Schnupfen + Ibuprofen = Herzinfarkt?

21. Februar 2017
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Erkältungskrankheiten und die Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (NSA) gehören zu den Faktoren, die das Risiko eines Herzinfarkts erhöhen. Dieses kann sogar um das 7,2-fache steigen, wenn NSA während eines Atemwegsinfekts eingenommen werden.

Gerade in den Wintermonaten leiden vielen Menschen unter grippalen Infekten mit Erkältungsbeschwerden. Zur Linderung von Gliederschmerzen und allgemeiner Abgeschlagenheit greifen viele zu nichtsteroidale Antirheumatika (NSA), oder bekommen diese Mittel von ihrem Hausarzt verschrieben. Besonders beliebt sind in Deutschland Ibuprofen und Diclofenac. Doch diese Mittel können fatale Folgen haben, wie eine aktuelle Studie aus dem Journal of Infectious Diseases zeigte. Bei der Behandlung von respiratorischen Infekten mit NSA sollten Patienten und Ärzte, die NSA verordnen, in Zukunft vorsichtig sein, da diese Mittel in diesem Behandlungskontext das Risiko für einen Herzinfarkt um ein Vielfaches erhöhen können.

Erstmals untersucht: kumulativer Effekt von NSA und Erkältungen

In einer Beobachtungsstudie haben Wissenschaftler Daten eines Taiwanesischen Gesundheitsprogramms über einen siebenjährigen Zeitraum (2005–2011) analysiert. Die Datensätze beinhalteten auch Informationen zu 9.793 Patienten, die aufgrund eines Herzinfarktes hospitalisiert worden waren. Ziel der Datenanalyse war es, herauszufinden, ob zwei potentielle Risikofaktoren für einen Herzinfarkt – eine akute Atemwegserkrankung und der Gebrauch von NSA – eine kombinierte Wirkung in Bezug auf das Herzinfarktrisiko haben.

Bei Selbstmedikation: Risiko für Herzinfarkt um das 3,4-fache erhöht

Die Wissenschaftler ermittelten das normale Risiko eines jeden Patienten, einen Herzinfarkt zu erleiden und verglichen dieses Risiko mit dem in Zeiten akuter Atemwegserkrankungen und während des Gebrauchs von NSA. Wenn beide Risikofaktoren gemeinsam zutrafen war das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich erhöht. Die Einnahme dieser Schmerzmittel während einer akuten Atemwegserkrankung war mit einem 3,4-fach erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt verbunden. Eine parenterale Gabe von NSA im Krankenhaus erhöhte das Risiko sogar um das 7,2-fache verglichen mit Zeiten, wenn keiner der beiden Risikofaktoren vorlag.

Studienleiter Cheng-Chung Fang vom National Taiwan University Hospital, Credit: National Taiwan University

Studienleiter Cheng-Chung Fang vom National Taiwan University Hospital, Credit: National Taiwan University

Während einer akuten Erkältungserkrankung, aber ohne Einnahme von NSA, erhöhte sich das Herzinfarktrisiko der Patienten um das 2,7-fache, unter der Einnahme von NSA ohne akute Erkrankung der Atemwege um das 1,5-fache. Frühere Studien hatten bereits respiratorische Infektionen und eine bestimmte Auswahl an NSA mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko in Verbindung gebracht, zusammen analysiert wurden beide Risikofaktoren allerdings bisher nicht.

Myokardinfarkt der Vorderwandspitze (2) nach Verschluss (1) des vorderen absteigenden Astes (LAD) der linken Kranzarterie (LCA), schematische Darstellung. Credit: CC BY-SA 3.0

Myokardinfarkt der Vorderwandspitze (2) nach Verschluss (1) des vorderen absteigenden Astes (LAD) der linken Kranzarterie (LCA), schematische Darstellung. Credit: CC BY-SA 3.0

Besser keine NSAID während einer Erkältung

„Ärzte sollten im Hinterkopf behalten, dass eine Therapie mit NSA während einer akuten Erkältung das Risiko für einen Herzinfarkt weiter erhöht”, warnt Studienautor Cheng-Chung Fang vom National Taiwan University Hospital. Als Alternative schlägt er Paracetamol vor, obwohl diese Substanz in der Studie nicht getestet wurde.

Als verantwortliche Prozesse haben Wissenschaftler die Biosynthese von proinflammatorischen und prothrombotischen Cytokinen während einer Erkältung im Verdacht. Diese fördert die Ansammlung von Makrophagen in Arterienläsionen. „Außerdem lösen akute respiratorische Infektionen systemische Koagulations- und Gerinnungsprozesse aus, die zu einer Thrombose führen können“ schreiben die Forscher um Fang.

