Diabetesrisiko: Limo erfrischt nicht

30. November 2010
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Wer regelmäßig zuckerhaltige Getränke trinkt, hat ein erhöhtes Risiko, an Typ-2-Diabetes und am metabolischen Syndrom zu erkranken: Bereits ein bis zwei Gläser täglich steigern das Risiko für Typ-2-Diabetes um 26 und für das metabolische Syndrom um 20 Prozent.

Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Meta-Analyse von Wissenschaftlern der Harvard School of Public Health. Sie liefert erstmals die empirische Evidenz, dass gezuckerte Softdrinks ein potenzielles Risiko darstellen – auch für Zahngesundheit und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Sie sollen erfrischen, neue Energie bringen und natürlich, fast hätten wir es vergessen, Durst löschen: Limonaden, Fruchtsaftgetränke, Energydrinks, Vitaminsäfte, Eistees & Co. Diese Liste ließe sich problemlos um einiges verlängern, denn die Palette der Softdrinks ist inzwischen breit gefächert. Doch einerlei welches der zahllosen “weichen Getränke” konsumiert wird, sie haben alle eines gemeinsam – sie enthalten Zucker. Und das verleiht ihnen einigen gesundheitlichen Sprengstoff, wie nun eine aktuelle Studie an der Harvard School of Public Health zeigte. Ob Fruktose, Glukose, Maissirup oder Fruchtsaftkonzentrate: Die metabolischen Effekte sind fatal.

Softdrinks boomen weltweit

Rund um den Globus erfreuen sich zuckerhaltige Durstlöscher, sugar-sweetened beverages (SSB), stetig wachsender Beliebtheit. So hat sich deren Konsum in den USA von den späten 70er Jahren bis 2006 auf mehr als das Doppelte erhöht – und damit die durchschnittliche Kalorienaufnahme durch Softdrinks von ehedem 64 auf 142 Kilokalorien täglich. Besonders ausgeprägt ist der Boom in aufstrebenden Schwellenländern wie Indien oder China. Laut dem Jahresbericht des Coca-Cola-Konzerns stieg der Absatz dessen Softdrinks im Jahr 2007 in Indien um 14 und in China um 18 Prozent.

Ein überaus problematischer Trend, wie aus den Ergebnissen der ernährungswissenschaftlichen Meta-Analyse von Dr. Vasanti Malik und seinem Team hervorgeht. “Eine Reihe von prospektiven epidemiologischen Studien belegte bereits, dass zwischen Gewichtszunahme, Übergewicht sowie Adipositas und dem Konsum zuckerhaltiger Softdrinks ein direkter Zusammenhang besteht”, so Studienleiter Dr. Malik. Dieser existiert auch hinsichtlich eines erhöhten Risikos für Typ-2-Diabetes und dem metabolischen Syndrom. Untersuchungen erbringen auch hierzu nach den Worten des Bostoner Ernährungswissenschaftlers eine “wachsende Evidenz”.

Schädlich auf vielen Ebenen

Einer der Knackpunkte der SSB ist ihr hoher Gehalt an schnell resorbierbaren komplexen Kohlenhydraten wie Glukose und Fruktose. Diese steigern zum einen das Risiko, an Typ-2-Diabetes und dem metabolischen Syndrom zu erkranken, da sie die Entwicklung von Übergewicht begünstigen. Zum anderen erhöhen sie laut Dr. Malik “die glykämische Last, was zu Glukoseintoleranz, Insulinresistenz und einer gestörten Funktion der Beta-Zellen führt”. Zudem erhöhen sich die Konzentrationen inflammatorischer Marker wie beispielsweise dem C-reaktiven Protein.

Doch in den gezuckerten Drinks, so Dr. Maliks Teamkollege Prof. Dr. Frank Hu, lauern noch weitere Gefahren: “Durch die metabolischen Effekte der SSB kommt es auch zu Bluthochdruck und zur vermehrten Anlagerung von Viszeralfett”. Auch letzteres birgt, wie inzwischen in mehreren Studien nachgewiesen wurde, eine enorme gesundheitliche Gefahr. Längst nicht alles, was zuckerhaltige Drinks anrichten. Laut Prof. Hu steigern sie darüber hinaus die hepatische Lipogenese, was sich in einer Erhöhung von Triglyzeriden und LDL-Cholesterin niederschlägt. Demgegenüber sinken die Konzentrationen an HDL-Cholesterin. Wie schädlich sich die Synergie all dieser Effekte auswirkt, führt nun die Meta-Analyse der Harvard-Wissenschaftler vor Augen. Sie liefert “erstmals einen vollständigen Überblick über das Ausmaß des Risikos und seiner hohen Evidenz”, so Dr. Malik.

“Relevanter Risikofaktor…”

Für die Meta-Analyse analysierte Dr. Maliks Team die Daten von elf Studien – acht davon hatten den Zusammenhang von SSB und Typ-2-Diabetes untersucht, die anderen drei den Zusammenhang von SSB und dem metabolischen Syndrom. Die acht Diabetes-Studien umfassten insgesamt 310.819 Teilnehmer und 15.043 Fälle von Typ-2-Diabetes. Die drei Studien zum metabolischen Syndrom waren mit insgesamt 19.431 Probanden und 5.803 Krankheitsfällen durchgeführt worden. “Die Kohorten schlossen weibliche und männliche Erwachsene weißer wie schwarzer Hautfarbe, sowohl aus den USA wie unter anderem auch aus Finnland, Singapur und China ein”, so Prof. Hu. Bei den Diabetes-Studien betrug das gepoolte relative Risiko (RR) 1,26 (1,12 – 1,41). Bei den Studien zum Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom lag das gepoolte RR bei 1,20 (1,02 – 1,42). Die Auswertung der Daten ergab, dass der Konsum von einem oder zwei Gläser zuckerhaltiger Getränke täglich das Risiko für Typ-2-Diabetes um 26 Prozent erhöht. Das Risiko für das metabolische Syndrom steigt durch ein bis zwei Gläsern am Tag um zwanzig Prozent. Die Flüssigkeitsmenge eines Glases war dabei jeweils festgelegt auf 200 Milliliter.

