Einweisung ins St. Futurus-Hospital

10. Februar 2017
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In Duisburg simuliert man das Krankenhaus der Zukunft. Bürokratische Arbeit wird dem Computer überlassen, damit Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten haben. Ein Chip-System soll die interne Kommunikation erleichtern, Abläufe optimieren und Überstunden vorbeugen.

Man könnte das Krankenhaus in seinem momentanen Zustand als Telefonzelle des Gesundheitswesens bezeichnen – funktionieren tut es, aber das System ist veraltet. Das bedeutet für Ärzte vor allem jede Menge Bürokratie. Die verdirbt vielen die Freude an der Arbeit und hält auf. Rund 70 Prozent der Klinikärzte beklagen, nicht ausreichend Zeit für die Behandlung von Patienten zu haben, wie eine Mitgliederbefragung des Marburger Bunds zeigte.

Kliniken hinken hinterher

Dabei wäre diese Art Mehraufwand in den meisten Fällen gar nicht (mehr) notwendig, würde man auf das gesamte Spektrum der technischen Möglichkeiten zurückgreifen, die heutzutage zur Verfügung stehen. Es herrscht Nachholbedarf in puncto Hospital Engineering – darunter verstehen Experten den Überbegriff für die Optimierung von Behandlungsabläufen sowie Personal- und Materialmanagement.

Die Tatsache, dass jedes fünfte Krankenhaus rote Zahlen schreibt, sei auf mangelnde Effizienz und fehlendes Bewusstsein für Verbesserungsbedarf zurückzuführen, heißt es in einer Pressemitteilung des Forschungsprojekts.

Die Zukunft durchspielen

In einem Duisburger Krankenhaus wird bereits jetzt so gearbeitet, wie es in der Zukunft idealerweise ablaufen könnte: Seit 2013 existiert dort das Hospital Engineering Labor im Fraunhofer-inHaus-Zentrum. Dabei handelt es sich um eine Testumgebung mit OP-Saal, Arzt- und Patientenzimmer, Reha-Bereich mit Trainingsgeräten und Lagerräume auf 350 Quadratmetern. Hier werden Prototypen eingesetzt, die in fünf oder zehn Jahren vielleicht schon den ärztlichen Alltag bestimmen werden.

Chip-System wird Standard

Früher oder später soll ein kleiner Technik-Sensor in tausenfacher Zahl Teil einer jeden Klinik-Ausstattung sein. Der sogenannte RFID-Chip funktioniert berührungslos mittels elektromagnetischer Wellen. Er wird häufig als Transponder anstelle von Schlüsseln genutzt oder dient als Schutz vor Diebstahl von Produkten in Shops.

 

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Einsatz von RFID-Chips zur berührungslosen Zugangskontrolle © Fraunhofer Institut

Jeder Mitarbeiter erhält einen solchen und trägt ihn während der Arbeitszeit bei sich. Auch alle Arbeitskittel und sämtliches OP-Besteck sind mit Chip versehen. Diese Technologie spielt im Versuchsmodell eine zentrale Rolle: Für alle Mitarbeiter soll auf diese Weise nachvollziehbar sein, wer und was sich gerade wo befindet. In den Bereichen Kommunikation und Dokumentation soll das zu einer spürbaren Entlastung der Arbeitskräfte führen.

Intelligente Fußböden und Tragegurte

Ein weiteres Feature der futuristischen Klinik sind intelligente Fußböden in Krankenzimmern: Wenn ein Patient im Badezimmer stürzt, sendet das System sofort ein Signal an den Pflegestützpunkt. An den Decken der Patientenzimmer sind Schienen mit Gurten angebracht, die beim Umlagern helfen. Die Gurte reagieren sensibel auf das Gewicht der Patienten und ziehen sich bei Nichtgebrauch automatisch in die Decke zurück.