NSA wirken zwar eigentlich entzündungshemmend, die Hemmung der Cyclooxygenase senkt jedoch die Konzentration antithrombotisch wirkenden Prostaglandin I2 ab und kurbelt die Neubildung von Leukotrienen, was zum Verklumpen der Thrombozyten und zu einer Gefäßverengung führt. NSA können über einen veränderten Natrium- und Wasserhaushalt auch den Blutdruck erhöhen und zu Gefäßverschlüssen führen. „Die Einnahme von NSA während einer akuten Atemwegsinfektion fördert das Auftreten eines Herzinfarktes auf mechanistische Art und Weise“, so Fang.

Risiko bleibt über Jahre bestehen

Wie bei anderen retrospektiven, epidemiologischen Studien konnte auch hier ein kausaler Zusammenhang der beobachteten Phänomene nicht belegt werden. Die Ergebnisse reihen sich allerdings gefügig in die bisherigen Erkenntnisse zu den kardiovaskulären Risiken von NSA ein. Eine Studie aus dem Jahr 2012 hatte die Wirkung von NSA auf Patienten untersucht, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten. Demnach geht der Einsatz von NSA im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt mit einem um 59 Prozent erhöhten Sterberisiko einher. Gegenüber Patienten, die keine NSA eingenommen hatten, war das Risiko auf einen erneuten Herzinfarkt um 30 Prozent erhöht.

Auch in den folgenden Jahren nahm das kardiovaskuläre Risiko nicht ab. 5 Jahre nach einem erlittenen Infarkt erhöhte die Einnahme von NSA das Sterberisiko immer noch um 63 Prozent und das Herzinfarktrisiko um 41 Prozent, wobei die Re-Infarkte mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Erstinfarkt seltener auftreten.

Bereits seit Juli 2015 warnt die FDA von Herzinfarkten im Zusammenhang mit der Einnahme von NSA. Im selben Jahr sprach auch die EMA eine Warnung für alle Patienten mit hochdosiertem Ibuprofen aus. Das Risiko gleiche dem von COX-2 Inhibitoren und Diclofenac. Bei akuten Atemwegserkrankungen sollten Ärzte mit ihren Patienten genau abwägen, ob die Einnahme von NSA tatsächlich notwendig ist.

 

Quellen:

Acute Respiratory Infection and Use of Nonsteroidal Anti-Inflammatory Drugs on Risk of Acute Myocardial Infarction: A Nationwide Case-Crossover Study

Long-Term Cardiovascular Risk of NSAID Use According to Time Passed After First-Time Myocardial Infarction: A Nationwide Cohort Study

183 Wertungen (4.66 ø)

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35 Kommentare:

Dr. Thomas Krusch
Dr. Thomas Krusch

Es bleibt leider offen, um welche Dosierungen und Zeiträume es bei den NSA geht. Reicht die Einmalgabe, um das Risiko zu erhöhen oder ist die Dauertherapie mit Tageshöchstdosis gemeint?
Kurieren beide Patiengruppen den Infekt aus oder nutzen die Patienten mit NSA die Linderung der Symptome, um körperlich aktiv ihren Verpflichtungen nachzugehen?

#35 |
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Gast
Gast

Wenn ich diesen Artikel oder ähnliche oder auch TV-Reportagen sehe und von x-fachen Risikoerhöhungen lese, dann kann ich leider nicht erkennen, wie hoch das tatsächliche Risiko ist. Wenn von 10000 erkälteten Patienten 1 einen Infarkt ohne Schmerzmittel erleidet und das Risiko mit Schmerzmittel sich um 100% erhöht, dann erleiden 2 von 10000 Patienten einen Infarkt. Erhöhtes Risiko? Wenn aber von 10 Patienten 2 anstatt nur einer einen Infarkt bekommen, dann ist das eine wirklich signifikante Erhöhung des Risikos. Wieso werden nie die tatsächlichen Fallzahlen genannt?

