PTBS: Wer entschärft die Minen im Kopf?

22. März 2017
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Sie haben Unvorstellbares erlebt: Bomben, die neben ihnen einschlugen, Vergewaltigungen und ein brennendes Zuhause. Gibt es für Kriegsflüchtlinge bei uns Möglichkeiten, diese Bilder wieder loszuwerden? Allein ihre Zahl überfordert verfügbare psychotherapeutische Kapazitäten.

Knapp 750.000 Asylanträge stellten letztes Jahr Menschen, die vor Gewalt oder politischer Verfolgung in Deutschland Schutz suchten. Etwa 1,2 Mio. Menschen sind in den letzten beiden Jahren hier angekommen.

Traumatisiert oder dämonisert?

Psychotherapeuten schätzen, dass die Hälfte von ihnen unter psychischen Störungen leidet, mehr als 200.000 müssten dringend behandelt werden. Im Vergleich zur Bevölkerung des Gastlandes ist die Rate von Ankömmlingen mit posttraumatischem Belastungssyndrom (PTBS) etwa zehnmal so hoch. Sie alle haben ein stark erhöhtes Risiko für eine schizophrene Störung und Depression.

Oft ist es die Bombe in unmittelbarer Nähe, die für das psychische Trauma sorgt, manchmal aber auch die getötete Ehefrau oder das Kind. Bei Frauen hinterlässt die Vergewaltigung durch Soldaten oder „Fluchthelfer“ unauslöschliche Spuren in der Psyche. Nach der Flucht mit Trennung, Hunger und Unsicherheit über das weitere Schicksal sind die psychischen Belastungen für die Ankommenden in der Asylunterkunft noch längst nicht gelöst. Denn auch hier stellt die unbekannte Kultur und die beengte Lebenssituation hohe Anforderungen.

In ihrer Heimat sind die typischen Symptome einer Belastungsstörung manchmal ganz unbekannt, „Albträume, Flashbacks, unkontrolliertes Zittern und Panikattacken, das sind dort Zeichen“, so erklärt Mathias Wendeborn von der Flüchtlingshilfsorganisation Refudocs, „dass man von einem Schinn besessen ist“, also von einem Dämon. Nur ein winziger Prozentsatz dieser „Dämonisierten“ ist nach seiner Ankunft gewaltbereit und wird kriminell, „aber es ist illusorisch zu denken, dass Menschen ohne Probleme eine neue Sprache lernen und Arbeit finden können, wenn sie psychische Probleme haben“, sagt Thomas Elbert von der Universität Konstanz. „ Wenn wir schnelle Integration wollen, brauchen wir schnell einen Plan für ihr seelisches Wohlbefinden.“

Mehrstufiges Therapiemodell

Inzwischen liegen bereits etliche Ideen dafür in der Schublade oder finden sich in gedruckter Form in den psychiatrischen Fachzeitschriften. Nicht jeder, der unter den Strapazen von Krieg in der Heimat und jenen der Flucht leidet, braucht eine psychotherapeutische Behandlung. Vielfach lassen sich leichtere psychische Probleme durch ein Gespräch lösen oder lindern. Am besten mit jemandem, der aus dem gleichen Kulturkreis stammt, die gleiche Sprache spricht und schon Erfahrungen mit dem deutschen Sozialsystem hat. Frank Schneider von der RWTH Aachen schlägt zusammen mit seinen Kollegen Malek Bajbouj und Andreas Heinz von der Charité ein Stufenmodell („Stepped and collaborative care“)  vor.

Auf der untersten Stufe leichter psychischer Erkrankungen raten die Autoren zuerst einmal zu „abwartendem Beobachten“. Auf der nächsten Stufe kämen dann Angebote zum Tragen, bei denen nicht unbedingt ein Experte zum Einsatz kommen muss (Peer-to-Peer) oder bei denen sich auch internetbasierte Angebote bewährt haben. Erst wenn diese Möglichkeiten erschöpft sind, sollen Gruppensitzungen oder eine Einzeltherapie dem traumatisierten Menschen helfen.

