Prävention: Am Anfang war der Apotheker

27. Januar 2017
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Mit einer neuen Studie wollen Apotheker zeigen, dass sie Menschen mit Schlaganfallrisiko frühzeitig identifizieren können. Beim Thema Diabetes konnten sie apothekerliche Präventionsleistungen bereits erfolgreich unter Beweis stellen. Den Gesetzgeber interessiert das kaum.

Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Allein in Deutschland leiden etwa 300.000 Menschen daran. Kardiologen schätzen, dass 70 Prozent aller Vorhofflimmer-Attacken unbemerkt bleiben. Patienten leiden an unerklärlicher Müdigkeit, an einem starken Leistungsabfall oder an Schlafstörungen. Zum Arzt gehen sie oft viel zu spät. Genau hier setzt ein apothekerliches Projekt an.

„Ihre Minute gegen den Schlaganfall“

„Aachen gegen den Schlaganfall“ ist ein Projekt, das vom Team des Uniklinikums der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule (RWTH) Aachen gemeinsam mit dem regionalen Apothekerverband ins Leben gerufen wurde. Ziel ist, herauszufinden, welchen Vorteil ein Screeningprogramm in der Praxis bringt. Die Tests laufen noch bis zum 25. Februar. Im Fokus stehen Personen ab 65 Jahren. Bei ihnen messen Apotheker den Puls über einen sogenannten EKG-Stab, den Teilnehmer in beiden Händen halten. Die Auswertung erfolgt vollautomatisch.

Leuchtet ein grünes Licht auf, bestehen keine Anhaltspunkte auf Vorhofflimmern. Bei einem roten Signal sollte sich der Kunde ärztlich untersuchen lassen. Die Messung dauert lediglich 60 Sekunden – daher der Slogan „Ihre Minute gegen den Schlaganfall“.

Gute Ergebnisse, wenig Support

Dass Apotheker mit niedrigschwelligen Angeboten Patienten gut erreichen, ist nicht neu. Schon bei der GLICEMIA-Studie konnten sie belegen, dass Prävention auch in der Offizin funktioniert. Erstmals wurde die Umsetzbarkeit und Effektivität eines apothekenbasierten Programms zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes untersucht. Durch die Ansprache von Kunden mit dem FINDRISK-Fragebogen gelang es, gezielt Risikopersonen zu rekrutieren. Sie mussten mindestens 35 Jahre alt sein und ein erhöhtes Diabetes-Risiko (FINDRISK ≥ 7) haben. Primärer Endpunkt war die Änderung des Risiko-Scores.

Die Präventionsbetreuung führte zu einer subjektiven und objektiven Verbesserung des Gesundheitszustands in der Interventionsgruppe mit apothekerlicher Beratung. Jeder fünfte übergewichtige Proband verlor klinisch relevant Gewicht. Jeder dritte bis vierte Teilnehmer erreichte 10.000 Schritte pro Tag, und jeder zweite bis dritte Teilnehmer konnte sein Diabetesrisiko verringern. Auf die flächendeckende Umsetzung von Präventionsangeboten inklusive Honorar warten Kollegen nach wie vor.

6 Wertungen (4.83 ø)

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7 Kommentare:

Ärztin
Ärztin

Ich habe auch nie behauptet, dass jemand mit einem abgeschlossenen Pharmaziestudium bereits ein fertiger Apotheker ist oder über genug medizinisches Fachwissen verfügt um die medikamentöse Behandlung eines Patienten eigenmächtig durchzuführen. Ebensowenig wie jemand mit einem abgeschlossenen Medizinstudium bereits ein fertiger Facharzt ist …es müsste sich auch am Medizinstudium einiges ändern, wir Mediziner hinken in der Pharmakologie oft gewaltig hinterher und könnten tatsächlich oft pharmakologische Beratung im Klinik- oder Praxisalltag gut gebrauchen aber darum geht es doch gar nicht.
Es geht mir darum insgesamt die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu verbessern und ich kann nicht verstehen warum auf ein einfaches Screening in der Apotheke gleich so heftig reagiert wird. Die Feststellung ob ein Patient nun an VHF leidet und tatsächlich (je nach CHA2DS2-VASc-Score) diesbezüglich behandelt werden sollte oder nicht trifft ja trotzdem noch der Arzt nachdem er die Verdachtsdiagnose durch weitere Untersuchungen gesichert hat. Es ist ja nicht so als ob der Apotheker bei positivem Screening dem Patienten sofort ungefragt eine Packung Marcumar in die Hand drücken würde…