#34 |
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Dr. med. Walter Bachmann
Dr. med. Walter Bachmann

Naproxen ist ein Prodrug und wird erst nach seiner Leberpassage zu seiner aktiv metabolen Form.
Dr.Bachmann/Nk

#33 |
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Prof. Dr. Stefan Dove
Prof. Dr. Stefan Dove

Die Studie beruht tatsächlich allein auf den Daten von 9793 AMI-Patienten mit einem mittleren Alter von 72 Jahren und entsprechend hoher Komorbidität. Das heißt, das Patientenkollektiv dient sowohl als Fall- als auch als Kontrollgruppe, indem die Fallperiode (1-7 Tage vor der Hospitalisierung) mit der Kontrollperiode genau ein Jahr zuvor (366-372 Tage) verglichen wird. Es sind also keine Aussagen über das Risiko von ARI + NSAIDs bei jüngeren (relativ) Gesunden möglich. Voraussetzung für einen Zusammenhang von ARI und AMI ist sicherlich, dass größere Gefäßschäden vorliegen.

#32 |
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Apothekerin

Eine Rezeptpflicht für NSAR würde die Situation auch nicht verbessern angesichts der Tatsache, dass Ärzte immer noch reichlich Antibiotika bei viralen Infekten verordnen!

#31 |
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Gast
Gast

Und wie wirkt sich ASS 500 mg aus?

#30 |
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Gast
Gast

PS: @Gast#6 – Paracetamol ist kein NSAR, da es nicht antiphlogistisch wirkt und somit in die Grupper der Nichtopioidanalgetika gehört.

#29 |
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Gast
Gast

Meiner Meinung nach ist es durchaus gewagt, die Studie mit einer reißerischen Überschrift auf ein Gesamtkollektiv von allen Patienten zu extrapolieren. Interessant ist der Artikel allemal, jedoch gilt es auch das beobachtete Kollektiv zu bedenken. Es werden als Quelle zwei Studien zitiert – die dänische Studie beobachtet Patienten die bereits einen Myokardinfarkt hatten und untersucht das darauf folgende kardiovaskuläre Risiko. Es handelt sich also mitnichten um einen Querschnitt der gesunden Bevölkerung.

In der zweiten Studie beträgt das Durchschnittsalter (the mean age at the index date was 72.29 years old) ca. 72 Jahre. Weiterhin kommt überhaupt nicht zur Sprache, dass ca. 40 % der beobachteten Patienten der zweiten Studie bereits einen Diabetes + sehr viele zumindest eine orale antidiabetische Therapie haben, 40% eine Hypertonie, etc. Unter der Annahme das bei vielen Patienten z.B. auch von einer eingeschränkten Nierenfunktion auszugehen ist, würde sich der Einsatz von NSAR-Präparaten also grundsätzlich schon verbieten oder wäre zumindest in Frage zu stellen.

Weiterhin Paracetamol zu empfehlen – ungetestet und ins Blaue finde ich schon sehr seltsam. Vor allen Dingen wenn man die analgetische Potenz und die doch eher geringe therapeutische Breite betrachtet. Richtig ist natürlich, dass ein Schnupfen normalerweise keine Schmerzen macht. Abschwellende Maßnahmen, Inhalation und Ruhe sind die besten Mittel.

An den Kollegen Dr. Eckhoff – wenn die Homöopathie grundlegende Beweise für Ihre Wirksamkeit erbringen würde, könnte man sie vielleicht ernster nehmen. Da aber alle Metaanalysen zu desaströsen Ergebnissen kommen, wäre es vielleicht gut etwas Abstand vom missionarischen Eifer zu nehmen und eher das in der Homöopahtie exerzierte lange Gespräch als wirksames und gutes Agens zu betrachten, ohne dem Patieten wirkstofffreien Zucker zu verkaufen.

#28 |
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Gudrun-Maria Schaller
Gudrun-Maria Schaller

Immunsystem aufbauen mit z.B. Eseberitox usw., dann ist der Körper eher in der Lage mir der gewöhnlichen “Grippe” umzugehen.
Zur Vorbeugung auf Influenza ist die sog. Grippe-Impfung empfehlenswert.
Sie hilft auch Heuschnupfenpatienten, die Saison leichter zu ertragen.

#27 |
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Eberhard Zittrell
Eberhard Zittrell

Wenn ich mal Schnupfen habe (zum Glück nur im Durschnitt alle 5 Jahre) nutze ich mein ayurvedisches Wissen und esse scharf (Meerrettich, Wasabi), vermeide süßes, fettiges und Milchprodukte. Zusätzlich eventuell noch Inhalationen mit Eukalyptusöl.
Auf die Idee bei Schnupfen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol zu nehmen bin ich noch nie gekommen – bei Schnupfen habe ich noch nie Schmerzen gehabt.

