Staphylococcus aureus: Vegetarier leiden länger

8. Februar 2017
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Salicylsäure kann die Besiedlung von Staphylococcus aureus in der Nasenschleimhaut unerwartet verlängern. Die in Obst und Gemüse enthaltene Säure entzieht den Bakterien Eisen – die reagieren mit einem verstärkten Biofilm, der ein längeres Überleben ermöglicht.

Bei etwa einem Viertel der Bevölkerung siedelt sich das Bakterium Staphylococcus aureus in den oberen Atemwegen an. Im Normalfall besteht dadurch kein Gesundheitsrisiko, denn diese Bakterien sind Opportunisten. Geht es dem Wirt gut und werden sie optimal versorgt, dann verhalten sie sich ruhig und werden vom Immunsystem in Schach gehalten. Erst bei einer Infektion durch andere Erreger oder eine Krankheit werden sie aktiv.

Die Besiedlung könnte jedoch durch den regelmäßigen oder bei Schmerzen erhöhtem Konsum des Wirkstoffes Salicylsäure unerwartet verlängert werden. Das zeige nun eine Studie der Forschungsgruppe um Monika Ehling-Schulz vom Institut für Mikrobiologie der Vetmeduni Vienna mit der Forschergruppe von Fernanda Buzzola der Universität Buenos Aires.

Eisen-Entzug führt zu verstärktem Biofilm

Eisen ist ein wichtiges Spurenelement für den menschlichen Körper. Auch der Stoffwechsel vieler Bakterien wie eben auch Staphylococcus aureus hängt von der Verfügbarkeit von Eisenmolekülen ab. Salicylsäure bildet einen Komplex mit den Eisenionen im Blut und entzieht damit den Staphylokokken dieses Spurenelement.

Steht den Mikroorganismen damit zu wenig oder kein Eisen zur Verfügung, stellen sie ihren Stoffwechsel um. Sie reagieren auf die für sie ungünstigen Bedingungen und verstärken ihren Biofilm, erklärt Studien-Co-Autor Dr. Grunert. Das macht sie widerständig und verlängert ihre Lebensdauer.

Worin Salicylsäure enthalten ist

Genau diese Verstärkung wird durch regelmäßigen oder erhöhten Konsum von Salicylsäure unterstützt. Als Medikament nimmt man den Wirkstoff üblicherweise nicht regelmäßig ein. Das Pflanzenhormon ist allerdings auch Bestandteil von Aknemitteln und bestimmten Peelingprodukten. Menschen, die sich vorwiegend vegetarisch ernähren, sind ebenfalls davon betroffen.

Denn Salicylsäure findet man vor allem in Früchten, Obst und Gemüse. „Dadurch isst man quasi jeden Tag eine kleine Dosis des Wirkstoffes“, sagt Grunert. Durch entsprechende Medikamente erhöht sich der Verlust weiter. Durch die orale Aufnahme gelangt die Salicylsäure in den Blutkreislauf und bildet dort den Komplex mit Eisenionen.

Eisen wird „eingefangen“

Nachgewiesen hat das Forschungsteam diesen Effekt im Laborversuch. „Wir haben zuerst bestätigt, dass Salicylsäure das für die Staphylokokken so wichtige Eisen wirklich einfängt“, so Grunert. Denn eigentlich ist bekannt, dass das Pflanzenhormon ein Komplexbildner ist. Die Experten führten Tests mit verschiedenen Dosen des Wirkstoffesdurch: „Wir ließen die Staphylokokken dafür in einem speziellen, eisenhaltigen Medium, also einer Nährlösung, in Laborgefäßen anwachsen.“

Durch die Zugabe der Salicylsäure konnte schließlich eine weitere Verstärkung des Biofilms festgestellt werden. Darüber hinaus zeigte sich bei der Behandlung von Mäusen mit Salicylsäure, dass das Pflanzenhormon eine längere Besiedlung von Staphylococcus aureus in der Nasenschleimhaut begünstigte.

Erschwerte Therapie

„Wir konnten zeigen, dass häufiger Konsum von Salicylsäure bzw. ein vegetarischer Lebensstil die Kolonisierung der oberen Atemwege mit Staphylococcus aureus unterstützen kann“, erklärt Grunert. Dies könnte dazu beitragen, dass Staphylokokken-Infektionen langwieriger verlaufen und schwieriger zu behandeln sind.