Gezuckerte Getränke, so das Fazit der Wissenschaftler der Harvard School of Public Health, sind mithin ein relevanter ernstzunehmender Risikofaktor. Zumal der häufige Konsum von SSB laut Dr. Malik “auch als Marker für eine generell ungesunde Ernährungsweise mit einem hohen Anteil an Transfetten, gesättigten Fettsäuren und wenig Ballaststoffen gesehen werden kann”. Das Risiko, das von zuckerhaltigen Getränken ausgeht, lässt sich jedoch einfach modifizieren: Indem zu gesunden Alternativen wie Wasser oder ungesüßten Kräutertees gegriffen wird, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken.

Den Genuss von SSB zu reduzieren und möglichst ganz zu meiden, hat entscheidende Auswirkungen auf das gesundheitliche Risikoprofil. Nicht nur wegen des deutlich erhöhten Risikos für Übergewicht, Adipositas, Typ-2-Diabetes und das metabolische Syndrom, “sondern auch in Bezug auf kardiovaskuläre Erkrankungen, Gicht und Zahnschäden”, so Dr. Malik. Gründe genug, verstärkter für den Verzicht auf zuckerhaltige Getränke zu appellieren – die Volksgesundheit wird es danken.

101 Wertungen (4.49 ø)
Medizin

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8 Kommentare:

Altenpfleger

Ich glaub’ ich bin im falschen Film. Wie kann man über so triviale Selbstverständlichkeiten überhaupt diskutieren? Man sollte doch aufgeklärt genug sein, um das üble Zeug im Regal vermodern zu lassen. Es sei denn, man möchte wirklich krank werden.

Wer möchte das? Bitte melden.

#8 |
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Birgit Lössin
Birgit Lössin

Lange bekanntes Problem…..

#7 |
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Ggut dass endlich eine Metastudie hierzu existiert. Es gibt zu viele Mediziner , die vollmundig behaupten, dass der Zuckerkonsum kein Risiko für Diabetes darstelle. Vielleicht wird doch mal diese Prophezeiung wahr: “Raffinadezucker ist eindeutig der Mörder Nummer eins in der Geschichte der Menschheit – er wirkt weit tödlicher als Opium oder der radioaktive Fallout. . . . Unwissende Menschen, die kleinen Kindern Süßigkeiten geben oder verkaufen, werden eines Tages mit Schrecken erkennen, was sie zu verantworten haben.” (Sakurazwa, japanischer Heilkundiger), zit. nach Dufty, William: Zuckerblues – Suchtstoff Zucker, Zweitausendeins, Frankfurt/M. 1996

#6 |
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Dr. Rüdiger Gall
Dr. Rüdiger Gall

Durchaus positive und mutige Studie. Bisher haben doch Cola und Co es gut verstanden, solche Studien entweder zu unterdrücken oder zu verharmlosen. Jeder, der sich mit der Zuckerproblematik intensiver beschäftigt hat, kennt die negativen Auswirkungen. Und, Herren Radloff und Ruppertz: Der Zucker in Früchten liegt nicht in freier Form vor, die Verstoffwechselung dauert länger. Und Süßstoffe? Aspartam und Co (Monsanto) herrschen auch hier, obgleich es durchaus weniger problematische Stoffe gibt (Stevia u.a.)

#5 |
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Hans Ritter Goetze
Hans Ritter Goetze

Interessant, aber etwas unrealistisch. Ist es denn relevant, in welcher Form der Zucker konsumiert wird? In übrigen halte ich 2 Gläser (=400 ml) am Tag noch für sehr moderat, das Zeug wird doch flaschenweise getrunken, und die Flaschen sind im Laufe der Zeit immer größer geworden, man denke nur an die Bezeichnung “Familienflasche”, ebenso wie Tüten mit Süßigkeiten aller Art, die in Discountern u. Supermärkten feilgeboten werden. Um mit diesem extremen Überangebot umzugehen, bedarf es dringend der Aufklärung großer Teile der Bevölkerung, was nützen da irgendwelche abgehobenen Studien, das Problem ist doch seit langem bekannt…

#4 |
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Josef Huppertz
Josef Huppertz

Ich stimme Herrn Radloff zu, da stimmt daoch was nicht.Man denke doch nur mal geradeaus. Obst ist doch so gesund. Und was ist da drin? Fructose! Also die Studie ist doch für die Tonne.

#3 |
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Michael Putschkow
Michael Putschkow

Der Artikel enthält nichts substantiell Neues, die Metaanalyse dient nur als Aufhänger für Altbekanntes.

#2 |
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Klaus Radloff
Klaus Radloff

Was soll das Ganze?
Handelt es sich bei diesem Bericht um eine Retourkutsche gegen die von der Industrie erzeugten Süßstoffe? Erstaunlich, dass es nunmehr keine Kaugummis ohne natürlichen Zucker im Handel sind. Es lebe die Chemie und ihr Gewinnstreben.

#1 |
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