Neue Drogen: Hobbythek statt Coffeeshop

3. Dezember 2010
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Auch wenn die klassischen Rauschdrogen wie Kokain immer noch eine große Rolle in der Szene spielen, nimmt der Konsum „neuer Drogen“ dramatisch zu. Am beliebtesten, gerade in der probierfreudigen Jugendszene, sind solche Stoffe, die einfach zu beschaffen und billig sind.

Auf der Suche nach neuen Drogen und innovativen Konsumformen finden die Anwender nie sich selbst, aber manchmal den Tod. Das Ziel ist immer ein Rauschzustand. Set und Setting spielen gerade bei den neuen Drogen eine erhebliche Rolle. Alles was schwindelig macht, wird als Rausch interpretiert, jede Veränderung der Gefühlslage setzt Endorphine frei, denn der Konsument wird ja mit einem neuen Gefühl belohnt. Die „neuen Drogen“ sind nicht immer neu. Oft sind es bewährte chemische oder biologische Substanzen die in der Szene wieder „in“ sind. Auch neue Konsumformen verhelfen Oldies zu neuem Glanz.

„Tina ist geil, sie raubt Dir den Verstand und bringt Deine Sexualhormone durcheinander. Und Tina ist billig, sie kostet etwa so viel wie ein Eintritt ins Kino“, so werbewirksam wird Tina vermarket. Tina ist aber kein IT-Girl, sondern eine „neue“ Droge, die derzeit die Szene in den USA in Aufruhe bringt. Neu ist „Tina“ nicht, nur alter Wein in neuen Schläuchen. „Crystal Meth – Die gefährlichste Droge der Welt“, so die Titelzeile des Nachrichtenmagazins STERN bereits im März 2006. Die Zeitschrift warnte eindringlich vor der „Monsterdroge“ mit eindrucksvollen Bildern und Berichten von Betroffenen. Journalistische Effekthascherei? Nein! Meth ist dieselbe Substanz wie Tina: Methamphetamin.

Methamphetamin wurde zuerst 1919 in Japan hergestellt. In den 30er Jahren ersetzte Amphetamin Kokain als Aufputschmittel. Traurige Berühmtheit erlangte das methamphetaminhaltige Pervitin® im 2. Weltkrieg als Wachhalte- und Aufputschmittel für Piloten, Fallschirmjäger und Panzerfahrer. Crystal hat noch viele weitere, umgangssprachliche Namen: Meth, Chalk, Bambinos, Dixies, Diamonts, Mao, Mollies, Jugs, Ups, Ice, Glass oder Crank. Ein ephedrinhaltiges, freiverkäufliches Erkältungsmittel, Jod und Phosphor – viel mehr braucht man nicht zur Herstellung der Droge.

Rauchen, schlucken, schnupfen, spritzen

Meth wird aus Glaspfeifen geraucht, kann oral eingenommen, geschnupft oder gespritzt werden. Die Wirkungsdauer beträgt dosisabhängig 6 bis 70 (!) Stunden. 
Bei der Aufnahme durch Inhalation werden die Kristalle auf Aluminiumfolie oder in einer Glaspfeife erhitzt und die dabei frei werdenden Dämpfe eingeatmet.
Erfolgt die Aufnahme der Droge durch Schnupfen, werden die Kristalle zu feinem Pulver zerkleinert. Häufig werden diesem Pulver noch feine Glassplitter zugesetzt, die Schnittwunden in der Nasenschleimhaut verursachen. Dadurch wird die Substanz schneller ins Blut resorbiert. Kurz gefasst macht Meth wach und schlank. Weitere Wirkungen sind:

  • Gefühl der Stärke, Euphorie
  • gesteigerter Rededrang (Logorrhoe)
  • psychisch stimulierende Wirkung
  • Stimmungsaufhellung
  • Verlust der Schmerzempfindung
  • verstärkte motorische Aktivität und erhöhte Leistungsbereitschaft

