Marburgvirus: Weltweit erster Antikörper

30. März 2017

Biochemiker haben weltweit den ersten Antikörper entwickelt, der im Tiermodell zur Bekämpfung des Marburgvirus eingesetzt wird. Das Team arbeitete dabei mit dem Phagen-Display, einer Methode zur Erzeugung von Antikörper-Medikamenten im Reagenzglas.

Ein Forschungsteam um Professor Michael Hust vom Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik der TU Braunschweig testeten am Tiermodell den weltweit ersten Antikörper gegen eine Infektion mit dem Marburgvirus.

„Wir freuen uns, dass wir mit dem Antikörper-Phagen-Display dazu beitragen konnten, die ersten therapeutisch wirksamen Antikörper gegen das Marburgvirus zu entwickeln. Wir hoffen, dass diese Antikörper klinisch weiter entwickelt werden“, erklärt Projektleiter Prof. Michael Hust vom Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik der TU Braunschweig.

Bisher keine antiviralen Medikamente

Bei dem Marburgvirus handelt es sich um einen für Menschen hochansteckenden Erreger, der ebenso, wie das Ebolavirus zur Familie der fadenförmigen Filoviren zählt. Im Gegensatz zu anderen Viren, welche lediglich spezielle Zellen infizieren, befällt das Marburg-Virus verschiedene Zelltypen und zerstört sie. Erkrankte entwickeln rasch hohes Fieber und starke innere Blutungen bis hin zu multiplem Organversagen. Zur Behandlung dieses tödlich verlaufenden hämorrhagischen Fiebers stehen bisher keine antiviralen Medikamente zur Verfügung.

Antikörper aus dem Reagenzglas

Antikörper sind die wichtigsten Abwehrstoffe des Immunsystems. In vielen Bereichen der Medizin und der biologischer Forschung nutzt man viele dieser sogenannten Immunglobuline als hochsensitive Sonden zur biochemischen Analyse und der Erforschung von Zellen und Geweben. Auch für viele diagnostische Tests werden Antikörper benötigt und bei Krebs oder Autoimmunerkrankungen kommen sie therapeutisch zum Einsatz. Sie stellen heute die weltweit umsatzstärkste Klasse von Medikamenten dar.

Bisher wurden Antikörper vor allem durch Immunisierung von Versuchstieren hergestellt. Mithilfe von Gentechnologie, wie etwa mit Hilfe des Antikörper-Phagen-Displays, könnten sie allerdings heute komplett im Reagenzglas hergestellt werden auf diese Weise können insbesondere auch für Patienten verträglichere, komplett menschliche Antikörper entwickelt werden.

Originalpublikation:

Generation and characterization of protective antibodies to Marburg virus
Jeffrey W. Froude et al.; MAbs, doi: 10.1080/19420862.2017; 2017

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1 Kommentar:

Dr. Lars Koste
Dr. Lars Koste

Schöner Artikel, danke.

Aber zu dem Zitat: “…den ersten therapeutisch wirksamen Antikörper…”?! Aus Erfahrung, ein rekombinant hergestellter Antikörper bedeutet noch lange nicht, dass er klinisch überhaupt jemals eingesetzt werden kann. Stichwort Bio-Verfügbarkeit, Serum-Verträglichkeit, Up-scaling, etc etc… Und die Maus ist nun mal eben nicht der Mensch.

#1 |
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