Vitamin E: Jetzt mal gegen Fettleber

5. November 2010
Teilen

Vitamin E ist die Mutter aller Antioxidanzien. Und wie andere Antioxidanzien schnitt es in kardiovaskulären Studien bisher nicht beeindruckend ab. Doch jetzt könnte ein Revival anstehen. Denn Vitamin E verbessert die Leberhistologie bei NASH.

Die nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH) ist eine noch recht junge Erkrankung. „Noch vor zehn Jahren haben wir das nicht wirklich ernst genommen“, sagt Professor Hubert Blum von der Klinik für Innere Medizin der Universität Freiburg. Mittlerweile allerdings hat sich die NASH in der Hepatologie etabliert. Das Konzept, wonach Überernährung zu einer nicht alkoholisch bedingten Leberverfettung führt, die wiederum zu Zirrhose und hepatozellulärem Karzinom fortschreiten kann, gilt als ziemlich belegt. Liegt nur eine Verfettung der Leber vor, reden Experten heute von einer nicht-alkoholischen Steatose oder von Non-Alcoholic Fatty Liver Disease (NAFLD). Finden sich histologische Zeichen einer Fettleberhepatitis, dann heißt die Chose NASH.

Randomisierte Studie: Vitamin E ist besser als Placebo

So weit, so klar. Trotzdem waren NAFLD und NASH bisher irgendwie unbefriedigende Erkrankungen, weil man sie im Alltag weder vernünftig diagnostizieren noch die Patienten vernünftig therapieren konnte. Auf diagnostischer Seite hat sich da auch wenig geändert. Eine Leberbiopsie kommt für das Patientenkollektiv, um das es geht, außerhalb von Studien nicht wirklich in Frage, denn diese Leute fühlen sich oft komplett gesund. Die Diagnose NAFLD/NASH wird heute deswegen praktisch immer auf einem Umweg gestellt: Ist im Ultraschall eine fette Leber sichtbar, für die es bei einem idealerweise übergewichtigen Patienten keine andere Erklärung gibt, also auch keine relevante Alkoholanamnese, dann nennt man das NAFLD. Kommt es zusätzlich zu einer Erhöhung der Leberwerte, wird eine NASH unterstellt.

Nachdem es bisher keine spezifische Therapie bei NAFLD/NASH gab, fielen die Probleme bei der Diagnose nicht sonderlich ins Gewicht. Das könnte sich allerdings ändern, denn jetzt gibt es eine Therapie, für die bei Patienten mit NASH ein Effekt belegt werden konnte. In einer großen, randomisiert-kontrollierten Studie wurden Pioglitazon, Vitamin E und Placebo bei NASH-Patienten verglichen. Wer aus dem Bauch heraus tippt, dass Pioglitazon das Rennen gemacht haben müsste, liegt falsch. Der Sieger im Dreierwettstreit, dessen Siegerehrung im New England Journal of Medicine stattfand, lautet: Vitamin E. In einer Dosis von zweimal täglich 400 IU verbesserte Vitamin E in der an der Virginia Commonwealth University angesiedelten Studie die nach 96 Wochen analysierte Leberhistologie im Vergleich zu Placebo hoch signifikant. Pioglitazon dagegen verfehlte diesen primären Endpunkt. Sowohl Vitamin E als auch Pioglitazon waren der Placebotherapie beim sekundären Endpunkt überlegen, der Verbesserung der biochemischen Leberparameter.

Aus kardiovaskulärer Sicht ist Skepsis angebracht

Was tun mit dieser Studie? „Bei einem Patienten mit sonographisch nachgewiesener Leberverfettung und einer Erhöhung der Leberwerte, die keine andere Ursache hat, würde ich derzeit auf Basis dieser Studie Vitamin E empfehlen“, sagt Blum. Die Studienleiter sehen das ähnlich: Sie weisen unter anderem darauf hin, dass Risiko eines durch Lebererkrankungen bedingten Todes bei NASH-Patienten um den Faktor 9 höher sei als bei gesunden Menschen. Das ist die eine Seite.