 

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OP der Zukunft im inHaus-Zentrum in Duisburg © Fraunhofer Institut

OP-Berichte, die sich von selbst schreiben

Ein OP-Bericht kann zu einem großen Teil automatisch erstellt werden, denn wann welcher Mitarbeiter kommt und geht, wird vom System registriert. Käme noch eine Spracherkennungssoftware hinzu, die Kommentare während der OP aufzeichnen könnte, wäre überhaupt keine Berichterstattung nach dem Eingriff mehr notwendig und der Chirurg könnte sich umgehend um den nächsten Patienten kümmern.

Zudem lassen sich während einer OP häufig auftretende Fehler künftig eindämmen. Nach einem chirurgischen Eingriff kann das System kontrollieren, ob das OP-Besteck vollzählig auf seinem Platz ist. Durch den Sensor lässt sich rechtzeitig feststellen, wenn beispielsweise versehentlich noch ein Tupfer in der Bauchhöhle vergessen wurde.

Sparen an den richtigen Stellen

In der Summe sind kleine Zeitersparnisse von großer Bedeutung, das gilt vor allem auch für die Logistik. Mit einem praktischen Beispiel lässt sich gut nachvollziehen, wie umfangreich man neue Technologien nutzen kann: Ein Desinfektionsmittelspender, der seine Restfüllmenge digital anzeigt, die Daten an das Lager sendet und bei Bedarf eine Lieferung an die jeweilige Station in Auftrag gibt, erleichtert die Klinikroutine für alle Beteiligten enorm.

Hände gewaschen? Der Chip kennt die Wahrheit

Doch die Möglichkeiten der Vernetzung fangen damit erst an: Mithilfe von RFID kann ein Spender auch erkennen, welcher Mitarbeiter gerade vor ihm steht – und speichern, wieviel Desinfektionsmittel derjenige verbraucht hat. Dass Hygienevorschriften nicht eingehalten werden, ist ein weit verbreitetes Problem in Kliniken. Schon vor Jahren warnte das Bundesministerium, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 400.000 bis 600.000 Patienten an einer Infektion erkranken, die sie mangels ausreichender Hygiene der Mitarbeiter im Krankenhaus erworben haben. Bis zu 15.000 Menschen sterben jährlich an nosokomialen Infektionen.

Aus diesem Grund werden seit Anfang des Jahrtausends Handhygiene-Monitoring-Systeme entwickelt und sind, wenn bisher auch selten, bereits im Einsatz. Im Idealfall ist zukünftig jedes Krankenhaus mit dieser Art Kontrollmechanismus ausgestattet. Wenn ein RFID-Träger vorbeiläuft, ohne sich die Hände zu desinfizieren, kann der Spender direkt einen Warnton ausstoßen und den Mitarbeiter heranzitieren: Hände desinfizieren!

Unterstützung versus Überwachung

Zwischen dem heutigen Krankenhaus und dem skizzierten Szenario stehen keine technischen Hürden, sondern ausschließlich finanzielle und gesetzliche – und eine Menge Skepsis seitens der Mitarbeiter. Mehr Kontrolle und Einsicht über die internen Abläufe einer Klinik bedeuten auch weniger Privatsphäre für die Angestellten.

Kollegen befürchten, sich in wenigen Jahren in einer Situation wiederzufinden, in der sie unter permanentem Rechtfertigungsdruck stehen. Das wirft die Frage auf, welches Mitspracherecht die Ärzteschaft bei der Etablierung des smarten Krankenhauses haben wird oder haben sollte.

43 Wertungen (4.51 ø)

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26 Kommentare:

Dr. med. Brigitte Laschet
Dr. med. Brigitte Laschet

zum “Überstundenabbau” wird das neue Chip-System sicher nicht beitragen; denn wenn dadurch Zeit “gewonnen” werden wird, wird man dafür entsprechend Arbeitskräfte entlassen und das Überstundenproblem bleibt nach wie vor….

