Feinstaub: Diabetes liegt in der Luft

8. Februar 2017

Schadstoffe in der Luft steigern das Risiko, langfristig an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Denn Feinstaubkonzentrationen, selbst unterhalb der EU-Grenzwerte, führen zu einer Erhöhung bestimmter Blutwerte, die mit Diabetes in Verbindung stehen.

Schadstoffe in der Luft wirken sich nachteilig auf die Gesundheit aus. Mehrere Studien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass bereits geringe Mengen an Feinstaub oder Stickoxiden die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt und weitere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems deutlich erhöhen. Experten fordern daher schon seit einiger Zeit die für die Europäische Union geltenden Grenzwerte zu senken. Bislang vergeblich, doch nun könnten ihnen die Ergebnisse einer neuen Studie weiteren Auftrieb geben. Wie Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums München und weiteren deutschen Forschungsinstituten in einem Artikel der Fachzeitschrift Diabetes mitteilen, steigern Schadstoffe in der Luft auch das Risiko, langfristig an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Für ihre Analyse griffen die Forscher um Kathrin Wolf auf Daten der Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) zurück. Diese hatte im Rahmen der KORA F4-Studie 3.080 Personen aus dem Raum Augsburg befragt und ihnen auch eine Nüchtern-Blutprobe abgenommen, mit der sowohl verschiedene Biomarker für die Insulinresistenz und Entzündungen als auch weitere aus dem Fettgewebe stammende Botenstoffe bestimmt werden konnten.

Bei Nichtdiabetikern wurde zudem ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt, mit dessen Hilfe sich ein gestörter Glukosestoffwechsel nachweisen lässt. „Die Auswahl der Teilnehmer in der KORA F4-Studie stellt hinsichtlich des Alters und Geschlechts einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung dar“, sagt Wolf, Erstautorin und Mitarbeiterin am Institut für Epidemiologie II des Helmholz-Zentrums München.

Gestörter Glukose-Stoffwechsel treibt Werte für Biomarker in die Höhe

Die aus dieser Studie gewonnenen Daten verwendete Wolfs Team, um die Probanden in drei Gruppen aufzuteilen: Nichtdiabetiker, Diabetiker und Prädiabetiker, also Personen, die bereits einen leicht gestörten Glukosestoffwechsel aufweisen und somit ein deutlich erhöhtes Risiko haben, eines Tages an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Die Nichtdiabetiker waren im Durchschnitt jünger und hatten einen niedrigeren BMI-Wert als die Probanden der beiden anderen Gruppen. Auch hatten die Nichtdiabetiker ein höheres Einkommen, eine bessere Ausbildung und trieben mehr Sport als Prädiabetiker und Diabetiker. Bei allen sechs ausgewählten Biomarkern (HOMA-IR, Glukose, Insulin, HbA1C, Leptin und CRP) waren die gemessenen Werte höher, wenn der Glukosestoffwechsel der einzelnen Probanden schlechter funktionierte.

Die Forscher setzten anschließend die Biomarker aller Teilnehmer in Beziehung zur Luftverschmutzung an deren Wohnort. Die Schadstoffkonzentrationen hatten Wolf und ihr Team zuvor mithilfe von Vorhersagemodellen geschätzt, die auf wiederholten Messungen an mehreren Standorten in Augsburg und Umgebung beruhen.

„Sowohl Feinstaub als auch Stickoxide wurden mehrfach im Laufe eines Jahres bestimmt, um jahreszeitabhängige Schwankungen zu berücksichtigen“, erklärt Wolf. Die gemessenen Feinstaubkonzentrationen waren im Durchschnitt niedriger als die EU-Grenzwerte, sie überschritten aber die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Einfluss der Luftverschmutzung bei Prädiabetikern am größten

Beim Abgleich der Blutwerte mit den Luft-Schadstoffkonzentrationen am Wohnort der Probanden zeigte sich, dass vor allem Prädiabetiker anfällig für die Einflüsse der Luftverschmutzung waren. Je höher die Werte für vier der Biomarker (HOMA-IR, Insulin, Leptin und CRP) bei ihnen waren, desto größer war die Luftverschmutzung an ihrem Wohnort. Auch bei Diabetikern und Nichtdiabetikern fanden sich ähnliche Zusammenhänge, doch diese waren schwächer ausgeprägt und statistisch nicht eindeutig. „Schadstoffe in der Luft sind langfristig ein Risikofaktor für Typ-2-Diabetes, da sie bei Prädiabetikern die Blutmarker für Insulinresistenz und für Entzündungen deutlich in die Höhe treiben“, sagt Wolf.