#7 |
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Gast
Gast

Frau Kollegin jetzt,mal ganz ehrlich: Das Pharmaziestudium in unserem Lande gibt das einfach nicht her. Ein Pharmazeut ist kein Apotheker, zum Apotheker wird man erst in der Apotheke!
Zusammengefasst können Sie als frischer Pharmazeut nix als Analysen kochen und über theoretische Dinge fabulieren.
Die Ausbildung muss sich drastisch ändern, weg vom verkopften hin zum praxisorientierten Studium.

#6 |
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Ärztin
Ärztin

Nana, nicht gleich so heftig liebe Kollegen. Wenn es um Schlaganfälle geht ist nun einmal Prävention alles. Wir wissen alle wie leicht ein paroxysmales Vorhofflimmern übersehen werden kann. Ein Standard-EKG ist nun einmal eine Momentaufnahme von nur wenigen Sekunden. Und in den Praxen kann man ja schließlich auch nicht flächendeckend bei jeder Gelegenheit Langzeit-EKGs durchführen. Ein Screening von einer Minute schadet niemandem, die Frage ist vielmehr: Wer finanziert das? Und warum finanziert man es nicht gleich für die Arztpraxis? (ich bin sicher jeder der regelmäßig eine Apotheke aufsucht geht auch regelmäßig zum Arzt, irgendwo muss ja das Rezept herkommen…)
Generell möchte ich anmerken dass es uns Medizinern und Pharmazeuten gut anstehen würde etwas wertschätzender und enger zusammenzuarbeiten, so ließe sich in vielen Fällen die Patientenversorgung deutlich verbessern (siehe dieses Problem: http://news.doccheck.com/de/159430/polypharmazie-kuerzungen-zum-wohle-der-rentner/ ). In Taiwan führen zum Beispiel die in den Kliniken angestellen Krankenhausapotheker Stationsbegehungen durch und nehmen an Fallvorstellungen Teil um die medikamentöse Behandlung Hand in Hand mit den Ärzten zu optimieren.
Ich kann mich auch noch an Kliniken hier mit eigener Hausapotheke erinnern, deren Apotheker von den Stationsärzten jederzeit zur Beratung angerufen werden konnte… das haben wir uns von unserem kaputten System alles wegsparen lassen, zum Nachteil für uns und unsere Patienten…

#5 |
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Gast
Gast

Unfassbar. Sollen die Apotheker beim Pillendrehen und Kaffetrinken, Sodaauszug-Kochen und Inko-Beauftragtem bleiben und uns Ärzten nicht ins Handwerk pfuschen!
Ich rühre ja in meinem Keller auch keine Salben an!

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Gast
Gast

Niedrigschwelliger wäre es dann aber, einen solchen Stab einfach in einen Supermarkt zu stellen. Wenn da sowieso nur ein Licht leuchtet, braucht man keinen Apotheker dafür.
Umgekehrt leuchtet es mir nicht ein, warum gerade ein Apotheker auf Krankheiten screenen sollte…

#3 |
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Gast
Gast

Schuster bleib bei deinen Leisten!

#2 |
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Apotheker

DIE ÜBERWACHUNG VON MEDIKAMENTEN INTERESSIERT KEINE SAU
NEBENWIRKUNGEN KENNT KEIN MENSCH
ANZEICHEN VON ERKRANKUNGEN WERDEN OFT ÜBERSEHEN
LABORWERTE FALSCH INTERPRETIERT
BMW MACHT ES BESSER
W: ENDRES APOTHEKER PFREIMD

#1 |
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