Für solche Laienhelfer als „Peers“ spricht sich auch Thomas Elbert aus. „Traumaberater“ sind mit der Kultur der Herkunftsländer vertraut oder stammen selber dorther. Gleichzeitig sind sie in Deutschland integriert und haben Erfahrungen im psychosozialen Bereich. Eine mehrwöchige stark praxisorientierte Fortbildung qualifiziert sie für die anspruchsvolle Aufgabe.

Sie stehen unter der Supervision eines Psychotherapeuten, der auch die Indikation und Behandlungsplanung des Patienten übernimmt. Nach acht bis zwölf doppelstündigen Sitzungen schließt sich dann eine klinische Diagnostik als Überprüfung der Behandlung an. Der Erfolg eines solchen Systems, so schreibt Ebert in seinem Artikel für den „Nervenarzt“, sei wissenschaftlich evaluiert. Auch die Flüchtlingsorganisation Ipso entwickelt mit den „psychosozialen Counselors“ ein ähnliches Modell. Eine Ebene darunter sollen „Gesundheitslotsen“ den Erstkontakt mit den Zuwanderern aufnehmen und den Kontakt zu einem Arzt oder Therapeuten vermitteln.

Maggie Schauer und Thomas Elbert @ Universität Konstanz

Maggie Schauer und Thomas Elbert © Universität Konstanz

Unsagbares dokumentieren und aus der Gegenwart streichen

Wie könnte nun eine solche Traumatherapie aussehen? Mit einem strukturierten Interview und einer Checkliste erkennt der Therapeut trauma-typische Symptome und kann Fragen nach Selbstmordgefahr oder möglicher Aggression abklären. Im Verlauf einer „Narrativen Expositionstherapie (NET)“ konstruieren Therapeut und Patient quasi von außen den Lebenslauf inklusive der traumatischen Ereignisse und halten ihn schriftlich fest. Wichtig ist es dann, die Auslöser für die Angst zu erkennen.

Enge in öffentlichen Verkehrsmitteln oder unbeabsichtigte Berührungen können die Erinnerung an den Krieg oder an sexuelle Übergriffe aufwecken. Die Verknüpfung solcher Alltagssituationen in Deutschland und der Bedrohung muss demnach gelöst werden. Der Geflüchtete soll erkennen, dass diese Erlebnisse zur Vergangenheit gehören. In den meisten Fällen gelingt das. Auch von Laien angewandt, erwies sich NET als ein Erfolg versprechendes Verfahren für die Aufarbeitung traumatischer Ereignisse.

Kunsttherapie hat sich in der Aufarbeitung ebenfalls bewährt. Gerade bei traumatisierten Kindern kann sie helfen, mit dem Erlebte klarzukommen und Unaussprechliches in Bildern auszudrücken, wie Rita Eckart von stART International auf einer Tagung in München berichtete.

Elektronische App-Unterstützung

Nicht immer ist es ganz leicht, auch medizinische Berufsorganisationen von neuen Konzepten mit nicht akademischem Fachpersonal für therapeutische Programme zu gewinnen. Mittel aus Töpfen des Bunds fließen demnach auch noch recht spärlich. Elberts Kollegin und Ehefrau Maggie Schauer konnte immerhin 100.000 Euro aus Geldern aus Baden-Württemberg für eine NET-Studie mit Flüchtlingen einwerben. Und Sarah Ayoughi von Ipso finanziert die Ausbildung von Zugewanderten mit Hilfe der Google-Stiftung. Die Abrechnung von psychotherapeutischen Leistungen mit den Sozialämter ist jedoch nach wie vor sehr aufwändig und kompliziert und für eine schnelle Reaktion auf den Bedarf des traumatisierten Kriegsopfers nicht immer passend.

Auch in anderen Länder versuchen Psychotherapeuten mit ähnlichen Strategien, traumatisierten Migranten zu helfen. Emily Holmes vom Stockholmer Karolinska Institut wertet Tagebücher aus, in denen ihre Patienten ihre Flash-Backs eintragen. Im Durchschnitt sind das zwei pro Tag, wesentlich mehr als bei anderen PTBS-Patienten.