Noch ist nicht klar, auf welche Weise Luftschadstoffe die Werte der Biomarker im Blut erhöhen. „Wahrscheinlich lösen Feinstaub und Stickoxide, wenn wir sie einatmen, in der Lunge Entzündungsreaktionen aus, die sich von dort aus in den ganzen Körper ausbreiten können“, sagt Wolf. „Letztendlich können wir mit unserer Studie aber keine kausalen Aussagen treffen, sie ist eine reine Zusammenhangsanalyse.“

Typ-2-Diabetes, so die Wissenschaftlerin, entstehe durch das Zusammenspiel vieler Faktoren. Luftschadstoffe spielten im Vergleich zu Übergewicht und mangelnder Bewegung wahrscheinlich keine so große Rolle. „Die Veränderung des Lebensstils reicht aber alleine als Ursache vermutlich nicht aus, um den enormen Anstieg der Diabeteszahlen in den vergangenen Jahren zu erklären“, sagt Wolf. Deswegen hält sie es für wichtig, auch andere potenzielle Faktoren wie die Luftverschmutzung zu untersuchen.

Schadstoffe in der Luft führen zu mehr Erkrankungen in der Bevölkerung

Der einzelne Betroffene kann seine Schadstoffbelastung meist nur geringfügig selbst beeinflussen: „Ein Umzug kommt in der Regel nicht in Frage, dafür hat der Einzelne es selbst in der Hand, seinen Lebensstil zu verändern“, sagt Barbara Hoffmann, Leiterin einer Arbeitsgruppe am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Düsseldorf. Doch auf die gesamte Bevölkerung bezogen könne ein bisschen Zuviel an Schadstoffen in der Luft enorme Auswirkungen haben, findet Hoffmann: „Selbst wenn das Risiko für Typ-2-Diabetes durch eine zusätzliche Schadstoffbelastung nur gering erhöht wird, führt die große Zahl der Betroffenen zu einer erheblichen Zahl von zusätzlichen Erkrankungen.“

Wir müssten uns deshalb die Frage stellen, so die Umweltmedizinerin, ob wir bereit seien, die Kosten für die Luftverbesserung zu tragen oder ob wir die zusätzlichen Fälle an Diabetes, Herzinfarkten und Schlaganfällen in Kauf nähmen. Schon 2013 hätten Hoffmann zufolge die bestehenden EU-Richtwerte überarbeitet werden sollen, was aber aufgrund der damals angespannten wirtschaftlichen Lage in Europa dann doch nicht in Angriff genommen wurde. Hoffmann hofft nun auf 2018: Dann steht eine erneute Regulierungsrunde auf EU-Ebene an, und die bisher gültigen Grenzwerte könnten endlich in Richtung der wesentlich strengeren WHO-Empfehlungen verändert werden.

70 Wertungen (3.99 ø)

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34 Kommentare:

Dieter Grotjahn
Dieter Grotjahn

das Studiendesign ist schon recht abenteuerlich: die von erhöhter Luftverschmutzung betroffenen Teilnehmer sind sicherlich auch von erhöhter Lärmbelastung betroffen, wie soll man da die einzelnen Faktoren bewerten?

Thema Feinstaubbelastung: Pelletheizungen (nachwachsende Rohstoffe, ja in 30 Jahren, hahaha) sind diesbezüglich noch erheblich schlimmer als fossile Brennstoffe!

> Die “Grünen” hätte man nie wählen dürfen.

welche anderen Lobbykraten bieten denn eine bessere Perspektive?

#34 |
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GastRx
GastRx

@ Gast #23 “wenn 1 Liter Benzin 5 Euro kosten würde”, würden sich Gutbetuchte freuen, sie könnten ohne Stau durch die Stadt fahren. Andere würden das zwar auch geniessen, die Treibstoffkosten müssten aber bei der Ernährung, beim Wohnen etc. eingespart werden. Auf dem Land kämen einfach Viele in einer relevanten Zeit nicht mehr zur Arbeit. Sie würden in überteuerte Buden in der Nähe des Arbeitsplatzes ziehen müssen. Wenn Partner in entgegengesetzten Richtungen arbeiten würden, würde das auch Paare und Familien zerreissen.

