Diabetes: Diät statt Spritzen?

17. März 2017
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Heilt eine spezielle Diät Typ-1- und Typ-2-Diabetes? Diese Vermutung äußern Zellbiologen auf Basis einer tierexperimentellen Studie. Ihre Resultate bewerten sie trotz offener Fragen als relevant für die Humanmedizin.

Intervallfasten, sprich intermittierendes Fasten, verlängert die Lebenserwartung von Nagetieren. Diese Erkenntnis haben Wissenschaftler schon vor Jahren gewonnen. Wie komplex die Auswirkungen auf den Stoffwechsel sind, zeigt eine Arbeitsgruppe um Valter D. Longo, Los Angeles .

Die Regeneration von Beta-Zellen stimulieren

Er arbeitete mit Mausmodellen für Typ 1- und Typ 2-Diabetes. Seine Versuchstiere erhielten vier Tage lang eine sogenannte fasten-imitierende Diät mit wenig Kalorien, Proteinen und Kohlenhydraten, aber einem hohen Prozentsatz an ungesättigte Fettsäuren. Andere diabetische Mäuse wurden normal ernährt.

Longo berichtet von niedrigeren Blutzuckerwerten bei Nagern der Interventionsgruppe. Als Grund sieht er unter anderem die Hochregulierung von Sox17- und Ngn3-Genen. Dadurch werden Neurogenin-3-produzierende Zellen (NGN3+) aktiviert, und insulinproduzierende Beta-Zellen der in der Bauchspeicheldrüse regenerierten sich.

 

Fasting Mimicking Diet Promotes Ngn3 Driven β Cell Regeneration to Reverse Diabetes

Eine fasten-imitierende Diät aktiviert verschiedene Gene. Letztlich kommt es zur Regeneration von Beta-Zellen. © Cheng et al./Cell 2017 by EurekAlert

 

In einer weiteren Studie berichtet Longo von Ergebnissen mit 71 Probanden. Sie erhielten entweder drei Monate lang jeweils fünf Tage pro Monat eine fasten-imitierende Diät (FMD) oder eine normale Ernährung mit anschließendem Wechsel in die Diätgruppe.

Unter der FMD verringerten sich das Gewicht, der BMI, das Körperfett und der Hüftumfang. Im Blut wurden niedrigere Spiegel des insulinähnlichen Wachstumsfaktor IGF-1 gemessen.

Viele Argumente sprechen für das Intervallfasten. Dem stehen aber auch kommerzielle Interessen gegenüber: Valter Longo ist an L-Nutra beteiligt – einem Unternehmen, das verschiedene Diäten anbietet. Grund genug, einen kritischen Blick auf die Daten zu werfen.

Umprogrammierung endokrinen Pankreaszellen

Prof. Dr. Susanne Klaus

Professor Dr. Susanne Klaus. © DIfE

„Die aktuelle Studie zeigt, dass in verschiedenen diabetischen Mausmodellen Zyklen einer speziellen fasten-imitierenden Diät die Regeneration von insulinproduzierenden Beta-Zellen im Pankreas stimulieren konnten, anscheinend durch eine ‚Umprogrammierung‘ von endokrinen Pankreaszellen“, erklärt Professor Dr. Susanne Klaus. Sie ist Leiterin der Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), Potsdam-Rehbrücke. „Das Interessante daran ist, dass Pankreaszellen bei bereits diabetischen Mäusen noch in der Lage waren wieder insulinproduzierende Zellen zu bilden.“ Es handele sich also nicht um eine vorbeugende oder verzögernde Maßnahme.

Ob bei Typ-1-Diabetikern noch Regenerationspotential vorhanden ist, kann Klaus schwer abschätzen. „Selbst wenn dem so ist, ist keinesfalls klar, ob diese Regenerationsmechanismen stärker wären als die, die den Untergang der Beta-Zellen bewirken.“

Sie erwartet, dass diese Methode bei Typ-2-Diabetikern besser wirkt. Ob und wie lange der Effekt nach Beendigung des komplizierten Diätregimes anhielte, sei fraglich. Im Nachweis der zellulären Regeneration von Beta-Zellen sieht sie zumindest einen Ansatz für neuer Therapieformen.

Ansatzweise auf Menschen übertragbar

Prof. Hans Hauner

Professor Dr. Hans Hauner. © TUM

Professor Dr. Hans Hauner, Direktor des Lehrstuhls für Ernährung, Technische Universität München, bestätigt ebenfalls, dass Fastenperioden die Regeneration von Beta-Zellen anregen. „Ansatzweise konnte dies auch auf die Humansituation übertragen werden. Allerdings steht der Beleg aus, dass eine solche Kost tatsächlich auch bei Patienten mit Typ-1 oder Typ-2-Diabetes die Beta-Zellregeneration fördert und damit den Insulinmangel substanziell beseitigen oder zumindest lindern kann.“ In diesem Zusammenhang wünscht sich Hauner eine klinische Studie bei Patienten mit Typ-1 bzw. Typ-2-Diabetes.

Die Untersuchung müsste auch zeigen, ob nicht auch andere Formen einer starken Kalorienbegrenzung ähnliche Effekte zeigen. Seine Anmerkung ist berechtigt. Älteren Veröfentlichungen zufolge reagiert unser Körper mit weiteren Mechanismen, sollte Nahrung ausbleiben.

Die Leber bekommt ihr Fett ab

Adam J. Rose vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg fand zusammen mit Kollegen nämlich heraus, dass Nahrungsverzicht Auswirkungen auf die Transkription eines Gens hat, das für GADD45β codiert. Der durch das Fasten verursachte Stress auf Leberzellen scheint dessen Biosynthese anzukurbeln. Mäuse, denen das Gen fehlte, entwickelten leichter eine Fettleber. Gab man ihnen das Protein, so normalisierte sich der Fettgehalt der Leber, und der Zuckerstoffwechsel verbesserte sich. Eine zentrale Frage bleibt: Lassen sich die positiven Effekte von Nahrungsentzug mit Wirkstoffen nachahmen?

103 Wertungen (4.53 ø)

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23 Kommentare:

@ #22 B. Schmid – Toxin Englisch: toxin
1 Definition
Unter Toxinen versteht man biogene Substanzen, die Organismen schädigen, indem sie die physiologischen Stoffwechselabläufe stören. Sie stellen damit eine Teilmenge der Gifte dar und können wie diese zu akuten oder chronischen Vergiftungen oder anderen Krankheitsbildern führen.
Die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der systematischen Erforschung von Toxinen beschäftigt nennt man Toxinologie.
2 Einteilung
Toxine lassen sich nach ihrer biologischen Herkunft bzw. ihren Produzenten in folgende Klassen einteilen:
Bakterielle Toxine
Botulinumtoxin
Choleratoxin
Tetanustoxin
Shigatoxin
Enterotoxine
Tetrodotoxin
Mykotoxine
Trichothecene
Aflatoxine
Phycotoxine
Saxitoxine
Maitotoxin
Phytotoxine
Strychnin
Digitoxin
Ricin
Coniin
Tiergifte
Schlangengifte
Taipotoxin
Skorpiongifte
Tityustoxin
Spinnengifte
Wespengift
Bienengift
Diese Auflistung stellt nur ein kleine Auswahl der bekannten Toxine dar.
http://flexikon.doccheck.com/de/Toxin

#23 |
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B. Schmid
B. Schmid

Sehr geehrter Herr Dr. med. Bliesath, welche “Toxine” meinen Sie? Für mich sind Herd-Toxine relevant, aber die führen wir uns ja nicht zu.

#22 |
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Dr. med. Harald Bliesath
Dr. med. Harald Bliesath

Wir danken dem Kollegen Schätzler, dass er sich die Mühe machte wichtige Fakten zusammenzufassen. Wir wissen es doch schon lange: wer zu viel futtert, sich zu viele Toxine zuführt und sich zu wenig bewegt stirbt zu früh.

#21 |
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Empirisch wussten wir das mit o.g. Nahrungszusammensetzung auch schon so; aber die lieben Gewohnheiten kann man nur bei einem Teil der Patienten ändern.

#20 |
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ER
ER

Ich glaube, hier sind ein paar Maulwürfe, die Propaganda für diese Leberfastenfirma machen wollen.

#19 |
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Gast
Gast

Leberfastenberater propagieren Leberfasten. Es ist ein Unternehmen, das eine Diät vermarktet: http://www.leberfasten.com/home/

#18 |
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Kathrin Trogus
Kathrin Trogus

was bitte verstehen Sie denn unter “Leberfasten” genau?

#17 |
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Gast
Gast

Habe auch Leberfasten nach Nicolai Worm durchgeführt und anschließend die Ernährung laut Logi-Pyramide umgestellt. Leberfasten ist eben nicht 0 Kalorien! Leberfasten bedeutet Entgiftung. Hierüber gibt es entsprechende Literatur mit sehr vielen wissenschaftlichen Nachweisen. Meine Leberwerte sind top. Ich bin auch nicht mehr müde und erschöpft. Meine Krankenkasse wird sich freuen, dass ich keine Medikamente mehr benötige – ich noch mehr!