Das ist deswegen problematisch, weil Vitamin E in der Vergangenheit bei kardiovaskulären Risikopatienten mehrfach untersucht wurde. In einer großen Metaanalyse wurde dem Vitamin E – wie auch anderen Vitaminen – sogar bescheinigt, dass es die Mortalität erhöhen könnte, statt sie zu senken. Die Odds Ratio lag zwar nur bei 1.04, war aber dank kleinem Konfidenzintervall statistisch signifikant. Das letzte Wort zum Vitamin E liefert also auch die neue Studie nicht. Die Therapie bleibt umstritten.

Es gibt aber auch Argumente gegen das Vitamin. Zum einen hat Vitamin E zwar die Histologie bei NASH-Patienten verbessert. Effekte auf klinische Endpunkte allerdings wurden bisher nicht gezeigt. Hinzu kommt, dass die Studie aus Virginia ja nicht die erste Studie mit Vitamin E ist. Die Daten müssen also in der Gesamtschau betrachtet werden. Professor Matthew Armstrong vom Centre for Liver Research in Birmingham ist deswegen zurückhaltend: „Die Mehrheit der Patienten mit NASH hat metabolische Risikofaktoren und damit ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko“, so der Experte.

57 Wertungen (4.09 ø)
Pharmazie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

10 Kommentare:

Selbstst. Apotheker

Ich glaube die Beratung einer Apotheke sollte zum Kommentar 10 der Zugang zu einem guten Psychologen sein,denn Neid muss man eigentlich verdienen,sonst ist es eine schwere psychische Krankheit mit Folgen bis zum Ende des Lebens nie gelernt zu haben mit dem grössten Reichtum mit Gegebenheiten zufrieden zu sein.Klugheits-oder Ahnunglosigkeitstests können wir bei dieser Persönlichkeit sparen,vieleicht nach dem eventuellen erfolgsversprechenden Therapie.
Barbaros Orhon
Brunnen Apotheke,Löningen 49624

#10 |
  0
Medizinische Dokumentarin

Frau Wahl, was soll diese Diskriminierung?
Dann muss man auch gefährliche Sportarten verbieten wie z.B. Motorradfahren, Reiten, Handball (höchstes Verletzungsrisiko) Fallschirmspringen etc. und Rauchen, sowie Alkoholkonsum sowieso.
Ganz zu schweigen von Fernsehmissbrauch – was ja durch Bewegungsmangel zu Thrombose führen könnte…
also bitte…vielleicht sollte man lieber die Apotheken schließen, denn Medikamente könnten auch durch die Arztpraxen vertrieben werden…

#9 |
  0
Manfred Hoss
Manfred Hoss

Herzlichen DANK für Kommentar 4 (Dr.Gall) !

Endlich mal wieder jemand, der den Begriff “Vitamin” (im Unterschied zum Artikelautor !) differenziert betrachtet.

Sogenannte Vitamin-Studien und Metaanalysen bzw. Berichte (s.o.) darüber lassen meist völlig im unklaren, inwieweit synthetisch hergestellte “Vitamine” (die lediglich die Strukturformel mit natürlichen Vitaminen gemeinsam haben) oder solche aus natürlichem Ausgangsmaterial verwendet wurden. Subformenhinweise fehlen ebenfalls oft.

Weder solche undifferenzierten “Studien/Metaanalysen”
noch die oberflächlichen Berichte von “Medizin-journalisten” darüber haben relevante Aussagekraft.
Sie verunglimpfen eher pauschal den Wert natürlicher Vitamine bzw. solcher ausschließlich aus natürlichen Ausgangsstoffen (mit ihrer komplexen, funktional kaum geklärten Stoffzusammensetzung)

#8 |
  0

Stimmt, nicht alle sind ausschließlich inkonsequent und unmäßig in ihrer zu Übergewicht führenden Lebensführung.Eine differenzierte Betrachtung zeigt durchaus (Genetik,Alter,Armut,Bildung…)Schwierigkeiten beim “Weg zum Normgewicht”.Plakativ-iß wenig,beweg dich viel-klingt eben zu reduktiv.Andereseits stimmt es grundlegend schon für eine sehr große Zahl,dass Ernährung und Bewegung über das Verhalten erreichbar sind.Mit Vit.E die amerikanische Situation der Epidemie von BMI^30,40..zu begegnen,halte ich für hoffnungslos.Und dass jemand ,der keine 40 Zigaretten täglich raucht,keine 2 Flaschen Wein,keine 6000cal und mehr sich gönnt..die Kosten der Solidargemeinschaft für das gegenteilige Verhalten massiv mittragen soll,halte ich für falsch und auch nicht für effektiv.”Normale”,grundlegende Tatsachen sind fast jedem nachvollziehbar einsichtig zur Verfügung,künstlich ahnungslos muß er sich nicht geben und verwundertes Opfer spielen.Diese Streicheldiskussionen,die jede Konsequenz meiden,zerreden nur statt einen “Korridor”halbwegs verbindlich für eine große Zahl zu definieren.