#33 |
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Dr. med. Cornelia Reichardt
Dr. med. Cornelia Reichardt

@Gast#20/31: Wenn man neu eingewanderte Arten als Gegenbeweis für das Artensterben anführt, muss man sich auch fragen lassen, ob man tatsächlich in der Lage ist, zu verstehen, was eine eingewanderte Art ist – nämlich keine neu entstandene, sondern von anderswo kommende Art, die das Gebiet einer “alten Art” übernimmt…

#32 |
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Dr. med. Cornelia Reichardt
Dr. med. Cornelia Reichardt

@#22: Egal deshalb, weil der Zustand der Luft in geschlossenen Räumen in dem Artikel nicht das Thema ist, und eine Argumenta Der tion nach dem Motto “ein Arm ab ist nicht relevant, weil zwei Arme ab viel schlimmer ist ” für mich nicht akzeptabel ist. Was ich sagen will ist: Auch wenn die Innenluft schlechter als die Aussenluft ist, ist es doch sehr wohl relevant, wie gut die Luft draußen ist. Ich hoffe mich hiermit ausreichend erklärt zu haben.
@ Dr Schätzler: Vielen Dank für die umfangreiche Recherche!
@ Frau Habib: Man kann schon sehr viel böse grüne Geister in eine Studie hineinlesen- ist das nicht ein kleines bisschen übertrieben?! Aber retten Sie ruhig die Autofahrer- sie sind in Deutschland tatsächlich eine bedrohte Spezies….>_>
Im Übrigen wäre der Strompreis lange nicht so teuer, wenn schwarz-rot nicht die fast gesamte Industrie von der EEG Umlage ausnehmen würde…. Atomstrom ist übrigens in der Produktion wesentlich teurer als die bösen regenerativen Energien- erst nach Wegfall der Brennelemente-Steuer Anfang dieses Jahres rechnen sich die alten Reaktoren wieder vorübergehend…

#31 |
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Dr.Ilse Habib (Ärztin)
Dr.Ilse Habib (Ärztin)

@Dr. med.dent. Horst Landau
Titan und Aluminium sowie andere Leicht- und Schwermetalle sind KEINE Bestandteile des PKW-Treibstofdes
und es war auch ein Fortschritt, schon fast vergessen, das giftige Blei als “Antiklopfmittel” aus dem Benzin zu entfernen.
Aluminium (neurotoxisch) wird dagegen über die Nahrung (Schüssel/Pfanne) aufgenommen. Konservendosen sollten das eigentlich nicht mehr als Oberfläche dürfen.

#30 |
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Dr.Ilse Habib
Dr.Ilse Habib

#23 aha, darum geht es also 5 € !!! Es reicht langsam!
typisch irrationale links/grüne Diktatur-Politik,
das Auto zu verbieten ohne irgend eine realistische Alternative in der Hand.
Ganze Siedlungen wären schlagartig von der Zivilisation und ggf.Arbeitsplatz abgeschnitten.
Schon heute werden “Autosteuern” massiv fremdverwendet, zum Beispiel für die Rentenversicherung, da in Deutschland der Nachwuchs fehlt.
Die Rentenversicherung ist keine Verantwortlichkeit von (nur) Autofahrern!!!
Auch der Strom wird von den “Grünen” in jeder Partei systematisch verteuert!!!
Unter diese menschenfeindliche Ideologie
ist auch die “Feinstaubdiskussion” einzuordnen.
Die “Grünen” hätte man nie wählen dürfen.

#29 |
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Frau im Gesundheitswesen
Frau im Gesundheitswesen

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das erhöhte Verkehrsaufkommen und die Industrie so allerhand in die Umwelt pusten, und dass das mit Sicherheit auch Auswirkungen auf alle Lebewesen haben dürfte. Bei Studien und Statistiken bin ich allerdings immer vorsichtig, denn die Frage nach dem Auftrag-/Geldgeber ist ja auch interessant. Die Politik reitet uns nur immer weiter rein, Hauptsache die Kohle stimmt. Und dass das Volk klein, ängstlich und dumm gehalten werden soll, das klappt ja schon ganz prima, wie man täglich sehen kann.
#27 Frau Dr. Trbola: Das sehe ich ganz genauso. Aber da steht natürlich wieder die Lebensmittelindustrie dahinter, die ja auch “überleben” muss, die arme.

#28 |
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Dr. Ulrike Trbola
Dr. Ulrike Trbola

Gibt es eine Studie, die sich mit dem Einfluss der versteckten Zucker, die sich in fast allen verarbeiteten Nahrungsmittel befinden, auf die Diabetesentwicklung Beschäftigt? Ich glaube, dass das Risiko, das davon ausgeht um ein Vielfaches höher ist.

