Depression: Der Biolek-Effekt

27. Februar 2017
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Die Ergebnisse der SMILES-Studie lassen hoffen: Die erste kontrollierte randomisierte Studie untersuchte, ob sich eine Ernährungsumstellung positiv auf die Entwicklung einer Depression auswirken kann. Die Autoren sehen großes Potenzial in dieser einfachen Therapieform.

In den letzten Jahren häuften sich die Hinweise, dass die Qualität der Ernährung und die Stimmungslage des Menschen irgendwie miteinander verknüpft sein könnten. Je nach Land und Kultur schwankt zwar die Vorstellung davon, was eine gesunde Ernährung ausmacht. Beobachtungsstudien zeigten jedoch, dass vor allem eine pflanzenbasierte Kost mit fettarmen Proteinen und Fisch mit einem geringeren Risiko für eine Depression einhergeht. Prozessierte Nahrungsmittel und stark gezuckerte Speisen und Getränke hingegen wurden immer wieder mit einem höheren Erkrankungsrisiko in Verbindung gebracht.

Eine Depression ist eine komplexe psychische Erkrankung. Daher erscheint eine Behandlung über eine Ernährungsumstellung zunächst absurd. DocCheck hat einen Blick auf die aktuelle Studienlage geworfen.

Daten erster prospektiver Studie veröffentlicht

Im Jahr 2013 erschien eine Studie1 in „BMC Medicine“, die zu dem Ergebnis kam, dass eine mediterrane Ernährungsweise kombiniert mit Nüssen das Risiko dafür senkte, drei Jahre später an Depression zu erkranken.

Um herauszufinden, ob eine Ernährungsumstellung auch zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden kann, starteten Wissenschaftler in Australien die „SMILES“-Studie (Supporting the Modification of lifestyle In Lowered Emotional States). Nun wurden die Daten dieser ersten kontrollierten, randomisierten Studie zum Thema Depressionstherapie durch Ernährung veröffentlicht.

Studienleiterin der SMILES Studie: Dr. Felice Jacka von der University of Melbourne, Australien. Credit: University of Melbourne.

Studienleiterin der SMILES Studie: Felice Jacka von der University of Melbourne © University of Melbourne

Teilnehmer schwer depressiv und schlecht ernährt

Die Wissenschaftler hatten 67 erwachsene Patienten, die unter einer schwere Depression litten, in ihre 12-wöchige Studie eingeschlossen. Zu den Einschlusskriterien gehörte ein Wert von mindestens 18 von 60 möglichen Punkten auf der Montgomery–Åsberg Depressionsskala. 55 dieser Patienten befanden sich bereits in Behandlung: 21 Patienten erhielten eine Psychotherapie in Kombination mit Antidepressiva, 9 erhielten ausschließlich eine Psychotherapie, 25 ausschließlich Antidepressiva.

Alle eingeschlossenen Teilnehmer ernährten sich zudem schlecht. Sie wiesen allesamt 75 oder weniger Punkte von 104 bestmöglichen Punkten bei einer Ernährungsbewertung auf. Nach eigenen Angaben nahmen sie wenig Ballaststoffe, fettarme Proteine, Obst und Gemüse zu sich, dafür reichlich Süßigkeiten, prozessiertes Fleisch und salzige Snacks.

Ernährungsumstellung versus soziale Unterstützung

Die Teilnehmer wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt: In einer Gruppe erhielten die Patienten 7 individuelle Beratungsgespräche mit einem ausgebildeten Ernährungsassistenten. Die ersten 4 Gespräche erfolgten wöchentlich, die übrigen alle 2 Wochen. Der Fokus der Ernährungsberatung lag auf der qualitativen Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten. Die Teilnehmer durften sich zwar satt essen, wurden aber dazu angehalten, folgende Verzehrsempfehlungen zu befolgen:

  • Vollkorngetreide (5-8 Portionen pro Tag)
  • Gemüse (6 Portionen pro Tag)
  • Obst (3 Portionen pro Tag)
  • Hülsenfrüchte (3-4 Portionen pro Woche)
  • fettarme und ungesüßte Milchprodukte (2-3 Portionen pro Tag)
  • rohe und ungesalzene Nüsse (1 Portion pro Tag)
  • Fisch (mindestens 2 mal pro Woche)
  • fettarmes, rotes Fleisch (3-4 Portionen pro Woche)
  • Huhn (2-3 Portionen pro Woche)
  • Eier (bis zu 6 pro Woche)
  • Olivenöl (3 Esslöffel pro Tag)
  • Extra-Nahrungsmittel wie Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, Frittiertes, Fast-Food, prozessiertes Fleisch und zuckerhaltige Getränke (maximal 3 pro Woche)

Um die Mitarbeit der Studienteilnehmer zu erleichtern, erhielten sie die Hauptlebensmittel ihres neuen Ernährungsstils, sowie Rezepte und einen schriftlichen Ernährungsplan zum Nachlesen im Zuge der Beratungsgespräche.

Die Kontrollgruppe erhielt im gleichen zeitlichen Umfang eine soziale Unterstützung. Diese bestand aus individuellen Gesprächen über Themen, die die Teilnehmer interessierten. Wer sich nicht unterhalten wollte, konnte die Zeit auch mit Karten- oder Gesellschaftsspielen verbringen.

Studienergebnisse: ein Drittel erfährt Remission

Nach 12 Wochen verzeichnete die Gruppe mit der Ernährungsumstellung einen größeren Rückgang der depressiven Symptome als die in der sozial unterstützten Gruppe. 32 Prozent der Patienten in der Ernährungsgruppe konnten nach der 3-monatigen Studienphase eine Remission verzeichnen, in der sozial betreuten Gruppe waren es nur 8 Prozent. Der statistisch signifikante Unterschied beider Gruppen betrug 7,1 Punkte auf der Montgomery–Åsberg Depressionsskala.

Für die Studienleiterin Felice Jacka liegen die Gründe auf der Hand: „Die Studienergebnisse beruhen auf dem Ausmaß der Ernährungsumstellung, nicht etwa auf Sport oder dem Körpergewicht. Je strikter die Teilnehmer den Ernährungsplan verfolgten, desto größer waren ihre Erfolge.“ Für Jacka, Präsidentin der “International Society for Nutritional Psychiatry Research”, öffnen die Studienergebnisse neue Türen bei der Behandlung von Depressionen. Denn nur etwa der Hälfte der Betroffenen könne mit momentan zugänglichen Therapien wie Antidepressiva und/oder Psychotherapien geholfen werden. „Daher brauchen wir dringend neue Therapieoptionen“, so Jacka.

Darm-Hirn-Zusammenhang auch im Tierversuch deutlich

Ein Zusammenhang zwischen Darm und Gehirn wurde auch in anderen, kürzlich veröffentlichten Studien festgestellt – allerdings im Tierversuch. Dabei verhielten sich Mäuse ohne Darmbakterien weniger ängstlich als ihre normal besiedelten Artgenossen, sie zogen sich nicht in schützende Bereiche ihres Käfigs zurück.

Ähnliches zeigte sich bei keimfreien Mäusen, denen Darmbakterien von besonders wagemutigen Tieren übertragen wurden. Diese Mäuse passten ihr Verhalten nach kurzer Zeit an das ihrer Bakterienspender an. Dass Darmbakterien und Hirnchemie irgendwie miteinander zusammenhängen, scheint offensichtlich. In welcher Weise und ob die Daten der Tierversuche auch auf den Menschen übertragbar sind, muss aber in weiteren Studien erst noch geklärt werden.

Darmflora beeinflusst Depression über Entzündungsreaktionen

In einem Übersichtsartikel von 20123 mutmaßten Mikrobiologen bereits, dass eine gestörte Darmflora ein Risikofaktor für eine Depression darstellt. „Die Darmflora reguliert Entzündungsprozesse im Körper. Eine veränderte Darmflora kann bei entsprechend veranlagten Individuen zu anhaltenden Entzündungsreaktionen führen – und damit auch deren Gemütslage beeinflussen“, sagt Studienautor Graham Rook, Professor am University College London, im Zuge der Studie gegenüber „Spektrum“. Denn Depressionen gingen – wie Übergewicht, Asthma und das Reizdarmsyndrom – auf entzündliche Prozesse im Körper zurück. Diese entzündlichen Erkrankungen haben in den Industrieländern seit Mitte des 20. Jahrhunderts dramatisch zugenommen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Die Zusammenhänge leuchten theoretisch ein: Eine schlechte Ernährung fördert das Wachstum entzündungsfördernder Bakterien im Darm. „Eine Depression erhöht das Risiko für Adipositas, Typ-2 Diabetes und Herzerkrankungen. Umgekehrt erhöhen diese Erkrankungen auch das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Eine Verbesserung des Ernährungsstils würde auch die Begleiterkrankungen positiv beeinflussen“, so Jacka. Möglicherweise bräuchten depressive Patienten zunächst Unterstützung bei der Umsetzung einer gesunden Ernährungsweise. Denn das Einkaufen und Zubereiten gesunder Lebensmittel erfordert eine Grundmotivation, die krankheitsbedingt bei depressiven Patienten nicht mehr vorhanden ist.

