Restless Legs: Hampelmann im Bett

9. Dezember 2010
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Das Restless Legs Syndrome kann verschiedene Ursachen haben. Mit Hilfe eines sensorischen Messverfahrens können Mediziner nun sicher entscheiden, welche Form der Erkrankung vorliegt und Patienten die richtige Therapie anbieten.

Die meisten Betroffenen haben noch nie etwas von der Krankheit gehört: Viele Patienten, die wegen Schlafstörungen zum Neurologen gehen, erfahren erst dort, dass sie am Restless Legs Syndrome (RLS) leiden. Dabei ist das Syndrom der ruhelosen Beine eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland. Experten schätzen, dass rund zehn Prozent der Bevölkerung eine Veranlagung für diese Erkrankung aufweisen und von diesen rund ein Viertel behandlungswürdige Symptome haben. Frauen sind rund doppelt so häufig von der Krankheit betroffen. Wichtigstes Kennzeichen des RLS ist ein Bewegungsdrang der Beine, der mit Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen, Ziehen oder Zucken einhergeht.

RLS-Symptome stören Schlaf der Patienten

Da die Beschwerden vor allem abends und nachts auftreten, haben RLS-Patienten oft Probleme beim Ein- und Durchschlafen. „Untersuchungen im Schlaflabor zeigen, dass bei den Patienten häufig periodische Beinbewegungen in der Nacht auftreten, die sie am Einschlafen hindern und sie während des Schlafes wiederholt aufwecken“, berichtet Professorin Karin Stiasny-Kolster, Fachärztin für Neurologie und Inhaberin eines Ambulanten Schlaflabors in Marburg.

Die Ursachen für die unangenehmen Empfindungen können unterschiedlich sein. Beim primären RLS weiß man noch sehr wenig darüber, nimmt aber an, dass Dopamin eine wichtige Rolle spielt. Der Botenstoff leitet Reize zwischen den Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks weiter. Beim sekundären RLS können die Beschwerden zum Beispiel entstehen, wenn die feinen Nervenfasern in den Beinen erkrankt sind.

Schmerzmuster erlauben schnellere Entscheidung

Ein Göttinger Forscherteam konnte kürzlich zeigen, dass ein einfaches Messverfahren ausreicht, um diese beiden RLS-Formen sicher zu unterscheiden. Wie die Wissenschaftler um Cornelius Bachmann im Fachmagazin Brain berichteten, erlaubt das Verfahren, charakteristische Schmerzprofile sowohl für Patienten mit primärem RLS als auch solchen mit sekundärem RLS, verbunden mit einer Neuropathie der feinen Nervenfasern, zu erstellen. „Dadurch sind wir in der Lage, früher als bisher zu entscheiden, welche Therapie für welche Patienten am ehesten geeignet ist“, sagt Bachmann, Facharzt in der Abteilung Klinische Neurophysiologie der Universitätsmedizin Göttingen.

Grundlage für das von den Wissenschaftlern angewandte Verfahren ist die so genannte Quantitative Sensorische Testung (QST): Dabei werden auf der Haut von Betroffenen Schmerzschwellen für Kälte und Wärme sowie die Empfindlichkeit für spitze oder stumpfe Reize oder Druck ermittelt. „Im Gegensatz zu anderen neurologischen Untersuchungsmethoden erforderte die QST von den Probanden die Bereitschaft zu kooperieren“, erklärt Bachmann. „Wir haben einen objektiven Stimulus gesetzt und bekamen anschließend von den Testpersonen eine subjektive Antwort.“

Diagnose ohne Blutentnahme

Mit Hilfe der sensorischen Tests untersuchten er und seine Kollegen insgesamt 21 Patienten mit primärem und 13 Patienten mit sekundärem RLS, das mit einer Neuropathie der feinen Nervenfasern einherging. Als Vergleich dienten 20 gesunde Probanden. Zwar waren alle RLS-Patienten besonders empfindlich auf spitze Nadelreize und stumpfen Druck, aber Patienten mit der primären Form der Krankheit nahmen Vibration und Druck auf die Muskulatur intensiver wahr. Die RLS-Patienten, die an einer Erkrankung der feinen Nervenfasern litten, reagierten auch weniger stark auf Kälte und Wärme. „Wir konnten mithilfe der QST einfach und unblutig ermitteln, an welcher RLS-Form die Patienten erkrankt waren“, sagt Bachmann.