#27 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

#18: Bei Artensterben, Trinkwasser, Smoke, AKW . . . . kann man durch “zählen und messen” klar beweisen, dass ales immer schlechter wird. MfG

#26 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

#18: Warum soll die Kenntnis des Periodensytems vor Quatsch-Theorien bewahren ?? MfG J.B., Chemiker

#25 |
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@ Gast 10: Warum schauen Sie nicht einfach in Ihre Auswertung Ihres “disease management programm” DMP-Typ-2-Diabetes mellitus? Dann sehen Sie auf einen Blick, wie viele Ihrer Diabetiker rauchen und wie viele nicht! Wie, Sie wissen gar nicht, was das ist und worum es geht ? Sie therapieren gar keine Diabetiker? Na, dann ist ja gut, dass Sie trotzdem noch etwas dazu beizutragen hatten! MfG

#24 |
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Gast
Gast

Der Sprit ist viel zu günstig – wenn 1 Liter Benzin 5 Euro kosten würde, würde es weniger Belastung geben. Weil man muss ja überall mit dem Auto hinfahren, Mehr Fahrgemeinschaften uswe. –

#23 |
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Gast
Gast

#3 “Egal wie die Luft drinnen ist” ?
wieviel Zeit im Leben verbringen Sie denn “drinnen”.
Kann ja nicht jeder Förster werden, pardon oder Försterin,
selbst wenn Sie möchte.

#22 |
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Wanderer
Wanderer

keiner spricht von Wohnungen, große, kleine, viel Straßenlärm, ruhiger Hinterhof, dicke Wände oder dünne mit nervigen Nachbarn, die sich über jedes Stühle-Rücken beschweren.
nach Dr. Dipl.-Ing. Andreas Winkens, Deutschland, der das gemessen hat, schon vor über 10 Jahren
“liegt der arithmetischen Mittelwert der Feinstaub­konzentration in Räumen mit Glattböden mit 62,9 µg/m³ deutlich oberhalb des Grenzwertes von 50 µg/m³.”
Also des Straßengrenzwertes in Innenstädten!
und noch was gutes:
“Bei den Haushalten mit Teppichböden liegt der arithmetische Mittelwert bei 30,4 µg/m³, und damit deutlich unterhalb des Grenz­wertes.”
Winkens, A.: Feinstaub im Innenraum – ein unterschätztes Problem. HLH 9/2006. Düsseldorf: Springer – VDI
Winkens, A.: Gefahrenquelle Raumluft. Allergie konkret 1/2001. Hrsg. Deutscher Allergie- und Asthmabund
und so wird seit 2000 gemessen:
Definition der PM10-Fraktion:
die Partikel-Fraktion, die einen größen­selektierenden Lufteinlass passiert, der für einen aerodynamischen Durchmesser von 10 µm eine Abscheideleistung von >50 % aufweist, was auch der abscheidetechnischen Wirkung der oberen Atemwege entspricht.

Der moderne PKW-Diesel hat einen Anteil am Straßenfeinstaub von 0,9%
der soll jetzt gekillt werden, weil er so gut ist.

#21 |
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Gast
Gast

#10 völlig richtig, der Feinstaub in einem Raum steigt bereits bei Kerzenlicht sehr schnell and, bei Rauchern von ca.60 µg/m³ als Mittelwert schnell auf über 1000µg/m³.
Und tatsächlich ist nicht jeder Raucher Diabetiker.
Und im Ruhrgebiet hieß es in der Nachkriegszeit doch:
“die Schlote müssen rauchen”
und das haben sie auch und zwar so, dass sich der Himmel verdunkelte und einer, der damals bekannten Wahlthemen von Willi Brandt war doch der Satz,
im Ruhrgebiet soll der Himmel wieder blau werden.
Damals gab es auch weniger, nicht mehr Diabetes.
ALLES IST VIEL BESSER GEWORDEN,
nicht schlechter!
Das Auto ist eine geniale Erfindung und eine wesentliche Teilursache unseres jetzigen Wohlstandes.
Der Himmel über dem Ruhrgebiet ist schon lange wieder blau, auch der Rhein ist lange nicht mehr so dreckig wie früher, mehr Fische, man kann wieder baden ohne sich zu vergiften.
Nur die Stimmung ist viel viel schlechter geworden.
Es wird zu viel gelogen!

