Krebs-Therapie: Der Tumor steckt im Detail

12. Januar 2017

Metastasen in Lunge und Gehirn sind schwer behandelbar. Bisher setzt man Antikörper therapeutisch ein. Allerdings überschatten diese die Wirkung aller Zellen des Immunsystems. Nun gelang es, gezielt tumorfördernde, nicht aber tumorzerstörende Immunzellen zu entfernen.

Solide Tumoren, wie etwa der schwarze Hautkrebs oder Brustkrebs, sind schwerwiegende Erkrankungen. Aufgrund neuer therapeutischer Ansätze sind diese zwar sehr viel besser zu behandeln, aber immer noch nur sehr selten heilbar.

Insbesondere Tumormetastasen, die sich in Organen wie der Lunge, der Leber oder im Gehirn ansiedeln, lassen sich oft nur schwer behandeln. Ein weiteres grundlegendes Problem: Das eigene Immunsystem kann das Wachstum von Tumoren und deren Metastasen sogar fördern.

Tumorzellen-Verständnis ist essenziell

Deshalb zielen neue Ansätze in der Krebstherapie darauf ab, diese Immunzellen zu entfernen. Therapien mit Antikörpern machen den Tumor für das Immunsystem erkenn- und angreifbar oder aber heben dessen Blockaden auf.

Problematisch ist hierbei jedoch, dass diese auch über Zellen des Immunsystems wirken. Somit ist es von großer Wichtigkeit zu verstehen, welche Zellen das Tumorwachstum fördern und welche die Grundlage für die Immuntherapie darstellen, damit dann gezielt die schlechten, wachstumsfördernden Immunzellen und nicht die tumorzerstörenden entfernt werden.

Einer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Falk Nimmerjahn vom Lehrstuhl für Genetik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es nun erstmalig gelungen, die Zelltypen zu identifizieren, über die tumorspezifische Antikörper in der Lage sind, Haut- und Lungenmetastasen des malignen Melanoms zu zerstören.

Fresszellen in den Tumor locken

In Zusammenarbeit mit der Hautklinik, der Mikrobiologie und der Chirurgie des Universitätsklinikums Erlangen konnte das Forscherteam zeigen, dass unterschiedliche Arten von im Tumor vorkommenden Fresszellen für die therapeutische Aktivität von Antikörpern essentiell sind.

Da Untergruppen dieser Immunzellen das Tumorwachstum fördern können, zeigt diese Studie erstmalig Möglichkeiten auf, ausgewählt die tumorfördernden, nicht aber die tumorzerstörenden Immunzellen zu entfernen. Aufgrund der Forschungsergebnisse ließen sich zukünftig auch therapeutische Ansätze entwickeln, welche die tumorzerstörenden Fresszellen in den Tumor locken.

Originalpublikation:

Tumor location determines tissue-specific recruitment of tumor-associated macrophages and antibody-dependent immunotherapy response
Birgit Lehmann et al.; Science Immunology, doi: 10.1126/sciimmunol.aah6413; 2016

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