#26 |
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Gast
Gast

Dr. Eckhoff: Phytodolor wäre so ein Beispiel

#25 |
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Medizinjournalistin

Dear Dr Holbrook,

here you find the adjusted odds ratios and the confidence intervals:

Nonsteroidal anti-inflammatory drugs use during ARI was associated with a 3.4-fold increased risk of AMI (adjusted odds ratio [aOR] = 3.41; 95% confidence interval [CI] = 2.80–4.16), ARI without NSAIDs use was associated with a 2.7-fold increased risk (aOR = 2.65; 95% CI = 2.29–3.06), and NSAIDs use only was associated with a 1.5-fold increased risk (aOR = 1.47; 95% CI = 1.33–1.62). Moreover, parenteral NSAIDs were associated with much higher risk in ARI patients (aOR = 7.22; 95% CI = 4.07–12.81).

Best wishes, Sonja Schmitzer

#24 |
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Dr Jill Holbrook
Dr Jill Holbrook

Please also give the confidence intervals, not just the point estimates! Is the 2.7-fold increase due to the respiratory infection actually significantly different than the 3.4-fold increase with orally administered ibuprofen? Also, a presentation of the absolute risks is also missing.

#23 |
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Martina Grüter
Martina Grüter

Tee trinken, (beten) und warten bis es vorbei ist, scheint meine Oma doch damals schon den Punkt getroffen zu haben :)

#22 |
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Thyl Schiks
Thyl Schiks

Sie Schreiben “Bei Selbstmedikation um das 3,4 – fache erhöht”.
Aber NSA vom Arzt verordnet ist gleich schädlich.

Interessanter ist ob das ASS das fast jeder KHK Patient bekommt nicht durch die anderen NSAs wirkungslos gemacht wird.
Immerhin gibt es den begründeten Hinweis das man zuerst ASS nehmen sollte und ca. eine Stunde später ein anderes NSA. Dies war ein Hinweis der FDA.

#21 |
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Gast X
Gast X

bezgl ASS: ASS wirkt nicht thrombolytisch (sonst könnte man es ja zur Behandlung oder Prophylaxe von Thrombosen einsetzen), aber es ist ein Thrombozytenaggregationsinhibitor, also ist davon auszugehen dass bei KHK-Patienten auch während einer Erkältung die Einnahme nicht unterbrochen werden sollte.
@Gast 17: da die meisten Erkaltungskrankheiten viral verursacht werden wäre der Einsatz von Antibiotika völliger Unsinn (der ohnehin bereits viel zu häufig vorschnelle Einsatz ist bereits problematisch genug)
Insgesamt ließen sich oftmals die erkältungsbedingten Schmerzen sehr gut durch konsequente supportive Maßnahmen lindern (Inhalationen, Tee trinken, Nasenduschen mit Salzlösung, abschwellende Nasentropfen, Lutschpastillen und Halsbonbons, Bäder, Wadenwickel, usw…) was den NSAR-Konsum auch deutlich reduzieren bzw. völlig unnötig machen kann.

#20 |
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Es gibt auch Alternativen: nämlich Pflanzenpräparate, aber die kennt man ja kaum noch. Oder noch besser ( oder schlimmer ) die Homöopathie. Sie ist verteufelt, obsessiv angegangen wegen ihrer vermeintlichen Unwirksamkeit. Aber in den Händen des geübten sinnvoll und erfolgreich. So bleiben wir weiter in dem Dilemma: Die bislang übliche neue volkstümliche Therapie mit freiverkäuflichen NSAR ist u.U. mit hohen Risiken behaftet, die Therapie mit Pflanzenpräparaten hat einen sehr üblen Ruf und ist bei den meisten unbekannt ob ihrer therapeutischen Anwendung. Ob dies der Homöopathie zu einer Renaissance verhilft.? Ich befürchte, aus weltanschaulichen Gründen wohl kaum. Eher wird die Existenz der dunklen Materie bewiesen und geglaubt.

#19 |
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Christine Bertram
Christine Bertram

Ein sehr interessanter Beitrag. Ich denke in diesem Zusammenhang an die Fernsehwerbung von BOXAGRIPPAL. Sollte man diese Präparate nicht besser vom Markt nehmen? Außerdem wäre dann die Rückkehr zur Verschreibungspflicht von Ibuprofen wünschenswert. Welcher Patient hält sich denn schon an die Dosierung?

#18 |
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Gast
Gast

also doch lieber frühzeitig Antibiotika?