Originalpublikation:

The Active Component of Aspirin, Salicylic Acid, Promotes Staphylococcus aureus Biofilm Formation in a PIA-dependent Manner
Cristian Dotto et al.; Frontiers in Microbiology, doi: 10.3389/fmicb.2017.00004; 2017

24 Wertungen (4.17 ø)

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10 Kommentare:

Gast #2
Gast #2

@#8 Die Frage ist nicht provokant:
Der Titel ist irreführend. Dies schliesst aber nicht auf die Publikation wie von Gast Nr. 1 dargestellt. Der Titel der Publikation lautet ja auch anders:
“The Active Component of Aspirin, Salicylic Acid, Promotes Staphylococcus aureus Biofilm Formation in a PIA-dependent Männer”.

#10 |
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Arzt
Arzt

Sehr geehrter Herr @Dr. Franz Kass,
die häufigsten Komplexbildner nicht nur für Eisen in der Nahrung sind die “Phytine” im Getreide, nur in den Schalen, also im viel gelobten Vollkorn, unterschiedlich je nach Sorte, also angereichert in der “Kleie”, gerade die Weizenkleie ist recht schlecht verträglich, Hafer und Roggen ist besser;
aber auch Honig, ein Insektenprodukt hat zu viel davon, deshalb ist das nichts für Säuglinge und Kleinkinder.

#9 |
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Gast
Gast

Ich stelle an den lieben Gast Nr. 2 mal die provokante Frage: wurde der Titel gelesen? ;) “Staphylococcus aureus: Vegetarier leiden länger”. Das ist schlichtweg unwissenschaftlich und inkorrekt formuliert.

#8 |
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Michael Rotter
Michael Rotter

ha ha ha – grüße vom Mädesüß – wirkt wohl bei ganzheitlichen Erziehern nicht!?

#7 |
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Chemiker

Die gerade bei Infekten gern genommene Acetylsalicylsäure wird im Körper schnell zu Salicylsäure umgesetzt, und zwar zu Mengen, die sehr vermutlich die in der Nahrung enthaltenen weit übertreffen.
Auch die zahlreich in Pflanzen vorkommenden Polyphenole sind gute Komplexbildner für Eisen. Es dürfte daher schwerfallen, sich polyphenolfrei zu ernähren…

#6 |
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Gast
Gast

Leben diese mutigen Wissenschaftler noch?

#5 |
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Dr. med. Michael Freytag
Dr. med. Michael Freytag

Die Überschrift (“Staphylococcus aureus: Vegetarier leiden länger”) suggeriert etwas, was die Untersuchung aber nicht hergibt. Im Text heißt es dann nämlich, dass “Menschen, die sich vorwiegend vegetarisch ernähren”, davon betroffen sein sollen. Aber Menschen, die sich “vorwiegend vegetarisch” ernähren, sind definitiv keine Vegetarier. “Vorwiegend vegetarisch” ernähren wir uns alle. Vegetarier ernähren sich ausschließlich vegetarisch.

#4 |
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Gast
Gast

Und wie verhält es sich mit der Acetylsalicylsäure? Handelsname Aspirin.

#3 |
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Gast
Gast

„Wir konnten zeigen, dass häufiger Konsum von Salicylsäure bzw. ein vegetarischer Lebensstil die Kolonisierung der oberen Atemwege mit Staphylococcus aureus unterstützen kann“, erklärt Grunert.

Worte wie *kann* sind wichtig. Da steht nicht das Vegetarier öfters erkranken, sondern lediglich das ein vegetarischer Lebensstil eine Verlängerung der Erkrankung bedeuten *könnte*. Ich wüsste nicht warum etwas unseriös oder unwissenschaftlich ist, wenn das Ergebnis eines Experimentes eine interessante Fragestellung aufwirft, bei der es sich lohnen könnte, diese zu eruieren.

Ich stelle an den lieben Gast Nr. 1 mal die provokante Frage: Fühlt man sich durch die Aussage persönlich angegriffen?

#2 |
  2
Gast
Gast

Staphylokokken wachsen vermehrt auf “eisenarmen Geweben”. Gut. Daraus zu schliessen, dass Vegetarier öfters an Staphys-Erkrankungen leiden, scheint mir äußerst unseriös und unwissenschaftlich. Dr. Grunert sollte dazu die Studie entsprechend wiederholen und vermutlich über das Ergebnis staunen. Um dann zu erkennen, wie viele andere Kofaktoren eine Rolle spielen.

#1 |
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