Einmal Malaria zum Mitnehmen bitte…

5. November 2010
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Nebenjob-Reihe Teil 4: Knapp 70.000 Beschäftigte, 50 Millionen Passagiere jährlich... ein nicht unerheblicher Teil davon krank. Die Flughafenklinik Frankfurt ist der perfekte Ort für Studenten, um einen nicht ganz alltäglichen Klinikbetrieb kennen zu lernen.

Die Frankfurter Flughafenklinik ist zwar längst nicht mehr die einzige Flughafenklinik in Deutschland, sucht aber aufgrund ihrer Dimensionen ihresgleichen weltweit. Sie ist rund um die Uhr besetzt und quasi eine Art Praxisklinik sowohl für die vielen Mitarbeiter am Flughafen, wie auch Notfallambulanz für erkrankte Passagiere.

3 Ärzte und 9 Krankenschwestern sind fest angestellt, einige weitere sorgen auch nachts für den reibungslosen Betrieb der Großambulanz. Dabei vermisst man fast nichts, was eine mittelgroße Notfallaufnahme auch vorhält: Röntgen, Schockraum, selbst Laborwerte können bestimmt werden und für unklare Erkrankungen von Passagieren aus dem Ausland gibt es zudem eine Quarantäneabteilung. Außerdem ist die Flughafenklinik an das flughafeneigene Notfallsystem angeschlossen und rückt mit eigenem NEF (Notfalleinsatzfahrzeug) auch schonmal aufs Rollfeld aus, um Patienten direkt im Flieger abzuholen.

Kirsten Fedisch – seit ganz Kurzem examinierte Ärztin – hat während ihres Studiums als Aushilfe dort gearbeitet:

DocCheck Campus: Kirsten, Glückwunsch zum bestandenen Examen, das ja auch schon wieder 3 Monate hinter dir liegt. Jetzt beginnt ja bald der richtige Ernst des Lebens und der Alltag als Ärztin, richtig?

Kirsten: Stimmt, ab November fange ich in Frankreich meine Facharztausbildung in der Gastroenterologie an; ursprünglich wollte ich Gynäkologie machen, aber nun hat es sich spontan anders ergeben. Zur Not ist die Weiterbildungszeit in der Inneren ja auf fast alle übrigen Fächer anrechenbar.

DocCheck Campus: Dann wird also demnächst das erste feste Geld verdient; aber wie hast du das während des Studiums gemacht?

Kirsten: Über die ganze Zeit meines Studiums wurde ich von meinen Eltern finanziell unterstützt. BAföG habe ich nicht bekommen. Auf das Geld durch einen Nebenjob war ich also eigentlich nicht unbedingt angewiesen, wollte aber dennoch etwas machen und deshalb habe ich mir auch gedacht: wenn schon Nebenjob, dann wenigstens etwas Spannendes, Interessantes oder etwas, was mir später bei meiner Arbeit als Ärztin zu Nutze sein wird. Oder eben im besten Falle alles in einem.

DocCheck Campus: Was genau hast du bei deinem Job in der Flughafenklinik gemacht? Warst du mehr Schwester oder Ärztin?

Kirsten: Der Job war dazu da, ausschließlich die Nachtdienste an der Flughafenklinik zu besetzen. Neben einem Studenten war immer noch eine Krankenpflegekraft und natürlich ein Notarzt anwesend.
Generell wird die Zeit in den Nachtdiensten dazu genutzt, die „Station“ wieder für den nächsten Tag betriebsbereit zu machen – sprich Auffüllen und Ordnen sämtlicher Materialien (Verbandszeug, Infusionslösungen, Spritzen etc) und Medikamentenschränke.
Die Patienten wurden zusammen mit der Schwester bzw. dem Pfleger aufgenommen. Wir haben die notwendigen jeweiligen Standartuntersuchungen wie Blutdruck-, Blutzucker-Messungen, EKG, Blutentnahmen, Braunülen vorgenommen, dann wurden die Patienten durch den diensthabenden Arzt weiter versorgt. Je nachdem, wie sehr man sich einbringen konnte oder wollte, konnte man dem Arzt auch Therapievorschläge machen und diese dann auch gleich durchführen – natürlich abhängig davon, wie weit die praktischen Erfahrungen ausgeprägt waren. Außerdem durfte man Impfungen und oftmals auch Thromboseprophylaxen durchführen.