#17 |
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#16 |
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Selbstst. Apotheker

Interessant fände ich in diesem Zusammenhang die absoluten Zahlen. 7,4faches Risiko klingt beeindruckend, aber 7,4 x 1 sind immer noch 7,4.
Steigerung des Infarktrisikos/Sterberisikos um 63% hieße in der obigen Leseweise 1,63fache Erhöhung.

#15 |
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Chemiker
Chemiker

Von 2 Kommentatoren wurde die Einnahme von ASS angesprochen.
Gibt es hierzu keine Erkenntnisse hinsichtlich der angesprochenen
Problematik?

#14 |
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Wenn das so wäre, wie es scheint, gehören zu allererst all diese Medikamente nicht mehr auf den Apothekertisch, sondern wieder auf den Rezeptblock. Die entsprechenden Institutionen sind deswegen daran, dafür das Heft zu ergreifen – wenn sie nicht weiterhin am falschen Ende sparen wollen.

#13 |
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Semler
Semler

Im Text heißt es: “Die Datensätze beinhalteten a u c h Informationen zu 9.793 Patienten, die aufgrund eines Herzinfarktes hospitalisiert worden waren. Ziel der Datenanalyse war es, herauszufinden, ob zwei potentielle Risikofaktoren für einen Herzinfarkt – eine akute Atemwegserkrankung und der Gebrauch von NSA – eine kombinierte Wirkung in Bezug auf das Herzinfarktrisiko haben.” Was heißt “auch”? Und sind etwa nur die 9.793 Herzinfarkt-Patienten analysiert worden? Dass darunter befindliche Patienten mit Atemwegsinfekt+NSA-Einnahme möglicherweise reichlich vertreten waren, sagt so gut wie gar nichts aus ohne Kontrollgruppe; und sind Menschen erfasst worden, die Atemwegsinfekte + NSA-Einnahme hatten, ohne hospitalisierungsbedürftig zu werden? Interpretationen sind nur zulässig, wenn alle Fakten erfasst und veröffentlicht worden sind, selbst eine Summary durch Autoren ist häufig schon – statistisch gesehen – falsch gewesen!

#12 |
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medicus
medicus

Interessant wäre der Effekt auf das Risiko bezüglich Co-Medikation mit
Pseudoephedrin, Phenylephrin einerseits und Xylometazolin etc. andererseits,
wegen der Vasokonstriktion ….

#11 |
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Gast
Gast

wie wird denn die Einnahme von ASS bewertet? Hat doch die gleiche Wirkung auf die pro und antiinflammation wie die anderen NSA? Soll dann das ASS bei Erkältung abgesetzt werden?

#10 |
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Gast
Gast

Evtl. lässt sich auch durch die Einnahme bzw. die Applikationsform eines NSARs auf die Schwere der Erkrankung schließen. Bei leichten Beschwerden- keine Medikamente, bei stärkeren Beschwerden- Selbstmedikation, bei erheblichen Beschwerden- Krankenhaus.

#9 |
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Arthur van Dorp
Arthur van Dorp

Und wie sieht es mit ASS aus? Sollte ja eher thrombolytisch wirken…

#8 |
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M. Berger
M. Berger

Paracetamol i(genauso wie Novalgin und Flupirtin) ist KEIN NSAID, sondern wirkt (leicht) analgetisch und gut antipyretisch, aber nicht antiphlogistisch.
Die genauen Wirkmechanismen sind nicht bekannt, es werden aber zentrale Mechanisen vermutet.

#7 |
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Gast
Gast

“Werden NSA während eines Atemwegsinfekts eingenommen, kann das Risiko für einen Herzinfarkt um das 7,2-fache steigen.” (also alle NSA?)
“Als Alternative schlägt er Paracetamol vor”

Ja, aber Paracetamol ist doch auch ein NSA, das nach Meinung von Pharmakologen (u.a. Brune, Nürnberg) nicht ‘mal mehr in eine Apotheke gehört?

Kann jemand erläutern, warum das NSA Ibuprofen das Infarktrisiko erhöhen aber das NSA Paracetamol nicht erhöhen soll?

Zur Studie: Könnte sich das höhere Risiko auch deshalb ergeben, weil erst bei schwereren Infekten (und damit höherem Risiko) auch die NSA vermehrt eingenommen werden?

