Schlaganfall-Risiko: Wer nicht sucht, findet nichts

3. März 2017
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Wer einen Schlaganfall überlebt, hat oft zu einem späteren Zeitpunkt erneut mit einem Insult zu kämpfen. Als Grund dafür vermuten Kardiologen eine ungenaue Diagnostik: Das häufig auftretende Vorhofflimmern danach wird viel zu selten entdeckt.

Schlaganfälle gehören in Deutschland mit zu den häufigsten Todesursachen. Bei vielen Patienten, die einen zerebralen Insult überleben, kommt es zum Rezidiv. Das liegt mitunter an nicht diagnostiziertem Vorhofflimmern, berichtet Prof. Dr. Rolf Wachter aus Göttingen. Sein Forschungsvorhaben wurde – Überraschung – von Boehringer Ingelheim gefördert. Der Hersteller hat Pradaxa® (Dabigatranetexilat), ein Präparat zur Schlaganfallvorbeugung bei Patienten mit Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko, im Programm.

Das Herz lange genug im Auge behalten

Wachter rekrutierte für seine Studie 398 Patienten mit ischämischem Schlaganfall. Ausschlusskriterien waren Carotisstenosen oder intrakranielle Stenosen. Das Ereignis selbst durfte maximal sieben Tage zurückliegen. Anschließend ordnete der Forscher alle Personen randomisiert zwei Gruppen zu. Als Standard wurden sie 24 Stunden lang per EKG überwacht. In der Gruppe mit erweitertem Monitoring erhielten Patienten ein zehntägiges Langzeit-EKG zu Beginn, nach drei und nach sechs Monaten.

In der Kurzzeitgruppe fanden Kardiologen lediglich bei neun von 198 Patienten (fünf Prozent) Hinweise auf eine gegebenenfalls behandlungsbedürftige Herzinsuffizienz. Beim Langzeitmonitoring waren es 27 von 200 (14 Prozent). Das spricht laut Wachter für eine hohe Dunkelziffer. Er kann sich längerfristige Überwachungen der Herzfunktion gut vorstellen.

Zu einem ähnlichen Fazit kommt Fernando D. Testai vom Chicago Medical Center in einem Editorial. Er verweist auf die Studien EMBRACE und CRYSTAL-AF. Selbst durch etablierte Cumarin-Derivate wie Warfarin sei es gelungen, das Rezidivrisiko um bis zu 60 Prozent zu verringern, konstatiert Testai.

Länger oder besser messen?

Trotzdem lässt die aktuelle Veröffentlichung auch Fragen offen. Alle EKG-Daten wurden zentral ausgewertet, was eine hohe Qualität erwarten lässt. Doch ob es auch im klinischen Alltag beim Langzeit-Monitoring zu derart exzellenten Ergebnisse kommen würde, lässt sich aus der Arbeit nicht ableiten. Und wie sieht es beim derzeit üblichen Monitoring in der Stroke Unit aus? Wie lange sind Patienten wirklich verkabelt, und wie gut sind die Daten? Diese Fragen sollten beantwortet werden, bevor Ärzte über ein langfristiges Monitoring nachdenken.

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Forschung, Pharmazie

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