AIDS-Erreger: Übertragungskette im Fokus

25. Juni 2013
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Trotz antiretroviraler Heilmittel können sich HI-Viren in der Samenflüssigkeit ansammeln und beim ungeschützten Geschlechtsakt andere Personen anstecken. Das passiert vor allem, wie Forscher nun herausfanden, wenn der männliche Genitaltrakt mit weiteren Viren infiziert ist.

Eigentlich halten die modernen Kombinationstherapien die Aids-Erreger gut in Schach. Meist führt die Behandlung dazu, dass sich im Körper keine Humane-Immunodefizienz-Viren (HIV) mehr nachweisen lassen. Dadurch verringern die Medikamente auch die Krankheitsübertragungsrate auf ein Zehntel. Doch warum kommt es trotz Behandlung zu Neuansteckungen?

Virencocktail im Sperma

Weil auch andere Viren eine Rolle spielen, lautet die Antwort, welche die Schweizer Forscherin Sara Gianella Weibel mit US-amerikanischen Kollegen gefunden und kürzlich veröffentlicht hat. Die vom SNF (Schweizerischer Nationalfonds) unterstützte Wissenschaftlerin hat an der Universität von Kalifornien in San Diego das Sperma von 114 HIV-infizierten und unter Behandlung stehenden Männern untersucht, die Sex mit anderen Männern haben. Sie fand in der Samenflüssigkeit von elf Männern eine grössere Menge von HIV, obwohl die Virenlast im Blut bei allen Männern sehr gering war. In acht dieser elf Fälle wies Gianella Weibel auch verschiedene Herpesviren nach.

Lokal aktiviertes Immunsystem

Einige dieser Herpesviren, etwa das Cytomegalovirus, bleiben meist unbemerkt. Doch wenn sie den männlichen Genitaltrakt infizieren, aktivieren sie lokal begrenzt das Immunsystem. So sammeln sich im Genitalbereich auch diejenigen Immunzellen an, in denen sich die HIV vermehren. “Unsere Daten legen nahe, dass wir das Augenmerk auch auf andere Viren richten müssen, wenn wir die Übertragungskette der Aids-Erreger wirklich unterbrechen möchten”, sagt Gianella Weibel.

Originalpublikation:

Shedding of HIV and human herpesviruses in the semen of effectively treated HIV-1 infected men who have sex with men.
Sara Gianella Weibel et al.; Clinical Infectious Diseases, doi: 10.1093/cid/cit252; 2013

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10 Kommentare:

dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

richtig , kein weitrer Kommentar : es kommt nix

#10 |
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Petronella Wöllner
Petronella Wöllner

Danke Dr. S. Ossenbühn!!!!!!!!!!! Kein weiterer Kommentar erforderlich.

#9 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

liebe Frau Ossenbühn , Sie schreiben nur von “evidence ” ; das ist vollkommen unbefriedigend . Ich habe selbst elektronenmikroskopisch gearbeitet u. denke weiß , wovon ich rede u. was ic h sehe.
Hic rhodus , hic salta ! bitteschön : wie ist die Konsensussequenz , wo finde ich das Virusbild – bitte kein ungereinigtes budding !

#8 |
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Lieber Herr Stute,
für Nachhilfe (das schickere Wort wäre wohl Dozententätigkeit) werde ich üblicher Weise bezahlt :-). Und ich darf aus ihrem Beruf und Titel folgern, dass sie efenfalls Studierfähigkeit erlangt haben. :-) Sie packen das!
Nein, im Ernst. Muss ich aus Ihrer Nachfrage folgern, dass Sie – in Analogie zu Ihrem dent. Kollegen, Herrn Herrmann, – die Existenz des HIV und Subtypen generell anzweifeln?
Ich lese dort etwas von “Virusähnlichem Proteinmüll” und “Natürlich gibt es eine erworbene Immunschwäche AIDS, aber HIV??”

Diese Zweifel erinnern mich fatal an eine von irrealem Wunschdenken gelenkte Negierung der Existenz eines viralen Erregers, der Millionen von Todesfälle gefordert hat und weiterhin fordert. Soll ich Ihnen dies unterstellen?

