Leberzellkarzinom: IRE verlängert Lebensdauer

29. März 2017
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Mithilfe eines neuen Verfahrens könnte inoperablen Leberkrebs-Patienten geholfen werden. Durch eine irreversible Elektroporation (IRE) werden Krebszellen in der Leber effektiv bekämpft. Die Methode ist minimal-invasiv und deshalb sehr schonend.

Mit rund 780.000 Neuerkrankungen im Jahr gilt das Hepatozelluläre Karzinom (HCC) als fünfthäufigster bösartiger Tumor weltweit. Betroffene haben oftmals eine schlechte Prognose, da die Erkrankung häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird und dadurch auf konventionelle Art nicht mehr therapierbar ist.

Genau hier gibt die innovative Methodik der Irreversiblen Elektroporation (IRE) Hoffnung: Das Verfahren bietet eine Therapiealternative für bisher inoperable Patienten. Im Oktober 2011 initiierte das Institut für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) die bisher größte klinische Studie zur Irreversiblen Elektroporation und konnte die Wirksamkeit der Methodik hinsichtlich Überlebensrate und Rezidiventwicklung bestätigen.

Patienten leben durchschnittlich zwei Jahre länger

Insgesamt 71 Patienten, die am UKR mit der IRE behandelt wurden, wurden für die Studie über fünf Jahre hinweg retrospektiv beobachtet. „Mit der umfangreichen Fallzahl an Patienten und dem langen Nachbeobachtungszeitraum ist unsere Studie die größte, die bislang zur IRE durchgeführt wurde. Auch wenn hierin nur die Ergebnisse unseres Instituts betrachtet werden, liefert sie bedeutende Hinweise für die Wirkung der Methodik und kann so dazu beitragen, sie künftig mehr Patienten zugänglich zu machen“, erläutert Prof. Christian Stroszczynski, Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik des UKR.

Die Studie ergab, dass die Patienten nach der Behandlung im Schnitt länger als zwei Jahre lebten. Bei etwa 93 Prozent der einbezogenen Fälle konnte eine komplette Tumorentfernung innerhalb des sechswöchigen Nachbeobachtungszeitraums nachgewiesen werden. Lediglich ein Drittel der behandelten Patienten entwickelten Rezidive. „Den im Rahmen der Studie betrachteten Patienten wäre ohne die IRE keine kurative Therapieoption mehr zur Verfügung gestanden. In Hinblick darauf sind die Ergebnisse äußerst positiv zu werten“, resümiert Dr. Wiggermann.

IRE bei inoperablem Leberkrebs

Zur Therapie des HCC stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Mittel der Wahl ist dein chirurgischer Eingriff. Operativ entfernt werden kann der Tumor aber nur, wenn noch nicht zu viel des Lebergewebes befallen ist. Als Alternative zur Operation dient häufig die Radiofrequenzablation (RFA). Hierbei wird der Tumor mittels Hitze, die zielgenau über spezielle Sonden in den Körper eingebracht wird, verkocht. Aber auch diese Methodik hat ihre Grenzen. So können beispielsweise nur Tumoren behandelt werden, die kleiner als fünf Zentimeter sind. Auch ist eine vollständige Entfernung der Tumorzellen oft nicht möglich. Sind alle gängigen Therapieoptionen ausgeschöpft, bietet die IRE betroffenen Patienten eine neue Behandlungschance.

Die Irreversible Elektroporation ist wie die RFA ein minimalinvasives Verfahren. Sie bekämpft Leberkrebszellen mit zielgerichteten Elektroimpulsen. Im Zentrum des Tumors werden hierfür perkutan über mehrere Sonden Elektroden platziert, deren Lage durch bildgebende Verfahren wie Sonographie oder Computertomographie (CT) kontrolliert wird. Sind die Elektroden an ihrem Platz, werden bis zu 80 Mal kurze, elektrische Impulse von bis zu 3.000 Volt abgegeben.