Wenn Tina mit den Synapsen spielt

Methamphetamin gehört in die Gruppe der indirekt wirkenden Sympathomimetika. Es führt zu einer Freisetzung von Noradrenalin aus seinen Speichern und hemmt dessen Wiederaufnahme in die präsynaptische Membran. Dadurch wird der Konsument wach, aggressiv und verspürt keinen Hunger. Im dopaminergen System setzt Methamphetamin Dopamin aus seinen Speichern frei. Wird es freigesetzt, empfindet man ein “Gefühl der Zufriedenheit” für belohnenswerte Aktionen wie Sozialverhalten, Nahrungsaufnahme und Fortpflanzungsaktivitäten. Als Nebenwirkungen des Meth-Konsums können zahlreiche Symptome und Schäden auftreten. Erschreckend ist der rasche körperliche Abbau des Konsumenten. Sie scheinen innerhalb von Monaten um Jahre zu altern. Die Augen fallen ein, die Haut „welkt“, die Zähne fallen aus, sie werden manisch und magern extrem ab. Der Name „Horrordroge“ scheint gerechtfertigt. Meth schädigt das Herz-Kreislauf- und das Nervensystem.

Aus Raider wird jetzt Twix: Space statt Spice

SPICE wird in kleinen silbrig oder gold glänzenden Tütchen als Räuchermischung und Raumduft vertrieben. Seit kurzem wurde es im Eilverfahren unter das Betäubungsmittelgesetz gestellt und damit die Herstellung, der Handel sowie der Besitz des Mittels verboten. Neben einer Vielzahl teilweise unbekannter Kräuter ist auch ein synthetischer Stoff mit dem Namen JWH-018 nachgewiesen worden. THC, der Inhaltsstoff im Hasch, ist ein sogenannter CB2-Agonist. Die Affinität des JWH-018 zum CB2-Rezeptor ist größer als die des THC. Der „Neuling“ soll viermal so stark wie THC wirken. Nach dem Verbot werden nun „Räuchermischungen“ als SPACE verkauft. Angeblich auch nur harmlose Kräuter, derzeit noch legal erhältlich. Selbst über Amazon kann man die Tütchen bestellen. Um nach einem Verbot lieferfähig zu sein, versuchen die Dealer neue Substanzen an den Start zu bringen. Grundlage sind legale Kräuter und illegale Substanzen aus dem Arsenal der pharmazeutischen Chemie. Produkte, die als Medikamente erforscht wurden, es aber nie bis zur Zulassung schafften. Da diese von den Behörden nicht als BtM klassifiziert sind, sind die legal. Die Innovationen heißen „Herbal Highs“. Sie werden als “Bonzai Citrus”, “Herbal Essences” oder “Forest Green” vertrieben. Teilweise sind sie als Badesalz deklariert. Ein Tütchen für 30 € und mehr. “Charge Plus”, der “König unter den Badesalzen kostet nur 9,50 Euro, aber drin sind lediglich 0,2 g. Meist sind synthetische Cannabinoide enthalten, auch die Substanz Mephedron wurde gefunden. Es wird in der Szene als „Meow“ bezeichnet und wirkt wie Kokain. Die Drogentests der Ordnungsbehörden zeigen die neuen Substanzen nicht an.

Pimp bei Joint

Cannabis ist nach Alkohol die häufigste Droge, die an Autounfällen beteiligt ist. In Coffee-Shops oder über das Internet wird der „Honey Bee-Extractor“ angeboten. „Einfacher geht´s nicht. Innerhalb einer Stunde mit dem Honey Bee Extractor zum eigenen Öl. Keine Gerüche, keine Reinigungsorgien. Funktioniert ohne Wärmequelle“, so der Werbetext einer Vertriebsfirma. Mit Hilfe einer einfachen Gasextraktion kann der Gehalt im Hanfmaterial auf 80 % (!) gesteigert werden. Das Ergebnis ist ein honigartiger Harz (Honeybee) der an die Wirkstärke von Haschöl herankommt. Wirkung, Rauscherlebnis und die Gefahren entsprechen denen von üblichen Hanfprodukten.

DXM – Hustenmittel macht high

Der Missbrauch des freiverkäuflichen Hustenblockers Dextrometorphan (DXM) hat zugenommen. Sowohl die Schweizer Vergiftungszentrale als auch die Apothekerkammer Schleswig-Holstein warnt vor dem Missbrauch. Auch die Bundesvereinigung der Apothekerverbände (ABDA) warnt: „Die Apotheker sind informiert und werden bei der Abgabe rezeptfreier Arzneimittel an Jugendliche besonders auf möglichen Missbrauch achten”. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) rät ebenfalls davon ab, größere Mengen dieser Arzneimittel abzugeben.