#26 |
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Gast
Gast

Zum Teil finde ich richtig gut, was dort steht. Gerade der Aspekt der Hygiene hat schon eine große Berechtigung. Wie oft sieht man Blutabnahmen oder Viggos legen, Verbandswechsel usw vom ärztlichen Personal ohne ausreichende Händehygiene vorher und nachher.
Oder Pflegepersonal, das vom blutenden Patient zum plötzlich Gestürzten eilt, um dann schnell zum Inkontineten läuft, der es dann doch nicht schafft und zwischendurch sich nicht die Hände desinfiziert, oder nur schnell, schnell. (Obwohl das Pflegepersonal in der Klinik in der ich arbeite augenscheinlich mehr und bedachter Hygienemaßnahmen durchführt und man abenteuerliches von Ärzten sieht.)
Sensoren im Boden um Stürze schneller festzustellen sind richtig praktisch, aber man muss natürlich auch Sturzrisiken minimieren durch genug Sitz- und Haltemöglichkeiten. Deckenlifter kann man auch gebrauchen. Chips zum Schutz vor Diebstahl oder unbefugten betretens.. gerne!
Aber dieser Kontrollaspekt gibt mir sehr zu denken. Klar vermeidet man evtl durchaus mehr Fehler, aber ich möchte mich ungern den ganzen Tag beobachtet fühlen bei allem was ich tue. Dann soll man besser schulen und mehr FACHpersonal einstellen, um die Maßnahmen auch fachlich korrekt durchzuführen

#25 |
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Gast X
Gast X

@Gast23: na wie gut dass es nicht um Glauben geht, sondern um Hygiene. Das Zimmer ist in der Regel auch nicht ansteckend, sondern der Patient. Bei Hygienemaßnahmen geht es nicht darum eine hirnlose Choreographie zu absolvieren, sondern ums Mitdenken. Es gibt durchaus manchmal Gegenstände die ein Isozimmer verlassen müssen. Wenn eine Schwester einen Gegenstand z.B. aus der Nasszelle holt, die der bettlägrige Patient nie betreten hat oder ein in einem speziellen Beutel auf einem desinfizierten Tisch zurechtgelegtes Laborröhrchen ist die Verbreitung von Keimen natürlich wesentlich unwahrscheinlicher als wenn ein Angehöriger eine Stunde lang am Bett sitzt und dem Patienten die Hand hält…

#24 |
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Gast
Gast

Das mit der Desinfektionskontrolle finde ich super! Wenn man mal erlebt hat, wie eine Schwester kurz ins Zimmer stürmt, was holt und wieder geht, wenn man sich selbst vorher wg. Ansteckungsgefahr “ganzkörperverhüllen” musste (Schuhe, Kittel, Mundschutz, Haarschutz usw.), fällt man vom Glauben ab…

#23 |
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Peter Klein
Peter Klein

P.Klein, Arzt
…die schlaumeierhaften Managementberater, die start uppers, die Betriebswirte und Apparatschiks haben längst das Ruder in d. Hand…, und von oben mit abnehmender Compliance bis nach unten Klakeure ob des Kaisers neuer Garderobe…
….von unten, re.und li. hört man ab und an von “Zwingzwang und Zwängerich”(H. Böll)
…gut dass es vorbei ist.

#22 |
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Ärztin

…..und wer glaubt, dass es unserem Gesundheitssystem besser geht wenn Menschen als Personal eingespart werden? Jeder eingesparte Mitarbeiter zahlt auch nicht ins Gesunheitssystem ein.
IT, denkt nicht quer und unterstützt das System weder mit genialen Einfällen am Parienten noch mit Einzahlungen ins Gesundheitssystem.
Ich bin mal gespannt was sich durchsetzen wird. Individualisierte Medizin oder Algorithmen. Das futuristische algorithmisch geführte Krankenhaus kann dem Ziel der individualisierten Medizin noch lange nicht genügen.