Ebenfalls in Stockholm entwickelten Programmierer für Holmes’ Schützlinge ein Videospiel, das sie beim Auftreten unerwünschter Erinnerungen ablenken und diese damit aus den Gehirnen verdrängen soll. Im Laborversuch klappt das schon recht gut. Bewährt sich die App auch in der Praxis, so die Vorstellung der Entwickler, könnte man sie auch in Flüchtlingslagern in Afrika und Asien einsetzen.

Suche nach dem Resilienz-Zentrum

Was geht im Gehirn von Trauma-Opfern vor? Welche Möglichkeiten gibt es, diese neurologischen Verknüpfungen zu blockieren oder die Verbindungen zu lösen? Das will Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim untersuchen. Ein Smartphone dient dabei zur regelmäßigen Dokumentation des Gemütszustands, Panikattacken oder Misstrauen gegenüber anderen. Im anschließenden Gehirnscan hoffen die Forscher, spezifische Regionen ausfindig zu machen, die als Antwort auf sozialen Stress aufleuchten oder die vielleicht eine Resilienz gegen die wiederkehrenden Erinnerungen spiegeln.

Zwei Studien aus Kanada und England konnten in den Gehirnen Geflüchteter unabhängig von äußeren Symptomen deutlich höhere Mengen an Dopamin im Striatum messen, möglicherweise ein Hinweis auf ein deutlich erhöhtes Psychoserisiko.

Unter den Schutzsuchenden bekommt nur derjenige ärztliche Behandlung, der akut erkrankt ist und unter starken Schmerzen leidet. Eine Psychotherapie bei PTBS ist nach derzeitiger Auslegung nur unter besonderen Umständen gerechtfertigt und im Übrigen kein Grund, eine mögliche Abschiebung zu verzögern. Dementsprechend überrascht es auch nicht, dass rund 40 Prozent der Asylsuchenden mit behandlungsbedürftigem PTBS bereits Suizidpläne hatten oder haben. Wir sollten nicht darauf warten, dass solche Pläne verwirklicht werden.

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35 Kommentare:

Annika Diederichs
Annika Diederichs

#35 Gehen wir nur einen klitzekleinen Schritt weiter zurück und fragen, wem es nicht ganz unrecht ist, daß die vergleichsweise sichere Balkanroute geschlossen wurde, so daß Kriegsflüchtlinge auf andere, vielfach todbringende Routen ausweichen müssen.

http://www.zeit.de/politik/2016-04/fluechtlingsrouten-europa-mittelmeer
http://www.unhcr.de/presse/nachrichten/artikel/c5c585aa6d7a380461cfa5ea52dda883/fluechtlinge-und-migranten-sind-bei-dem-versuch-nach-europa-zu-g.html

Interessant wäre auch die Frage der Vergleichbarkeit der Situation der Flüchtlinge damals und heute, denn die Situation heute ist wahrlich eine ganz andere als ’45.

#35 |
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Medizinjournalist

an alle, die hier gepostet haben: Wir (Deutschen) haben die Traumata zweier Weltkriegen doch auch ohne Psychotherapie überstanden:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/asyl-mehr-suizidversuche-von-fluechtlingen-in-bayern-1.3445132

… und ich hoffe, sehr, dass hier niemand ist, dem diese Tatsache nicht ganz unrecht ist…

#34 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

#33 Die WK II Kriegsflüchtlinge tragen viel von dem erlittenen Trauma noch immer mit sich herum. Wir haben gerade erst damit begonnen, wisenschaftlich zu erforschen, wie sich das im Einzelnen auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und letztlich auf jeden einzelnen von uns auswirkt. Klar ist jedoch bereits, daß es sich sehr negativ auswirkt und das bis heute. Klar ist auch, daß es besser wäre, wenn man Kriegsopfer bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erlebnisse unterstützt, bevor es ihren Charakter verformt.

#33 |
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Gast
Gast

Es ist ja alle schön und gut, unser Engagement in Ehren, aber wer hat eigentlich unseren Kriegsopfern geholfen?? Die mussten alle sehen, wie sie mit allem fertig wurden. Warum müssen wir eigentlich Mutter Theresa für alle spielen? Unsere vergewaltigten Frauen und misshandelten Kinder oder auch verprügelte Männer sollen sich da hinten anstellen – nicht einzusehen! Wir sollten auch in diesen Fällen ein bisschen Egoismus zeigen dürfen!!!

