PPI: Zündstoff für bakterielle Infektionen

13. Januar 2017
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Protonenpumpeninhibitoren gehören zu den am häufigsten verordneten Pharmaka – vielleicht zu oft? Säureblocker erhöhen das Risiko bakterieller Infektionen im Darm signifikant, berichten Forscher. Der Mehrwert einer Einnahme ist im Verhältnis dazu eher gering.

Säureblocker werden zu schnell und zu oft verschrieben heißt es aktuell in den Medien. In Deutschland schluckten 13,4 Millionen Menschen Protonenpumpenhemmer (PPI), Stand 2015. Zu diesem Ergebnis kommt der „Spiegel“ auf Basis von Barmer-Abrechnungsdaten. Zwischen 2006 und 2015 habe sich die Zahl der verordneten Tagesdosen mehr als verdreifacht, heißt es weiter. Hinzu kommen OTCs, die in Kassenstatistiken nicht einmal auftauchen.

Es geht aber nicht nur um bekannte Effekte wie einen Vitamin-B12-Mangel, Frakturen oder Nahrungsmittelallergien. Dass Magensäure Bakterien im Verdauungstrakt abtötet, ist nicht neu. Jetzt liefern Forscher Beweise für den Umkehrschluss: Protonenpumpenhemmer vergrößern das Risiko einer bakteriellen Infektion.

Alarm im Darm

Li Wei und Thomas M. MacDonald von der London School of Pharmacy haben in elektronischen Krankenakten 188.323 Patienten identifiziert, die PPI oder H-Rezeptor-Antagonisten einnahmen. Hinzu kamen 376,646 Kontrollen. Bei der Auswertung zeigte sich, dass bei Patienten der Pharmakotherapie-Gruppe bakterielle Infektionen rund drei Mal häufiger auftraten. Das betraf Durchfallerreger wie Clostridium difficile, Campylobacter, Salmonella, Shigella oder Escherichia coli O157. Bei C. difficile und Campylobacter waren die Zusammenhänge signifikant.

Fast zeitgleich untersuchte Anne Kvistholm Jensen vom Statens Serum Institut, Kopenhagen, ob Zusammenhänge mit einer Listeriose bestehen. In einer Kohorte identifizierte sie 721 Patienten mit Infektion und 34.800 Kontrollen. Unter PPI verdreifachte sich das Infektionsrisiko, berichtet Jensen. Ihre Resultate waren für diese Wirkstoffe statistisch signifikant. Bei H-Blockern gab es jedoch keine Signifikanz.

Wer profitiert?

Dem gegenüber steht ein verhältnismäßig geringer Mehrwert, schreibt Shoshana J. Herzig aus Boston, Massachusetts. Er fand bei 75.723 Patienten ohne PPI 203 gastrointestinale Blutungen, was schon für ein seltenes Ereignis spricht. Höhere Risiken hatten Männer generell sowie ältere Patienten über 60. Auch bei Patienten mit akutem Nierenversagen, mit einer Sepsis oder – wenig erstaunlich – mit gerinnungshemmender Medikation war die Gefahr größer. Der Ansatz ist auf den ersten Blick erfolgversprechender als die Verschreibung per Gießkanne.

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Forschung, Pharmazie

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5 Kommentare:

Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Hallo Dr. Bayerl,

vielen lieben Dank für Ihre interessante, ausführliche Antwort, die mir die Entscheidung natürlich leichter macht, am Pantoprazol festzuhalten. Zur Zeit nehme ich täglich 40 mg abends, überlege aber die Dosis langfristig auf 2x 40mg zu erhöhen,(da ich auch ab und zu tagsüber nicht ganz beschwerdefrei bin) um eben dem angesprochenen Barett-Ösophagus entgegenzuwirken. Wäre diese Dosierung auf Dauer ohne Probleme oder was können Sie mir über spätere NW/Folgen erfahrungsgemäß dazu sagen. Für meinen Magnesium, Calcium und B-Vitaminspiegel nehme ich Basica, zusätzlich Mg und BKomplex.

LG Anke Storck

#5 |
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Dr.Bayerl, Düsseldorf
Dr.Bayerl, Düsseldorf

Hallo, Herr @Erben, das ist leider nicht auszurotten,
indiziert ist es eigentlich nur bei Hypersekretion, den früheren Ulkus-Duodeni-Typen, aber wer macht schon noch eine Sekretionsanalyse.
Der Hiatushernien-Reflux-Typ ist im Gegenteil eher ein schwacher Säureproduzent, oft mit Galle-Reflux. Ein Risiko für den Barret-Ösophagus =Metaplasie, Präkanzerose.
Antirheumathika (Cox-Hemmer) sollte man auch aus cardiologischen Gründen NICHT dauerhaft nehmen.

#4 |
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Dr.Bayerl, Düsseldorf
Dr.Bayerl, Düsseldorf

Man muss wissen, (das kann man bei der Endoskopie von innen schlecht sehen),
dass die zu große Zwerchfellücke zu einem “Hochrutschen” des Mageneingangs führt, der DADURCH alleine “undicht” wird (2 Gründe).
Eine vernünftige Versorgung muss also
1) den Magen wieder runter in die Bauchhöhle ziehen und damit die Speiseröhre etwas strecken; der unterste Teil der Speiseröhre liegt dann auch in der Bauchhöhle.
2) die Zwerchfellücke ZUVERLÄSSIG verschließen;
3) den Magen in seiner neuen Lage fixieren (Fundopexie),
am besten mit einer Fundusfalte die nicht zirkulär geschlossen sein muss
(Tupet).

Wegen der permanenten Bewegung des Zwerchfells einschl. Husten und Nießen ist langfristig der Punkt 2) immer am schwierigsten gewesen,
das geht aber heute hervorragend wie beim Leistenbruch mit einem kleinen nicht resorbierbaren Netz, das alle Nahttechniken in den Schatten stellt.
Das soll aber nicht die Speiseröhre selbst berühren.
Alles was zirkulär gemacht wird ist langfristig gefährlich bei dieser lokalen Dynamik, auch ein Magnetring (Linx). Ich rate davon ab.
Ich habe selbst sehr viele “Rezidive” operiert und auch darüber Vorträge gehalten.

#3 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Was wäre die Alternative zu PPI bei Hiatus hernia, ausser einer Magen OP (z.B Linx-Verfahren)? ? Ich bin selbst seit über 15 Jahren davon betroffen und ohne PPI sind die Beschwerden nicht in den Griff zu bekommen. Also bleibt mir keine andere Wahl als täglich Panto zu nehmen. Wie sind die Erfolgschancen bei einer Linx OP, wer hat Erfahrungswerte? Bin dankbar für jeden Tipp.
Danke schon mal im Voraus
Anke Storck

#2 |
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Apotheker Gunther Erben
Apotheker Gunther Erben

PPI werden fast ausschließlich als sogenannte “Magenschoner” zu anderen
Medikamenten dazu verordnet !
Das taucht in den Artikeln nicht auf -warum eigentlich ?

beste Grüße, Gunther Erben

#1 |
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