#16 |
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Hp. Bauer
Hp. Bauer

@#13 Gertraud Schmid: wer den unsäglichen Begriff “Basenfasten” verwendet, korrumpiert die Sprache. Reden Sie von von mir aus von “Basendiät”. “Fasten” wird in der Zwischenzeit für Dinge verwendet, die damit nichts zu tun haben: Saftfasten, Schokoladenfasten, Fernsehfasten, Suppenfasten, Autofasten, Alkoholfasten, Buchingerfasten, Sexfasten usw.

#15 |
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Gertraud Schmid, Heilpraktikerin
Gertraud Schmid, Heilpraktikerin

PS zu #13 dies Alles bezieht sich auf Diabetes mellitus Typ 2 und die Vorstufe dazu, ob man sie nun Prädiabetes nennen mag oder gestörte Glucose-Toleranz oder metaboisches Syndrom ist egal und Alles dort erwähnte erfordert – mit Ausnahme des Leberfastens nach Worm- KEINE Formula-Diät. Habe bei einer (=1) Patientin erlebt, dass die Harnsäure von >7 auf 4 absank…frau staunte…

Diabetes mellitus Typ 1 hingegen ist nach meinem Wissens-Stand ein komplett anderes Geschehen, eher autoimmun; was nicht bedeutet,dass man es nicht beeinflussen könnte (die bayerische doppelte Verneinung, ein “Ja”, aber wie?). jedoch wohl eher NICHT durch Fasten.
Es gibt eine kurzzeitige Phase der Regeneration bei neu diagnostiziertem Diab. mell Typ 1, die man als Remission FEHLDEUTEN könnte, Vorsicht ist geboten.

#14 |
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Gertraud Schmid, Heilpraktikerin
Gertraud Schmid, Heilpraktikerin

Drei Tage Kur mit Haferflocken, 4 Wochen Basenfasten nach Dr. med. Wacker, ein Durchgang Leberfasten nach Nicolai Worm und anschließend LOGI Diät- danach kann man sehen, was an Krankheit noch übrigbleibt. Zeitgleich oder daraufhin Umweltmedizin (Labor Glutathion, Lipidperoxide, ggf. Infusionen usw.), es geht schon was.
30 Minuten Bewegung täglich, so, dass man sich noch unterhalten kann, zügig gehen…Studien dazu gibt es zuhauf seit 15Jahren, langsam anfangen, dranbleiben, langsam steigern. Muskelarbeit. Ist gut gegen Diabetes, Osteoporose und alles mögliche.
Kein Zucker, kein Weißmehl, kein Schwein (ist auch in Rindersalami), viel Gemüse, 1-2 Handvoll Obst pro Tag (nicht mehr Fruchtzucker pro Tag), genug Neutralflüssigkeit, besonders ums Frühstück herum, Nahrung flüssig kauen, alles was dabei unangenehm wird ausspucken und fortan vermeiden…sich über Fortschritte freuen, auch das tun, was einem gut tut…

eine Bitte: “jeder ist für seine Gesundheit verantwortlich” ist ein wenig sehr vereinfacht. Wir haben unser Genom, unser Proteom, unseren Standpunkt je nach bisherigem Leben. Eine gute Einstellung ist: neue Information suchen, aufnehmen, prüfen, sehen, was man selbst tun kann…das kann viel bewirken, es bedeutet: Verantwortung zu übernehmen. Viel Erfolg!

#13 |
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Medizinischer Fachhändler

eine individuell abgestimmte Fastenkur wirkt wirklich.
Dazu habe ich genug Ergebnisse .
Leider kann dann die Pharma dann kein Insulin mehr verkaufen.

#12 |
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Gast
Gast

Da wünsche ich doch diese Studie bei der ich mich beteiligen würde.

#11 |
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Nur der Vollständigkeit halber – Chemolieve®, der Handelsname sagt eigentlich schon Alles!