#7 |
  0
Christiane Laszig
Christiane Laszig

Ein interessanter Ansatz. Denke Vitamin E hat m.E. generell einen positiven Einfluss auf die Leber bzw. nach Lebererkrankungen wie Hepatitis schlechthin. Vielleicht hilft ja eine Kombi aus niedriger dosiertem Vitamin E, Mariendiestel und einer sinnvollen Ernährungsumstellung. Denke, eine Betrachtung aus gemeinsamer Sicht der Natur- und Schulmedizin würde zu interssanten Erkenntnissen führen. Vielleicht mal eine Überlegung wert. Aussagen wie die von Frau Wahl, empfinde ich als äußerst radikal und kontraproduktiv. Tragen sie doch bei Betroffenen dazu bei, eher keinen Rat bei Experten einzuholen als umgekehrt. Ich bin froh, dass Sie, Frau Wahl, sich für den Beruf der Apothekerin und nicht für den einer Ärztin entschieden haben.

#6 |
  0
Masumeh Rezaie
Masumeh Rezaie

was ist mit hepatitis b patienten, wie bekomme ich akute hepatitis b am schnellsten geheilt?

#5 |
  0
Dr. Rüdiger Gall
Dr. Rüdiger Gall

Welche Form von Vitamin E ? In allen klinischen Prüfungen wurde üblicherweise alpha Tocopherol bewertet. Offenbar hat sich bei Medizinern noch nicht herumgesprochen, dass es 7 Untergruppen von Vit.E gibt, darunter neben den Tocopherolen auch die Tocotrienole, die gerade bei kardiovasculären Problemen den Tocopherolen vorzuziehen sind. Die Ergebnisse der erwähnten Studien wären sicherlich besser, hätte man die natürliche Form des Vit.E, also Tocopherole und Tocotrieneole, genommen.

#4 |
  0
Deborah Hof
Deborah Hof

Ich kann der Meinung von Frau Wahl nicht zustimmen. Übergewicht ist nicht einfach immer auf eine inkonsequente Lebensweise zurückzuführen, sondern eine ernst zu nehmende Suchterkrankung, aus der die Betroffenen nicht so einfach von alleine herauskommen. Da könnte man ja ebenso allen Rauchern, Alkoholtrinkern oder Leuten, die Risikosportarten lieben, einen Risikozuschlag zumuten! Eine Grenze ist hier schwer zu ziehen. Ich habe in der Apotheke bei NASH-Patienten übrigens auch schon gute Erfahrungen mit Mariendistelpräparaten (Legalon) gemacht. Auch eine Low-Carb-Ernährung scheint die Leberwerte zu verbessern (z.B. LOGI).

#3 |
  0
Christian Viktor Weber
Christian Viktor Weber

Sehr geehrte Frau Wahl, bitte lesen Sie mal die Artikel über NASH genauer durch- es muss nicht nur bei Übergewichtigen auftreten !!Tritt auch häufuger bei jungen Männer mit einem ganz normalen BMI und normalerm Alkoholkonsum auf !!

#2 |
  0
Apothekerin

Warum wird bei Patienten, die “Selbstmord mit Messer und Gabel” machen, also sich und das System mit ihrer sorglosen und unverantwortlichen Verhaltensweise gefährden, nicht einfach eine konsequente Abspeckkur erzwungen? Ich weiß, dass sich jeder selbst umbringen darf, aber bitte nicht zu Lasten der Solidargemeinschaft! Also anstatt der Überlegung Vitamin E ja oder nein, eine erfolgreiche Ernährungsberatung und ein Bewegungsprogramm und finanzielle Abschläge für Obesety bei der Krankenkasse. Risikozuschlag! So würde ich vorgehen.

#1 |
  1
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: