendig sind.

„Häufig wird Wissen, das an Menschen im mittleren Alter gewonnen wird, auf alte Patientinnen und Patienten übertragen – obwohl diese sich körperlich und geistig, in ihren medizinischen Versorgungsprinzipien und Lebensumständen von Jüngeren unterscheiden“, kritisieren die Forscher. In Zukunft sollten alte und sehr alte Menschen mit ihren Besonderheiten daher in allen Bereichen der medizinischen Versorgung gezielt in den Blick genommen werden.

So seien Hochbetagte häufig mehrfach erkrankt (Multimorbidität) und würden eine Reihe von Medikamenten einnehmen – es gäbe jedoch kaum Studien zum geeignetsten Vorgehen bei Mehrfacherkrankungen oder zu Nutzen und Risiken einer polypharmazeutischen Behandlung. „Die Zulassung von Arzneimitteln sollte, ähnlich wie bei Kindern üblich, an die Durchführung von Studien mit alten und sehr alten Patientinnen und Patienten geknüpft werden“, heißt es in der Stellungnahme. Auch der Nutzen von technischen Hilfsmitteln oder einer Anpassung des Wohnraums, um die Selbständigkeit alter Menschen möglichst lange zu erhalten, seien bisher kaum untersucht. Hier seien dringend randomisiert-kontrollierte Studien notwendig – und ihre Ergebnisse sollten die Grundlage für evidenzbasierte Behandlungsleitlinien bilden.

Hochbetagte haben andere Gesundheitsziele

Auch Ärzte und Pflegende müssen in Zukunft zunehmend auf die Versorgung der über 80-Jährigen vorbereitet sein. „Dies sollte verstärkt in der Aus-, Fort- und Weiterbildungen von Ärzten und Pflegepersonal Berücksichtigung finden“, betont Staudinger. „Weiterhin ist eine ganzheitliche medizinische Versorgung wichtig, bei der Hausarzt, Fachärzte, Krankenhauspersonal und Pflegekräfte eng zusammenarbeiten und bei der verschiedene organische, kognitive und soziale Aspekte ganzheitlich in den Blick genommen werden.“

Ein solches Vorgehen könne dazu beitragen, unerwünschte Nebenwirkungen medizinischer Maßnahmen zu verringern oder auch die Zahl der verordneten Medikamente zu reduzieren. „Weiterhin kommt psychologischer Unterstützung eine besondere Rolle bei der Bewältigung des Alltags mit chronischen Erkrankungen zu“, heißt es in der Stellungnahme der Leopoldina.

Heilung steht nicht mehr an erster Stelle

Von großer Bedeutung sei, die Behandlungsziele bei hochbetagten Menschen nicht nur unter herkömmlichen Aspekten wie Heilung und Erhöhung der Überlebenszeit zu betrachten, so der Bericht. In dieser Altersgruppe könne es sinnvoll sein, andere Behandlungsziele in den Vordergrund zu stellen, etwa eine möglichst lange Teilhabe an alltäglichen bzw. sozialen Aktivitäten, eine kurzfristige Linderung der Symptome und insbesondere die Lebensqualität der Patienten. Methoden zur Erfassung der Lebensqualität sollten deshalb gezielt weiterentwickelt werden.

Schließlich sollten sich Ärzte oder Pflegende mit den Patienten rechtzeitig über ihre Gesundheitsziele und die Gestaltung ihres letzten Lebensabschnitts verständigen – etwa mithilfe des „Advance Care Planning“ (ACP). Auf diese Weise können alte Menschen beispielsweise frühzeitig entscheiden, in welcher Umgebung sie alt werden möchten oder welche medizinischen Maßnahmen noch durchgeführt werden sollen und welche nicht.

74 Wertungen (4.28 ø)

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21 Kommentare:

Gast
Gast

Ich muss dem Gast vor mir recht geben. Leider werden immer mehr Menschen im hohen Alter Aspirationspneumonien haben aufgrund nicht erkannter Dysphagien. Leider sind nocht überall Logopäden angestellt und selbst wenn wird der Rat nicht immer umgesetzt. Hier sollte es wirklich Leitlinien aber vor allem mehr Zeit duer die Pflege am Paitenten geben.

#21 |
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Gast
Gast

Die Senioren brauchen vor allem Respekt, auch vor den sich verändernden gesundheitlichen Problemen. Man betrachte nur die Themen Demenz und Dysphagien und die Tatsache, dass die Krankenhäuser oft gar nicht auf diese Problematik ausgerichtet sind. Da wird der alten Dame das Essen nach erfolgter Oberschenkelhalsbruch-OP auf der Station für Orthopädie hingeknallt, obwohl sie gar nicht mehr in der Lage ist ohne Begleitung zu essen. Dann wird des nicht angetastete Essen wieder abgeräumt, mit dem Kommentar: “Sie haben ja gar nichts gegessen.” Nach ein paar Tagen kommt die PEG, obwohl ein kurzer Moment des Anreichens gereicht hätte, um sie zum Essen zu bewegen. Daneben liegt eine andere ältere Dame, die offensichtlich aspiriert, es brodelt wie verrückt und die Krankenschwester schüttet noch eifrig Milch nach. Und wenn wir Therapeuten was sagen, wird es ignoriert, bzw. bekommt man lapidar die Antwort, dass es sich schließlich um eine orthopädische Abteilung handelt und man darauf nicht eingestellt ist. Ich wünsche mir etwas mehr Sensibilität für Vorerkrankungen und Sekundärsymptomatiken und eine gescheite Schulung im geriatrischen Bereich für alle im Klinikbereich Tätigen. Damit wäre den Senioren und Seniorinnen schon viel geholfen.