Die genaue Diagnose helfe, so der Neurologe, die Behandlung der RLS-Patienten zu optimieren. So profitieren Patienten mit primären RLS eher von Wirkstoffen, die wie der Nervenbotenstoff Dopamin wirken. Das können Dopaminagonisten wie Ropinirol, Pramipexol oder Rotigotin oder auch die Dopaminvorstufe Levodopa sein, die nach Passieren der Blut-Hirn-Schranke zu Dopamin verstoffwechselt wird. Bei Patienten mit sekundärem RLS kommen vor allem Medikamente gegen Nervenschmerzen wie die GABA-Analoga Gabapentin oder Pregabalin zum Einsatz.

Lebenslang Medikamente

Auch die Neurologin Stiasny-Kolster findet, dass QST geeignet ist, verschiedene Schmerzprofile zu erstellen: „Man kann damit Mechanismen des Schmerzes auf die Schliche kommen und idealerweise passgenaue Therapien einsetzen.“ Kein unwichtiger Aspekt, denn vor allem für Patienten mit primären RLS ist die medikamentöse Therapie fast immer von Dauer: „Weil wir die Ursache der Krankheit nicht kennen, ist es eine symptomatische und keine kausale Behandlung“, so Bachmann. Die Patienten müssten deshalb für den Rest ihres Lebens Medikamente einnehmen.

144 Wertungen (3.92 ø)
Medizin, Neurologie

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26 Kommentare:

Ach ja, Herr Kollege Cornelius, der Zensor wollte auch das was ich geschrieben hatte, nicht stehen lassen. Vermutlich denken Sie, dass Heilung dann erfolgt ist, wenn der Patient wieder unabhängig von Behandler und Medikament geworden ist und Methoden bekannt sein sollten, mit denen dies im konkreten Fall möglich ist. Respekt. Frau Schunk muss wohl den direkten Kontakt suchen, wenn sie mehr wissen will.

#26 |
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Dr. Florian Katzlberger
Dr. Florian Katzlberger

Aus meiner, natürlich selektiven psychiatrischen Auswahl der Betroffenen erstaunt mich, dass bisher der Zusammanhang von unruhigen Beinen und agitierter Depression unerwähnt blieb. Ich finde regelmässig eine Besserung der RLS-Symptome mit der Therapie der Depresion.

#25 |
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Dr. med. Helga Lindemann
Dr. med. Helga Lindemann

an Eisenmangel denken! bei alten Pat. häufig!

#24 |
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Altenpfleger

Bei der Einnahme von Meuroleptika treten NEBENWIRKUNGEN auf, wie Sitzunruhe, nervöse Zuckungen, Wackeln der Beine, Tag und Nacht. Brennnen, Ziehen, Kribbeln treten nicht auf. Unangenehm ist es und auch auffällig für die Leute. Der Patient muss sich zwingen die Beine ruhig zu halten. Erleichterung ist keine in Sicht.

#23 |
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Ich habe MS, könnte mir jeden Tag sobald ich sitze, Arme u.
Beine abhacken. Baclofen u.L-dopa helfen nicht mehr, werde
jetzt Kombination aus D-agonisten u Antikonvulsivum testen.
Ich schlafe,wenn überhaupt,nur auf harter Unterlage,oft auf
dem Fußboden, im Sommer nur mit Kühlakkus in der Hose. Bei
eiskaltem Wetter fühle ich mich am wohlsten.

#22 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

IMMER Übersäuerung – IMMER gestörte Hormonregulation ,insb. Mangel an Progesteron u. Östrogen ,IMMER zuwenig ATP aufgrund mangelnder Funktion der Atmungskette in den Mitochondrien

#21 |
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Naturwissenschaftler

Aus den klinischen Arzneimittel Therapiestudien, die wir SELBST bei Patienten mit RLS-Erkrankung haben wir die ersten Auswertungen unserer Studien:
Tatsächlich ein Kombinationseinnahme vom Magnesium (Carbonat- oder Citrat-Form) und Kalium ruft eine Syndrom-Reduzierung bis 40% manchmal bis 60% der Beschwerden.
Danke

