Malaria: Jetzt bist du fällig

16. Februar 2017
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Die jahrelange Suche nach einem Mittel gegen Malaria hat womöglich ein Ende. In einer klinischen Studie wurde erfolgreich ein neuer Impfstoff gegen die Infektionskrankheit getestet. Tropenmediziner berichten über eine nahezu 100-prozentige Schutzwirkung.

Malaria ist die häufigste Tropenkrankheit. Nach Angaben der WHO erkrankten allein im Jahr 2015 rund 214 Millionen Menschen durch den Malaria-Parasiten. Schätzungsweise 438.000 Menschen starben an den Folgen, rund 90 Prozent davon in Afrika. Nahezu drei Viertel der tödlichen Erkrankungen betreffen Kinder unter fünf Jahren. Seit mehr als 100 Jahren forschen Wissenschaftler an einem Impfstoff.

In einer klinischen Studie mit einem neuen Impfstoff gegen Malaria haben Wissenschaftler jetzt einen Impfschutz von bis zu 100 Prozent erreicht. Für die Impfung wurden Malaria-Parasiten des Biotechnologie-Unternehmens Sanaria eingesetzt. Der Impfstoff basiert auf vollständig lebensfähigen, nicht abgeschwächten Malaria-Erregern, die gleichzeitig mit einem Malaria-Medikament verabreicht werden. Dieser neue Ansatz wurde von Professor Kremsner und Dr. Mordmüller vom Tübinger Institut für Tropenmedizin und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) erstmals klinisch getestet.

Plasmodium falciparum: Schwer zu knacken

Malaria-Parasiten werden durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke übertragen. Für die Mehrzahl der Malaria-Erkrankungen weltweit und nahezu alle Todesfälle ist der Parasit Plasmodium falciparum verantwortlich. Bisherige Impfstoffkandidaten basierten zumeist auf dem Einsatz von einzelnen Molekülen der Erreger. Es zeigte sich jedoch, dass durch derartige Impfungen keine ausreichend schützende Immunantwort ausgelöst wurde.

An der Tübinger Studie nahmen 67 gesunde, erwachsene Probanden teil, die noch nie an Malaria erkrankt waren. Die beste Immunantwort zeigte sich bei einer Gruppe von neun Probanden, die dreimal in je vierwöchigem Abstand den Impfstoff in einer hohen Dosierung erhielten. In dieser Gruppe zeigten alle Probanden anschließend einen 100-prozentigen Impfschutz.

Optimale Kombi: Parasiten und Chloroquin

„Der Schutz entstand wahrscheinlich durch spezifische T-Lymphozyten und Antikörper-Antworten gegen die Parasiten in der Leber“, erklärte Kremsner. Zudem habe man die Immunreaktion des Körpers analysiert und Proteinmuster identifiziert, die eine weitere Verbesserung des Impfstoffs ermöglichen. Die Wissenschaftler spritzten die lebendigen Malaria-Parasiten und verhinderten eine Erkrankung der Probanden durch die gleichzeitige Gabe von Chloroquin, einem seit langem genutzten Malaria-Medikament. Die Tübinger Forscher machten sich bei der Studie Eigenschaften sowohl des Parasiten wie auch des Gegenmittels Chloroquin zunutze.

In der Leber wird es kritisch

So kommt Plasmodium falciparum, nachdem ein Mensch infiziert ist, zunächst in die Leber, um sich dort zu vermehren. In dieser Inkubationsphase kann das menschliche Immunsystem bereits reagieren, die Krankheit bricht aber noch nicht aus. Zudem wirkt Chloroquin nicht in der Leber, bremst also dort auch nicht die Vermehrung des Parasiten. Zum Ausbruch der Krankheit kommt es erst, wenn der Erreger die Leber verlässt, ins Blut wandert und sich als Parasit in den roten Blutkörperchen einnistet und vermehrt. Sobald der Erreger im Blut ist, wird er aber von Chloroquin abgetötet und somit der Ausbruch der Krankheit verhindert.

Abgeschwächte Erreger, starke Auswirkung

„Durch die Impfung mit einem lebenden und zuerst nicht abgeschwächten Erreger ist es uns ganz offensichtlich gelungen, eine sehr starke Immunantwort auszulösen“, sagte Studienleiter Benjamin Mordmüller. „Darüber hinaus deuten die bisher vorliegenden Daten darauf hin, dass wir es mit einem vergleichsweise stabilen und lange anhaltenden Impfschutz zu tun haben.“ In der Gruppe der Probanden, die nach dreimaliger Gabe einer hohen Dosis von Parasiten einen 100-prozentigen Impfschutz gezeigt haben, sei dieser auch zehn Wochen nach der Impfung noch zuverlässig vorhanden, eine messbare Immunantwort noch wesentlich länger. Der neue Impfstoff habe sich zudem als sehr gut verträglich erwiesen.

So geht es weiter

Im nächsten Schritt soll er im Rahmen einer weiteren klinischen Studie in Gabun über mehrere Jahre auf Wirksamkeit getestet werden. In dieser Region gehört Malaria zu den größten Gesundheitsproblemen. Mit einer wirksamen Vakzine ließe sich Malaria einfacher kontrollieren, in stark betroffenen Gebieten könnten Impfkampagnen durchgeführt werden, um den Erreger zu eliminieren. Außerdem könnte ein Impfstoff die Ausbreitung von Resistenzen verhindern und Reisende besser schützen.