#21 |
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Gast
Gast

— begin Ironie —
An Hand des “Chips” kann man erkennen, wo sich der jeweilige Mitarbeiter (RFID-Träger) gerade im Haus befindet??
Sehr schön, dann kann der Personaler/Controller/Kaufmann an seinem PC gleich eine Software mitlaufen lassen, die ihn benachrichtigt, z. B. wenn der “RFID-Träger” mal länger als 1 min auf dem Stationsflur stehen geblieben ist. Bestimmt hat er dann nur privat gequatscht!

Welche nette Form der Arbeitsüberwachung.

Zudem lassen sich auch wunderbare Vergleiche ziehen: Dr. X benötigt bei seiner Visite durchschnittlich nur 1,25 min pro Drei-Bett-Zimmer.
Wieso braucht dann Dr. Y sage-und-schreibe ganze zwei Minuten pro Zimmer?
— end Ironie —

Die Technik, der Computer, die künstliche Intelligenz (AI) geben den (Arbeits-)Takt vor. Die Individualität der Mitarbeiter (und auch die der Patienten) bleibt aber auf der Strecke…

Effizient ist das Ganze dann, aber beschleunigt dieses System letztlich den Heilungsprozess des Patienten?

#20 |
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Gast
Gast

#14: Ja, Modernisierung ist gut, selbstverständlich. Eine weitere Digitalisierung und weniger Papierwirtschaft halte ich ebenfalls für sehr sinnvoll.
Allein das Wegfallen dieser leidigen Aktensucherei, um zu erfahren dass die Kurve gerade bei Stationssekretärin XY ist, die irgendwelche Scores auswertet ist ein Traum in den Häusern, die das schon überwiegend digital machen.
Allerdings wird in diesem Artikel eine Richtung vorgegeben, die ich für völlig unsinnig halte.
Priorität sollte sein, dass die vorhandenen Systeme stabil laufen, untereinander gut kompatibel sind und auch nach außen hin sicher.
Damit ist man glaube ich die nächsten Jahre wenn nicht Jahrzehnte vollauf beschäftigt.
Diese Ressourcen für Systeme die Mitarbeiter orten und Desinfektionsverbrauch zählen auszugeben, halte ich für unsinnig.
Und der Glaube, dass man die durch unser System bedingten roten Zahlen der meisten Kliniken beheben kann, erst recht.

#19 |
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Bisher hat jedes Versprechen, die Computerisierung würde den Arbeitsaufwand reduzieren, versagt. Siehe nur Arztbriefe, die heute einen Umfang und eine Detaillierung haben, dass man sie allenfalls überfliegen kann. Der Computer kann nämlich Wesentliches nicht vom Unwesentlichen unterscheiden.

#18 |
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Gast
Gast

Die letzte Frage lässt sich doch leicht beantworten.
Wofür braucht man überhaupt Ärzte.
Ökonomen,Techniker Hygieniker und Frau Apple und Herr google, natürlich just in time und immer online wissen eh alles besser.
Ich vergaß noch die Bildzeitung.

#17 |
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Chirurg
Chirurg

Der automatische Op-Bericht ist eine jedem Fachmann bekannte TODSÜNDE und reduziert den Informationsgehalt fast auf 0!!!

#16 |
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Gast
Gast

die Frage ist, ob “das Krankenhaus der Zukunft” besser oder schlechter wird.

Für mich völlig klar:
schlechter, denn es zwingt zum Abschalten des Denkens.

#15 |
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Rettungsassistent

IT ist nicht Selbstzweck – genau!

Die von Herr Heller (#1) und Gast (#11) beschriebene Problematik zeigt eher, dass eine größere Anstrengung in den Bereich von Nöten ist. Eine Entdigitalisierung, also zurück zu Stift und Papier oder bspw. manuelle Blutdruckmessung kann in einem modernen Gesundheitssystem nicht der Weg sein. Über 60% der Kosten in einem KH sind Personalkosten, diese würden weiter steigen, ohne einem Benefit für den Patienten.