Dosis ist sehr variabel

Schon Rosa von Praunheim nahm DXM in den Sechziger Jahren in Form von “Romilar”-Tabletten. Sie enthielten Dextromethorphanhydrobromid als Monosubstanz. Der “Missbrauch” führte dazu, dass dieses Präparat vom Markt genommen wurde. Manche holländischen Smart-Shops verkaufen die reine Substanz in psychoaktiver Dosis als “Robo”. Sowohl der Rausch als auch die für eine Überdosierung nötige Menge sind sehr variabel. Ein Grund könnten genetische Faktoren sein. Etwa jeder Zehnte leidet unter einem Gendefekt, dem sogennanten CYP2D6 Polymorphismus. Die Folge dieses häufigen Defektes ist, dass bestimmte Substanzen, u.a. DXM, deutlich langsamer ausgeschieden werden und somit stärker wirken.

Dextromethorphan greift im Hustenzentrum in der Medulla oblongata an und dämpft so zentral den Hustenreiz. Trotz der Opiatähnlichkeit wäre es falsch, DMX bei den Sedativa, zu denen auch Morphin und Heroin zählen, einzuordnen. Am ehesten ist die Wirkung mit Lachgas und Ketamin zu vergleichen. Somit ist DMX ein Halluzinogen. Nach oraler Aufnahme der Kapseln oder des Saftes tritt die Wirkung rasch ein. Der Rausch hält bis zu sechs Stunden an. Bei Überdosierung im Rahmen eines Missbrauchs kommt es zu Somnolenz, Verwirrtheit, bei hoher Dosierung kann es zu Krämpfen und Koma kommen. 10 – 20 mg/kg KG (je nach Literatur) können zu tödlichen Intoxikationen führen. Besonders gefährlich sind Interaktionen zwischen DXM und Alkohol oder anderen zentralwirksamen Medikamenten. Auf sehr einfache Weise lässt sich der Abbau von DXM hemmen und die Wirkung somit dramatisch steigern: mit Grapefruitsaft.

Ruhiger Darm, berauschtes Hirn

Der Wirkstoff Loperamid ist ein bewährtes und effizientes Mittel gegen Durchfallerkrankungen. Er besetzt die Opiatrezeptoren im Darm, lähmt für kurze Zeit die Darmmuskulatur und reguliert die gestörte Flüssigkeitsbalance im Darm. Der Wirkstoff ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Loperamid ist extrem fettlöslich und überwindet nicht die Blut-Hirn-Schranke. Die Mengen die doch in das Gehirn gelangen, werden mit Hilfe eines Transportproteins rasch hinausgeschleust. Es kann deshalb kaum zu den zentralen Opiatbindungstellen gelangen. Die typischen (Neben)Wirkungen der Opiate wie Euphorie, Schmerzlinderung, Übelkeit, Suchtauslösung u.a. werden nicht beobachtet.
Der Mechanismus, der verhindert, dass Loperamid ins zentrale Nervensystem gelangt und der, der es wieder raustransportiert, kann jedoch lahmgelegt werden. Einige Arzneimittel und gewisse Konsumformen bewirken, dass sich Loperamid im Gehirn anreichern kann und einen „Kick“ auslöst.

Missbrauch propagiert und bekannt

„Es besteht der dringende Verdacht, dass das Antidiarrhoikum Loperamid durch einen einfachen pharmakologischen Trick zu einem zentral wirksamen Opioid “gewandelt” werden kann“, so der Apotheker und Lehrbeauftragte der Uni Marburg Dr. Alexander Ravati in der Pharmazeutischen Zeitung. „Alarmierende Meldungen über erheblichen Missbrauch in der Drogenszene haben sich in den letzten Monaten gehäuft“, so Ravati weiter.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Loperamid ins Gehirn zu schleusen:

  • Loperamid-Plättchen in selbstgedrehten Zigaretten rauchen
  • Kombination mit dem Herzmittel Verapamil
  • Kombination mit Chinin (Mittel gegen Wadenkrämpfe)
  • Kombination mit Chinidin (Mittel gegen Herzrhythmusstörungen)
  • Kombination mit dem Antipilzmittel Ketoconazol
  • Kombination mit dem AIDS-Mittel Ritonavir
  • Kombination mit dem Antidepressivum Doxepin

Dieser Beitrag soll nicht als Empfehlung für Missbrauch verstanden werden, vielmehr soll er vor gesundheitlichen Risiken warnen.

