Hallo-Wach-Station!

20. Oktober 2010
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Die Wachstation der Chirurgie ist der perfekte Platz für Medizinstudenten, um sich praktische Fähigkeiten anzueignen. Claus erzählt in Teil 3 der Nebenjob-Reihe, wie sein Nebenjob auf der Wachstation ihm heute noch Pluspunkte bei den Schwestern einbringt.

Angefangen hatte alles schon zu Beginn meines Medizinstudium, als ich im mehr oder weniger beliebten Pflegepraktikum von meiner zuständigen Oberschwester gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, neben dem Studium als pflegerische Aushilfe zu arbeiten.
Klar, dachte ich, gerade in der Vorklinik ist man ja für jedwede Einblicke in die praktische klinische Tätigkeit dankbar. Gesagt, getan.
Nach einiger Zeit hatte ich wieder ein Gespräch mit der Oberschwester: ob ich mir auch vorstellen könne auf der chirurgischen Wachstation – einer Art Zwischenstation zwischen Normal- und Intensivstation – zu arbeiten. Natürlich zögerte ich nicht!

Nach einer recht komfortablen Einarbeitungszeit von zwei Wochen in meinen Semesterferien durfte ich offiziell auf der Wachstation eingesetzt werden. Ein nettes, junges Team, 10 Bettenplätze und jede Menge spannende Arbeit erwartete mich. Vom Prinzip her arbeitete ich im Schicht-System à acht Stunden; morgens meist zu sechst; nachmittags normalerweise zu viert; Nachtschichten kamen für mich als Nichtexaminierten nicht in Betracht. Pro Schicht hat man maximal zwei Patienten zu versorgen.

Die Aufgaben

Eine typische Frühschicht beginnt mit der Stationsbesprechung und Übergabe vom Nachtdienst um 6.00 Uhr. Anschließend folgen Routineblutentnahmen und Körperpflege der Patienten; je nach Verfassung der Einzelnen ist dafür mehr oder weniger Mithilfe notwendig. Das „Schöne“ an einer Wachstation ist, dass die Patienten nicht beatmet sind, sondern nur besonders gut postoperativ beobachtet werden sollen und somit eine zumeist uneingeschränkte Kommunikation möglich ist.
Nach Visite durch die Chirurgen gibt es wie auf „normalen“ Stationen auch das Frühstück für die Patienten, gefolgt von weiteren pflegerischen Routinemaßnahmen, wie Verbandswechseln, Transportfahrten zu Diagnostika (Röntgen, CT), Verlegungen o.Ä..

Das Interessante an der Arbeit ist, dass man einfach mehr Möglichkeiten hat, als auf einer Normalstation. Das fängt beim Monitoring der Patienten an. Neben kontinuierlichem EKG gehört eine mindestens halbstündliche Blutdruckkontrolle zum Standard. Je nach Patientenverfassung und postoperativem Verlauf ergibt sich teilweise die Notwendigkeit für invasive Blutdruckmessung mittels arterieller Punktion, teilweise bringen die Patienten aus dem OP einen zentralen Venenkatheter (ZVK) zur Optimierung des perioperativen Flüssigkeitsmanagements mit, bzw. bekommen einen solchen auf Station gelegt.
Und ein weiterer Unterschied zur Normalstation ist, dass die Pflege weitestgehend eigenständig und unabhängig von den Ärzten agiert. So hat man einen sehr großen Handlungsspielraum bei Maßnahmen am Patienten.

Die Bezahlung

Bezahlt werden knapp 10€ pro geleistete Stunde Arbeit; für Dienste an Samstagen und Sonn- und Feiertagen werden Zuschläge gezahlt. Die Zeitenerfassung erfolgt wie heutzutage üblich per Stechkarte und als geringfügig Beschäftigter zahlt man als Student noch nicht einmal Sozialabgaben und Steuern, bzw. braucht gar keine separate Steuerkarte.

Das bringt’s

Fürs Studium hat mir der Nebenjob vor allem geholfen, mich schnell und gut mit Medikamenten auszukennen – gerade in Pharma in den höheren Semestern super praktisch. Aber auch praktische Fähigkeiten wie venöse Zugänge oder Dauerkatheter legen, konnte ich so üben, hatte ständig mit arteriellen Druckmessungen und ZVKs zu tun, so dass sich hier in gewisser Weise Hemmschwelle und Respekt vor solchen Maßnahmen auf ein „normales“ Maß heruntergeregelt hat.

Jetzt im Berufsalltag kommt mir das wieder zu Gute, wenn meine Schwestern sich freuen, wenn ich im OP auch mal einen Katheter lege oder mir meine Perfusoren mit benötigten Medikamenten einfach selbst herrichte und sie dadurch ein Stück weit entlaste. Das sind einfach so Sachen, die man als Student in keiner Vorlesung beigebracht bekommt, die einem aber oftmals das Leben erleichtern.

Nebenjob-Reihe:

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