#20 |
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Von der “Cannery Row” (Straße der Ölsardinen) zur Typ-2-Diabetes-, COPD-, Koronarsyndrom- bzw. Schlaganfall-Straße !
Erhöhte Feinstaubkonzentrationen können zu einer Erhöhung bestimmter Blutwerte führen, die mit Typ-2-Diabetes in Verbindung stehen. Und nicht nur akute Koronarsyndrome (ACS), auch COPD, Demenz und manche Schlaganfälle können durchaus mit Smog- und Feinstaub-bedingt sein. Eine Studie im Fachmagazin “Stroke” mit dem Titel “Long-Term Exposure to Fine Particulate Matter, Residential Proximity to Major Roads and Measures of Brain Structure” von E. H. Wilker et al. – doi: 10.1161/STROKEAHA.114.008348; 2015 – wird ergänzt durch eine Metaanalyse über Kurzzeit-Effekte: “Short term exposure to air pollution and stroke: systematic review and meta-analysis” von Anoop Shah (Universität Edinburgh/GB) im British Medical Journal – BMJ 2015; 350: h1295 – bei Feinstaub-Exposition, Schlaganfall-Häufung und Smog-Alarm.
Eine ältere Publikation im BMJ von 2011 (doi:10.1136/bmj.d5531) zu ACS- und Myokard-I n f a r k t-Häufung unter dem Einfluss von Luftverschmutzung: “The effects of hourly differences in air pollution on the risk of myocardial infarction: case crossover analysis of the MINAP database” von K Bhaskaran et al. sollte belegen, dass hochgradige Umweltbelastungen mit erhöhter myokardialer Morbidität korrelieren. Die spezifische Erhöhung des Myokardinfarktrisikos ist in vereinzelten Studien als K u r z – Z e i t-Effekt wenige Stunden nach Atemluftbelastung nachgewiesen worden. Im BMJ wurde der Einfluss der als Feinstaub PM10 (‘pollution model’) bezeichneten Staub-Fraktion (50% der Teilchen mit einem Durchmesser von 10 µm) u n d Stickstoffdioxyd NO2 auf die Ereignisrate in 15 Regionen Groß-Britanniens bei STEMI-, Non-STEMI-Herzinfarkten und Troponin-positivem akutem Koronarsyndrom (ACS) in den Krankenhausberichten untersucht. Dabei waren Ozon- und Kohlenmonoxid- (CO) Luftbelastungen überraschenderweise eher kardioprotektiv wirksam bzw. Schwefeldioxid (SO2) ohne messbare Auswirkung.
Das Risiko eines Herzinfarktes war allerdings nur bis zu 6 Stunden nach Exposition mit höherer verkehrsbedingter Luftverschmutzung von PM10 und NO2 erhöht (“Myocardial infarction risk was transiently increased up to 6 hours after exposure to higher levels of the traffic associated pollutants PM10 and NO2?). Keine der Luft verschmutzenden Substanzen zeigte einen Langzeiteffekt bis zu 72 Stunden danach mit weiterer Erhöhung des Myokardinfarktrisikos. Einschränkend diskutierten die BMJ-Autoren, dass der etablierte Effekt von Luftverschmutzung auf die allgemeine kardiorespiratorische Morbidität und Mortalität nicht nur speziell auf den Herzinfarkt übertragen werden könnte. Es müsse noch weitere, unerforschte Mechanismen geben.
In einer weiteren Studie in “Circulation” wurden L a n g z e i t-Effekte von Luftverschmutzung auf die erhöhte Mortalität nach stattgehabtem Myokardinfarkt in Abhängigkeit von der Nähe des Wohnortes zu vielbefahrenen und auch lauten Hauptverkehrsstraßen untersucht: “Residential Proximity to Major Roadway and 10-Year All-Cause Mortality After Myocardial Infarction” von J. I. Rosenbloom et al. Diese Circulation-Studie kann Erkenntnislücken natürlich nicht vollständig schließen, beschreibt aber zusätzlich nachweislich die erhöhte Mortalität bei stattgehabtem Myokardinfarkt in Abhängigkeit von der Nähe des Wohnortes zu vielbefahrenen und auch lauten Hauptverkehrsstraßen. Circulation. 2012; 125: 2197-2203
doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.111.085811 – http://circ.ahajournals.org/content/125/18/2197.abstract
Zum Thema Demenz-Prävalenz als reine Beobachtungs-Studie ohne Kausalitätsnachweis:
“A Comparison of the Prevalence of Dementia in the United States in 2000 and 2012” von Kenneth M. Langa et al. ist eine beeindruckende Langzeit-Kohorten-Beobachtungsstudie [“observational cohort study”], welche die Demenz-Prävalenz detektiert, aber keine randomisierte kontrollierte RCT-Studie (‘randomised controlled trial’) ist. In dieser national (USA) repräsentativen Studie ging die ‘Demenz-Prävalenz von 11,6% im Jahr 2000 auf 8,8% im Jahr 2012 zurück [“In this observational cohort study of more than 21?000 US adults 65 years or older from the nationally representative Health and Retirement Study, dementia prevalence declined significantly, from 11.6% in 2000 to 8.8% in 2012.”] Aber Schlussfolgerungen und Relevanz lesen sich im Abstract ebenso vorsichtig wie verhalten: Die Prävalenz der Demenz ist in den USA signifikant zwischen 2000 und 2012 gesunken. Ein Anstieg des Bildungsniveaus war zum Teil mit der Verringerung der Demenz-Prävalenz assoziiert, aber das volle Ausmaß der sozialen-, verhaltens- und medizinischen Einflussfaktoren, welche diese Verringerung verursachen, ist nach wie vor unklar … [“Conclusions and Relevance – The prevalence of dementia in the United States declined significantly between 2000 and 2012. An increase in educational attainment was associated with some of the decline in dementia prevalence, but the full set of social, behavioral, and medical factors contributing to the decline is still uncertain. Continued monitoring of trends in dementia incidence and prevalence will be important for better gauging the full future societal impact of dementia as the number of older adults increases in the decades ahead.”] © der Übersetzung d. d. Verfasser.
Auf den Zusammenhang zwischen Feinstaub und COPD will ich aus Platzgründen nicht eingehen und auf die einschlägige Fachliteratur verweisen.