#6 |
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Gast X
Gast X

Da wird noch einiges auf uns zukommen. Meiner Erfahrung nach verbreitet sich der Trend zum kritiklosen NSAR-Einsatz gerade bei Erwachsenen im Alter zwischen 20-45Jahren immer mehr. Das Gegenstück zum übervorsichtigen gesunden Erwachsenen welcher bei jeder Kleinigkeit den Arzt oder die Notaufnahme aufsucht ist der indolente “nur-die-Harten-kommen-in-den-Garten-Patient” der nicht vorsichtig genug ist. Oft beinhaltet die Anamnese “Heldengeschichten” davon wie man sich wochenlang trotz Schmerzen weiter zur Schule, Arbeit oder gar zum Sport geschleppt hat und sich deshalb mit (manchmal geradezu albtraumhaft hohen Dosierungen) Ibuprofen “pimpen” musste. Auch die Anwendungsgebiete sind oftmals genauso abenteuerlich wie die Dosierungen oder die Anwendungsdauer (z.B. Ibuprofen gegen Magenschmerzen!!!). NSAR-assoziierte Ulcera treten für meinen Geschmack jetzt schon zu häufig auf. Nicht auszudenken was erst passiert wenn diese Generation das “typische Herzinfarktalter” erreicht.

#5 |
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@Hr. Schätzler: Ob die bislang vertretene Position, dass Naproxen bei Pat. mit CRF das sicherste bzw., ein “sicheres” NSAR ist, muss scheinbar leider auch hinterfragt werden. Die Ergebnisse der PRECISION-Studie (Prospective Randomized Evaluation of Celecoxib Integrated Safety versus Ibuprofen or Naproxen) lassen daran Zweifel aufkommen. Ich weiß: 1) traue keiner Studien mit tollem Akronym-Namen, 2) Naproxen wurde dort in Relation zum Celecoxib sehr viel höher dosiert und 3) kann man sich fragen, wer hinter der Studie steht. Trotzdem, bei Naproxen scheinen Zweifel ob des vergleichsweise hohen Risikos von GI-Blutungen angebracht, wenn die kardiovaskuläre Sicherheit doch nicht so hoch ist, wie bislang vermutet. (Womit die Macher der PRECISION-Studie dann ihr Ziel bei mir erreicht hätten).

#4 |
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Im Laufe der Jahre geraten die NSAR immer mehr in den Verdacht, für eine Vielzahl schwerer UAW verantwortlich zu sein. Wobei, wie ja zu Recht dargelegt wird, die kausalen Zusammenhänge nicht ganz aufgeklärt zu sein scheinen. Wenn man sich überlegt, dass diese Medikamentengruppe zu den absoluten Top-Sellern bei den OTCs gehört wird man schon sehr nachdenklich. Wann, wenn nicht bei akuten Atemwegsinfekten nehmen Menschen NSAR? Vor Metamizol wird auch immer wieder gewarnt, sicher auch nicht ganz zu unrecht. Aber was bleibt? Paracetamol? Wobei auch hier die vergleichsweise sehr enge therapeutische Breite zu beachten ist.

#3 |
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Bedaure, beide Studien sind retrospektive Beobachtungs- bzw. Kohortenstudien, welche die Ausgangsrisiken einer möglicherweise vorbestehenden KHK gar nicht differenzieren, detektieren und verifizieren wollen oder können.
Vergleichbar damit, dass Unfallfahrer viel häufiger über Fahrpraxis und eine gültige Fahrerlaubnis verfügen, als die von diesen Unfällen betroffene und befragte Fußgänger-Kontrollgruppe.
Für alle NSAR gilt: Besondere Vorsicht bei Bluthochdruck-, Arteriosklerose- und Diabetes-Patienten mit Risiken für ein akutes Koronarsyndrom (ACS) , Myokardinfarkt (MI) und Schlaganfall. Im Zweifel bei den NSAR und Coxibe-Präparaten Naproxen bevorzugen.
http://www.allgemeinarzt-online.de/a/so-wirken-antiphlogistika-1761357
von Prof. Dr. med. Peter M. Kern, Internist, Rheumatologe, Osteologie (DVO)
Medizinische Klinik IV, Klinikum Fulda

#2 |
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Student der Humanmedizin

Interessanter Zusammenhang !
Mich interessiert der verantwortliche Prozess… Die vasokonstriktive Wirkung ist ja über Leukotrienen. Die thrombothische Wirkung ist irgendwie nicht sehr erklärt. Denn Hemmung der COX senkt auch die Konzentration der von Thrombozyten produzierten Thromboxane, was wiederum zu einer antithrombothischen Wirkung führt !
Gibt es eine vollständige Erklärung ?

#1 |
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