“ProLon® [von der Firma L-Nutra] is the first impactful yet practical and natural intervention that enhances the healthy part of our life by optimizing the way we age,” says Dr. Valter Longo, chairman and founder of L-Nutra and the director of the Longevity Institute. “Fasting done periodically is a very powerful and natural way to help the body first recover from the incremental damages inflicted by unhealthy lifestyle and then to rejuvenate its cells and systems. Based on over a decade of research and development, ProLon is scientifically proven to enable people to live longer, healthier lives.”
http://l-nutra.com/5-day-fasting-mimicking-diet-meal-plan-launches/
und
“L-Nutra is the leading Nutri-Technology company, developing innovative Fasting Mimicking Diets (FMDs™) that can be consumed for a predetermined number of consecutive days, with the frequency dependent on the condition and patient. FMDs™ nourish the body while keeping it in a fasting mode, which promotes positive long-term effects on biological aging, health and a variety of other factors, such as weight, abdominal fat, and maintaining healthy levels of glucose, cholesterol, blood pressure, and other key health factors. L-Nutra’s first generation of FMDs™ includes ProLon® and Chemolieve®. http://l-nutra.com

#10 |
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Dass Fasten und Intervallfasten als intermittierendes Fasten die Lebenserwartung von Nagetieren erhöhen kann, ist ebenso bekannt wie fragwürdig. Denn die Nebenwirkungs-Risiken von Crash-Diäten mit Verhungern lassen oder dauerhaft kataboler Ernährungs-Bilanz wären dabei sowohl bei Versuchstieren als auch z. B. bei Hungersnöten beim Menschen eher kontraproduktiv.
Eines ist aber Menschen und Versuchstieren gemeinsam: Ist ein unbegrenztes, wenn auch völlig ungesundes Nahrungsmittel-Überangebot vorhanden, isst man bis zum Anschlag und stopft wahllos Alles in sich hinein. Dann, und nur dann, entwickelt sich über Bewegungsarmut und schwindende Belastbarkeit, Adipositas, Hypertonie, Herzinsuffizienz, Nephropathie usw. das metabolische Syndrom mit gestörter Glucosetoleranz, Betazellinsuffizienz bzw. der Typ-2-Diabetes mellitus.
In dieser “perversen Endstrecke” mit dauerhaft antrainiertem, gestörten Essverhalten sind und bleiben jegliche Art von reinen Reduktionsdiäten, ob Low-Carb, Low-Fat, Low-Protein oder selbst das Fasten mit eingebautem Jo-Jo-Effekt vollkommen sinnlos, ineffektiv und planlos. Dann bleibt nur ein komplexes, multifaktorielles Medikations- und Verhaltens-gesteuertes DMP Typ-2-Diabetes mellitus Therapie-Programm übrig.
Ein Pharmakotherapie-“Bashing” verbietet sich im Stadium, wo das diabetologische “Kind” bereits in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist. Und beim Typ-1-Diabetes mellitus werden weltweit jedes Jahr zig Millionen Menschen mit erfolgreichen Insulintherapien der Pharmaindustrie vor dem sicheren Tod bewahrt!
Die Regeneration von Beta-Zellen zu stimulieren, in dem man bei Mausmodellen für Typ 1- und Typ 2-Diabetes ganze vier Tage lang eine sogenannte Fasten-imitierende Diät mit wenig Kalorien, Proteinen und Kohlenhydraten, aber einem hohen Prozentsatz an ungesättigte Fettsäuren offeriert, ist bei “zwangsernährten” Versuchstieren keine Kunst: “Fasting-Mimicking Diet Promotes Ngn3-Driven β-Cell Regeneration to Reverse Diabetes” von Chia-Wei Cheng et al.
http://www.cell.com/cell/abstract/S0092-8674(17)30130-7
(Valter D. Longo, Los Angeles, “corresponding author”)
Und die zweite, hier vom geschätzten DocCheck News Autor Michael van den Heuvel referierte Studie: “Fasting-mimicking diet and markers/risk factors for aging, diabetes, cancer, and cardiovascular disease” von Min Wei et al. (Valter D. Longo, Los Angeles, ebenfalls “corresponding author”) ist in diesem Zusammenhang wissenschaftliche Irreführung (“scientific misconduct”). Weil es sich hier gar nicht um Diabetiker als menschliche Versuchspersonen handelte, sondern um allgemeine Folgen des Fasten bei 71 Probanden:
http://stm.sciencemag.org/content/9/377/eaai8700.short
Ins gleiche Horn stößt übrigens eine ebenfalls von Adam J. Rose als “corresponding author” am DKFZ, Heidelberg, Germany, veröffentlichte Publikation in der Zeitschrift The Journal of Clinical Investigation (JCI): “A liver stress-endocrine nexus promotes metabolic integrity during dietary protein dilution” von Adriano Maida et al.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5004939/
Inhaltlich, wie ich bereits anmerkte, pseudowissenschaftlich und überinterpretiert. Im Titel findet das Wort “mice” keine Erwähnung, weil man an die Versuchsanordnung mit Labor-Mäuse-Stoffwechsel-Studien einfach fünf gesunde Männer angehängt hatte, die sich ganze sieben Tage lang proteinarm in einer Art Crash-Diät ernährten: Im Anschluss wurden bei den Teilnehmern wenig überraschend hohe FGF21-Werte und trotz erhöhter Kohlenhydratzufuhr niedrigere Blutzucker- und Insulinspiegel gemessen. Wen das wundern sollte? Es waren eben gesunde Männer, offensichtlich o h n e metabolisches Syndrom in einem Beobachtungszeitraum, der exakt dem 52. Teil eines e i n z i g e n Jahres entsprach!
Bereits in Abbildung 1 entlarvte sich das Ganze: “Figure 1 – Chronic dietary protein dilution promotes feed inefficiency, leanness, and heightened energy expenditure” heißt es dort. M. a. W. ein verringerter Protein-Nahrungsanteil fördert die Fütterungs-Ineffektivität, die Magerkeit und erhöht den Energieverbrauch! Doch genau das ist es, was Labormäuse, die ständig in Bewegung und voller körperlicher Aktivität sind, grundsätzlich und s u b s t a n z i e l l vom Menschen als “couch potatoe” im postindustriellen Medien-, TV-, EDV- und Internet-Zeitalter unterscheidet. Eine Proteinrestriktion bringt nichts, wenn zugleich, wie weltweit zu beobachten, spätestens ab 18 Uhr alle Pizzerien, Pasta-Läden, Pommes- und Imbiss-Buden bzw. andere Gastronomie-Entitäten dieser Welt mit kohlenhydratreichen Sättigungsbeilagen, fett- und proteinreich zeitgleich von übergewichtigen Bewegungs- und Aktivitätsmuffeln heimgesucht werden, die mittels großer Alkoholmengen weiter zusätzliches viszerales Körperfett ansetzen wollen, um sich am nächsten Morgen mit Autos und Aufzügen wieder in ihre Bürotürme zu schleppen. Da dies über Jahrzehnte 52 x 7 Tage im Jahr mit prämorbidem, morbidem und multimorbidem metabolischen Syndrom stattfindet, könnte man sich ernährungs-populistische Versuchsanordnungen mit “low-protein”, “low-fat” bzw. “low-carb” schlicht und ergreifend “an den Hut stecken”! Vgl. vom ebenfalls geschätzten DocCheck News Autor Thorsten Braun:
http://news.doccheck.com/de/156589/die-energiewende-pro-carb-statt-low-carb/