#19 |
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Medizintechniker

Da sind wir Menschen doch heute eher manipulierbar als je … DENN wir sind permanent panisch unter Angst gehalten mit: OZON (+ -loch), FCKW, Waldsterben, Smoke, Feinstaub, CO2, Trinkwasser, Atomkraftwerke … Nachhaltigkeit und ….
Da haben wir alle einen Tunnelblick aufgesetzt bekommen und können nicht mehr realisieren, was wahr und was falsch ist!
Es wird dann so übertrieben, daß alles schlimmer und schneller kaputt geht, als wenn man keine Maßnahmen gegen vermeintliche Umweltprobleme in Gang gesetzt hätte (wenn man das Periodensystem kennt, dann kann man schon manche Überzeugung als Quatsch abtun …)
So ist es fast bei allem: die Menschen wissen nicht wann Stahl schmilzt, was ein Schuß ist und was ein Knallkörper, usw.
Wer sagt er glaubt an Nichts: dann ist er ein Fernsehgläubier
Es gibt Gott-sei-Dank Internetseiten die noch von Querdenkern und Menschen betreut werden die diesen hysterieschen Mediendruck durchschaut haben …

#18 |
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Ärztin

@10:
Vielleicht sterben die Raucher ja eher an ihrem Krebs, bevor der Diabetes auftreten kann?

Die Gemeinsamkeit, warum Leute an viel befahreren Straßen eher Diabetes bekommen, ist für mich der finanzielle Status: Leute mit geringen finanziellen Mitteln wohnen leider häufiger an solchen Straßen und führen eher einen ungesunden Lebensstil.

#17 |
  1
Dr. Eleonore Blaurock-Busch
Dr. Eleonore Blaurock-Busch

und Feuerwerke, die wahre Feinstaubschleudern sind, sollten untersagt werden.
E.Blaurock-Busch PhD, Forschungsdirektor Micro Trace Minerals Labor

#16 |
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Klaus Fischer, Chemiker
Klaus Fischer, Chemiker

Viel Nicht-Bewiesenes, zu viele Behauptungen. Selbst detaillierte Analysen der Probanden scheinen zu fehlen. Es wird zwar teilweise eine zielgerichtete Messwertorientierung vorgelegt, eine echte Ursachenforschung für gemessene erhöhte Werte in der einen oder anderen Richtung und Abwägungen möglicher anderer Ursachen fehlen. Sicher ergäben sich weitere Punkte zur Aufklärung bei genauer Durchsicht der Daten. Ein Minimalraster zur Erklärung wäre wirklich eine Differenzierung von Festpartikeln (Feinstaub) und Gasen (Stickoxide) auf Grundlage der dafür gemessenen äußeren Konzentrationen.