#20 |
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Prof.Dr.Dr. Reichrdt
Prof.Dr.Dr. Reichrdt

# 16 Wenn man die Bezeichnung Methusalem unter Literarischem / Geschichtlichem Gesichtspunkt betrachtet ist diese Bezeichnung für alte Menschen sicher zu verstehen. Jedoch in der heutigen Zeit sind unsere Patienten keine Gruftis oder Methusalems, sondern ehrwürdige Seniorinnen und Senioren.

#19 |
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Christian Goergen, Neurochirurg
Christian Goergen, Neurochirurg

Bitte sehen Sie in die Gesetzesgrundlagen der deutschen Krankenhausfinanzierung. Dort stand nie, steht nicht und wird nie etwas wie optimal oder höchstmöglich stehen. Zweckmäßig und ausreichend sollen die Mittel sein, deren Bezahlung die Krankenkassen genehmigen dürfen.
Die Mittel sind begrenzt.
Es gibt keinerlei Vorschrift, die die Behandlung einer Krankheit X ab einem Alter Y untersagt.
Worüber wird hier diskutiert?

#18 |
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André Rensch, Neuropsychiater
André Rensch, Neuropsychiater

Wer 80 J geworden ist, hat eine hohe statistische Wahrscheinlichkeit, auch 90 oder 95 J zu werden. Angesichts dieser 10 bis 15 J ist es ein bisschen zu tief gegriffen, dass diese Senioren keine Heilung erwarten ( dürfen); Sie haben ein Anrecht auf optimale, natürlich nicht übertriebene medizinische Versorgung. Ich hatte in meiner Praxis in HH-Poppenbüttel- dem Stadtteil mit dem höchsten Anteil alter Menschen (35 % >65 J ) in HH mehrere Patientinnen Mitte 80, die ihre Mütter mit jeweils um die 102 bis 105 J in Altersheimen besuchen UND SEELISCH BETREUEN und damit auch wichtige soziale Funktionen erfüllen! Also Vorsicht mit dem Zungenschlag, alte Menschen würden keine Heilung erwarten ( dürfen, sondern sollen sich aufs sozial verträgliche Ableben vorbereiten?) Mit freundlichen Grüßen
André Rensch

#17 |
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Gast
Gast

Kann mir kurz jemand erklären, warum “Methusalem” eine Beleidigung darstellen soll? Ich dachte da eigentlich an den Methusalem bzw. Methusalah aus 1.Mose 5,27, der ja nun im wahrsten Sinne des Wortes ein biblisches Alter erreicht hat und quasi das Paradebeispiel für einen Hochbetagten darstellt. Wenn man dazu bedenkt, welches Bild die Bibel von alten Menschen hat (“Das graue Haare ist eine prächtige Krone” Sprüche 16,31) kann ich da irgendwie keine Beleidigung erkennen…

#16 |
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Gast
Gast

Als Methusalem möchte ich in 3 Jahren auf gar keinem Fall bezeichnet und entsprechend angesehen und auch nicht als solcher behandelt werden. Frau Amrhein hat zwar die Probleme angerissen. Ich sehe einige gute Ansätze. Aber im allgemeinen fühle ich hier eine gewisse Arroganz gegenüber den sehr alten Menschen, die eigentlich nicht mehr richtig für voll genommen werden.
So ist es leider in unserer schnelllebigen Leistungs- und “Geld”-Gesellschaft, die sich nach dem Motto richtet: “Bloß nicht zu viel für den Patient und gar noch für einen hochbetagte ausgebn. Von den letzteren sind .

#15 |
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Wie sagte unser Pharmazieprof?: Bei mehr als 5 verschiedenen Wirkstoffen, die ein Mensch einnimmt, kann niemand mehr zwischen Wirkung und Nebenwirkung unterscheiden! Ich habe immer konsequent meine Patienten nach eingenommenen Medikamenten befragt, da waren 10 und mehr verschiedene bei über 60jährigen Patienten keine Seltenheit. Damit bringen wir die Leute mehr oder weniger schnell um!!!!
Darauf müssen wir die Aufmerksamkeit lenken (und in diese Richtung die Leitlinien anpassen).