Giftige Nachtschattengewächse – Die Pflanze, die Flügel verleiht

Auch Nachtschattengewächse wie Stechapfel, Tollkirsche, Bilsenkraut und Alraune stehen hoch im Kurs von Jugendlichen. Die Naturdrogen sind leicht zugänglich und unterstehen nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Insbesondere die Vergiftungsfälle mit der Engelstrompete (Datura suaveolens) haben in der letzten Zeit drastisch zugenommen. Die Pflanze mit den imposanten Blüten hat sich einen festen Platz in Park und Garten erobert. Die Besitzer wissen meist nichts von ihrem “Nebenjob” als Dealer.

Fliegend in die Tachykardie

Meist sind es ganze Gruppen oder Schulklassen, die aus Neugier Pflanzen mit halluzinogenen Tropanalkaloiden probieren wollen, um sich “Flügel zu verleihen”. Die Alkaloide Atropin und Scopolamin verleihen dem Konsumenten das Gefühl, fliegen zu können. Der Versuch endet nicht selten mit schweren Verletzungen. In den meisten Fällen wird das pflanzliche Rauschmittel als Teeaufguss konsumiert. Beim Genuss der frischen Pflanze kommen die ursprünglichen Inhaltsstoffe zur Wirkung. Wird die Droge getrocknet, wandelt sich L-Hyoscyamin in racemisches Atropin um.
Die drei Inhaltsstoffe ergänzen sich in ihrer Wirkung. Atropin wirkt erregend auf das Zentralnervensystem, dies äußert sich in einer allgemeinen Erregung mit motorischer Unruhe und Erhöhung der Herzfrequenz. Hinzu kommen eine Erweiterung der Pupillen und eine verminderte Speichelsekretion. Scopolamin wirkt auch als Parasympatholytikum, im Vergleich zum Atropin jedoch mehr beruhigend und dämpfend. Es sorgt für einen Zustand der Willenlosigkeit und Apathie, ähnlich einer Hypnose. Früher wurde es als Wahrheitsdroge angewandt. 
 Der dritte Inhaltsstoff im Alkaloidtrio ist das L-Hyoscyamin. Den Namen hat es vom Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), kommt jedoch in den meisten Nachtschattengewächsen vor. Beim Trocknen der Pflanze wandelt es sich zu Atropin um. Die Wirksamkeit des Hyoscyamins ist deutlich stärker als die des Atropins. Dies erklärt, warum die getrocknete Droge schwächer wirkt als die frische.
Bei Dosen von mehr als 1 mg Wirkstoff kommt es zu visuellen Sinnestäuschungen, die mit einem Verlust des Realitätsgefühls verbunden sind. Der Konsument ist in seinem Rausch nicht klar, die dämpfende Wirkkomponente überwiegt. Der Berauschte fällt in einen deliriumähnlichen Schlaf und erinnert sich später kaum an die Rauscherlebnisse.

Schneller Puls und weite Pupillen

Vergiftungen durch Nachtschattengewächse sind durch folgende Symptome gekennzeichnet:

  • Heiße Haut
  • Maximal geweitete Pupillen (Mydriasis)
  • Räumliche und zeitliche Desorientierung
  • Angst und Stimmungsschwankungen
  • Sehstörungen / Bindehautreizung
  • Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz
  • Halluzinationen
  • Sekundärgefährdung im Straßenverkehr

Da der Acetylcholin-Rezeptor in sehr vielen Organen und Organsystemen lokalisiert ist, kommt es zu einer Vielzahl weiterer Erscheinungen, die unter dem Begriff des “Anticholinergen Syndroms” zusammengefasst werden.

Der Gärtner macht große Augen

Doch nicht nur die orale Aufnahme kann zu Komplikationen führen. Auch für den Gartenfreund kann die Kübelpflanze zur Gefahr werden. Durch den Augenkontakt mit Teilen der Engelstrompete können ausgeprägte Sehstörungen, Pupillenerweiterung, Blendempfindlichkeit, Koordinationsstörungen, Schwindel und das Sehen von Doppelbildern auftreten.