Therapie: Risikoarm und kostengünstig

Eine Ernährungsumstellung, die die Zusammensetzung der Darmflora positiv beeinflusst, scheint im Vergleich zu den übrigen Interventionen bei Depressionen vergleichsweise einfach, und vor allem nahezu nebenwirkungsfrei zu sein. Ein weiterer, positiver Nebeneffekt der gesunden Ernährung: Die Patienten sparen Geld. Eine Analyse von 20 Studienteilnehmern der SMILES-Studie zeigte: Die ungesunde Ernährung kostete die australischen Patienten durchschnittlich 138 AU$, die gesunde nur 112 AU$. Einen Versuch wäre es wert.

Originalpublikationen:

Mediterranean dietary pattern and depression: the PREDIMED randomized trial
Almudena Sánchez-Villegas et al.; BMC Med, doi: 10.1186/1741-7015-11-208; 2013

A randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the ‘SMILES’ trial)
Felice N. Jacka et al.; BMC Med, doi: 10.1186/s12916-017-0791-y; 2017

Can we vaccinate against depression?
Graham A.W. Rook et al; Drug Discovery Today, doi: 10.1016/j.drudis.2012.03.018; 2012

152 Wertungen (4.32 ø)
Bildquelle: Shannon Kringen, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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33 Kommentare:

Ronald Weber
Ronald Weber

“Prozessiertes Fleisch/Lebensmittel” ist ein Übersetzungsfehler. Kam wohl vom englischen “processed” Gemeint ist also (hochgradig)-verarbeitetes Fleisch/Lebensmittel. Das Aussparen von tierischen Produkten und hochgradig verarbeiteten Lebensmitteln, die Hinwendung zu überwiegend frischer und pflanzenbasierter Kost schont nicht nur die Nerven, sondern auch den Geldbeutel. Betroffene müssten nur diese erste Hürde erstmalig überwinden um auf den Weg gebracht zu werden. Ganz sicher gereichen auch Zubereitungsrituale und Anteile “sozialen Essens” zur Linderung der Symptome. Mahlzeit!

#33 |
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Nichtmedizinische Berufe

Das Hauptübel für Depressionen ist in anderen Bereichen zu suchen. Ein Schuh wird erst daraus, wenn man richtig stellt, dass Depressionen schlechte Essgewohnheiten mit all ihren weiteren Begleitkrankheiten nach sich ziehen. Den im Beitrag abgedruckten Verzehr- Empfehlungen kann ich aus meiner Sicht nicht zustimmen. Bei diesen Mengenangaben würde ich wahrscheinlich das dreifache auf die Waage bringen. Ich bin selbst betroffen und würde dazu raten:
– Beseitigen sie die Ursachen für die Depressionen mit der Wurzel.
– Nehmen sie abwechslungsreiche überwiegend mediterrane Kost zu sich.
– Eine Mahlzeit sollte ein Ritual sein. Deshalb lassen sie sich Zeit und genießen es
gern auch mit Unterbrechungen.
– Schaffen sie Erlebnisse, die nachklingen und sie über die depressiven Phasen
tragen.
– Lassen sie sich helfen!
An dieser Stelle möchte ich den den Kommentar beenden, sonst übersteigt er den Umfang eines Aphorismus.

#32 |
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Chemiker
Chemiker

Also eine (einigermaßen) gesunde Ernährung ist gar nicht so aufwendig.
Z.B. ca. 350g Kaisergemüse (Brokkoli, Blumenkohl, Möhren) über Nacht
aufgetaut, dann mit Käsescheiben belegt und 15 min im Grill warm gemacht.
Kaum mehr Aufwand als bei einer Tiefkühlpizza und deutlich gesünder.