#14 |
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Prof.Dr.Dr. Reichrdt
Prof.Dr.Dr. Reichrdt

# 11 Ja, ich würde es noch härter formulieren.” Pravo.”
Nicht nur die Überschrift „Methusalem“ ist eine beleidigende Aussage, sondern der Geist der dahinter steckt!
Es schön zusehen wie sich ältere Mitmenschen an den schönen Dingen des Lebens noch erfreuen können.
Natürlich spielt die Gesundheit immer eine primäre Rolle.
Wir Alle, aber auch die politischen Führer haben jedoch die Verpflichtung dem älter werdenden Menschen die höchstnotwendige, medizinische, menschliche Hilfe zukommen zu lassen immer unter dem Gesichtspunkt der optimalen Menschlichen Würde.
Es werden Milliarden von Euro oder Dollar für Vernichtungswaffen ausgegeben, also Geld ist in Hülle und Fülle vorhanden.

#13 |
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Gast
Gast

Mir Oktogenarier, dem es zur Zeit körperlich und geistig noch gut geht, wäre es eine große Lebenshilfe, wenn ich sicher sein könnte, dass gegebenenfalls meine Patientenverfügung beachtet und mir großzügig Sterbehilfe gewährt werden würde, anstatt an mir “herumzudoktern.”

#12 |
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Gast
Gast

Meistens sind die wortspielerischen Titeln der Beiträge lobenswert.
Diese Überschrift empfinde ich als rotzig und respektlos, Senior/Innen gegenüber.

#11 |
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Gast
Gast

Rein rechnerisch werden sich die Enkel für die empfohlene Betreuung bedanken. Sollte sicher Urenkel heißen….

#10 |
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Gast
Gast

Ich bin enttäuscht von dem Artikel, da er zu wenig Konkretes bietet, nur bekannte Allgemeinplätze.

#9 |
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Hier kommt Fluch und Segen von Leitlinien durch. Es wird dabei leider viel zu wenig beachtet, dass sie nur grobe Orientierung geben. Die jungen Mediziner und alle um sie Arbeitenden werden lernen müssen, mit den Leitlinien umzugehen und zu lernen haben, dass auch dann Patienten zu behandeln sind, wenn keine Leitlinien mehr gelten.

#8 |
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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

vielleicht brauchen alte Menschen weniger eine neue Leitlinie als vielmehr etwas mehr Aufmerksamkeit. Der gesundheitszustand ist doch extrem unterschiedlich. Schauerlich ist der Medikamentencocktail, den viele Alte schlucken sollen. Da sollte ein Geriater die Zügel in der Hand halten und nicht mehrer Fachärzte, die nix voneinander wissen….
Meine Schwiegermutter bekam 18 verschiedene Pillen verordnet, z-T. mehrmals täglich. mittags kippte Sie immer um, bis sich der Apotheker mal die Zait nahm und die Wechselwirkungen studiert hat. 2 Mittel raus und die Oma läuft wieder fit….

#7 |
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Krankenpflegehelfer

Als selbst leitliniengeplagter – wohl gemerkt: Patient!! – sehe ich die Problematik deutlich differenzierter. Ich bin mir sicher, daß ein stures Vorgehen nach Leitlinien nicht wirklich immer angebracht ist, und wieder mehr individuell und persönlichkeitszentriert gedacht und gehandelt werden muß. Übrigens grundsätzlich und nicht nur auf unsere Alten begrenzt.

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Anja Walther-Ruf
Anja Walther-Ruf

Der restliche Text wurde abgeschnitten…
Mögen sich so viele ärztliche Kollegen wie möglich der individualisierten Behandlungsweise annehmen.
Danke an #3, sehe das genauso.

#5 |
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Anja Walther-Ruf
Anja Walther-Ruf

Vielen Dank für den Artikel und die Darstellung der notwendigen Sichtweise auf ältere Patienten hinsichtlich der individuellen Behandlungsziele.
Für mich als aktive Geriaterin ist dieses Besinnen auf die Ziele ja mein täglich Brot. Aber ich kann leider nicht überall sein

#4 |
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Guter Artikel, vielen Dank.
Sehr wichtig ist es aus meiner Sicht, die hochbetagten Patienten weiterhin sehr individuell zu betrachten. Diese Menschen jenseits der 80 haben teils frappierende biologische Altersunterschiede (so dass sie eigentlich gar nicht als hochbetagt durchgehen), auch die soziale Situation kann extrem unterschiedlich sein. Wie oft erleben wir inzwischen knapp Hundertjährige, die wie 80 aussehen, alles noch völlig selbstständig erledigen, am sozialen leben aktiv teilnehmen und eine sehr hohe Lebensqualität haben. Im nächsten Bett kann eine 70- Jährige liegen, die bereits seit 10 Jahren ihr Dasein multimorbide oder dement im Heim fristet. Deshalb darf das individuelle Gesundheitsziel bei der Behandlung solcher Menschen nicht pauschal am Alter ausgerichtet sein, Vorsicht vor technokratischen Leitlinien nach dem Motto “ab 80 keine neue Hüfte mehr”.

#3 |
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Als selbst 80jähriger danke ich Frau Amrhein für den gelungenen Beitrag und die gute Recherche zum Thema. Weiterhin viel Erfolg.
Prof. Dr. med. Rolf Ebert

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Dr. Birgit Schiel
Dr. Birgit Schiel

Vielen Dank für den tollen Artikel!

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