Ich bezweifele, dass eine Technik allein eine Enthumanisierung erreichen kann (vgl. Einführung Telefon, E-Mail, What´s App o. ä.). Hier ist eher die Frage, wie jeder persönlich damit umgeht und welche Philosophie das jeweilige Haus (vor-) lebt.

Eine echte hausweite Digitalisierungsstrategie würde die von Frau Schuster (#6) aufgezeigte Problematik im Rahmen der Risikoanalyse aufgreifen und als zu lösendes Problem deklarieren. Der GF würde hier das wirtschaftliche und reputative Risiko vor Augen geführt.

Dafür bedarf es aber einer strategischen Entscheidung der GF und eine konsequente Umsetzung.

Zum Schluss:
Natürlich wird es Unbelehrbare / Punks / Rebellen / Systemprüfer geben, die das System aktiv unterlaufen und z. B. dreimal auf den Desispender drücken und sich die Hände nicht desinfizieren. Dies ist eine persönliche Einstellung des jeweiligen und dieses Menschliche wird auch bleiben.

#14 |
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Andrei
Andrei

vielleicht besser “Einweisung in St. Absurdus Hospital

#13 |
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Gast
Gast

@#7: Ein Stück Papier ist eher unauffindbar oder bei jemand anderem in Bearbeitung, unleserlich und möglicherweise auch noch falsch bekritzelt. Also alle Nachteile einer rein digitalen Verwaltung und noch mehr oben drauf :)

#12 |
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Gast
Gast

Ich begrüße jeden Vorstoß, die dröge Dokumentations- und Unterschriftenarbeit in der Klinik durch Computer machen zu lassen.

Dass die EDV in den meisten Kliniken verbesserungswürdig ist, ist allgemein bekannt und kein Problem der IT an sich. Die IT-Abteilungen sind unterbesetzt, die Software in den Krankenhäusern ist Müll (ebenso die Software in den Medizingeräten). So ist das halt, wenn man sich in IT-fernen Branchen aufhält. Aber das kann alles besser werden, wenn es besser werden muss. Dauert nur Jahrzehnte :)

#11 |
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Gast
Gast

Es ist ja jetzt schon in vielen Kliniken nicht möglich die EDV 24/7 lückenlos, fehlerfrei und ohne Störungen zu betreiben. Ständig heisst es “dies ohne jenes funktioniert nicht bis zum Update” oder “das System muss für soundsolange wegen Wartungsarbeiten oder System-updates offline, bitte verfassen sie solange alle Briefe handschriftlich…” oder “aufgrund eines Stromausfalles vor 2 Tagen funktioniert dieses oder jenes Programm immer noch nicht fehlerfrei, wir arbeiten daran…” Hand aufs Herz wer kennt solche Probleme nicht und verflucht nicht jetzt schon unsere Abhängigkeit von der EDV. Nicht auszudenken wenn so elementare Dinge wie Essen austeilen, Medikamente stellen oder Bettenputzen einfach nicht mehr funktionieren bis am Montag um 8 Uhr die Kollegen der EDV-Abteilung endlich aus dem Wochenende kommen… und dann sind keine Menschen mehr da die einspringen… die wurden entlassen… sollen dann die Ärzte bei Stromausfall die Zimmer putzen??

#10 |
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Das FUTURUS-Krankenhaus muss noch viel für die Zukunft lernen.

#9 |
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Dr. med. Alexander Rösiger
Dr. med. Alexander Rösiger

Ein schöner Erfolg der Enthumanisierung. Jetzt fehlen nur noch jene Roboter, die das fehlerbehaftete menschliche Personal ersetzen und der Patient fühlt sich endlich (!) rundum kompetent versorgt.
Im Wege steht da einzig noch die Psyche der Spezies homo, aber die kriegen wir auch noch mechanisiert und dann klappt immer alles wie am Schnürchen.

Dr. Alexander Rösiger, Pädiater

#8 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

IT ist nicht Selbstzweck, oder doch?