#31 |
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Weitere medizinische Berufe

Aus dem artikel:
“Die Produktion von Ketonkörpern durch intermittierendes Fasten und einer ketogenen Ernährung ist die vielversprechendste Behandlung für mitochondriale Fehlfunktionen [21]. Die Vorteile der Langlebigkeit, die bei Forschungen zu kalorischer Restriktion beobachet wurden, liegt in der Tatsache begründet, dass unser Körper innerhalb unserer Mitochondrien zu einem Fettverbrennungs-Stoffwechsel übergehen. Mit einer ketogenen Ernährung gehen wir in einen Fettverbrennungs-Stoffwechsel über, ohne dass unsere Kalorienzufuhr einschränkt werden müsste.

Die Ketose wird mit all den Problemen fertig, die mit einer kohlenhydratreichen Ernährung einhergehen – jene Ernährung, die von der Mainstream-Wissenschaft empfohlen wird: Angstzustände, Heißhungerattacken, Reizbarkeit, Tremor und Stimmungsprobleme, um nur einige Effekte dieser Ernährung zu nennen. Es ist ein Verbrechen von einer fettreichen Ernährung abzuraten wenn man bedenkt, dass eine ketogene Ernährung, bei Menschen sowie bei Tieren, Tumore schrumpfen lässt und die Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns gegen Stress und Toxizität verbessert. “

#30 |
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Weitere medizinische Berufe
#29 |
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Dipl.-Psych. Simone Hübner
Dipl.-Psych. Simone Hübner

Mich würde interessieren, wie bei der Studie sichergestellt werden konnte, dass die Versuchsgruppe tatsächlich ihre Ernährung umgestellt hat. Das stelle ich mir schwierig zu kontrollieren vor. Wie schon jmd. erwähnte, denke ich, dass es kein reiner kausaler Zusammenhang ist, sondern Aspekte wie die zuteil gewordene Aufmerksamkeit, die Beschäftigung mit der Ernährung sowie die evtl. damit einhergehende stärkere Tagesstrukturierung eine Rolle gespielt haben. Davon abgesehen, finde ich den Einfluss zwischen Darmbesiedelung und dem psychischen und physischen Befinden sehr spannend. Ein Feld, in dem sich Forschung lohnt. Daher danke für diese Studie.

#28 |
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Gast
Gast

Kurze Ergänzung für die vielen Skeptiker bezüglich Vollwertkost und Verträglichkeit: Selbstverständlich sollte jede Ernährungsumstellung individuell begleitet geschehen. Gerade bei der Umstellung von Weißmehl-Brezel zu Vollkornbrot bedarf es z.B. verdauungsunterstützender Gewürze wie Ingwer, Kardamom. Und Vollkornbrot ist nicht gleichzusetzen mit körnigem Pumpernickel oder nur noch Bohnen… Wer sich langsam der pflanzlichen Vollwertkost nähert, dessen Darmflora stellt sich ebenfalls um und was zuvor schwer verträglich erschien, wird gut verdaubar. Allen Skeptikern bezüglich der Zusammenhänge nochmals die Einladung, sich die reichhaltige Studienlage anzuschauen, zusammengeführt im erwähnten Artikel Demenz/Depression/Ernährung in Coachin! 1/2016. Eröffnet neue Horizonte und erweitert die aktuelle Sichtweise.

#27 |
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Rentenberater Johann simon Genten
Rentenberater Johann simon Genten

Danke für diesen wichtigen Artikel. Jeder, der einmal gefastet und das psychische “High” im Zuge des Fasten erlebt hat, weiß, wie ganz offenbar die Ernährung den Stoffwechsel und offenbar auch die Psyche beeinflußt. Ein spannendes Feld, dass natürlich bei allen, die eigene wirtschaftliche Interessen durch die Behandlung der Depression haben, auf Skepsis stoßen wird.

