PTA im Ausland: Pierre oder Pablo?

29. Oktober 2010
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Zweieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zur PTA, wer hierzulande den Abschluss schafft findet in den meisten Fällen einen Job in der Apotheke. Weitaus weniger bekannt sind die Chancen, die sich der Berufsgruppe innerhalb der EU bieten.

Der Ort zählt zu den begehrtesten Frankreichs: Wer in Paris etwas zählt, hat seinen Wohnsitz in Aix-en-Provence. Womöglich werden in Zukunft die dort mit leuchtenden, grünen Neonkreuzen ausgestatteten Apotheken auch deutsche Arbeitskräfte anziehen: Pharmazeutisch Technische Assistenten (PTA) können südlichen Lebensstil mit der Arbeit verbinden.

Denn eine der obersten Maximen der Europäischen Union ebnet den Weg ins Ausland: Kein Mitgliedsstaat der EU darf andere EU-Mitbürgerinnen und –bürger auf Grund ihrer Herkunft diskriminieren. Wer als PTA sein Glück jenseits der bundesdeutschen Grenze versucht hat die gleichen Rechte wie Einheimische vor Ort.

Nahezu symbolträchtig fand dazu im Juni 2009 das PTA-Europa-Treffen des Committee of European Pharmacy Technicians (CEPT) im französischen Lille statt. Das jährliche Meeting mit Fokus auf Chancen und Risiken des EU-weiten „Auslandseinsatzes“ von PTA war nötig geworden, weil die EU zwar Gleichheit für alle, aber bei weitem keine gleichen Arbeitsbedingungen für die Berufsgruppe garantiert. „So können PTA in einigen Ländern selbstständig Rezepte annehmen und beliefern, den Patienten beraten und die Interaktionen abfragen“, resümiert Jutta Brielich, die für ADEXA seit Jahren an den Gewerkschaftstreffen des CEPT dabei ist, und: „In anderen Ländern dürfen sie nur die apothekenpflichtigen Arzneimittel abgeben und keine Rezepte beliefern“.

Laut Brielich ist das nur die Spitze des Eisbergs, die Unterschiede sind enorm. Einige Länder böten nämlich gar keine Beratung zu OTC an, „da dort auch die apothekenpflichtigen Arzneimittel im Selbstbedienungsbereich liegen und deshalb die PTA nur selten zum Einsatz kommt“. Abschrecken sollte man sich als PTA von derartigen Nuancierungen der Arbeitsbedingungen freilich nicht, die EU ist groß. Das Land Ihrer Majestät etwa bietet PTAs die Möglichkeit, „bis zu zwei Stunden täglich die Verantwortung der Apotheke zu übergeben und den Apotheker vertreten zu lassen“, wie Brielich erklärt. PTAs dürfen in einigen Ländern der EU sogar Zweigstellen leiten oder eine Apotheke besitzen, wenn dort ein Apotheker angestellt ist.

Was wiederum in Deutschland üblich ist, verliert anderswo mitunter seine Gültigkeit – vor allem die Rezepturherstellung. Dänemark beispielsweise hat laut ADEXA nur zwei Apotheken, die Rezepturen anfertigen, in Frankreich bleibt die Herstellung von Zytostatika und Sterilprodukte wenigen Krankenhausapotheken vorbehalten.

Den Verlockungen des Südens zu erliegen, ohne sich über die genauen Arbeitsbedingungen vor Ort zu erkundigen, kann sogar zur Bedrohung mutieren, wie das Beispiel Kroatien demonstriert. Ein dort geltendes Gehaltssystem für Angestellte führt nämlich dazu, dass PTA ein geringes Grundgehalt erhalten – das nach Ermessen des Apothekenleiters jeden Monat neu aufgestockt werden kann. Offiziell sollen Faktoren wie Anzahl der Kundenkontakte, Zusatzverkäufe oder der gezeigte Arbeitseinsatz Kriterien für den Bonus sein, nur: PTA in Kroatien avancieren bestenfalls zu findigen Vertreterinnen – schlimmstenfalls geraten sie in eine unliebsame Abhängigkeit.

Erst informieren, dann ab ins Ausland

Gegen derartige Überraschungen kann man sich wappnen. So bietet die Europäische Union gleich mehrere offizielle Datenbanken und Infoportale, die man sich anschauen sollte, bevor man den Schritt ins Ausland wagt.

EURES beispielsweise bietet eine EU-weite Suche nach entsprechenden Jobangeboten. Medizinische Berufe haben dabei nicht die schlechtesten Karten: Auf der italienischen Insel Sizilien beispielsweise läuft ein Projekt, „das jungen Ärzten Beschäftigungsmöglichkeiten vermitteln soll“, wie die EU-Kommission informiert. Die Datenbank Lebens- und Arbeitsbedingungen wiederum erlaubt die gezielte Suche nach Ländern und liefert die wichtigsten Informationen zu rechtlichen, sozialen und Lebensbedingungen im entsprechenden Land. Auf Nummer sicher gehen jene Jobsuchende, die sich an die von der EU-Kommission über EURES angebotenen Berater in den jeweiligen Ländern wenden.

Dem Zufall überlassen muss man auf diese Weise nichts. Wer als PTA den Neustart innerhalb der EU anstrebt kann sich bereits bei der Bewerbung als besonders kompetent outen – und seinem Arbeitgeber in spe den Europass-Lebenslauf vorlegen.

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Pharmazie

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