Rechtsmediziner: Detektive im Kittel?

20. Oktober 2010
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Teil 2 der Facharzt-Reihe: Wer gern Krimis schaut, kommt an der Rechtsmedizin kaum vorbei. Obduktionen dauern nur Minuten, kein Fall bleibt ungelöst und alle Rechtsmediziner sehen toll aus. Aber was davon hat noch mit der Realität zu tun und was nicht?

In vielen TV-Krimiserien können Rechtsmediziner durch genaue Untersuchungen viele unglaubliche Dinge herausfinden. Schon am Tatort lassen sie wichtige Spuren sichern und begutachten sehr genau die aufgefundene Leiche. Sie schauen sich zuerst an, an welcher Stelle das Opfer liegt und wie es dort liegt. Sie suchen bereits hier nach Indizien, die wichtig für die spätere Verbrechensaufklärung sein können. Aber wie sieht die Rechtsmedizin in der Realität aus? Teil 2 unserer Facharzt-Reihe soll Euch einen kleinen Überblick darüber geben.

Ein Rechtsmediziner hat im Gegensatz zu einem Pathologen, der etwa Gewebezellen auf Krankheiten untersucht und die Untersuchungen oftmals zu wissenschaftlichen Zwecken durchführt, eine komplett andere Facharztausbildung hinter sich gebracht und ist für ganz andere Aufgabenbereiche zuständig. Zu seinem Aufgabengebiet gehören alle ärztlichen Untersuchungen im Dienste der Staatsanwaltschaft sowie die Forensik. Darunter fällt der Nachweis von Giften im Körper einer Leiche, die Untersuchung von Verletzungen auf Waffeneinwirkung und unter anderem auch die Auswertung von Stimmproben.

Die Aufgaben eines Rechtsmediziners sind umfangreicher, als es im Fernsehen dargestellt wird. Zum Alltag gehören zwar Obduktionen, welche aber lediglich nur ein Viertel der Arbeit ausmachen; der größere Teil der Arbeit wird von Lehre und Praktika bestimmt. Rechtsmediziner unterrichten unter anderem Medizinstudenten und arbeiten in der wissenschaftlichen Forschung. Außerdem führen sie im Auftrag der Staatsanwaltschaft Untersuchungen von lebenden Personen durch. Dazu gehören unter anderem das Erstellen von Gutachten zur Bestimmung der Vaterschaft oder der Zurechnungsfähigkeit. Rechtsmediziner werten ebenso medizinische Spuren jeglicher Art aus, um der Staatsanwaltschaft alle Fakten in Bezug auf eine Straftat liefern zu können.

Doch ein bisschen wie im TV?

Rechtsmediziner haben aber schon so manch spektakulären Fall aufgeklärt. Dieses Fachgebiet ist ein interessantes Zusammenspiel zwischen Medizin und Rechtsprechung, da sich scheinbare Selbstmorde oder natürliche Todesfälle als kaltblütige Morde herausstellen können. Gibt es den Verdacht oder klare Beweise auf eine nicht natürliche Todesart, so ist die Arbeit des Rechtsmediziners gefragt. Jedes Detail wird ganz genau untersucht. Dabei spielen Gewalteinwirkung, Giftspuren oder Medikamenteneinfluss eine sehr große Rolle. Sobald eine Leiche auf dem Seziertisch landet, ist sehr gründliche Arbeit gefordert. Zuerst wird beurteilt, was man auf den ersten Blick erkennen kann und dem Rechtsmediziner sofort ins Auge sticht. Danach kümmert man sich um die genaue Detailarbeit, welche nicht sofort erkannt werden kann. Jeder Fall wird von zwei Rechtsmedizinern betreut, damit die Untersuchung gründlich und unter Zeugen erfolgen kann. Sie halten während der Obduktion mit Hilfe eines Diktiergerätes alle Untersuchungsergebnisse und Beobachtungen sehr genau fest. Bei jeder Routineuntersuchung werden Bauch-, Brust- und Schädelhöhle geöffnet. Oft sind diese Standarduntersuchungen schon erfolgreich, denn Organe, Blut und Knochen können schon gleich Auskunft über die Todesursache geben.

So unterschiedlich wie ein Verbrechen oder eine Todesart auch sein kann, so unterschiedlich können auch die jeweiligen Untersuchungsmethoden sein. Die genaue Untersuchung der Opfer und die Auswertung der verschiedenen Fakten liegen je nach Fall in den Händen von unterschiedlichen Spezialisten. Durch neue und verbesserte Untersuchungsverfahren und der guten Ausbildung der Rechtsmediziner ist es möglich, die Verbrechen und die verschiedenen Todesursachen individuell aufzuklären.

Bezahlung? Freizeit? Aufgabenspektrum? Was wonach wählst Du Dein Fach?

Die Rechtsmedizin ist auch ein Fachgebiet, in dem verschiedene Untersuchungen parallel laufen können. So tragen forensische Toxikologen, Biologen oder Anthropologen ihre Ergebnisse zu einem gemeinsamen Fall zusammen. Hierbei werden Blut und Haare, Fasern und z.B. Schussverletzungen von dem jeweiligen Spezialisten untersucht. Je nach Fall ist auch der Vergleich von Fingerabdrücken, eine Stimmerkennung oder die Erstellung eines Phantombildes sehr wichtig und relevant für die Auflösung eines Falles. Staatsanwaltschaft und die Rechtsmediziner sowie verschiedene Spezialisten aus anderen Fachrichtungen ermitteln und führen ihre Ergebnisse dann zusammen.

Die Facharztausbildung dauert insgesamt 60 Monate, also 5 Jahre. Unter anderem müssen sechs Monate in der Pathologie und sechs Monate in der Psychiatrie absolviert werden. Weitere Monate in der Pathologie, Psychiatrie, Pharmakologie, Toxikologie oder im öffentlichen Gesundheitswesen werden ebenso anerkannt.

Fazit

Das Fachgebiet Rechtsmedizin stellt ein sehr interessantes Fach dar, welches vielseitige Tätigkeiten aufweist. Zwar ist nicht alles, wie es im Fernsehn dargestellt wird, aber auch als Rechtsmediziner im echten Leben hilft man bei der Aufklärung des ein oder anderen Verbrechens.

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