#26 |
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Nichtmedizinische Berufe

#22 Sie schreiben als Antwort auf #2: “Es ist andererseits auch nicht wichtig zu wissen, was das Ei ist und was die Henne, solange eine Therapie sich als wirksam erweist.”
Dem ist im Hinblick auf die Bewertung der Studienergebnisse ganz und gar nicht zuzustimmen. Vielmehr sind Ei und Henne hier von entscheidender Bedeutung. Wenn die Therapieerfolge darauf zurückzuführen sind, dass die Probanden ohnehin auf dem Wege der Besserung waren, ist die Ernährungsumstellung anders zu bewerten, als wenn diese die Probanden bzw. Depressiven erst aus ihrem Tief geholt hat.

#25 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Der Aufmacher (Überschrift) ist meist sehr witzig, dieses Mal jedoch kein Bezug.

#24 |
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Bernd Heinrich
Bernd Heinrich

Ich kann dies nur bestätigen. Seit ich meine Ernährung umgestellt habe, konnte ich meine Tablette (Seroquel) absetzen. Ich nehme jetzt noch Venlafaxin. Mir geht es dermaßen gut und fühle mich fit und bin wieder richtig aktiv.
Ich habe dabei mir das Ernährungsprogramm von bodykey als Begleitung genommen.

#23 |
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Dr. med. Christoph Zink
Dr. med. Christoph Zink

@Dr. Rinast (#2): Sie haben völlig recht. Wenn die angegebenen “Portionen” wirklich über den Tag verteilt gegessen werden sollen, dann ist der entscheidende Unterschied zwischen vorher und nachher für die Patienten, dass sie sich sorgfältig mit sich und ihrer Ernährung beschäftigen. Schon das allein hat mit Sicherheit einen positiven Effekt auf die Stimmung. Aus meiner Sicht ist es kaum je einmal möglich, aus statistischen Effekten kausale Zusammenhänge zu konstruieren. Es ist andererseits auch nicht wichtig zu wissen, was das Ei ist und was die Henne, solange eine Therapie sich als wirksam erweist. Man sollte nur nicht schlussfolgern: Weil Reizdarmsyndrom und Depression oft bei denselben Patienten auftreten, ist’s der Darm (oder sind’s die Allergene), die sie traurig machen. Soo schlicht ist die Verbindung unseres Immunsystems mit der Seele dann doch nicht!

#22 |
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Gast
Gast

Ich leide allerdings zweitrangig unter einer sehr starken Depression, die von einer PTBS ausgelöst wurde. Ich habe von mir aus die Ernährung umgestellt und stelle fest, dass Backwaren mit Weizenmehl Gift ist. Fleisch esse ich wenn es hoch kommt zweimal in drei Monaten. Ich trinke viel Wasser, süsse Getränke gar nicht. Süssigkeiten nur 2 mal im Vierteljahr. Kleine Mengen, nur dann, wenn der Magen Hunger meldet. Ich mache Sport bei Wind und Wetter und vergrabe mich in Arbeit, damit ich sonst nicht denken muss. Die Seele heilt dadurch nicht, aber der Körper meldet keine Verstopfungen, keinen Durchfall, Sodbrennen oder Magendruck. Keine unkontrollierten Fressattacken.

#21 |
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Gast
Gast

Was die Seele essen will, eine hervorragendes Buch, das deutlich weiterhilft, als eine “Diät”. die auch noch MILCH enthält und zuviel Getreide

#20 |
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Dr. med. Michael Traub
Dr. med. Michael Traub

Elizabeth Somer veröffentlichte 1995 mit ‘Food and Mood’ ein wichtiges Buch zu diesem Thema. Die jetzige Arbeit ist dazu ein wichtiger wissenschaftlicher Meilenstein.

#19 |
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Weitere medizinische Berufe

Die echte Mittelmeer”Diät” ist keineswegs fettarm. Auch Vollkorn ist dort nicht unbedingt ein bevorzugtes Nahrungsmittel.

#18 |
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Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast
Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast

@#8 “Wenn man bedenkt, wie stark Depressionen zunehmen”
Die Tatsache, dass mehr Depressionen diagnostiziert werden, heißt nicht zwangsläufig, dass es tatsächlich mehr Depressive gibt. Natürlich *kann* es sein, dass auch die Zahl der Erkrankten zunimmt, aber ein guter Teil der vermehrten Diagnosen dürfte auf die gottseidank allmählich greifende Enttabuisierung psychischer Erkrankungen zurüzuführen sein, indem schlicht mehr Betroffene Hilfe suchen. Die Dunkelziffer dürfte immer noch recht hoch sein.