Ich habe durchaus Verständnis für Wunschdenken, aber ich finde es wenig hilfreich.
Um nicht vom Stöckchen aufs Zweiglein zu geraten sondern zurück zum hier angesprochenen Artikel:
Bei allem Verständnis für das Wunschdenken eines “HIV-positiven” Mannes, bei dem ein direkter Erregernachweis im Serum nicht ( nicht mehr !) geführt werden kann, sich für nicht mehr infektiös zu halten und somit auf unbequeme Vorsorge (Safer Sex) zu verzichten… Es ist bislang eben Wunschdenken. Und das wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch so bleiben, bis eine Eradikation möglich ist. Es gibt leider nicht nur “AIDS” als eine vom Himmel gefallene mysteriöse Erkrankung, sondern es gibt HIV-Viren und das Wissen um deren Infektiosität und Gefährlichkeit.

Dies negieren zu wollen mit dem Argument “Tja also, .. Mir fehlt da das elektronenmikroskopische Präparat und auch habe ich vom Subtypus III noch nicht die gesamte Genomsequenz gesehen …” und hieraus die Erlaubnis ableiten zu wollen, die Existenz dieser Viren generell in Zweifel zu ziehen…

Das scheint mir hahnebüchend leichtsinnig!

Ich werde bei Ihnen keine Überzeugungsarbeit leisten. Es gibt hinreichend evidence, die für sich spricht.

Ich kann also nur hoffen, auch im Interesse der Patienten, dass sich dieser Wunsch nach Negierung nicht im Hygieneverhalten wiederspiegelt.

#7 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

sehr geehrte Frau Ossenbühn ,
ich bitte um Nachhilfe : Sie sprechen nicht vom direkten Nachweis des Virus HI , sondern dessen Bestandteile :
welches sind denn diese ?
wenn Sie die komplete Gensequenz zB. von HIV III kennen ( ? ) Wie lautet sie ?
Welches ist die spezifische Sequenz ?
Ich habe auch noch keinen EM- Nachweis gefunden !? Liegt er Ihnen vor . Für die Beantwortung oder Angabe des Fundortes u. des Labors wäre ich Ihnen sehr dankbar .

#6 |
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Tobias Michels-Sowa
Tobias Michels-Sowa

Ich bin ebenfalls erstaunt, dass diese Studien betrieben werden. Vielmehr sollte man sich die Frage stellen, ob zusätzliche Medikamente um Übertragungswege zu blockieren beim Sexualverkehr wesentlich mehr Neben-und Wechselwirkungen haben als Safer Sex. Ich halte dies auch für ein falsches Signal in der Öffentlichkeit (tertiär Prävention).

#5 |
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Sehr geehrter Herr Herrmann,
vielleicht möchten Sie Ihren Wissenstand zum direkten Nachweis von Virus-Bestandteilen und -genom nachbessern?

#4 |
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Welcher Virus???
Es gibt bis dato kein elektronenmikroskopisches Präparat von HIV. Nur “Virusähnlichen Proteinmüll”.
Der AIDS Test ist bis dato kein spezifischer Virusnachweis, sondern ein unspezifischer AK-Test.
Natürlich gibt es eine erworbene Immunschwäche AIDS, aber HIV??
[Kommentar von der Redaktion gekürzt]

#3 |
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Nichtmedizinische Berufe

Mich erstaunt dies ebenso. Ist das Ziel nicht die Eradikation des Virus?

#2 |
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Liebe Autoren,

wir haben aus der Katastrophe dieser Infektionserkrankung, seinen Begleiterkrankungsbildern und während der Suche nach Möglichkeiten medizinischer Intervention unendlich viel Wissen gewonnen über virales Geschehen, Mechanismen, vermeintlich überwundene Infektionen … so dass jede weitere Forschung nur begrüßt werden kann.

Wenn ich nun aber lese, dass man die Übertragungskette der HIV-Infektion – bzw. eine potentielle Unterbrechung derselben – durch Erforschung der Begleitinfektionen “wirklich unterbrechen” möchte, dann lese ich offenbar auch richtig und staunend (!), dass man hier untersuchen möchte, in welcher Weise sich ungeschützter Verkehr eines bekannt HIV-positiven Mannes – bei begleitender Infektion mit einem weitergehenden “Virencocktail im Sperma” – günstiger (?) gestalten ließe?

Dann verstehe ich die Welt nicht mehr!

Wenn jemand mit einem “Virencocktail” einschließlich HIV (und vermutlich zusätzlich bakteriellem Cocktail) behaftet, ungeschützten Verkehr ausüben möchte, dann ist dies schlicht strafbare Körperverletzung.
Eine Unterbrechung der Infektionskette kann – nach allem mir derzeit zur Verfügung stehendem Wissen – bei bekannt vorliegenden Infektionen nur durch den hinlänglich bekannten Schutz des nocht nicht infizierten Partners wirksam sein: Safer Sex.

Mit erstaunten Grüßen

#1 |
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