Kontrazeption: Verhütungsgel statt Vasektomie

21. Februar 2017
Teilen

Was momentan im Tierexperiment funktioniert, könnte die Verhütung bei Männern revolutionieren: Ein Pfropfen aus synthetischen Polymeren verschließt den Samenleiter zuverlässig, der Kunststoff lässt sich leicht entfernen.

Seit der Einführung von Kondomen hat sich für Männer wenig beim Thema Verhütung getan. Vasektomien sind in der Regel unumkehrbar. Und mit einer „Pille für ihn“ ist in nächster Zeit nicht zu rechnen. Zwar fanden Wissenschaftler vor Jahrzehnten heraus, dass hoch dosiertes Testosteron die Produktion von Spermien zuverlässig unterdrückt. Phase-III-Studien mit Testosteronundecanoat plus Norethisteronenantat wurden aufgrund von Nebenwirkungen jedoch abgebrochen. Jetzt stellt Catherine A. VandeVoort vom Department of Obstetrics and Gynecology, University of California, neue Studienergebnisse vor.

Reversible Pfropfen

Zusammen mit Kollegen untersuchte die Wissenschaftlerin Vasalgel™, ein spezielles Copolymer aus Styrol und Maleinsäureanhydrid (SMA), das mit dem Lösungsmittel Dimethylsulfoxid versetzt wurde. Spritzen Forscher die Paste in den Samenleiter von männlichen Kaninchen, führte dies zur Azoospermie. An der Injektionsstelle bildete sich ein Hydrogel-Pfropf als unüberwindliche Barriere für Spermien. Durch wässrige Hydrogencarbonate gelang es Ärzten, den Samenleiter wieder zu öffnen. Sie zeigten, dass es sich hier um eine reversible Möglichkeit handelt.

Vasalgel

© Parsemus Foundation

Affen mit Azoospermie

VandeVoort berichtet in ihrer aktuellen Arbeit von Experimenten mit Rhesus-Affen. Veterinärmediziner präparierten bei 16 geschlechtsreifen männlichen Tieren die Samenleiter und verabreichten dann jeweils 100 µl Vasalgel™. Mit dieser Menge verschlossen sie rund zwei Zentimeter des Vas deferens. Kurz darauf kehrten die Affen in ihre Kleingruppen mit männlichen und weiblichen Tieren zurück.

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von zwei Jahren kam es zu keiner Schwangerschaft. Ansonsten werden laut VandeVoort in der Paarungszeit bis zu 80 Prozent der weiblichen Tiere trächtig. Ein Spermien-Granulom trat als Komplikation auf, ansonsten fand das Team keine Auffälligkeiten.

Forschung für die Welt

Noch ein Blick hinter die Kulissen: Hinter Vasalgel™ steckt tatsächlich kein pharmazeutischer Hersteller, sondern die Parsemus Foundation, eine US-amerikanische Nichtregierungsorganisation. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, Produkte ohne Patentschutz zu erforschen.

Von sicheren, zuverlässigen und bezahlbaren Verhütungsmethoden für Männer würden weite Teile der Welt profitieren. Mit ersten klinischen Tests rechnen Experten schon im Jahr 2018. Sie streben im besten Falle eine Zulassung in den USA an. Der Sprung nach Europa wäre dann nicht mehr weit.

18 Wertungen (3.89 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

4 Kommentare:

Gast
Gast

#3 was denn sonst??? na klar muss die unterdrückt werden, über 10 Millionen/ml bei einer Probe.
Die müssen bei Gangverschluss also angegriffen und resorbiert werden, ganz gestoppt wird die Spermiogenese offenbar nicht. Wohin mit den vielen 100 Millionen lebenden Zellen???
Das heißt Autoimmunangriff auf eine körpereigene Zelle.
Ich hab schon eine schwere lebensgefährliche Autoimmunpankreatitis als Folge davon erlebt, die nur durch eine totale Pankreatektomie gerettet werden konnte.
Da es hier auch um “globale politisch gewünschte” Familienplanung geht, ist das ein Tabuthema.

#4 |
  1
Gast
Gast

Aber die Spermiogenese wird doch gar nicht unterdrückt!

#3 |
  8
Nichtmedizinische Berufe

RISUG ist seit rund 10 Jahren bekannt. Die Tests am Menschen (vor allem in Indien) zeigen, dass die Verhütungsphase wenig Komplikationen verursacht, aber dass viele Probanden die normale Fruchtbarkeit nicht wieder erlangen. Die Probleme (z. B. Autoimmun-Reaktionen, Nebenhoden-Granulome, Folgeprobleme aus Verletzungen der Samenleiter) sind ähnlich wie bei VasClip und bei Vasektomie mit späterer Refertilisierung(sversuchen). Parsemus und ihre Vorläuferorganisationen halten sich bedeckt: die Ergebnisse der klinischen Studien werden schöngeredet. Die zwiespältige (Bevölkerungs-)Politik und religiöse Hindernisse rund um VasalGel und ähnlichen Verfahren lasse ich hier im medizinischen Umfeld weg.

#2 |
  1
Gast
Gast

die Unterdrückung der Spermiogenese ist leider ungesund,
darüber muss man schon reden.
Wir sind hier nicht in Indien, sondern haben Kindermangel.

#1 |
  4


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: