AML-Mutation: T-Lymphozyten gesellen sich dazu

18. Januar 2017

Forscher bewerteten eine neue, aggressive Form der akuten myeloischen Leukämie (AML). In dieser sind nicht nur die Blutzellen, sondern auch die T-Lymphozyten mutiert. Betroffene benötigen deshalb eine Stammzelltransplantation, eine Chemotherapie reicht nicht aus.

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben eine vor kurzem entdeckte neue Blutkrebsart charakterisiert. Sie haben ihre genetischen Eigenschaften sowie ihren Ursprung beschrieben und herausgefunden.

Zudem waren die Experten maßgeblich an einer Studie beteiligt, die ein Online-Rechensystem für Leukämiepatienten hervorgebracht hat.

Neue Form der akuten Leukämie

Das Team um Professor Dr. Michael Heuser, Dr. Felicitas Thol und Sabrina Klesse fand heraus, dass bei Patienten mit der neuen Form des Blutkrebs eine Chemotherapie nicht ausreicht. Sie benötigen zusätzlich eine Stammzelltransplantation. „Denn nach einer Chemotherapie verbleibt die Blutbildung im sogenannten CHIP-Stadium, aus dem sich mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder Blutkrebs entwickelt“, erläutert Professor Heuser.

Die Wissenschaftler der MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation forschen unter der Leitung von Professor Dr. Arnold Ganser. Bei der neuen Blutkrebsart handelt es sich um eine Form der Akuten myeloischen Leukämie (AML), der die Forscher den Namen „AML mit lympho-myeloischer klonaler Hämatopoese“ gegeben haben. Bei ihr sind nicht nur die Blutzellen, sondern auch T-Lymphozyten des Immunsystems von einer bestimmten Mutation betroffen.

Wichtiger Schritt für die individualisierte Therapie

Schon vor einigen Jahren hatten die Wissenschaftler diese Mutation in AML-Patienten festgestellt. „Nun können wir besser verstehen, warum die Therapie dieser Patienten so schwierig ist“, sagt Thol.

Die Forscher haben darüber hinaus zu einer weiteren Studie beitragen können. Darin entwickelten Wissenschaftler aus Cambridge und Ulm ein System, mit dem online Nutzen und Risiken einer Stammzelltransplantation für jeden einzelnen AML-Patienten errechnet werden können. „Diese Arbeit ist ein wichtiger weiterer Schritt auf dem Weg zur individualisierten Therapie“, sagt Ganser.

Originalpublikation:

Precision oncology for acute myeloid leukemia using a knowledge bank approach
Moritz Gerstung et al.; Nature Genetics, doi: 10.1038/ng.3756; 2017

11 Wertungen (4.82 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.



Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: