„Ich nehme das, was der Hund hatte.“

24. Januar 2017
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Veterinärarzneimittel haben ihre Wurzeln häufig in der Humanmedizin. Forscher gehen jetzt den entgegengesetzten Weg: Masitinib, ein Tyrosinkinase-Hemmer, der bei Mastzelltumoren des Hundes zugelassen ist, hilft auch Menschen.

Bei Hunden sind etwa 20 Prozent aller Hauttumoren beziehungsweise sechs Prozent aller Tumoren Mastzelltumoren. Die mittlere Überlebenszeit beträgt bei bösartigem Verlauf vier Monate, bei gutartigem dagegen mehr als zwei Jahre. Warum Hunde derart stark betroffen sind, lässt sich nicht sagen.

Achillesferse C-KIT

Mutationen des Gens für den Stammzellfaktor-Rezeptor (C-KIT) spielen eine entscheidende Rolle. Sie führen dazu, dass nicht nur mehr Mastzellen entstehen. Auch deren Lebensdauer verlängert sich. Bei Hunden ist neben anderen Therapien Masitinib (Masivet) zur Behandlung inoperabler, fortgeschrittener Mastzelltumoren mit C-KIT-Mutation zugelassen. Masitinib hemmt in vitro selektiv mutierte Formen der C-Kit-Tyrosinkinase. Haben Tiere Tumoren der Grade 2 und 3 ohne Metastasen, vergrößerte sich die mittlere Überlebenszeit dadurch von 75 auf 118 Tage. Erhielten sie den Arzneistoff bereits zur Erstbehandlung, waren es 253 Tage. In einer veterinärmedizinischen Zulassungsstudie wurde die Zeit bis zur neuerlichen Progression von 83 auf 241 Tage verlängert.

Vom Tier zum Menschen

Menschen erkranken weitaus seltener an einer Mastozytose. Die Inzidenz liegt bei weniger als zehn Neuerkrankungen auf eine Million Personen. Aggressive Verlaufsformen oder Mastzell-Leukämien sind zwar selten. Allerdings führt die Erkrankung zu starken Einschränkungen der Lebensqualität. Zu den Symptomen zählen vor allem Müdigkeit und Depressionen, aber auch Pruritus beziehungsweise Flushes. In einer von AB Science finanzierten Studie zeigt Olivier Hermine aus Paris, dass Patienten vom Tierarzneimittel profitieren.

Weniger störende Symptome

Hermine rekrutierte 135 Patienten mit Mastozytose. Sie erhielten randomisiert 24 Wochen entweder Masitinib oder ein Placebo. Als primären Endpunkt definierte Hermine den 75-prozentigen Rückgang aller Symptome. Unter Verum erreichten 18,7 Prozent dieses Ziel, unter Placebo waren es nur 7,4 Prozent. Besonders häufig kam es zu Durchfall (11 versus 2 Prozent), seltener zu Urtikaria (3 versus 0 Prozent). Lebensbedrohliche Ereignisse traten nicht auf.

Mittlerweile hat der Hersteller bei der European Medicines Agency (EMA) sowie bei der US Food and Drug Administration (FDA) einen Zulassungsantrag eingereicht. Sein Präparat erhält dabei einen Orphan-Drug-Status.

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Forschung, Pharmazie

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