Anaphylaxie: Ist die Mundspülung schuld?

21. Februar 2017
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Die FDA warnt in einer Meldung vor anaphylaktischen Reaktionen durch Chlorhexidin. Liegt es am allzu großen Einsatz in Freiwahlprodukten wie Mundspüllösungen? Das wird sich über Nacht kaum ändern. Heilberuflern bleibt nur, gezielt nachzufragen.

Dass Chlorhexidin anaphylaktische Reaktionen auslösen kann, überrascht niemanden. Experten der US Food and Drug Administration (FDA) haben in ihrem Adverse Event Reporting System (FAERS) seit 1969 insgesamt 43 Fälle erfasst. Ein Trend bereitet der amerikanischen Arzneimittelbehörde Kopfzerbrechen: Genau 24 dieser Ereignisse fallen in den Zeitraum von 2010 bis 2016. Sie stufen alle erfassten Zwischenfälle als bedrohlich ein. Bei 26 Personen bestand akute Lebensgefahr, zwölf wurden stationär behandelt, und zwei Patienten starben aufgrund der Anaphylaxie. Generell bestand ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Anwendung von Chlorhexidin und der Reaktion.

Situation in Deutschland

Dass es sich hier nicht um ein amerikanisches Problem handelt, zeigen ältere Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Bis Ende 2013 gab es 147 Berichte aus Deutschland über anaphylaktische Reaktionen in zeitlichem Zusammenhang mit Chlorhexidin. Es handelt sich bei den dokumentierten Fällen von Heilberuflern um Verdachtsmeldungen. Grund zur Sorge besteht trotzdem. Wie lässt sich der Trend erklären?

Ein Wirkstoff, tausend Anwendungen

Die FDA führt ihre Beobachtung vor allem auf den weit verbreiteten Einsatz von Chlorhexidin zurück. Ursprünglich für die Zahnmedizin entwickelt, ist der Wirkstoff heute in zahlreichen Produkten zu finden. Dazu gehören Mundspüllösungen, Plättchen, die in Zahnfleischtaschen gelegt werden oder Präparate zur Anwendung auf der Haut. Als weitere Gefahrenquelle identifizierte das BfArM chlorhexidinhaltige Gleitgele für die Blasenkatheterisierung oder mit Chlorhexidin imprägnierte zentrale Venenkatheter. Experten halten eine Sensibilisierung für möglich.

Besser beraten

Um Patienten nicht über alle Maßen zu gefährden, setzt die FDA vor allem auf Kommunikation. Sie rät, generell in Erfahrung zu bringen, ob Patienten in ihrer Vorgeschichte bereits allergische Reaktionen durch Chlorhexidindigluconat hatten. Falls ja, sollte eine allergologische Diagnostik erfolgen. Für Betroffene gibt es mehrere Alternativen. Dazu gehören Povidon-Iod, Alkohole, Benzalkoniumchlorid, Benzethoniumchlorid oder Parachlorometaxylenol.

9 Wertungen (4.44 ø)

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5 Kommentare:

Gast
Gast

Allergien gibt es leider fast für alles, das hat nichts mit “synthetisch” zu tun.

#5 |
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Aromatherapeut
Aromatherapeut

Zu Gast Nr 2: Ja das sind sie tatsächlich! Es gibt keinen einzigen dokumentierten Fall der das bestätigt. Allergien werden nur von herausisolierten Einzelsubstanzen verursacht.

#4 |
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Gast
Gast

Polyhexanide (Lavasept) nicht vergessen

#3 |
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Gast
Gast

Wobei ätherische Öle ja auch völlig frei des Risikos anaphylaktischer Reaktionen sind!

#2 |
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Gast
Gast

Für Mundspüllösungen kann man auf synthetische Desinfektionsmittel komplett verzichten. Zuverlässige Erfolge erreichen wir in meiner Apotheke durch Anwendung ätherischer Öle.
Wir verkaufen im großen Maßstab “PAX TONSILLAE” aus der Löwen-Manufactur.
Unsere Kunden sind hochzufrieden.

#1 |
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