Sepsis: Schlüsselprotein entdeckt

27. Juni 2013
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Trotz antibiotischer Therapie ist die Sepsis mit hoher Sterblichkeit verbunden, weil es keine Therapie gibt, die die Entzündungsreaktion unter Kontrolle bringen könnte. Forscher identifizierten nun das Protein „WAVE1“ als wesentlichen Faktor bei diesen entzündlichen Prozessen.



In ihrer Arbeit beschreiben Ulrich Matt und Omar Sharif aus der Arbeitsgruppe von Sylvia Knapp von der MedUni Wien (Leiterin des Labors für Infektionsbiologie an der Klinik für Innere Medizin 1), wie unkontrollierte Entzündungen das angeborene Immunsystem hemmen können:  Zur Abwehr von bakteriellen Infektionen werden Sauerstoffradikale produziert. Diese töten die Erreger, schädigen dabei jedoch auch körpereigene Strukturen wie Zellmembranen. Sind diese Phospholipidmembranen oxidiert, greifen sie selbst in den Entzündungsprozess ein und hemmen die Phagozytose, jenen Mechanismus, in dem die schädlichen Bakterien von Fresszellen beseitigt werden. 

Ein Schlüsselprotein in diesem Mechanismus ist das Protein „WAVE1“, das an das Zellskelett-Protein Aktin bindet.

Fehlt WAVE1, können oxidierte Lipide das Fressen von Bakterien nicht mehr beeinflussen und die Abwehr der Infektion ist wieder intakt. Als Folge wird eine durch den häufigen Erreger Escherichia coli ausgelöste Sepsis besser überlebt. 

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass  auch in Peritonealdialysaten von Patienten mit Niereninsuffizienz oxidierte Lipide vorkommen, und dass diese Lipide ebenfalls die Phagozytose von Bakterien hemmen können – aber nur wenn das Protein WAVE1 vorhanden ist.  Diese Erkenntnis ist insofern interessant, da Patienten mit dauerhaftem Nierenschaden aus verschiedenen, zum Großteil ungeklärten Gründen, eine erhöhte Infektanfälligkeit zeigen.

Langer Weg bis zur klinischen Anwendung

„Eine gezielte Blockierung von Entzündungsmolekülen, die negativ in die Abwehr eingreifen scheint verlockend“,  so der Studienautor Ulrich Matt: „Die Erkenntnisse erweitern jedenfalls das Verständnis der angeborenen Immunantwort in der Abwehr von Bakterien, und zeigen einen möglichen interessanten Therapieansatz auf“. Inwiefern eine therapeutische Intervention über WAVE1 sinnvoll ist, wird jetzt in weiteren Studien untersucht. „Bis zur klinischen Anwendung einer immun-modulatorischen Therapie in der Sepsis bleibt noch ein gewisser Weg“, resümiert Sylvia Knapp.

Originalpublikation:

WAVE1 mediates suppression of phagocytosis by phospholipid-derived DAMPs
Ulrich Matt et al.; Journal of Clinical Investigation, doi: 10.1172/JCI60681; 2013

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