Man kann viel, man kann fast alles steuern. Problem sind nach wie vor die User. Die Kluft zwischen Entwicklern und den Anwendern, die ja normalerweise auch noch was anderes zu tun haben, als sich mit genialen Programmen zu befassen, wird immer größer.

Ich muß feststellen, daß bei mir im Krankenhaus schon die Patientenaufnahme vergeigt und zum Operateur falsch weitergeleitet wurde. Und in den Praxen kann das Personal die Rechner meistens nicht wirklich bedienen. Meine fehlerhafte “Einpflegung” wurde klar, als ich von den zwei etwas bedröppelt guckenden Ärzten nach der OP gefragt wurde, ob ich schon einmal pflegebedürftig gewesen sei… nein? Ach ja… (glücklicherweise keine Fehlamputation, man hat ja nur eine Prostata zum Auskratzen). Mein 10 Jahre älterer Namensvetter ist letztes Jahr gestorben; Todesanzeige, da wurde mir die seltsame Frage am Krankenbett klar….

Ein Stück Papier ist UNERSETZBAR.

#7 |
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Ärztin

Gott bewahre uns vor dem Hackerangriff auf das System.Und, abgesehdn von der Entmenschlichung des totalen Überwachungskrankenhauses: Wer bezahlt dieses System? Wer managt das Haus bei Stromausfall? Wir hatten Weihnachten einen Strom – und Notstromausfall. Die Patienten der Intensivstation mussten alle Notfallverlegt werden. Schnell! Wie soll das im noch weiter Personalreduzierten Krankenhaus funktionieren?

#6 |
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Gast
Gast

Stetige Überwachung auf Schritt und Tritt, wo ich wann bin, wie lange ich auf der Toilette war, etc. pp.?
Na vielen Dank. Ein Glück lässt eine solche Überwachung der Gesetzgeber nicht zu und schützt hier die Mitarbeiter.
Inwiefern es Bürokratie verringern soll, dass man immer weiß wer wo ist, ist ohnehin eine andere Frage.
Und eine Statistik, wie viel man die Hände desinfiziert hat? Gemein gesagt: wenn ich mir meine Hände nicht desinfizieren will und eine Mahnung bekomme, mehr zu verbrauchen, dann drücke ich halt drei mal extra auf den Spender und das Mittel landet auf dem Boden. Anstatt dessen sollte man dieses Geld lieber darin investieren, gut auszubilden und dafür zu sorgen, dass jeder den Sinn der Händedesinfektion versteht und auch z.B. genug Zeit für die Einhaltung des Hautschutzplanes hat.
Ob eine lückenlose Überwachung und Kontrolle motivierte Mitarbeiter ersetzt oder ob es sie eher verjagd, muss wohl jeder für sich wissen.
Ich würde in einer derart dystopischen Umgebung nicht freiwillig arbeiten…

#5 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

es läuft immer wieder nur auf Spareffekte mittels Technik hinaus (.Da wird das Geld mit vollen Händen ausgegeben)
u.Entmenschlichung der Krankenbetreuung u. Sparen am Pflegepersonal im weitesten Sinne ..
CHIP-Kontrolle zum Händewaschen—-Esmog/ RFID bis zum Umfallen ..Ärztekittel .usw. toll-Ha, ha, ha……
quo vadis ….. piep, piep Robodokterchen ?

#4 |
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Stefan Meyer
Stefan Meyer