Zwei weitere Fragen stellen sich mir bei der SMILES-Studie:
1. Bekamen die Teilnehmer der Ernährungsumstellung die Lebensmittel kostenlos? Und wie verhielt es sich in dieser Beziehung mit der Kontollgruppe?
2. Was passierte nach den 12 Monaten, die ich für eine solche Studie für zeimlich kurz halte, mit der Ernährungsumstellung? Wer war nach 12 Monaten noch konsequent dabei, und wie ging es denen, die in alte Ernährungsgewohnheiten zurückfielen?

#17 |
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Ute Jamin-Verstappen
Ute Jamin-Verstappen

Gast V
Biologe
vermisse Fakten in Form von Messergebnissen! Die allgemein übliche statistische Auswertung über Fragebögen ist milde gesagt frustrierend. Ich vermute einfach mal das die Werte für B12 und D3 zu niedrig sind was schon länger bei schweren Depressionen bekannt ist.

#16 |
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M
M

@ Silke Schuster: Volle Zustimmung! Ich halte jede pauschale Ernährungsempfehlung für Scharlatanerie. Es gibt keine für jeden (oder auch nur die meisten) passende optimale Ernährung. Ernährung ist sehr individuell.

#15 |
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Ein anderer Aspekt: Allergiker haben weitaus häufiger Ängste, psychische Störungen und Depressionen. Wenn diese eine allergenarme Kost zu sich nehmen, wird nicht nur die allergische Grundsituation besser sondern auch die psychische Grundstimmung. Dies sieht man recht spektakulär bei allergischen Kindern.
D.h. Umstellung der Ernährung (optimal allergenarm), – Verminderung der Allergene – Verminderung des Allergenstress und Änderung des Mikrobiom – Psychische Aufhellung.
Siehe auch: Karl Schröder: Allergologische Strategien

#14 |
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M
M

Der Ansatz hört sich vernünftig an und das gute Ergebnis bezweifele ich nicht. Nur die angeführte “Verzehrempfehlung” kommt mir unrealistisch vor. Wer nimmt täglich 5 bis 8 Portionen Vollkorngetreide und 6 Portionen Gemüse und 3 Portionen Obst und noch einiges mehr zu sich? Bei sovielen Portionen bekäme ich nicht nur Verdauungsprobleme sondern auch Zeitprobleme. Im Stundentakt essen ist schon Hardcore. Zum Glück steht auch geschrieben “Individuelle Ernährungsberatung”, so dass ich davon ausgehe, die Liste ist nicht ganz ernst gemeint.

#13 |
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Ärztin

So viele Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte kann nicht jeder verdauen. Die Unpässlichkeiten womit die Betroffenen kämpfen müssen führen zu weiterer Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Ich halte diese Studie für einen weiteren Versuch vegetarisch “Vollwert”- Kost zum Allheilmittel zu glorifizieren. Nicht für Jedermann ist diese Kost (v)erträglich.

#12 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

was ist denn ein fettarmes Protein?

#11 |
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Diätassistent

Besser noch Leinöl für Kaltgerichte (Salat) und Olivenöl zum Braten.

#10 |
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Dr. med. dent. Peter Dolensky
Dr. med. dent. Peter Dolensky

Dr. Peter Dolensky

Die Ernährungsempfehlungen bezüglich der Menge einer “Portion” sind zu allgemein – es fehlen ca. Angaben in Gramm. 5-8 Portionen Vollkorn – 3 Portionen Obst. Was ist eine “Portion”?
Wenn es 50 – 100 gr. sind, ist das für für Diabetiker respektive bezüglich der Insulinproduktion nicht akzeptabel. Wenn es mehr sein sollte – wer soll diese Mengen essen und wir haben zu viele KH-“Angriffe”.