Man darf gespannt sein, welche neuen Drogen und Konsumformen in der nächsten Zeit auf den Markt drängen. Alkohol zum Inhalieren? Kröten zum Lecken? Benzodiazepine für die Nase? Das gibt es alles schon! Wäre doch schön, wenn es den Konsumenten reichen würde, den Rausch auf DVD in 3-D zu erleben. Preiswert und risikolos.

243 Wertungen (4.38 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

32 Kommentare:

Arzthelferin

Sehr informativ und gut erklärt, vor allem der Hinweis für den Gärtner!!

#32 |
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ein sehr interessanter und wichtiger Artikel der eienem möglichst ” breiten ” Publikum zugänglich gemacht werden sollte!

#31 |
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Apotheker

Wunderbare Anleitung für Apotheker/innen mal wieder das Labor in Betrieb zu nehmen. Ein bisschen “Meth” oder “Crystal” im Notdienst gekocht und gleich im heroischen Selbstversuch angewendet. Und Atropin ist ja für dir schöne weite Pupille in jeder Apotheke vorhanden. Und gegen die Müdigkeit drei Tütchen Aspirin complex. Da verliert das AMNOG seinen Schrecken. Aber Spaß bei Seite: Dieser Artikel ist weder interessant noch neu. Ein Sammelsurium aus ein paar Büchern zusammengeklaubt und pseudowissenschaftlich präsentiert.

#30 |
  0

In entsprechenden Internetforen zirkulieren schon lange die Anleitungen, Loperamid “scharf zu machen”. Vor allem Imodium Lingual wird nach vorherigem Genuss von reichlich Tonic sowohl gefixt als auch geraucht… Warnungen wegen der unabsehbaren Effekte zwecklos…

Vermisst habe ich die berühmten “Magic Mushrooms” aus den NL, die auch schon zu Todesfällen geführt haben

Insgesamt sehr guter Artikel mit guten Infos zum Thema

#29 |
  3

Der Artikel ist reißerisch, aber nicht informativ. Eine wilde Sammlung von überwiegend ollen Kamellen, die längst bekannt sind. Was bitte soll denn die “Szene” sein? Eine einheitliche, soziologisch definierbare Gruppe von Drogenkonsumenten wie in den 60ern gibt es heute doch gar nicht. Entsprechend auch keine einheitliche “Szenesprache”. Begriffe wie “Mosterdroge” schüren Emotionen, haben aber keinerlei Informationsgehalt. Beispiel Loperamid: Es gibt nicht einen einzigen verbürgten Fallbericht für einen Mißbrauches. Wenn es lange genug von sogenannten Journalisten als Droge propagiert wird, mag sich das noch ändern. Im Moment kann ich nur festhalten: strukturell hat das Molekül genauso viel oder mehr mit Neuroleptika vom Haloperidol-Typ zu tun wie mit Opioiden, ob sich damit Euphorie erzeugen läßt, darf mit Recht bezweifelt werden.

#28 |
  1
Anette Minarzyk
Anette Minarzyk

Nur so zur Ergänzung zu “Nachtschattengewächse”:

Der botanisch Name der Engelstrompeten lautet “Brugmansia”, seit die ausdauernden, verholzenden Arten von den krautigen Daturas abgetrennt wurden. Das Bild zeigt eine Brugmansia sanguinea, keine B. suaveolens.

Abgesehen davon enthalten alle Brugmansia- und Datura-Arten Tropanalkaloide in unterschiedlichen Gemengeanteilen. Dasselbe gilt für die Gattungen Atropa, Hyoscyamus und Mandragora. Dabei unterscheiden sich die Anteile nicht nur innerhalb der Arten, sie verschieben sich auch sowohl während des Vegetationszyklus als auch im Tagesverlauf innerhalb der verschiedenen Pflanzenorgane. Was heißt, man muß seine Pflanzen sehr, sehr gut kennen, um damit kontrolliert irgendeinen beabsichtigten Effekt zu erzielen. Den jugendlichen Experimentierern gelingt das so gut wie nie, da sie weder die Wirkung noch die Dosierung einschätzen können. Infolgedessn ist das, was sie sich zuziehen, kein erhebender Rausch, sondern bloß eine ausgewachsene Atropin- oder Scopolaminvergiftung mit allen unangenehmen Symptomen, die ein starkes Parasympatolytikum so verursacht. Da sich die Tropane nicht kompetitiv aus ihrer Rezeptorbindung verdrängen lassen, kann eine Behandlung kann nur symptomatisch erfolgen, und die Alkaloide werden nur langsam eliminiert (bis zu 30 Stunden, ehe die Mydriasis nachläßt), was heißt, der unangenehme bis kritische Zustand hält entsprechend lange an.
Ich habe meine Diplomarbeit über die Gattungen Brugmansia und Datura geschrieben, einschließlich eines aufführlichen Teils zur Ethnopharmakologie dieser Pflanzen und kann nur vor dem Mißbrauch warnen: Engelstrompeten und Verwandte sind lausige Halluzinogene mit hohem Risiko und unangenehmen Nebenwirkungen. Sie verleihen keinesfalls Flügel, außer im Extremfall in einem ziemlich sarkastischen, übertragenen Sinn.