Originalpublikation:

Sterile protection against human malaria by chemoattenuated PfSPZ vaccine
Benjamin Mordmüller et al.; Nature, doi: 10.1038/nature21060; 2017

49 Wertungen (4.69 ø)

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9 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Jetzt muss man es nur noch für Afrika bereitstellen und schwupps, hätte man ein Problem weniger, aber bestimmt wird wieder einmal die Pharmaindustrie die Hand aufhalten. Nichts ist heute geschenkt. Nur noch ein Geben und Nehmen.

#9 |
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Dr.med Friedrich Schuster
Dr.med Friedrich Schuster

Meine eigenen Erfahrungen mit der Malaria (Malaria tropica) Lassen mich am Ergebnis zweifeln.
Zwischen Infektion (immer wieder wurden vereinzel Malaria Plasmodien im Blut gefunden) ohne die typischen Erkrankungszeichen und Ausbruch, kann ziemlich viel Zeit verstreichen. Dafür gabs reichlich untypische Krankheitszeichen, die mehr in den Bereich Unpässlichkeit fallen, wie starkes Schwitzen bei auch unbedeutender körperlicher Anstrengung, Orthostaischer Schwindel, häufig Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Spannungsgefühl in Leber und Milz, auch unklare Durchfälle für einige Tage ect. ect.
Die Malaria brach dann sehr heftig und plötzlich ca 3/4 Jahrnach Rückkehr aus, mit Schüttelfrost und 42°C Fiieber, Dämmerungszustand.
Die Immunabwehr hatte den Ausbruch verzögert aber nicht verhindert. So ist es auch in Afrika mit zahlreichen semi-resistenten Malaria Befallenen.
Diese Leute sind nicht richtig krank, aber auch nicht wirklich gesund. Im Blut-Ausstrich findet man meist eine geringe Zahl an befallenen Erythrozyten und fast immer eine große Milz. Die “Nichterkrankten” laufen aber oft herum wie Schlafwandler, arbeiten sehr langsam und unkonzentriert, haben oft eine große druckschmerzhafte Milz und ein Druckgefühl in der Lebergegend ect. Sie fühlen sich schwach und kraftlos ect.ect. ohne wirklich krank zu sein. Vor allem tragen sie zur Verbeitung der Malaria bei. Ich denke auf eine solche Art von Impfschutz kann man gerne verzichten, vor allem weil überhaupt nicht klar ist, wie sich die ständig neue Zufuhr aller möglichen neuen Malariastämme (via Moskitos) auswirkt. Die körpereigen Imunitat ist und war bisher (zumindest in Ostafrika) nicht in der Lage die Krankeit einigermasen sicher zu verhindern noch deren Übertragung;- auch nicht bei Personen die zusätzlich Chloquin, Fansidar ect. einnahmen.

#8 |
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Heilpraktiker

immer wieder finde ich es erstaunlich, dass der Nachweis einer Immunantwort, der hier doch wohl vermutlich bei 100% der Geimpften möglich war, als 100%iger “Impfschutz” bezeichnet wird.
Wie hoch der Impfschutz tatsächlich ist, werden wir selbstverständlich erst in vielen Jahren wissen können, wenn wir die Infektionsraten der dann in der klinischen Studie Geimpften mit Ungeimpften vergleichen können.
Es bleibt natürlich zu hoffen, dass sich Wirksamkeit und gute Verträglichkeit dabei auch bestätigen werden

#7 |
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Interessanter Ansatz, allerdings ist die Resistenz gegen Chloroquin bereits weit verbreitet. Vermutlich ist die neue Impfung bei diesen Stämmen eher wenig wirksam.

#6 |
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Gast
Gast

Gab es keine Placebogruppe zum Vergleich?

#5 |
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Horst Rieth
Horst Rieth

die Sporozoiten das infektiöse Stadium, dass von den Moskitos übertragen wird, da nur diese in die Leberzellen eindringen können und die Schizonten im Blutkreis zirkulieren.

#4 |
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Dr. med. Franz-Ulrich Beutner
Dr. med. Franz-Ulrich Beutner

Was wurde als Erreger gespritzt, der Einzeller Plasmodium oder seine “Samen”
die Sporozoiten, die von der Mücke übertragen werden? Dr. Beutner Nervenarzt

#3 |
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Gast
Gast

Zu #1: Die Info zu den 10 Wochen Impfschutz: siehe vorletzer Absatz des Artikels.

#2 |
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Dipl. Biol. Anne Katrin Kuhbier
Dipl. Biol. Anne Katrin Kuhbier

In einem anderen Bericht zum selben Sachverhalt habe ich folgende Zeilen gelesen:

“Drei hohe Dosen, mindestens zehn Wochen geschützt:
In den meisten Gruppen konnten zumindest einige Teilnehmer den Erreger abwehren. Jene neun Probanden, die die höchste Dosis dreimal im Abstand von 28 Tagen erhielten, waren alle innerhalb eines Zeitraums von mindestens zehn Wochen geschützt.”

Die Info zu den 10 Wochen Impfschutz fehlt im DocCheck Artikel. Was ist nun korrekt? Es macht ja schon einen gewaltigen Unterschied, ob wir über unbegrenzten Impfschutz sprechen, oder “nur” über 10 Wochen. Eine Klarstellung wäre hier hilfreich. Danke!

#1 |
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