Klingt viel zu schön um war zu werden. Die Einstellung unserer Mediziner zu diesem Thema habe ich schon aus anderen Artikeln erfahren und das wurde auch vorsichtig im Bericht angesprochen.
Als Patient kann ich dieser Lösung nur zustimmen!!! Da ich selbst betroffener bin und bis Mitte Januar mehrmals in einem KH gelegen habe, bilde ich mir schon ein, zu diesem Thema einige Hinweise beisteuern zu können.
Fakt ist eins, die ungenügende technische Ausrüstung wird auf den Rücken der Ärzte und Schwestern ausgetragen.
Beispiel: Ich wurde am Dienstag aus dem KH entlassen, musste am Freitag wieder einziehen. Es erfolgte eine nochmalige Erfassung aller meiner Daten wie Medikamente, Vorerkrankungen usw. Alles zum größten Teil per Hand geschrieben.
Vor lauter Dokumentatierungspflichten bleibt ein Teil der eigentlichen Arbeit auf der Strecke. Dazu kommt der Zwang an der Personalkosten schraube zu drehen bis eine Nachtschwester für 60 Kranke verantwortlich ist.
Für mich unvorstellbar und verantwortungslos von den Verantwortlichen, so etwas von ihrem Personal zu verlangen.
Aber das ist anscheinend nur die Spitze von einem Eisberg, den unsere Politiker nicht sehen wollen.
Der Umgang mit dem Personal in den Chemnitzer KH ist sowieso sehr kurios.
Auf der einen Seite wird gutes Personal gesucht, auf der anderen Seite bekommen diese Leute Arbeitsverträge über ein halbes oder ein Jahr und können sich dann neu bewerben nach Ablauf dieser Frist.
Ich kenne mehrere junge, gut ausgebildete und motivierte Krankenpfleger, die man auf diese Weise in andere Bundesländer gedrängt hat. Unsere Regierung schaut zu und gibt ein paar nichtssagende Phrasen von sich, dass es doch sonderbar ist, dass gut ausgebildete junge Menschen in den Westen verschwinden und ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Ist für mich verständlich.
Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass es zu einem übergreifenden Prozess kommen muss, wo sich Fachleute mit diesem Thema der Vernetzung in KH befassen und mit Einbeziehung und Unterstützung der Ärzteschaft und dem Personal diese Problematik endlich einmal richtig angehen und zum Erfolg führen.
Das Potenzial dafür ist in Deutschland vorhanden. Allerdings auch die Lobby, welche solchen Einfluss hat, dass jegliche fortschrittliche Entwicklung bisher verhindert werden konnte.
Ich habe absichtlich “Fachleute” gesagt und keine Politiker, denn wenn unsere Politiker das in die Hände nehmen, dann sehe ich für diese Probleme in den nächsten 10 Jahren keine Lösung (siehe Flugplatz Berlin).

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Dr.med Klaus Schwarzmaier
Dr.med Klaus Schwarzmaier

Schöne neue Welt!!
Wer glaubt denn noch daran, daß noch mehr Technik viel mehr hilft?
Schon nach dem zweiten Fehlalarm durch den “fallsensiblen” Fußboden wird die Anlaufgeschwindigkeit des Personals – die müssen ja alle liegen und stehen lassen- duetlich abnehmen.
Ein riesen technischer Aufwand sagt mir “Du, du, du,- du hast zu wenig Desinfektionsmittel gedrückt!!” Dabei ist der Spender wieder einmal kaputt und tropft und…
Es ist wie mit dem Salz in der Suppe: Viel hilf viel!!–nein.
Soviel Technik wie nötig, – so wenig wie möglich.
Der Satz gilt für fast alles in der Medizin.
Aber es ist ja auch möglich, daß ein gutwilliger, nicht industriegetriebener Mensch herausfindet, daß eine geplante Neuerung weniger hilft sondern mehr stört als erwartet. Dann soll es so sein

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Betten, die nicht mehr durch Pflegekräfte aufbereitet werden und bezogen werden müssen sondern durch Roboter, schneller und effektiver.
Abräumen der Mahlzeiten, Transport in die Spülküche und Aubereitung des schmutzigen Geschirrs.
Zimmerreinigung, Medikamente stellen etc.
Alles Tätigkeiten, die in der Industrie bereits von Robotern gemacht werden, weil kostengünstiger und besser.
Leider fehlt in den Krankenhäusern immer noch das richtige Management. Es wird noch zuviel nach altem Muster “verwaltet”. (und gejammert)

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