#15 |
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@1 Dass in Wohnungen mehr Staub – “Grobstaub” – herumwuselt ist offenkundig. Doch gilt das wirklich auch für Feinstaub? – Und was ist mit der Qualität desselben: (Titan, Aluminium etc. – danke an #6! – Wer weiß denn sowas?).
Wenn das Fenster geöffnet wird, wirbelt der Staub doch erst recht hoch (feiner und groberer) – da fragt man sich doch wirklich, wie man aus der Falle raus kommt. – Und dankeschön an VW & Co, die in den USA schadenerersatzpflichtig sind (eigenartigerweise gegenüber den Autofahrern, nicht gegen “Stadtluftatmern”)! Und hierzulande? – Muss denn jeder einen fahrbaren Untersatz haben?? – (Elektrosmog dürfte außer für Leute in den E-Werken wohl keine nennenswerte Relevanz haben: falls es den überhaupt gibt, nimmt er mit dem Quadrat der Entfernung von der Quelle ab).

#14 |
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KrANKENPFLEGER Lutz Schmitz
KrANKENPFLEGER Lutz Schmitz

Und die schlechten Filterwerte der Kohlekraftwerke? Quecksilber,…
Die Industrie mit Sonderrechten und gekauften Recht für legale Abgase?
Wie gut Schafen die Entscheider?
Ethik gegen Profit und die Enkel bezahlen auf jeden Fall.
Regelfall wer hat denn etwas davon, dann lässt sich der Betreffende Schuldige schon finden.

#13 |
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Dr Stefan Gossens
Dr Stefan Gossens

Das scheint mir doch ein eher indirekter Zusammenhang zu sein. Korrelation ist eben keine Kausalität und ich frage mich, welche Variablen hier rausgerechnet sind.
Da wo viel Zivilisation ist auch viel Feinstaub ist auch viel Diabetes, hierzulande sicherlich. Bin privat und geschäftlich viel in China unterwegs. In Beijing und anderen Städten sind seit vielen Jahren Feinstaubwerte (2.5) von >400ppm im Winter keine Seltenheit. Sort steigt die Diabeteshäufigkeit aber meines Wissens nach eher langsam an (im Gegensatz zum Lungenkrebs). Süßkram usw. sind dort eher nicht so verbreitet wie hier…

#12 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Und was ist mit den ganzen privaten Holzöfen und -Kaminen? Die erhöhen nämlich die Feinstaubbelastung in Deutschland erheblich. Das geht aus Datensätzen einzelner Bundesländer hervor, die das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau aufgearbeitet hat. Nach den Berechnungen der Experten liegen die Emissionen aller Kleinfeuerungsanlagen teilweise über den Gesamtemissionen aus dem Straßenverkehr. Sie tragen damit im Herbst und Winter maßgeblich zur Überschreitung der Grenzwerte bei. Warum wird da kein Verbot ausgesprochen, nur jetzt mal kurz in Stuttgart?

#11 |
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Gast
Gast

Warum haben dann nicht alle Raucher auch Diabetes? Zumindest müsste nach dieser Theorie ein überwältigender Zusammenhang bestehen.

#10 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Wanderer hat Recht…

Weiß man, wer die Studie bestellt und bezahlt hat? Fresenius?

Politischer Feinstaub und Stickoxide:

Wir haben hier in Darmstadt eine Luftmeßstation des Landes, die man vor ca. 40 Jahren aufgebaut hat. Wieso und warum gerade an dieser Stelle, ist nicht mehr nachvollziehbar:

Unmittelbar hinter der Ausfahrt eines dreistreifgen Straßentunnels mit Kurve und Steigung (2. Gang…)
Dazu Einfädelungsspuren mit Bremsmanövern
Ein-/Ausfahrt eines Parkhauses
Geschlossene Blockrandbebauung, windstille Lage

Es wäre ein Wunder, wenn dort keine “erhöhten” Schadstoffwerte aufträten. Wobei ich über Grenz-, Richt-, und Leitwerte, Mediane und deren Validierung hier garnicht diskutieren möchte.