#27 |
  0

Sehr aufschlußreich, gut recherchiert.
Erschreckend die Mißbrauchsmöglichkeit von Loperamid.
Muß unbedingt rezeptpflichtig werden !

#26 |
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Franz Wagenbauer
Franz Wagenbauer

Gut recherchierter Artikel – es gibt immer wieder neue Erkenntnisse – vielen Dank

#25 |
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Rettungsassistent

Schlimme Sache…
Aber der Referent hat seine Sache sehr gut gemacht!

Kompliment und Danke für die Informationen!

#24 |
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Sabine Offermanns
Sabine Offermanns

Sehr informativ!

#23 |
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Rettungsassistentin

Gut geschrieben und sicher für uns im RD als Hintergrundwissen nicht uninteressant….

#22 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Guter Artikel. Teils alte, teils für mich neue Erkenntnisse in diesem Gebiet.

#21 |
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schmidt anne
schmidt anne

Guter, sehr informativer Artikel, der Ärzte und Eltern auffordert, wachsam zu bleiben.

#20 |
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Apotheker

Nette Übersicht, aber einige Ergänzungen müssen sein. Es ist richtig, dass es freiverkäufliche “Ephedrin-haltige” Arzneimittel gibt – z.B. Aspirin complex oder Reactine Duo – allerdings ist hier dann die Rede von Norpseudoephedrin und anderen Strukturverwandten. Aus diesen Fertigarzneimitteln dann das “Ephedrin” zu extrahieren ist schon nicht mehr ganz so einfach (außerdem sollte der abgebende Apotheker mal nachfragen, wenn man 10 oder mehr Packungen kauft – nein, er muss sogar nachfragen!). Benötigt werden dann Phosphor und Iodwasserstoffsäure. Beide Substanzen fallen wie auch Ephedrin unter das GÜG (Grundstoffüberwachungsgesetz) und werden überwacht. Wahrscheinlich kann man diese Substanzen sogar kaufen (wenn man geschickt ist) – gegen Abgabe einer Endverbleibserklärung mit Name und Anschrift – und dann könnte es zu kompetentem Besuch kommen der recht genau wissen möchte was man mit den Chemikalien so vor hat. Außerdem ist Synthesechemie ja sooo einfach, erzählen aber komischerweise immer die Leute die noch nie im Labor gestanden haben oder fünf Finger an beiden Händen haben …
Was passiert, wenn Hobbychemiker ihre selbstgemachten Happy Pills nicht ordentlich aufreinigen (können), zeigt die Substanz MPTP, die bei unsachgemässer Herstellung der Designerdroge MPPP entstehen kann. MPTP ist ein potentes Neurotoxin welches schon nach einmaliger Applikation Parkinson auslösen kann. Das ist ein Extrembeispiel, aber auch bei der Methamphetamin-Hobbyküche entstehen sicherlich nette Beiprodukte. Also alles nicht ganz so einfach …
Die angesprochenen psychoaktiven Pflanzen sind ein faszinierendes Gebiet und geeignet einen Menschen für Naturstoffchemie und Botanik zu begeistern. Hier empfehle ich als Standardwerk: Christian Rätsch “Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen”. Ein echter Klassiker – aber auch hier gilt Paracelsus “Dosis facit venenum”. Es ist nahezu unmöglich einer Pflanze den Wirkstoffgehalt anzusehen. Deshalb nimmt man heute auch nicht Digitalis purpurea sondern ein exakt doiertes Digitoxin-Präparat.

