Wenn’s mal wieder länger dauert

1. Dezember 2010
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Nicht jeder kommt wie geplant durchs Studium: fehlende Scheine und nicht-bestandene Examen bringen zusätzliche Semester mit sich und lassen so manchen Studenten an seinen Fähigkeiten zweifeln. Hilfe bekommen diese Studenten jedoch nicht überall.

Medizinstudentin Melanie*, die mittlerweile im siebten vorklinischen Semester studiert, findet es absolut keine Schande, die Regelstudienzeit zu überziehen. Auf die Frage, woran es denn gelegen haben könnte, dass sie selbst überziehen musste, ist sie sich sicher, in der Vorklinik durch falsche Planung und mangelnde Unterstützung einiges falsch gemacht zu haben.

Sie hat zu Beginn ihres Medizinstudiums mehrere Scheine auf Anhieb nicht bestanden und diese Klausuren nach hinten verlegt. Aber gegen Ende der Vorklinik hatten sich dann einige nicht bestandene Prüfungen angesammelt und die notwendigen Scheine fehlten ihr. Ab da begann ein langer Kampf für sie, die Scheine schnellstmöglich zu wiederholen.

Die Hürden der Uni

Dass manche Klausuren entweder gar nicht angeboten wurden oder in einem Versuch bestanden werden mussten, setzte Melanie unter großen Druck. Hinzu kam noch eine zusätzliche Belastung: bestimmte Scheine musste sie noch in diesem Semester bestehen, da sonst die von der Universität vorgegebene Zeit abgelaufen wäre. Somit hätte sie ihren Prüfungsanspruch verloren. Durch all den Stress und Druck, der dabei für sie entstand, fühlte sie sich oftmals überfordert und musste letztendlich mehr als nur ein zusätzliches Semester absolvieren, um alle Scheine nachzuholen.

Dass die Studienmodalitäten für jüngere Semester geändert wurden, stellte eine weitere Hürde für Melanies Studienablauf dar. Denn dies bedeutete für sie, dass sie nicht mehr bei den jüngeren Semestern die angebotenen Klausuren mitschreiben konnte, sondern nur an bestimmten Terminen teilnehmen durfte. „Das war schon oft beschämend“, sagt Melanie. Sie ist der Meinung, dass die Studenten dadurch sehr entmutigt werden und noch mehr das Gefühl bekommen, mit ihren Problemen an der Uni nicht gewollt zu sein. Laut ihr bekommen alle Studenten, welche die Scheine nicht in der Regelstudienzeit geschafft haben, nicht immer die optimale Unterstützung und werden schnell aufgegeben. Sie weiß aus Erfahrung, dass viele Dozenten Hilfe mit der Begründung ablehnen, dass sie niemanden bevorzugt behandeln können. Dabei ist es Pflicht der Dozenten als Lehrkräfte, auch mal Bücherempfehlungen für bestimmte Klausuren auszusprechen oder eventuell einen Doktoranden für Nachhilfe in diversen Fächern zu vermitteln. Aber viele winken nur ab und empfehlen, das Studium doch abzubrechen, wenn es nicht optimal läuft.

Die gleiche Aussage hat Melanie auch von der Fachschaft für Medizin gehört, denn auch die studentischen Mitarbeiter lehnten es ab, ihr Tipps zu geben. Sie nutzen die gleiche Begründung wie die Dozenten. Melanie ist der Meinung, dass man in der Situation auf sich alleine gestellt ist, und genau das ist der Punkt, wieso viele Studenten dann abbrechen anstatt weiterzukämpfen.

Trost im Internet und bei Beratungsstellen

Melanie hat sich irgendwann auf eigene Faust Hilfe gesucht. Zum einen hat sie sich an medizinische Foren im Internet gewandt. In vielen Internetforen stößt man auf Gleichgesinnte und viele Studenten, die ebenfalls länger brauchten, um scheinfrei zu werden oder mehrere Anläufe benötigten, um ihr Examen zu bestehen. Man wird als Betroffener nicht beleidigt oder gekränkt, sondern findet manchmal Trost, aufbauende Worte und ein paar hilfreiche Tipps, welche man bei Nicht-Medizinern vielleicht nicht direkt findet. Denn jeder Medizinstudent weiß, wie schwer das Studium ist.

Zum anderen wandte Melanie sich aber auch an die Beratungsstelle ihrer Universität und hat auch dort von den Mitarbeitern viel Hilfe und Zuspruch bekommen. Trotzdem ist sie der Meinung, dass es immer noch am Wichtigsten ist, in dieser Zeit gute Freunde an seiner Seite zu haben, auf die man sich verlassen kann. Es ergibt sich auch öfters die Gelegenheit, dass sich mehrere Studenten, welche die gleiche Prüfung wiederholen oder nochmal in das Examen müssen, zu einer Lerngruppe zusammenschließen. Dadurch bekommt der Einzelne das Gefühl vermittelt, nicht alleine zu sein und die Studenten können sich gegenseitig unter die Arme greifen.

Fazit

Die Regelstudienzeit zu überziehen, ist kein Grund zum Aufgeben. Selbstverständlich gibt es an jeder Universität oder auch in diversen Foren spitze Zungen, welche betroffenen Studenten dann raten, ihr Studium abzubrechen oder sich gar über die betroffenen Studierenden amüsieren. Aber wenn dieses Studium den Studenten zu seinem Traumberuf führt, dann ist es gerade wichtig, nicht auf solche Meinungen zu hören, denn es lohnt sich einfach, für seinen Traum zu kämpfen und weiterzumachen.

*Name geändert

17 Wertungen (3 ø)
Allgemein

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2 Kommentare:

Ein schwieriges Thema. Ich denke es muss differenziert und individuell betrachtet werden. Ich kenne Menschen die zwar in der Vorklinik Schwierigkeiten hatten, jetzt, in den klinischen Semestern, aber durchgestartet sind. Andere hängen und hängen, und können den Absprung nicht kriegen. Ich glaube für diejenigen ist ein Ende mit Schrecken besser als der Schrecken ohne Ende. Ich selbst habe mein Studium mit 39 Jahren begonnen. Eigentlich prädispositioniert dies zu einer Verlänferung. Dennoch hab ich bis jetzt alles in der Regelstudienzeit geschafft. Insgesammt muss ich Benjamin schon recht geben, aber so mancher schafft das Studium glänzend, und wird dennoch ein miserabler Arzt. Das eine schließt das Andere eben nicht aus.

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Student der Humanmedizin

Sehr einseitiger Artikel, bei dem zuviel auf die Tränendrüse gedrückt wird.
Bis auf wenige Ausnahmen habe ich bei den meistens Studenten (die ich kenne), die dauernd durch Klausuren rasseln das Gefühl, dass die Ansprüche bzgl. Kompetenz, die Patienten später ja auch an ihre Ärzte stellen kaum erreicht werden können und der “Traumberuf Arzt” eben eher ein Traum ist und nicht den Begabungen entspricht.
Stur sein und weitermachen bringt jeden irgendwann durchs Studium, aber es wird ja dann im Berufsleben nicht unbedingt leichter. Daher sollte mancher durchaus auch mal den Rat zum Abbrechen ernst nehmen…

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