Ärzte befolgen Vorhofflimmer-Leitlinien

5. Juli 2013
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Beim Ehra Eurio Congress 2013 wurde das europäische Vorhofflimmer-Register vorgestellt. Heraus kam, dass orale Antikoagulation inzwischen bei über 85 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern auch tatsächlich eingesetzt wird.

Das PREFER in AF Register (Prevention of thromboembolic events – European registry in Atrial Fibrillation = europäisches Register zur Verhinderung von thromboembolischen Ereignissen bei Vorhofflimmern) liefert ein Bild der Behandlungspraxis in fünf europäischen Ländern im Jahr 2012. Diese Registerstudie zeigt, dass bereits rund sechs Prozent der Patienten neue orale Antikoagulanzien einnehmen und dass der Einsatz von Rhythmusmedikamenten und Katheterablationen gestiegen ist.

„PREFER in AF veranschaulicht die Veränderungen in der Behandlung von Vorhofflimmern durch die aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) aus dem Jahr 2010. Die europäischen Ärzte setzen die neuen Leitlinien gut um. Die Antikoagulation wird mittlerweile breiter eingesetzt als noch vor einigen Jahren. Das zeigt der Vergleich mit früheren Beobachtungsstudien wie dem AFNET Register (2006) und dem EuroHeartSurvey (2004). Die rasche Aufnahme der neuen oralen Antikoagulanzien in den Behandlungsalltag verdeutlicht, dass diese Medikamente eine therapeutische Lücke schließen“, sagt Prof. Kirchhof.

Reihe von Neuerungen im Umgang mit Vorhofflimmern

Die ESC Leitlinien für die Behandlung von Vorhofflimmern beinhalten eine Reihe von Neuerungen im Umgang mit Vorhofflimmern, so zum Beispiel das Konzept eines aktiven Vorhofflimmer-Screenings, um eine Therapie einzuleiten, bevor Komplikationen auftreten. Die Leitlinien betonen auch, dass eine dauerhafte orale Antikoagulation für die Mehrheit der Vorhofflimmerpatienten angezeigt ist, da fast alle ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben.

Von Januar 2012 bis Januar 2013 hat das PREFER in AF Register Vorhofflimmerpatienten aus 461 Zentren in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien eingeschlossen. 42 Prozent der Registerpatienten stammen aus Praxen, 53 Prozent aus Kliniken. 89 Prozent wurden von Kardiologen behandelt. „Da Behandlungsmuster auch von der Art des Arztes abhängen, hielten wir es für wichtig, Patienten aus unterschiedlichen Arten von Zentren zu rekrutieren.“, erklärt Prof. Kirchhof.

Die Ergebnisse zeigen, dass von den 7243 Patienten 30 Prozent paroxysmales, 24 Prozent persistierendes, 7 Prozent langanhaltend persistierendes und 39 Prozent permanentes Vorhofflimmern hatten. 66,3 Prozent aller Patienten (4799) bekamen Vitamin K Antagonisten (VKA) als Monotherapie, 9,9 Prozent (720) VKA in Kombination mit Plättchenhemmern und 6,1 Prozent (442) bekamen neue Antikoagulanzien, das heißt einen der Wirkstoffe Dabigatran, Rivaroxaban oder Apixaban. 11,2 Prozent (808) wurden ausschließlich mit Plättchenhemmern behandelt und 6,5 Prozent (474) erhielten überhaupt keine antithrombotische Therapie.

Pulsfrequenz zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute halten

78,6 Prozent der Registerpatienten erhielten eine Frequenzkontrolle mit dem Ziel, die Pulsfrequenz zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute zu halten. 66,7 Prozent der Patienten bekamen eine rhythmuserhaltende Therapie, die bei 18,1 Prozent aus einer elektrischen Kardioversion und bei 19,5 Prozent aus einer pharmakologischen Konversion bestand. 24,1 Prozent nahmen Amiodaron ein, 10,5 Prozent Flecainid, 5,5 Prozent Sotalol, 4,0 Prozent Dronedaron und 3,1 Prozent andere Antiarrhythmika. Eine Katheterablation wurde bei 5 Prozent der Patienten durchgeführt. „Wir waren überrascht und verwirrt, dass so viele Patienten (mehr als 80 Prozent) trotz guter Frequenzkontrolle weiterhin an Vorhofflimmer-Symptomen leiden. Das zeigt, dass es viel zu tun gibt, um Methoden zu entwickeln, mit denen wir den Sinusrhythmus in Zukunft besser erhalten können.“, folgerte Prof. Kirchhof.

Die EAST Studie (Early treatment of atrial fibrillation for stroke prevention trial) untersucht zurzeit, ob eine frühe Anwendung rhythmuserhaltender Maßnahmen kardiovaskuläre Komplikationen besser verhindern kann als die übliche Behandlung.

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Kardiologie, Medizin

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