#20 |
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Meine erfahrungen aus dem Schlaflabor: Vermutlich besteht diese Störung definitv aus zwei symptomatisch unterschiedlichen Störungen. Das RLS (“Restless-legs-syndrom”) stellt sich am Tage oder am Abend ein
(Unruhe der Beine beim Fernsehen. Wird als sehr unangenehme Gefühlstörung (“Kribbeln,
Ziehen, “…fast aus der Haut fahren”) der Beine und anderer Bereiche (Arme, Hände, Schultern) beschrieben. Wird durch Bewegung, Wippen, Kühlen usw. der Extremität leichter erträglich. Die zweite, nicht immer zusammen mit RLS auftretende Störung ist das PLMS (“Periodic-limb-movement-syndrom”), das im Schlaf, oft völlig unbemerkt, auftritt. Diese minimalen, spontanen rhythmischen Bewegungen der Füße stören erheblich die EEG-Schlafstruktur, fragmentieren den Schlaf und führen zu einer starken, zuerst nicht erklärbaren Tagesmüdigkeit. Therapeutisch ist Levodopa oft gut wirksam. Rotigotin oder oder Ropirinol (24-St. Pflaster oder Tablette) als Dopaminagonisten bei Beschwerden am Tage und in der NAcht, Pregabalin oder Subopiate (Tramadol, Tilidin) sind ebenfalls, in niedriger Dosierung, bei PLMS gut wirksam. Mucuna pruriens wirkt tatsächlich gut, aber ausschließlich bei leichter Ausprägung der Beschwerden. Die Therapiewirksamkeit sollte unbedingt objektiv mit der Aktigraphie (Bewegungsanalyse) zuhause, oder im Schlaflabor mit EEG-Schlafanalyse verifiziert werden. Die hier diskutierte gute Wirkung von Magnesium/Eisen deutet eher auf eine andere Störung hin.

#19 |
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bin selbst betroffener. leider gibt es keine studien aber viele meinungen und diagnosen. am besten bei restles legs ? hilft immer noch am was der patient für sich am besten und hilfreichsten hält, und damit konstuktiv umgeht. mir hilft viel trinken und einen guß an beinen und armen wenn möglich zwischendurch und ganz wichtig vor dem schlafengehen. dann gute nacht.

#18 |
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Dr. med. Jakob Johannes Hartmuth
Dr. med. Jakob Johannes Hartmuth

@Wolkersdorfer

Es erfolgte die biometrische Auswertung im Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren (Leiter: Prof. Dr. med. Josef Beuth) der Universität zu Köln.

mfg

#17 |
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Meine Erfahrung als Praktiker bei Patienten mit RLS ist, dass eine gezielte Diagnostik und daraus abgeleitete Therapie des Dopaminstoffwechsels oft zu guten Ergebnissen führt.
Unter anderem verbessern Vitamin D (Puchacz E et al 1996) und Retinol (Gelain DP et al. 2007) die Expression des Tyrosin Hydroxylase Gens bzw. das Enzym selbst.
Oft findet man suboptimale bis schlechte Vitamin D Serumspiegel (deutlich unter 100 nmol/l) bei diesen Patienten, und oft besteht parallel ein Problem mit Aminosäurevorstufen von Dopamin, z.B. Tyrosin.
In der Praxis sehe ich leider, dass L-Dopa u.ä. das Problem mittelfristig eher verkompliziert.
Eisenmangel kann natürlich auch eine Rolle spielen.
Der Vorteil der Orthomolekularen Vorgehensweise: Durch die Verwendung von Substanzen, die der Körper ohnehin benötigt, wird eine Funktionsoptimierung erreicht.
Last but not least wäre aus meiner Richtung noch der osteopathische Ansatz zu nennen, ich denke aber das führt jetzt zu weit…
Herzliche Grüße aus dem Vordertaunus

Dirk-Rüdiger Noschinski

#16 |
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Medizinjournalist

Zu erwähnen RLS, welches durch die Einnahme von Antidepressiva (SSRI) hervorgerufen wird. Eine Erklärung, warum das Antidepressivum ohne die abendliche Zusatzgabe einer Mindestdosis Benzodiazepin nicht funktioniert.

#15 |
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@6: Ich ebenso. Es wirkt immer. Ob da nun etwas dahinter ist oder nicht – ich bin auch für ein gutes Placebo dankbar.

#14 |
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Habe nachgeschaut, es gibt keine veröffentlichte Studie, aber eine Homepage mit derselben Behauptung.

