Neuro-Enhancement: Dope dich zum Sieg

7. Februar 2017

Mit Neurostimulanzien verbessern Schachspieler ihre kognitive Leistung, berichten Pharmakologen aus Mainz. Gleichzeitig warnen sie davor, leistungssteigernde Substanzen einzunehmen. Denn unter Zeitdruck versagen die Wunderpillen ohnehin kläglich.

Pharmakologen wagten ein Experiment: Sie wollten wissen, welche Effekte verschiedene Stimulanzien auf die Konzentration haben. Bislang halfen beim „Königsspiel“ Schach vor allem Schlaf, Ernährung und Bewegung. Doch wie sieht es mit Molekülen aus, die bekannterweise als Neuroenhancer wirken? Dieser Frage ging ein Forscherteam der Universitätsmedizin, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, nach.

Gut gedopt

Prof. Lieb und Prof. Franke verglichen die Auswirkungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel, nämlich Methylphenidat oder Modafinil, mit frei erhältlichem Coffein. Für eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie rekrutierten sie 39 Schachspieler.

Ihre Probanden erhielten an vier verschiedenen Tagen zweimal 200 mg Modafinil, zweimal 20 mg Methylphenidat, zweimal 200 mg Coffein oder Placebos. Gewechselt wurde anhand eines Crossover-Designs. Nach der Medikation spielten die Teilnehmer gegen ein an ihre Stärke angepasstes, kommerziell erhältliches Schachprogramm.

Mehr Zeit, mehr Leistung

Die Ergebnisse überraschen: Unter Methylphenidat, Modafinil oder Coffein benötigten Spieler mehr Zeit, um nachzudenken und ihre nächsten Züge geistig vorzubereiten. Als Vergleich dienten Placebo-Pillen. Insgesamt untersuchten Forscher 3.059 Schachpartien unter Stimulantien-Gabe. Schachspiel-Leistungen wurden mit Methylphenidat und Modafinil nur verbessert, falls die Spieler nicht unter Zeitdruck standen beziehungsweise sich ihre Zeit selbst einteilen konnten.

„Die Ergebnisse zeigen erstmals, dass auch hochkomplexe kognitive Fähigkeiten, wie sie beim Schachspiel nötig sind, durch Stimulantien verbessert werden können. Offenbar sind die Probanden unter Stimulantieneinfluss eher in der Lage, Entscheidungsprozesse vertieft zu reflektieren“, sagt Studienleiter Andreas Franke. „Wir haben damit erste Hinweise, dass Doping im Schachsport durch die Stimulantien Methylphenidat und Modafinil möglich ist“, ergänzt Lieb.

Ihre Studienergebnisse müssten von anderen Arbeitsgruppen bestätigt werden, bevor Aussagen über das Doping-Potential möglich seien. Wegen der Risiken und Nebenwirkungen warnen beide Autoren vor der Einnahme.

18 Wertungen (4.67 ø)
Forschung, Pharmazie

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4 Kommentare:

Stefan Sluga
Stefan Sluga

Methylphenidat (in retardierter Formulierung) hilft sicherlich beim fokussieren, Modafinil und Coffein werden die Vigilanz beeinflussen. Dass das über eine Spieldauer von 5-6 Stunden durchgängig helfen soll, überrascht mich jedoch.
@ #1 Wenn man keine Ahnung hat,…
Die Eröffnung – die ersten (teils) 15 Züge und mehr – verlangt das memorisieren von mehreren tausend Stellungen. Die ‘richtigen’ kognitiven Anforderungen kommen im Rest der Partie zu tragen, wenn man im Geist etliche lange Zugfolgen fehlerfrei berechnen muss – ein Entscheidungsbaum der sich immer weiter und weiter verzweigt. Welches andere Attribut als “kognitiv” gehört diesen Fähigkeiten?

#4 |
  1

Das Problem bei anderen hochkomplexen geistigen Leistungen ist ja gerade, daß man dann auch unter Zeitdruck steht! Also sind diese Substanzen für ein sog. Neuro-Enhancement nicht geeignet!

#3 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Ich gebe Gast #1 Recht. Ich kante einen sehr guten Schachspieler, der sehr bescheiden im Geiste war.

#2 |
  3
Gast
Gast

Schachspielen ist keineswegs eine “hochkomplexe kognitive Fähigkeit”,
was ist daran “kognitiv”?
der Unterschied zwischen schwarz und weiss?

#1 |
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