Was passiert? Die grüne Stadtregierung “geht wegen der Gesundheitsgefährdung in der Stadt strikt gegen den Mot.-Verkehr” vor. Die Lösung seien Fahrräder, Busse, Bahnen und Tempo 30, wenn alle im 2. Gang mit hohen Drehzahlen und entsprechendem Spritverbrauch herumorgeln … ach ja, und Elektroautos…

#9 |
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Gast
Gast

also ich würde nochmals die Studie überprüfen, denn ich denke nciht das es am Feinstaub allein liegt, es wird der Feinstaub der weißen Autos sein, denn deren Anzahl ist doch beträchtlich. Sarkasmus aus.
So ein Schwachsinn – seit die Telefonmasten nach dem zweiten Weltkrieg in 60 zigern in den USA zunahmen stieg ebenfalls die Zahl der Herzerkrankungen und diese haben ebenfalls nichts mit der Zunahme der Herzerkrankungen wu tun. Aber alles was hilft vom eigentlichen Grund für Diabetes II abzulenken hilft natürlich – weil Menschen sehr gern gute Neuigkeiten über ihre schlechten Angewohnheiten hören – und schließlich ist ja für den Feinstaub jeder andere verantwortlich – für mein Übergwicht und meine schlechten Essgewohnheiten aber bin ich es allein. Upss, da müsste ich ja was tun – ne,ne… das wollen die Leute nicht, das kann man denen nicht zumuten. Wie sagte doch der kleine, fette Patient letzte Woche so treffend? Ich will abnehmen aber nur, wenn ich weiterhin Nutella und Schokolade essen kann, das Gemüse schmeckt scheiße…

#8 |
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was ist denn mit Elektrosmog in den Büros 5 Tage die Wochen und dann noch zu Hause ?

#7 |
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Feinstaub ist ein Sammelbegriff. Am gefährlichsten dürften sein Leichtmetalle wie Titan und Aluminium sowie Schwermetalle wie Platin, Cadmium etc. Diese schwächen eine Vielzahl von Körperfunktionen und Hormondrüsen.

#6 |
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Dr. med. Lothar Markus
Dr. med. Lothar Markus

Es ist wahrscheinlich nicht der Feinstaub in der Luft, der das Diabetes – und andere HK-Risiken erhöht, sondern die Leute, die in ihren Autos sitzen, sich nicht mehr bewegen und den Feinstaub in die Luft blasen. Daneben sollten man endlich einmal den Automobilen Irrsinn in Deutschland auf die Lupe nehmen, wie die Autos immer größer und schwerer werden und immer höheren PS-Zahlen massiv Dreck in die Luft blasen. Ganz zu schweigen davon, daß wir mit das einzige Land in der Welt sind, wo man auf den Autobahnen über 200 km/h fahren. Das ist der ungebremste deutsche Automobile Wahnsinn, den ich nicht einmal von Ärzten kritisiert höre, die ja selbst gern diese “Protzkisten” glauben fahren zu müssen.
Dr.Lothar Markus

#5 |
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Gast
Gast

@Dr. med. Cornelia Reichardt,
können Sie Feinstaubzahlen für geschlossene Räume nennen?
Weil Sie so sicher auftreten,
ja oder nein.
Ich habe so etwas wie#1 nun schon öfter gehört.

#4 |
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Dr. med. Cornelia Reichardt
Dr. med. Cornelia Reichardt

@ Wanderer: Egal wie die Luft drinnen ist, macht es einen großen Unterschied, ob draußen frische und saubere Luft ist, oder “Hauptstraßenluft” – schließlich gehen wir raus um “Luft zu schnappen” und nicht rein. Und wer geht schon gerne raus um im Industriegebiet Frischluft zu tanken? Der Zusammenhang zwischen Feinstaub und Gesundheit ist schon lange bekannt, das hat mit Pseudowissenschaft nichts zu tun- aber manche Leute glauben eben nur was ihnen in den Kram passt…..

#3 |
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Gast
Gast

jo jo jo was geht ab?

#2 |
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Wanderer
Wanderer

Für mich als sachkundiger für Lüftung und Filterung ist das Pseudowissenschaft,
denn der “Feinstaub” in geschlossenen Räumen besonders in Wohnungen ist immer höher als im Freien. Der Mensch produziert das selbst auch wenn er nicht raucht.
Weiterhin ist Feinstaub nicht gleich Feinstaub, ein noch wichtigeres Argument.
Und NOx ist ein Molekül und kein Feinstaub. Das sind also politisch gewünschte “Statistiken” ohne jeden Kausalitätszusammenhang.
Groteskerweise hat gerade die grüne Politik der Energiesparprogramme generell zu einer Verschlechterung der Wohnungslüftung geführt mit dem Ergebnis einer Steigerung der Feinstaubwerte in der Wohnung.

#1 |
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