#13 |
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Dr. med. Jakob Johannes Hartmuth
Dr. med. Jakob Johannes Hartmuth

RLS-Studie

@ Dr. Wolkersdorfer

Die RLS-Studie – Ohr-Implantatakupunktur lief von 2008 bis 2010, durchgeführt von Dr. Rolf Wlasak (www.dr-wlasak.de) und der Universität Köln.

@ Dr. Safer:
ich gab das von Dr. Wlasak veröffentlichte Ergebnis weiter. Seinen Kurs am 28. Nov. 2010 in Würzburg, wo die Studie erläutert wurde, konnte ich wegen des Winterchaos leider nicht besuchen.

Mfg

#12 |
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Sg. Herr Dr. Hartmuth,

WELCHE Studie?!?

Sie wollen doch ihren Ruf nicht gefährden?

Das Mindeste ist doch eine korrekte Literatur-
angabe. Mit “eine Studie” kommen sie hier nicht
durch!

#11 |
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Dr. Anton Safer
Dr. Anton Safer

@ Johannes:
Das könnte auch sehr gut ein Placebo-Effekt sein (und ist es vermutlich auch)!

Wir brauchen Diagnostik- und Therapiestudien nach dem EbM-Standard; zuverlässige diagnostische Werkzeuge und ein vernünftiges Training bei wesentlich mehr Ärzten. Insofern könnte diese Studie ein Anfang zu bessere Diagnostik sein, aber die Datenbasis ist noch viel zu schmal für endgültige Schlüsse oder Empfehlungen.
Therapieratschläge auf ungesicherter Basis sind nicht hilfreich.

#10 |
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Dr. med. Jakob Johannes Hartmuth
Dr. med. Jakob Johannes Hartmuth

Bei dieser Krankheit wird auch die Implantat-Ohrakupunktur eingesetzt. Dabei werden kleine Titanimplantate (permanent) oder resorbierbare Implantate, die sich nach 1 – 1.5 Jahren aufgelöst haben, implantiert. Eine Studie ergab folgendes Resultat: deutliche Besserung 70 %, leichte Besserung 20 %, keine Besserung 10 %.

#9 |
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Herr Dr. Zenner, Ihren Beitrag verstehe ich nicht.

#8 |
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Weitere medizinische Berufe

bei erforderlicher Dopamin Therapie kann man auch pflanzliche Mittel verabreichen.

So gibt es standardisierte Kapseln 400mg aus der Juckbohne(Mucuna pruriens),in denen pro Kapsel 60mg natürliches Dopamin enthalten ist.

#7 |
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Dr. Christian Toloczyki
Dr. Christian Toloczyki

Bei mir treten die Symptome auf, wenn ich zu wenig getrunken habe. Ein großes Glas Wasser und Ruhe ist. Eine Bekannte von mir berichtet das Gleiche.

#6 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Bei mir ist das RLS nach einer Meningoenchephalitis (8 Tage Koma) aufgetreten. Zufall oder war das wirklich der Auslöser ??? Keiner kann das sicher sagen. Mit Ropinirol komme ich zurecht, merke, wenn der Wirkspiegel abfällt, werde unruhig in den Beinen, es ist schon heftig.
Der Artikel bringt nichts neues, Erfahrung und ausprobieren ist die einzige Möglichkeit sich selbst zu helfen. Warscheinlich wirkt Magnesium / Kalium unterstützend.

#5 |
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Hoffentlich kommen diese Diagnosemöglichkeiten auch schnell beim Praktiker an.

#4 |
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Wie Sie richtig schreiben, kann RLS verschiedene Ursachen haben. Bei mir tritt die Symptomatik regelmäßig abends und nachts auf. 200 mg Magnesium bringen die Zuckungen innerhalb einer halben Stunde zum Verschwinden. Manchmal hilft eben am einfachsten die Erfahrungsmedizin.

#3 |
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Angela Leyrat
Angela Leyrat

Super. Ganz wichter Artikel. Schade, dass diese Symptome nur medikamentös zu behandeln sind.

#2 |
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Patients with secondary restless legs syndrome associated with small fibre neuropathy showed thermal hypoaesthesia to cold (Adelta-fibre mediated) and warm (C-fibre mediated)
?=?
Die RLS-Patienten, die an einer Erkrankung der feinen Nervenfasern litten, reagierten stärker auf Kälte und Wärme.

#1 |
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