Pädiatrie: Genmutation ist des Tumors Schmied

30. Januar 2017
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Das Immunsystem ist neben der Abwehr von Erregern für die Unterdrückung von Tumoren verantwortlich. Bei Kindern, die Träger einer neu entdeckten Genmutation sind, ist die anti-tumorale Immunität geschwächt. T-Zellen sind dadurch nicht adäquat ausgereift und in ihrer Funktion gestört.

Immungeschwächte Patienten neigen stärker zu Infektionen und besitzen zudem ein erhöhtes Risiko an Tumoren zu erkranken.

Um hier therapeutisch eingreifen zu können, ist es von entscheidender Bedeutung, die beteiligten Signalwege zu verstehen. Münchner Forschern ist es gelungen, einen neuen angeborenen Immundefekt zu identifizieren und die mit ihm verbundene Neigung zur Entstehung von Tumoren zu untersuchen.

Assoziation mit Epstein-Barr-Viren

Die Arbeitsgruppe um Prof. Christoph Klein im Dr. von Haunerschen Kinderspital hat im Rahmen der internationalen Care-for-Rare Alliance bei Kindern aus dem Nahen Osten und aus Südamerika Mutationen in einem Gen namens CARMIL2 identifiziert. Die Patienten fielen auf, da sie an vielen Stellen im Körper Tumoren der glatten Muskelzellen entwickelten, die mit Epstein-Barr-Viren (EBV) assoziiert waren.

Die T-Lymphozyten der Patienten weisen eine Störung in einem Signalweg auf, welcher durch Aktivierung des Oberflächenmoleküls CD28 initiiert wird. Dies führt dazu, dass die T-Zellen der Patienten nicht adäquat ausreifen und in ihrer Funktion gestört sind. Das betroffene Gen spielt zudem eine wichtige Rolle in einer weiteren Aufgabe der Immunzellen: es wird für die Beweglichkeit und zielgerichtete Wanderung benötigt. Entsprechend weisen die Lymphozyten der Patienten eine Störung der Polarität und des Migrationsverhalten auf.

Effektive T-Zellanwort ist wichtig

Der CD28-Signalweg ist eine therapeutische Zielstruktur. Im Rahmen der Immun-Checkpoint-Blockade hemmen neue Medikamente hemmende Einflüsse und steigern so die anti-tumorale Immunität. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass eine effektive T-Zellantwort wichtig ist, um die Entstehung von seltenen EBV-assoziierten Tumoren zu unterdrücken.

„Ich freue mich, dass es unserem interdisziplinären Team gelungen ist, die Ursachen dieser neuen Erkrankung aufzuspüren. Das Wissen um Krankheitsursachen und -mechanismen ist sehr wichtig, um neue Therapien für Kinder mit lebensbedrohlichen Erkrankungen zu entwickeln. Das ist unser Auftrag in der universitären Pädiatrie!“, sagt Dr. Tilmann Schober, der gemeinsam mit Dr. Thomas Magg Erstautor der Studie ist.

Originalpublikation:

A human immunodeficiency syndrome caused by mutations in CARMIL2
T. Schober et al.; Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms14209; 2017

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