#9 |
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Gast
Gast

@Monika Mähringer#6: es gibt kein “Leberfasten”. Fasten ist Fasten. Null Kalorien.

#8 |
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Gast
Gast

Vielen Dank an #3 und #4 , Sie sprechen mir aus der Seele! Da wird ein einfacher und bewährter Weg (wieder-)gefunden, um die Lebenssituation zu verbessern und was wird gemacht? Man sucht nach Möglichkeiten, die nachweislich positiven Effekte durch Wirkstoffe nachzuahmen! Dabei wären doch eine Umstellung der Ernährung oder Fasten-Perioden so einfach… Vielleicht eben zu einfach??

#7 |
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Monika Mähringer
Monika Mähringer

Ich habe Leberfasten gemacht gemäß der Leitlinien mit dem ärztlich betreuten Bodymed-Ernährungsprogramm. Meine Blutwerte sind wunderbar geworden, kann sogar auf die Blutdruckmittel verzichten (welche ich im Auge behalte). Ist wohl nicht im Sinne der Pharmaindustrie.

#6 |
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Dr. Christian Toloczyki
Dr. Christian Toloczyki

Das Problem ist die Bereitschaft vieler Betroffener, eine Diät einzuhalten bzw. eine Nahrungsumstellung vorzunehmen. Man hat sich an das leckere Essen gewöhnt und nimmt dann lieber ein paar Tabletten. Erschwerend kommt oft das familiäre Umfeld hinzu, das immer wieder dafür sorgt, dass die Dinge auf den Tisch kommen, die man selbst nicht essen darf.