#32 |
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Ulrike Kellner-Goodwin
Ulrike Kellner-Goodwin

Auch Prof. Dr. Thomas Loew von der psychosomatischen Abteilung der Universitätsklinik Regensburg, Abt. Psychosomatik, hat ein Projekt auf die Beine gestellt, bei dem geschulte Traumahelfer unter der Leitung eines ausgebildeten Traumatherapeuten mit traumatisierten Flüchtlingskindern arbeiten. Elemente sind therapeutisches Sandspiel, funktionelle Entspannung, SURE, EMDR, malen, singen in Verbindung mit Bewegung.

#31 |
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Nichtmedizinische Berufe

“Deutschland kann so wie so nicht das Elend dieser Welt beseitigen. Angesichts der eigenen Bevölkerung kann es unmöglich die hunderttausende von Immigranten therapieren” Richtig ist, das es teuer wird. Aber diese Menschen sind ja schon hier! Manche von ihnen sind tickende Zeitbomben. Auch im Interesse der “Alteinwohner” sollten solche schwer Gestörten dringend therapiert werden.

#30 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Immer wieder erschreckend, wie jeder Sinn für Menschlichkeit verloren geht, sobald nicht Einzelpersonen betroffen sind, sondern große Gruppen von Menschen. Wir schaden letztlich uns selber, wenn wird das Leid dieser Menschen nicht ernst nehmen. Allerdings sehe ich auch wenig Sinn in Rufen nach Heerscharen von Psychotherapeuten. Die meisten Menschen können schreckliche Erlebnisse aus eigener Kraft überwinden, wenn sie in einer sicheren Umgebung mit Perspektive leben. Aktuell sehen sich Flüchtlinge jedoch bei uns in Situationen, die eine auf längere Sicht ungewisse Zukunft beinhalten und werden überdies weitgehend vom normalen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Kurz gesagt sitzen sie den ganzen Tag voller Zukunftsängste herum und werden immer wieder von bösen Erinnerungen eingeholt. Was diesen Menschen helfen würde, wäre Normalität. Zur Abhilfe gegen traumabedingte Streßsymptome könnte man in den Flüchtlingslagern Flyer verteilen mit einer Kurzbeschreibung von Entspannungstechniken und Achtsamkeitsübungen. Jede Wette, daß damit den meisten schon ganz erheblich weitergeholfen wäre.

#29 |
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Beate Leinberger, www.gewiss-ev.de
Beate Leinberger, www.gewiss-ev.de

Literatur zum Thema:
“Kriegsschauplatz Gehirn” von Prof. Thomas Loew, 2017
Hier kann man gut nachlesen, was nicht behandelte PTBS über Generationen hinweg verursachen kann UND dass ein erhöhter Dopamin-Spiegel durchaus wahnhafte Ideen auslösen kann, ein kulturell bedingter fester Glaube an Besessenheit, Dschinn etc. jedoch keine schizophrene Episode sein muss. Ein wissenschaftlich fundiertes, leicht verständliches Buch.
“Flüchtlingskrise als Chance-Der Regensburger Weg” von Beate Leinberger und Thomas Loew
Hier werden zwei Gruppentherapiekonzepte für traumatisierte Flüchtlingskinder und -Jugendliche mit Unterstützung von Laienhelfern (TraumaHelfern) beschrieben, die wissenschaftlich begleitet werden. Das Konzept für Jugendliche und junge Erwachsene ist unkompliziert für alle Menschen ab 14 Jahren anwendbar. Das Konzept funktioniert bewusst weitgehend ohne Dolmetscher! Die Finanzierung ist das Problem, weil unser Gesundheitssystem eine von Laienhelfern unterstützte Therapie (noch) nicht akzeptiert.

