Braunes Körperfett: Davon krieg ich nie genug

9. März 2017

Die Masse braunen Fettes im Menschen ist dreimal größer als bisher bekannt war. Dabei aktivieren manche Personengruppen ihr braunes Körperfett stärker als andere. Eine mögliche Erklärung dafür, warum manchen die süße Schlemmerei nichts anhaben kann?

Braunes Körperfett ist im Vergleich zu weißem Fett ein Energiefresser. Nur schien der braune Fettanteil im Menschen bislang zu geringfügig vorhanden zu sein. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) belegen nun mit einer Studie: Die Masse braunen Fettes im Menschen ist dreimal größer als bisher bekannt war.

Für die Studie wurden knapp 3.000 PET-Scans von 1.644 Patienten ausgewertet. „Als Nebenprodukt dieser PET-Scans wird für uns aktives braunes Fettgewebe sichtbar“, erklärt Dr. Tobias Fromme vom Else-Kröner-Fresenius Zentrum der TU München. „Das braune Fettgewebe nimmt viel Zucker auf und diese Aktivität können wir über die Scans nachvollziehen.“ Es wäre beispielsweise vorstellbar, dass bei Diabetikern mithilfe der hohen Aktivität des braunen Fettes über ein Medikament der überschüssige Zuckeranteil im Blut reduziert wird.

Ebenso wäre es bei Patienten mit Adipositas denkbar, die hohe Energieverbrennung durch das braune Fett zu nutzen, um überschüssige Pfunde zum Schmelzen zu bringen – zumindest teilweise. „Jedenfalls ist die Prognose für die Wirkung von Medikamenten im braunen Fettgewebe nach oben korrigierbar“, so Fromme.

Manche aktivieren braunes Körperfett stärker als andere

Dass manche Personengruppen es stärker als andere vermögen, ihr braunes Fett zu aktivieren oder gar insgesamt mehr davon besitzen, dies kam durch die Analyse der PET-Scans ebenfalls zutage. Frauen haben häufiger aktiveres braunes Fett als Männer, war zudem das Ergebnis verschiedener Vorläuferstudien. Ebenso haben schlanke und jüngere Menschen mehr Anteile von braunem Fett. Bei Beleibteren wiederum reagiert das braune Fett nicht so aktiv und bei älteren Personen auch nicht. „Jedoch kommt bei etwa fünf Prozent der Patienten aktives braunes Fett weitaus häufiger vor als bei der allgemeinen Bevölkerung“, sagt Fromme. „Bei ihnen zeigten 50 Prozent der Scans diese aktiven Fettgewebeanteile.“

Für den Wissenschaftler steckt darin eine mögliche Erklärung für das Phänomen, warum die einen bei einem zusätzlichen Stück Torte schon zunehmen, während anderen die süße Schlemmerei nichts anhaben kann.

„Braun-Fett-Aktivität“ und Nierenfunktion

„Schlussendlich muss bei Medikamenten, die das aktive braune Fettgewebe nutzen, darauf geachtet werden, dass manche Personengruppen von einer zusätzlichen Aktivierung des braunen Fetts stärker profitieren werden als andere“, erklärt der Studienautor. „Welche Ursache einen Menschen dazu bringt, besonders aktives braunes Fett zu besitzen, wissen wir noch nicht.“

Ein neu entdeckter Faktor könnte jedoch hilfreich sein: Wie die Wissenschaftler zeigen konnten, wird die „Braun-Fett-Aktivität“ durch eine Größe namens Kreatinin-Clearance beeinflusst, die eng mit der Nierenfunktion in Zusammenhang steht.

„Es sind weitere Grundlagenstudien notwendig“, sagt Fromme. „Aber eine These ist, dass es Signalstoffe geben könnte, die sowohl auf das braune Fett als auch die Nieren wirken.“

Originalpublikation:

Active brown fat during 18FDG-PET/CT imaging defines a patient group with characteristic traits and an increased probability of brown fat redetection
Carlos Gerngroß et al.; The Journal of Nuclear Medicine, doi: 10.2967/jnumed.116.183988; 2017

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7 Kommentare:

Dipl.oec-troph.J.Ritschel
Dipl.oec-troph.J.Ritschel

Warum muss immer alles in Gut und Böse getrennt werden? Gute Fette -Böse Fette gibt es nicht! Sind wir doch umso beeindruckter,wenn immer spezifischere Erkenntnisse aus der Wissenschaft unseren Horizont erweitern. (in diesem Fall handelt es sich um GRUNDLAGENFORCHUNG ) Aus gesättigten Fettsäuren entsteht zB als Folgeabkömmling Retinol(böse?) oder Steroide (böse)… Das mit der Fettleber, dem Bauchfettdepots ist letzten Endes eine Folge von Überfrachtung mit Kalorien- ob aus Alkohol oder unnötigen zugesetzten Kohlenhydraten- von mir aus auch aus Fetten. Hier versucht unser phantastischer Organismus zu kompensieren, was ihm der Unverstand antut….Vielleicht sollten wir einfach Extreme vermeiden und die goldene Mitte finden! Egal in welchen Lebensbereichen!

#7 |
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Annette Creson
Annette Creson

BAT (Braunes Fett) reagiert deutlich auf Schilddrüsenhormone. Dies ist schon lange bekannt. Und eine mangelnde Versorgung damit, selbst wenn geringfügig, hat oft Einfluss auf das Körpergewicht.

#6 |
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@#1 Chemiker: Die braune Farbe beruht auf dem im Vegleich zu weißem Fett deutlich höheren Mitochondriengehalt, die hier aber nicht der ATP-Synthese, sondern der Thermogenese dient. Beim Menschen ist der Anteil braunen Fetts nur bei Säuglingen hoch, um diese “warm zu halten”. Im Erwachsenenalter ist das braune Fett nur noch auf die Hals- und Schlüsselbeinregion beschränkt.

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Weitere medizinische Berufe

Ich wollte, ich hätte als adiopöse Diabetikerin mehr aktives braunes Fett…

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Dr. Hermann Grötschel
Dr. Hermann Grötschel

zu Kommentar 1:
Braunes Fett ist das Material, von dem Winterschlafhaltende warmblütige Tiere während der langen Monate leben.

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Dr. Hermann Grötschel
Dr. Hermann Grötschel

Es gibt im Grunde genommen 3 Arten von Fett im Körper. Das braune Fett ist die Heizung. Das weisse Fett, das in Form von Speck u. anderen Formen sichtbar ist, ist Dämm-, Speicher- und Polstermaterial. Das eigentlich problematische und krankmachende Fett finden wir in der (Fett-)Leber. Das erklärt auch, warum wir einen nicht unbeträchtlichen Anteil von gesunden adipösen Personen bzw. Individuen finden. Schauen wir uns doch mal in der Welt der polaren Meeressäuger (Wale, Robben, Walrösser usw.) um und denken über die Rolle deren Fettes nach. Es gibt Walarten, die nachgewiesenerweise deutlich über hundert Jahre alt werden.

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Chemiker
Chemiker

Das ist das erste mal, dass ich von braunen Fett höre.
Wo im Körper kommt es vor?
Warum ist es braun? – Dazu müsste es im sichtbaren Bereich
des Lichtes absorbieren, im Gegensatz zu normalen Fetten.

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