#5 |
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Gunther Hanke
Gunther Hanke

Der letzte Satz ist einmal wieder symptomatisch für die derzeit herrschende Lehrmeinung: Wenn ein Mechanismus zur Besserung und/oder Heilung beschrieben wird, dann soll ein (patentierbarer) Wirkstoff gefunden werden, der die positiven Effekte nachahmt.
Die für einen objektiv denkenden Menschen eher auf der Hand liegende Frage würde doch eigentlich viel eher lauten: Welche Form der Nahrung bzw. der Nahrungsaufnahme als Lebensstil (eben keine Diät) zeitigt genau die Wirkung als Effekt des neu gefundenen Mechanismus?
Seit über 20 Jahren beobachten wir in unserem Team, dass Diabetes Typ 2 durch die Anwendung von pflanzenbasierter Vollwert-Nahrung und eine Zwei-Mahlzeiten-Strategie, in Kombination mit intensiver Bewegung, Stressmanagement, etc. in der NEWSTART-Kur bei den allermeisten Betroffenen zu einer Verbesserung oder gar Optimierung der BZ-Werte führt, unter Verzicht auf jegliche Diabetes-Medikamente. Erst gestern hat mir ein ehem. Kurteilnehmer berichtet, dass er seinen HbA1c von 10,3% innerhalb von sieben Monaten auf 5,3% senken konnte. Wohlgemerkt unter vollständigem Verzicht auf Diabetes-Medikamente, allein durch Lebensstilmodifikation.
Insofern überraschen mich die genannten Studienergebnisse nicht, vielmehr jedoch die oft fehlende Bereitschaft der heilenden Zunft, die Bedeutung von Lifestyle-Medizin anzuerkennen.

#4 |
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Christiane Schütze
Christiane Schütze

Die letzte Frage ist wieder typisch Pharma. Anstatt sich zu freuen, dass es etwas gibt, was den Menschen helfen könnte, wird sofort darüber nachgedacht, wie man es in Medikamente umsetzen kann. Natürlich möglichst gewinnbringend! He, fasten kann jeder (mal abgesehen von Untergewichtigen, Schwangeren…). Aber dazu müsste man den Leuten erst einmal wieder beibringen, dass jeder für seine Gesundheit in erster Linie selbst verantwortlich ist und diese Verantwortung auch nicht an der Arzttür abgegeben werden kann. Fasten ist eine der ältesten Sachen überhaupt. Und es stimmt nicht, dass es darüber keine Aufzeichnungen gibt. Z.B. in Russland ist das Fasten über Jahrzehnte in riesigem Umfang wissenschaftlich erforscht worden. Und die haben phänomenale Ergebnisse erzielt bei chronischen Krankheiten und besonders auch bei psychischen Problemen. Ich bringe mich jedes Jahr 1 – 2 x selber in den Genuss einer Fastenkur und möchte es nicht mehr missen. Und wenn man es richtig macht, mit allem drum und dran (ja, auch regelmäßigen Darmspülungen), hat damit keine Probleme. Ich gehe während dessen sogar arbeiten – und das bestimmt nicht auf dem Zahnfleisch. Ganz im Gegenteil.

#3 |
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Gast
Gast

Ich frage mich ehrlich, warum solche Studien ( 71 Personen ) in einem “Fachartikel” erscheinen. Klar dürfte auch sein, daß bei einer Fastenzeit eine Reduzierung des Glucosespiegels zu erwarten ist. 4 Tage fasten sind für DM Typ1-Patienten sehr wohl ein Problem, da jeder Patient sehr individuell auf den Nahrungsentzug bzw. die Umstellung reagiert. Kann eine stabile BZ-Lage nicht erreicht werden, würde das auch die daraus folgenden Testwerte wieder in Frage stellen. Und was passiert wenn es dabei zu einer Ketoazidose kommt? Das Hauptproblem hier ist doch eher die Immunreaktion auf die Betazellen. Was hilft es, die Insulinproduktion anzuregen wenn dann dadurch evtl. das Immunsystem zu noch mehr “Zerstörungsaktivität” angeregt wird? Für mich ist das der falsche Ansatz denn man behandelt hier hauptsächlich die Symptomatik und weniger den Auslöser ( Zerstörung der Betazellen durch falsche Immunreaktion ).

#2 |
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Gast
Gast

4 Tage Fasten oder FMD dürfte doch kein Problem sein. Der Effekt kann also in verhältnismäßig kurzer Zeit festgestellt werden. In der alten Naturheilkunde wurde Fasten bei vergleichbaren Problematiken vielfach angewandt. Leider wurde nichts dokumentiert, die Erfahrungen stehen der Medizin nicht zur Verfügung. Schade.

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