#28 |
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Beate Leinberger, www.gewiss-ev.de
Beate Leinberger, www.gewiss-ev.de

In den letzten beiden Jahren sind unglaublich viele ehrenamtliche Helfer tätig geworden! Auch diese benötigen Schutz vor psychischer Überlastung durch unermüdlichen Einsatz für diese vielen psychisch kranken Menschen!
Laienhilfe ersetzt keine psychotherapeutische Traumabehandlung. Laienhilfe im Vorfeld einer Behandlung wird die PTBS-Symptomatik nicht lindern. Traumatisierung benötigt zeitnahe fachliche Hilfe!
Wir haben inzwischen eine umfangreiche Sammlung von sehr kreativen und umsetzbaren Ideen (Bundespsychotherapeutenkammer, “Round Table” im Februar 2017 in Berlin!), die nur beschwerlich auf den Weg kommen, weil notwendige Kooperationen nicht statt finden und zur Verfügung gestellte Steuergelder für sinnlose und ineffektive Projekte im Nirvana versickern!
Lasst uns endlich zusammen arbeiten und koordiniert denken, planen und handeln!

#27 |
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Gast
Gast

Leute alle Flüchtlinge therapieren ist utopisch. Aber einfach zu sagen: Lasst sie einfach saufen nach WW2 lief das auch so ist genau so extrem.

Klassisches Internet-Problem: Nur extreme Meinungen. Wo sind die Dialoge statt der Diskussionen? Warum denkt hier niemand lösungsorientiert und realitätsnah, sondern wiederholt nur extreme Mantras die entweder von sehr weit Links oder Rechts kommen? Die Stärke Deutschlands ist seine Kompromissbereitschaft und sein Sinn für das Praktische. Also kehrt zurück zum Dialog und hört auf die jeweils andere Seite zu dämonisieren.

Liebe Grüße und einen Schönen Tag

PS: Nein es sind nicht alle Menschen “dumm” und die Welt geht wegen ein paar extremen Kommentaren nicht unter

#26 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Deutschland kann so wie so nicht das Elend dieser Welt beseitigen. Angesichts der eigenen Bevölkerung kann es unmöglich die hunderttausende von Immigranten therapieren

#25 |
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Und dann muss man sich noch den Zynismus überlegen, diese Menschen wieder dorthin abzuschieben, wo ihnen weitere Repressalien und Tod drohen!

#24 |
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Max Schlommski
Max Schlommski

Als ehemaliger, mehrmaliger Einsatzsoldat und Reservist klingeln einem die Ohren!

Auf sich selbst gestellt weil nach dem Einsatz wieder Zivilist und der eh schon viel zu geringen Möglichkeiten sich behandeln lassen zu können, muss ich sowas lesen….

Sorgt doch erst einmal für eine vernünftige und ausreichende Abdeckung an Therapeuten die denn auch noch Termine frei haben anstatt gleich mal eben ne halbe Million Menschen helfen zu wollen.

Das ist doch ein uraltes Thema was mich immer wieder an meine suiziden Kameraden denken lässt. R.I.P.

#23 |
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Gast
Gast

Ich habe einen (=1) jungen Mann aus Syrien unterstützt, habe eine arabische Trauma-Therapeutin für ihn gefunden und mittlerweile kann er wieder Bahnfahren. Vor der Therapie konnte er dies nicht, bekam Kreislaufprobleme, Schweißausbrüche. Er erzählte von Fluchtsituationen während derer die flüchtende Gruppe, der er angehörte, beschossen wurde. Mehrfach fiel er ins Mittelmeer.
Ich bin 56J. und habe mich früher mit den Folgen des 2.Weltkriegs beschäftigt, die meine Generation, also die Kinder der Kriegskinder, durchaus betreffen. Forschung gibt es auch dazu (Allensbach, Mitscherlich und andere).

#22 |
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Dr. med. Elmar Borsdorff
Dr. med. Elmar Borsdorff

Es geht also gerade als Nebenkriegsscheuplatz (wie passend beim Thema PTBS) darum, daß eine Suchanfrage bei Google mit willkürlich ausgewählten Suchbegriffen bizarres zutage fördert. Diese Kommentare sind so blöd, daß ich laut loslachen würde, wenn es nicht so traurig wäre. Ansonsten: Ich bin ausdrücklich kein Psychiater oder Psychotherapeut, aber füllen die Bücher über die kollektiven und individuellen psychischen Auswirkungen von Kriegen, insbesondere auch des 2. Weltkrieges, nicht ganze Säle? Natürlich kann man irgendwie weiterleben (wenn man sich nicht doch suizidiert), aber ist es nicht schon relevant, wenigstens den Versuch zu machen, das Trauma zu verarbeiten?