„Es bleiben nur milimeterkleine Narben zurück“

Durch das dadurch entstehende elektromagnetische Feld bilden sich Risse in der Membran der Leberkrebszellen, die zu einem geregelten Zelltod führen. Die Behandlung kann bis zu zweieinhalb Stunden dauern. Durch den minimalinvasiven Eingriff können Patienten bereits nach drei bis vier Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ein weiterer Vorteil: Sollten innerhalb einer Behandlung nicht alle Leberkrebszellen zerstört worden sein, kann das Verfahren nach sechs bis acht Wochen wiederholt werden.

„Die IRE kann in der Leber bei Tumoren von bis zu sechs Zentimetern Größe angewandt werden. Die betroffenen Patienten profitieren vom guten Nebenwirkungsprofil des schonenden Verfahrens. Im Gegensatz zu einer Operation bleiben durch den minimalinvasiven Eingriff lediglich millimeterkleine Narben zurück“, erklärt Wiggermann.

Entwicklung individueller Behandlungsstrategien

Zur Durchführung der IRE benötigt ein Krankenhaus ein spezielles Gerät und die nötige Expertise. „Bislang ist die IRE noch nicht sehr verbreitet. Wir hoffen, dass wir durch unsere Forschungsarbeit dazu beitragen können, durch die IRE künftig noch mehr Patienten die Hoffnung auf eine wirksame Therapie zu bieten“, so Dr. Christoph Nießen, Facharzt im Institut für Röntgendiagnostik des UKR.

Im UKR wird im interdisziplinären Team entschieden, wann eine IRE für einen Patienten sinnvoll ist. Neben dem Institut für Röntgendiagnostik sind am UKR die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, die Klinik und Poliklinik für Chirurgie sowie das Ultraschallzentrum beteiligt. Im gemeinsamen Tumorboard wird für jeden einzelnen Patienten über die passende Behandlungsstrategie beraten.

Originalpublikation:

Percutaneous Irreversible Electroporation: Long-term survival analysis of 71 patients with inoperable malignant hepatic tumors
Christoph Nießen et al.; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep43687; 2017

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3 Kommentare:

Aus Österreich gibt es ein Präparat namens OmniBiotic Hetox… hat das bereits jemand zum Einsatz gebracht?
Ähnlich der Kalorienreduktion bei Fettleber´, die bekanntlich Rheumatikern und
Diabetikern manchmal evt recht gut tut, soll das Mikrobiom wieder auf Vordermann zu bringen, evt. die Ausgangslage möglicherweise nichtmedikamentös verbessern.
Wer hat hierin Erfahrung ?

#3 |
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Gast
Gast

Sehr geehrte Frau Kraft,
ich habe einige Zeit darüber nachgedacht, ob ich Ihnen auf Ihre Frage antworte, weil doccheck ja kein Forum für Beratungen ist (das wäre zudem ethisch und rechtlich fragwürdig, außerdem ließe sich aus den Angaben, die sie geliefert haben, für sich genommen keine seriösen Aussagen treffen). Trotzdem glaube ich, daß Sie Sorgen und Nöte haben, so daß ich Ihnen gerne allgemeine Ratschläge geben möchte (und hoffe, daß die Redaktion mir das nicht übel nimmt): Suchen Sie sich einen Arzt Ihres Vertrauens, mit dem Sie Ihre Beschwerden und Untersuchungsbefunde, aber auch Ihre Ängste besprechen können. Falls der Verdacht auf eine Krebserkrankung bestehen sollte, ist ein Onkologe der richtige Ansprechpartner. Falls Sie sich bei Ihrem behandelnden Arzt nicht richtig aufgehoben fühlen sollten: Sie haben jederzeit die Möglichkeit, eine Zweitmeinung einzuholen. Für viele Erkrankungen gibt es auch seriöse Informationen im Internet (Portale, Foren usw.), auf denen sich Betroffene austauschen können. Eine erste Anlaufstelle könnte https://www.krebshilfe.de/ sein.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Gesundheit!

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Altenpfleger

Ich habe Osteoplastischer Herd linkes Osilium und TH3 was kann ich tun zum gesund werden

#1 |
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