#19 |
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Rudolf Bauer
Rudolf Bauer

Guter Artikel, die Industrie ist gefordert weitere neue Drogentest zu entwickeln und zu liefern

#18 |
  4
Gesundheits- und Krankenpflegerin

statistisches Bundesamt, Wiesbaden. die haben sowas.

#17 |
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Michael Trippe
Michael Trippe

Mich würden die Zahlen des Vergleichs Alkohol/Cannabis- Verkehrsbeteiligung interessieren!

#16 |
  1
Gesundheits- und Krankenpflegerin

Leute…. ehrlich…da werden uralte Gäule als neue Rennpferde angepriesen – alles, was in dem Artikel steht kann man mit kurzer Suche im Netz oder in dem Buch “psychaktive Pflanzen” auch finden. Und zur Inkontinenzanmerkung der Tiermedizin: das ist ein superalter Hut. Die Schweiz versorgt inkontinente Waldis von ganz Deutschland, würde man den Bestellenden glauben.

#15 |
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Ärztegemeinschaft  Amedis
Ärztegemeinschaft Amedis

Da wird es einem ja schon beim lesen schwindlig. Das Leben wird für die Kids ja wirklich nicht einfacher. Die müssen ja schon bessere Pharmakologen sein.
Na mir reicht ab und zu ein gutes Glas Wein.

#14 |
  4
Dr. Hubert Prommer
Dr. Hubert Prommer

Mit diesem Artikel lässt sich nun einiges erklären!
In der Tiermedizin werden Ephedrin-Hydrochlorat Tabletten zur Behandlung der Inkontinenz bei Hunden verwendet.
Es ist mir zeitweise verdächtig oft aufgefallen, daß manche Leute dies relativ oft anforderten. Erst als ich sagte, dass sie Namen und Adresse bekanntgeben müssen, da man damit nach meiner Vermutung auch Missbrauch betreiben könne,schränkte sich das Verhalten wieder ein.

#13 |
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Sehr fundierte und äußerst dezidierte Darstellung!
Bitte weiter so!

#12 |
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Motopäde / Mototherapeut

Danke für den Beitrag, er ist sehr gut geeignet Eltern, Lehrer, Kolleginnen, kurz alle die mit älteren Kindern und Jugendlichen arbeiten zu sensibilisieren und die Augen offen zu halten.
Dass der Beitrag als Anleitung zum “selberbauen” missbraucht wird, fürchte ich nicht so sehr, da es für diejenigen, die das wollen, ausreichend detailiertere Informationen im Netz bereits gibt.
Mir wird der Beitrag helfen, solche Eltern, Lehrer und Kolleginnenin der Jugendhilfe und Jugendarbeit zu sensibilisieren, die sich bisher wenig um dieses Thema gekümmert haben

#11 |
  1
britta burke
britta burke

guter Überblickartikel! Differenziert und kompetent! Danke

#10 |
  2
Prof. Dr. Ulrich Bartmann
Prof. Dr. Ulrich Bartmann

Sehr informative und gute Übersicht

#9 |
  1
Weitere medizinische Berufe

überaus informativ !

#8 |
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Toxikologe

Sehr informativer und guter Artikel. Nach unseren Erkenntnissen kann zumindest in Sachsen im Blut auffälliger Verkehrsteilnehmer das Methamphetamin in der gleichen Häufigkeit wie auch Cannabis nachgewiesen werden.

#7 |
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Ganz ausgezeichneter Artikel! Bringt einen auch mal wieder dazu, das Wechselwirkungspotential scheinbar harmloser AM zu betrachten!

#6 |
  2
Apothekerin

gefällt mir

#5 |
  1
Apotheker

Hoch kompetent, differenziert und interessant in der Darbietung der Materie – wie immer! Wichtig, um mal wieder auf den aktuellen Stand zu kommen. Danke!

#4 |
  2
Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Ein guter Beitrag.Nun werde ich die Loperamid-Abgabe mit ganz anderen Augen sehen.

#3 |
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MR.Prim.Dr, Friedrich Pesendorfer
MR.Prim.Dr, Friedrich Pesendorfer

sehr gut

#2 |
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Jewgenij Beluchin
Jewgenij Beluchin

Vielen Dank für den schönen Artikel und vor allem für die umfangreiche Darstellung der einzelnen Wirkungen und Nebenwirkungen.

#1 |
  1
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