#21 |
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Gast
Gast

Docheck-hallihallo.
Das hier sollte schnell beendet werden, ein großenteils unqualifizierter , polemischer, haarsträubender und menschenverachtender Schlagabtausch auf Substammtischnieveau. Absolut unterste Schublade.

Bitte entsprechende Kommentare dringend entfernen!!

#20 |
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Gast
Gast

@Gast 12: Nein, genau das nicht. Die Zeit heilt eben genau nicht alle Wunden bei Posttraumatischen Belastungsstörungen. Und wer von Psychologen oder Psychotherapeuten und Psychotherapie so wenig Ahnung hat, sollte besser keinen als einen so unqualifizierten Kommentar schreiben.

#19 |
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Gast
Gast

um das klar zu stellen, ich habe das gelesen, weiß aber natürlich nicht, wieviel da tatsächlich dran ist… es kann natürlich auch sein, dass da rein gar nichts dran ist, aber wenn man bei google.de eingibt: “francesco de meo s” dann kommt als Suchvorschlag bereits “https://www.google.de/webhp?hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj4nbTouurSAhVL6RQKHZ-RCO0QPAgD#hl=de&q=francesco+de+meo+scientology&* … Herr Dr. Hübschmann, Sie sind doch Insider, vielleicht haben Sie weitergehende Informationen, als das bloße Spekulieren über google.de, bei dem ich mich als Nicht-Insider hier beschränken muss

#18 |
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ps: und ums nochmals ganz sachlich zu benennen: das Konzept der Schizophrenie hat sich seit den Zeiten des Schweizer Psychiaters Eugen Bleuler, seit fast 100 Jahren nicht wesentlich geändert. Die Prävalenz der Erkrankung lag in verschiedenen Kulturen und Zeiten immer um 1%. Daran ändern auch persönliche Angriffe nichts

#17 |
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Gast
Gast

@ Dr. Hübschmann: ich habe schon mehrfach im Internet gelesen, dass Ihr CEO Francesco de Meo ein Scientologe ist… Stimmt das? … weil die Scientologen sind dauch auch so sehr gegen die Psychiatrie….

#16 |
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@Gast u-a: Vulnerabilität für Schizophrenie hat nichts mit Vulnerabilität für PTBS zu tun, und Schizophrenie abzugrenzen von dem, was sie “Kriegsneurose” nannten, schafften die Psychiater der 50er Jahre auch.
Nett zu lesen, dass es “unethisch” ist, die (im übrigen mit der Pharma-Industrie vernetzte) Psycho-Industrie zu kritisieren… Die Macht der Sprache- wie man die “Wahrheit” (oder hier den Begriff der “Ethik”) neu erfinden kann, hat schon Orwell vorhergesehen.

#15 |
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Gast
Gast

@ Rüdiger Hübschmann: ein schnelles Googlen ihres Namens brachte in Erfahrung, dass Sie sogar Neurologe sind… da ist ihre Ignoranz gegenüber psychischen Erkrankungen erst recht bedenklich bzw. eben unethisch bzw. nicht dem ärztlichen Ethos gemäß Hippokratischem Eid bzw. Genfer Gelöbnis entsprechend…aber wer bei Helios arbeitet, für den ist der ethische Aspekt des Arztberufes ja ohnehin eher nebensächlich…