27.02.2017

#9 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

P.S. Wenn man bedenkt, wie stark Depressionen zunehmen (und auch die Demenz, siehe Artikel-Empfehlung) und wie wenig laut Cochrane-Meta-Analyse die Antidepressiva helfen/wirken, so sollte eine Präventions-Option mit Urlaubs-Charakter (Mediterrane Ernährung) gar keine Frage sein im Sinne des “Primum nihil nocere”…. und dass eine pflanzenbetonte Vollwertkost auch sehr einfach, fix und lecker gehen kann, ist schon mehrfach belegt, siehe auch Rezepte in “Tomatenrot+Drachengrün” oder kostenfrei zum Runterladen “Simply eat” von Suzanne Jacob, oder, oder….

#8 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Siehe auch: Demenz und Depression: Beeinflusst unsere Ernährung unsere Beziehungen, in “Coachin!, 1/2016 mit vielen Studien und Quellen.

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

Wenn das stimmt: Schwer Depressive könnten die Nahrungsumstellung in einer Klinik machen, ein gesundes Buffet statt Antidepressiva. Ich sehe es nämlich wie Gast X: wenn aufstehen und duschen schon kaum geht, wird man wohl kein Gemüse schälen, sondern sich – falls überhaupt Hunger da ist – an etwas halten, das man nur noch essen muss. Außerdem: Heißhunger auf “leere” Kohlenhydrate, also Süßigkeiten, ist auch mit ein Symptom ( daher können Gewichtsabnahme aber auch Zunahme Depressionssymptome sein) Also ist eine dementsprechend angepasste Behandlung gefragt.

#6 |
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Gast
Gast

Egal was ich neuerdings lese, immer ist das Mikrobiom verantwortlich für fast alles.
Nun liest man genauso oft, dass das Mikrobiom fast nur von der Ernährung abhängt.
Also wer sich schlecht, falsch, einseitig ernährt, wird leichter krank.
Wo ist den hier das Neue?

#5 |
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Gast X
Gast X

Die Frage die ich mir hier stelle ist: kann sich ein schwer depressiver Patient überhaupt aus eigener Kraft anders als “schlecht” ernähren? Gutes Essen zu geniessen ist ein sinnliches Erlebnis das Vergnügen breitet… es macht einfach Freude! Zusätzlich zum Geschmack kommt das Gefühl seinem Körper und sich selbst etwas Gutes getan zu haben. Die Mühe die man auf sich nimmt um die entsprechenden Einkäufe zu erledigen und die Zubereitung durchzuführen erfordert ein gewisses Maß an Antrieb, Vorfreude und Selbstliebe und der Genuss ist die Belohnung. Ein schwer depressiver Patient kann das doch alles gar nicht empfinden, das ist doch sein Problem! Freudlosigkeit, Antriebsmangel, Appetitlosigkeit… ohne Hilfe kann er diesen Teufelskreis wohl nicht durchbrechen.

#4 |
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Bernd H.K. Hoffmann
Bernd H.K. Hoffmann

6 Portionen Gemüse am Tag…?
Ich denke, den Leuten gings besser, weil sie lauter gute Sachen zur Verfügung gestellt bekamen, die sie sich kochen konnten. Da waren sie schön beschäftigt, haben (wohlschmeckende) Erfahrungen gesammelt, und daß sie zu etwas Sinnvollem in der Lage sind.

#3 |
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Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast
Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Erfolg dürfte die zusätzliche Strukturierung des Lebens der Betroffenen durch die doch recht umfangreichen Vorgaben haben. Auch wenn die Lebensmittel und Rezepte gestellt wurden, erfordert es doch ein erhebliches maß an Selbstorganisation, diese Ernährungsumstellung konsequent einzuhalten.
Die Frage ist, was mit den vermutlich vorhandenen Abbrechnern geschah. Ob diese mit in die Auswertung der “Verum”gruppe einbezogen wurden oer nicht.

Für mich wäre es aus eigener Erfahrung bereits ein Zeichen deutlicher Besserung der Depression, wenn man überhaupt erstmal in der Lage ist, so eine Umstellung zu bewältigen und durchzuhalten.

Die Frage wäre für mich in diesem Fall was Huhn und was Ei ist. Waren diejeingen, die durchgehalten haben, bereits auf dem Weg der Besserung und haben aus diesem Grund durchgehalten, oder gab es die Besserung, weil sie es geschafft haben?

#2 |
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Rolf Frommberger
Rolf Frommberger

“Prozessiertes Fleisch” – ist das Fleisch, das ein Gerichtsverfahren hinter sicht hat?

#1 |
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