Super ist, dass das Krankheitsspektrum der Patienten dort relativ groß ist und von leichten bis mittelschweren Arbeitsunfällen über Erkältungskrankheiten von Passagieren bis hin zu allergischen Notfällen und anderen Notarzteinsätzen reicht. Man weiß also nie so wirklich, was die Nacht so bringen wird.

DocCheck Campus: Wie bist du an den Job in der Flughafenklinik gekommen und wie lange hast du dort gearbeitet?

Kirsten: An den Nebenjob bin ich eigentlich durch Zufall gekommen. Eine Kommilitonin hatte dort vorher schon gearbeitet und bei einem Mensagespräch angesprochen, dass noch weitere Studenten für Nachtdienste gesucht werden. Damals hatte ich zwar noch nicht aktiv nach einem Nebenjob gesucht, aber ich hatte mir trotzdem schon seit einiger Zeit überlegt, mir etwas dazu zu verdienen. Der Vorschlag kam also wie gerufen. Am gleichen Tag dann noch habe ich angerufen, drei Tage später war mein Vorstellungsgespräch, drei Wochen später mein erster Dienst.
Insgesamt habe ich ein Jahr an der Flughafenklinik gearbeitet (9. und 10. Semester), das war auch von dort der gewünschte Mindestarbeitszeitraum. Danach hat dann das PJ angefangen- und parallel dazu wollte ich nicht mehr arbeiten.

DocCheck Campus: Wie oft hast du gearbeitet?

Kirsten: Ich habe vier Nachtdienste pro Monat gemacht. Beginn war um 20.30, Ende morgens um 6 Uhr; knapp 38 Stunden pro Monat.
Der Dienstplan wird zusammen mit den anderen Studenten gemacht – man konnte sich eigentlich meistens seine eigenen Arbeitstage optimal zusammenstellen. Problemtage waren nur immer wieder die Feiertage, Weihnachten, Neujahr, die eben auch besetzt werden müssen. Zum Thema Anfahrt: Von Mainz war ich in 45 Minuten dort. Bei knapp 10 Stunden Arbeitszeit liegt das im akzeptablen Rahmen.

DocCheck Campus: Und wie hoch war der Stundenlohn?

Kirsten: Abgerechnet wurde immer per Steuerkarte, der Stundenlohn betrug 8,03€ plus 1,60€ Nachtzulage, plus 1,50€ Studentenzulage – also insgesamt 11,13€ plus evtl. Sonntagszulage von 2,00€.

DocCheck Campus: Kannst du den Job weiterempfehlen; gibt es nette Kollegen? Wie schaut’s mit der Arbeitsbelastung aus?

Kirsten: Für mich war es auf jeden Fall empfehlenswert. Die Nächte sind ganz unterschiedlich, mal mehr, mal weniger los. Oft ist bis 24 Uhr und ab 4.30 Uhr vermehrt Andrang und dazwischen ist es ruhig. Wenn man will, kann man in einem kleinen Raum auf einer Liege „ruhen“ wobei erholsamer Schlaf anders aussieht. Aber auch zum Lernen ist meist genug Zeit und Ruhe da.
Ansonsten kommt es sehr darauf an, wie sehr man sich individuell einbringt und über die Krankenpflegearbeit hinaus auch motiviert ist, Initiative zu zeigen.
Die Fälle sind sehr breit gefächert. Ich fand es wirklich interessant. Und was die Kollegen angeht… das kommt wirklich ganz auf die Dienste an. Von sehr nett bis „hat sich stets bemüht“ ist wirklich alles dabei.
Alles in allem war es eine runde Sache, fand ich. Die Nachtdienstarbeit drückt manchmal auf die Motivation und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich den Job sehr viel länger als ein Jahr gemacht hätte – aber die Tatsache, dass man nebenbei lernen kann und auch Praxiserfahrung sammelt, machen eventuell unangenehme Dienste wieder wett. Für einen abgesteckten Zeitraum auf jeden Fall gut!

DocCheck Campus: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute zum Berufsstart.

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