#14 |
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Gast
Gast

@ #14 bzw. @ Dr. Rüdiger Hübschmann: “Dass PTBS die Schizophrenie-Gefährdung erhöht: gibts dafür Studien? Stieg etwa in Deutschland nach den Weltkriegen die Zahl an Schizophrenie Erkrankter sprunghaft an?” ….gemäß dem Stress-Vulnerabilitäts-Modell bei Schizophrenie begünstigen Stress bzw. psychische Traumata den Ausbruch der Erkrankung … aber die Veranlagung, die Vulnerabilität, die war natürlich bereits vorher da … und ich verweise hier zusätzlich nochmals auf die mittlerweile nachgewiesenen genetischen Überlappungen zwischen verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen, die eben die Vulnerabilität sowohl für Schizophrenie als auch für PTBS/ PTSD ausmachen… es ist schade, dass sich jemand, der mutmaßlich den Dr. med als Titel trägt, sich hier durch eine solche Ignoranz gegenüber psychischen Erkrankungen hervortut… das ist unethisch und übrigens überhaupt nicht im Sinne von Hippokratischem Eid bzw. Genfer Gelöbnis …. und nach dem 2. Weltkrieg hatte man in Deutschland höchstwahrscheinlich drängendere Probleme, als Statistiken bzw. Studien über die Häufigkeit von Schizophrenie zu erheben…

#13 |
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Nichtmedizinische Berufe

Es gab auch nach dem zweiten Weltkrieg PTBS. Das wurde nicht so genannt.
Manche redeten von Kriegsneurose. Aber auch die Zivilbevölkerung war betroffen, ich empfehle als Einstieg das Buch von Sabine Bode “Kriegskinder”.
Ich lese hier raus ” Wir haben es auch ohne Psychologen geschafft.” Die Frage ist doch: WAr das gut so? WElche Strukturen entwickelt ein kollektiv traumatisiertes Volk ? Ist es nicht in Ordnung, dass man es heute besser weiß und besser macht! WEnn nicht, kann man sich ja der Erklärung mit den Djinnis anschließen.

#12 |
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“Knapp 750.000 Asylanträge stellten letztes Jahr Menschen, die vor Gewalt oder politischer Verfolgung in Deutschland Schutz suchten.”
Die Zahl ist deutlich zu hoch gegriffen. Aber man sieht, es gibt eine mächtige Lobby, die von der Einwanderung profitiert und jetzt regelmäßig ihr Lamento anstimmen wird, wenn sie ihrer Meinung nach nicht genügend subventioniert wird bzw nicht genügend Gelder “einwirbt”.
Dass PTSB die Schizophrenie-Gefährdung erhöht: gibts dafür Studien? Stieg etwa in Deutschland nach den Weltkriegen die Zahl an Schizophrenie Erkrankter sprunghaft an?

#11 |
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Gast
Gast

Alles was helfen kann, kann natürlich auch missbraucht werden. So auch d Psychotherapie, ganz klar. Was sich hier in “die sollen sich halt einfach mal zusammenreißen” zeigt, ist narzisstischer Output und sollte im Bereich von Kriegserlebnissen unterbleiben. Denn hierüber über andere zu urteilen – dafür fehlt d jüngeren Generation Deutscher einfach eindeutig aus d Sachlage heraus d Qualifikation.

#10 |
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Gast
Gast

Mein Gott würde ich sagen wollen, wenn nicht schon ein Anderer darauf hingewiesen hätte – was sollten die Millionen Zivilisten und auch Soldaten, nicht nur die Deutschen, sonder auch die Russen, Polen, Tschechen, Slowaken, Franzosen und was weiß ich noch wo überall Bomben explodierten im zweiten Weltkrieg, was sollten die eigentlich machen? Wenn sie alle zum Psychologen hätten rennen wollen, würden die letzten wahrscheinlich noch heute im Wartezimmer sitzen, weil eher kein Termin frei war. Das alles erscheint mir eher ein gefundenes Fressen für viele Psychologen zu sein um ihre Daseinsberechtigung mal wieder zu unterstreichen und Geld abzuschöpfen, denn wer bezahlt die Therapien den, ich glaube nicht das es die Waffenhersteller in Deutschland sind, auch die Herren undDamen der Regierung, die so großkotzig jeden einladen bezahlen bekannter Maßen nicht einen Pfennig Steuern auf ihre Einkommen. Lassen wir also die Kirche im Dorf und handeln nach dem alten Grundsatz, Zeit heilt alle Wunden. Wenn die Flüchtlinge hier ein Auskommen haben, eine Zukunft für sich und nicht ständig problemorientiere Fragen zur Vergangenheit beantworten müssen, dann schaffen 90 % es ein normales Leben zu leben. Und für die restlichen wäre sowieso ein hypnosystemisch, lösungsorientierter Ansatz der Problembewältigung besser als alles andere…
Ah, eines könnten die Herren und Damen Psychologen doch tun, wenn sie dieser Regierung mal erläutern würden, dass sie mit ihrer Politik, mit ihrem Waffenrasseln gen Russland und ihren Waffenlieferungen nach Arabien für traumatisierten Nachschub sorgen – ich glaube da hätten sie Therapiestunden genug zu absolvieren, denn das die Regierungsmitglieder das in kürzester Zeit begreifen und ändern, daran zweifle ich sehr.

#9 |
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Dr. med. Herbert Bock
Dr. med. Herbert Bock

Wenn ich solche Artikel lese muß ic h an meine Kindheit denken . Zweimal in Kassel ausgebombt , jeweils von Rettern aus den brennenden Häusern geholt ,
brennende Stadtteile wiederholt gesehen, als Flüchtling unter Beachuss durch Jabos geraten , nach 45 gehungert und gefroren – in einer völlig zerbombten Stadt die Kindheit verbracht – wie haben wir Kinder das überlebt ?
Mit Hilfe unsere Mütter , Väter waren im Krieg, Gefangenschaft oder gefallen

Dr.H. Bock geb. 1939

#8 |
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Hebamme

Nach dem Film “Free the mind”, in dem es um das MBSR-Programm von John Kabat-Zinn geht frage ich mich, ob es Bestrebungen bzw Modelle in Deutschland gibt, Menschen mit PTBS in solchen Programmen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

#7 |
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Hebamme

Korrektur:
Janusz Korczak

#6 |
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Hebamme

zu #3:
hieß damals nicht PTBS, aber meine Mutter berichtete von Nachbarn, die nachts schreiend aufwachten – Ex-Soldaten.
Ich saß als Schülerin einmal neben meinem Vater im Theater; es wurde ein Stück über Dr. Janosz Korzac gegeben, der mit den ihm anvertrauten Kindern in die Gaskammer ging. Auch als 14jährige nahm ich wahr, wie mein Vater kämpfen mußte, um das auszuhalten – ich habe nicht gefragt, welche Kriegserinnerungen da hochkamen, welche Mit-Schuld…

#5 |
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Psychotherapeut

Ist der Hammer, dass PTBS nicht als Bleibegrund und behandlungsbedürftig seitens der Politik gilt, ist ja eh nur psychisch…
Auswirkungen des WK II waren/sind im sinne PTBS deutlich da, sie wurden nur lange Zeit nicht erforscht. aber Studien sind eindeutig, dass PTBS über Bindung (und andere Faktoren) weitergegeben wird.

#4 |
  8
Gast
Gast

zu #5: “Internet” und nicht “Internat” plus zu #2 “Beamten-Apparat” und nicht “Bematen-Apparat” wollte ich schreiben…

#3 |
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Gast
Gast

…die Millionen Fälle von PTBS in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg hat eben damals keiner so bezeichnet… aber die Väter schlugen ihre Kinder, Ehemänner vergewaltigten ihre Frauen und Lehrer schlugen ihre Schüler, die Fälle von Alkoholismus dürften ebenfalls sehr zahlreich gewesen sein…nur damals gab es eben kein Internet, wo man all das googlen konnte…das lief alles ab unter der Oberfläche…

#2 |
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Gast mit Migrationshintergrund
Gast mit Migrationshintergrund

Irgendwie frage ich mich, wie das die Millionen Menschen nach dem SWW in Deutschland und anderem Europäischen Nationen ohne Armada an kostenintensiven Therapeuten hinbekommen haben. Auch damals sind Bomben gefallen und grausame Dinge geschehen. Dennoch gelang es den Menschen in kurzer Zeit ein ganzes Land wieder aufzubauen, ein Wirtschaftswunder zu installieren und Deutschland zu einer der führenden Nationen in Kultur, Wissenschaft und Finanzkraft zu machen. Und alles ohne Therapie. Vielleicht ist eine harte Arbeit und eine intensive Beschäftigung mit einem Sinnvollen Ziel vor Augen noch das beste und preiswerteste Heilmittel gegen traumatische Erlebnisse….

#1 |
  9


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