Hemmt Cannabis den zerebralen Blutfluss?

4. Januar 2017
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Laut aktuellen Untersuchungen scheint Marihuana den Blutfluss zum Gehirn zu hemmen. Das könnte das Gedächtnis und die Denkfähigkeit beeinträchtigen und in weiterer Folge eine zentrale Rolle bei der Erkrankung von Alzheimer spielen, wie eine neue Studie nahelegt.

Gehirnscans von ehemaligen oder aktiven Cannabis-Konsumenten haben einen auffällig niedrigen Blutfluss gezeigt, verglichen mit einer kleineren Kontrollgruppe von 92 Personen, die noch nie Marihuana geraucht hatten. Zu diesem Ergebnis kam das Team um Dr. Daniel Amen, Facharzt für Psyciatrie und Direktor der Amen Clinics (USA).

1.000 Gehirne im direkten Vergleich

Das Forscherteam wertete fast 1.000 Gehirnscans von ambulanten Patienten von neun unterschiedlichen neuropsychiatrischen US-Kliniken aus. Die Betroffenen waren aufgrund schwerwiegender psychologischer oder neurologischer Probleme in Behandlung.

Die Gehirnscans wurden mittels Single-photon Emission Computed Tomography erstellt (SPECT). Die Forscher eruierten 982 Patienten in der Datensammlung, die mit einer „Cannabis use disorder“ diagnostiziert worden waren – damit sind Personen gemeint, die Marihuana in einem solchen Umfang zu sich nehmen, dass Gesundheit, Arbeit und Familienleben dadurch beeinträchtigt werden.

„Die Unterschiede waren erstaunlich,“ berichtet Studienleiter Amen. „Nahezu jeder Bereich des Gehirns, den wir gemessen haben, wurde bei den Marihuana-Konsumenten weniger durchblutet als bei der Kontrollgruppe.“

Durchblutung: Fluss vs. Bächlein

„Der Hippocampus ist das Tor zum Gedächtnis, um Erinnerungen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern,“ sagt Amen. „Sieht man sich die Gehirne der gesunden Probanden und der Marihuana-Raucher an, sind die Unterschiede im Bereich des Hippocampus mit Abstand am gravierendsten,“ erklärt er. Der auffällig niedrige Blutfluss bei Cannabis-Rauchern in diesem Bereich erlaubte es den Experten, verlässlich die Gehirne der jeweiligen Gruppe zuzuordnen.

Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Durch den Gebrauch der Droge greift man in die Erinnerungsbildung ein, da die Aktivität im Hippocampus gehemmt wird.

Experten raten zu gesundem Respekt

„Die Stimmen, die sagen, Mariuhana sei eine harmlose Medizin, die legalisiert werden sollte, werden immer lauter,“ so Amen. „Unsere Untersuchungen stellen dies in Frage.“ Nicht nur beim Rauchen sank der Blutfluss, sondern auch bei der direkten Einnahme der Hanfpflanze: „Wir konnten den Effekt auch bei Menschen beobachten, die nicht rauchten, sondern die Substanz z.B. in Form von Cookies zu sich genommen hatten.“

Auch wenn die Studie keinen direkten Nachweis zulässt, ob die Einnahme tatsächlich das Risiko für kognitive Störungen oder Alzheimer erhöht – die Forscher raten Ärzten, sorgfältig abzuwägen, bevor sie eine auf Marihuana basierende Therapie empfehlen, wenn es sich bei dem Patienten um jemanden handelt, der bereits an Alzheimer leidet.

Studie mit Lücken

Es gibt einige Faktoren, die den Vergleich der beiden Gruppen erschweren. So litten in der Marihuana-Gruppe 62 Prozent am Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom, 35 Prozent an Depressionen und 27 Prozent hatten bereits ein Schädel-Hirn-Trauma.

„Es sieht so aus, als wären alle Cannabis-Konsumenten aufgrund eines Problems in der Klinik gewesen, die Personen aus der Kontrollgruppe hingegen nicht,“ kritisiert Prof. Earelywine, Psychologe an der State University of New York at Albany, die Studie. Er ist bekennender Befürworter der Legalisierung von Cannabis.

„Man müsste wirklich behaupten können, dass der einzige Unterschied zwischen den analysierten Gruppen der ist, ob die Personen Marihuana konsumierten oder nicht, und das kann man in diesem Fall nicht,“ so Dr. Fife der American Academy of Neurology. Zudem kritisiert Fife, dass aus der Studie nicht hervorgeht, wie viel und wie häufig die Personen die Droge konsumiert hatten. Um einen direkten Zusammenhang zwischen Marihuanakonsum und Alzheimer herstellen zu können, sind deshalb weitere Studien notwendig.

Originalpublikation:

Discriminative Properties of Hippocampal Hypoperfusion in Marijuana Users Compared to Healthy Controls: Implications for Marijuana Administration in Alzheimer’s Dementia
Daniel G. Amen et al.; Journal of Alzheimer’s Disease, doi: 10.3233/JAD-160833; 2016

33 Wertungen (1.79 ø)

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10 Kommentare:

Gast
Gast

Die 5 wichtigsten Vorteile von Cannabis bei Alzheimer
Medizin Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die typischerweise bei Erwachsenen im Alter von über 65 Jahren auftritt. Die Erkrankung verursacht Symptome wie beispielsweise Demenz; mit ihrem Fortschreiten wird es dem Erkrankten immer weniger möglich, für sich selbst zu sorgen. Für Alzheimer gibt es keine Heilung, aber Medikamente wie z. B. auch Cannabis können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

#10 |
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SaraN
SaraN

Wie sehr kann man sich als Wissenschaftsseite eigentlich blamieren? Absichtlich oder aus Ahnungslosigkeit?

Wie gut, dass es eine Kommentarfunktion gibt.

#9 |
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Marle.M
Marle.M

Studien die von der Pharma oder Alkohlindustrie finanziert werden liefern immer ein negatives Ergebnisse. Anderen Studien belegen das Cannabis sogar vor Alzheimer schützt. In Amerika klagen jetzt sogar Alkohol und Pharmaindustrie gegen die Legalisierung weil denen die Umsätze einbrechen. Das sagt doch eigentlich schon alles.

#8 |
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Gwerulant
Gwerulant

“Die Betroffenen waren aufgrund schwerwiegender psychologischer oder neurologischer Probleme in Behandlung…. Die Forscher eruierten 982 Patienten in der Datensammlung, die mit einer „Cannabis use disorder“ diagnostiziert worden waren – damit sind Personen gemeint, die Marihuana in einem solchen Umfang zu sich nehmen, dass Gesundheit, Arbeit und Familienleben dadurch beeinträchtigt werden.”

Na wenn eine solche Peer Group genommen wird… ist das Ergebnis natürlich total aussagekräftig für die medizinische Nutzung unter Ärztlicher Aufsicht. Auch der “Otto Normal” Nutzer (der keine Probleme hat) muss dodal uffbasse! Natürlich wird auch in Zukunft die Gefährdung durch eine Substanz IMMER nur an den Ausnahmen und Problemfällen festgemacht- nie an der Masse der Unauffälligen.

[Allergikerinfo- dieser Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen sie einen Komiker Ihrer Wahl]

#7 |
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HM420
HM420

Und warum wurden als weitere Kontrollgruppe nicht auch Cannabiskonsumenten herbei genommen, welche ebenso lange und regelmässig Cannabis nutzen, aber dennoch in vollem Umfang und ohne Probleme an der Gesellschaft teilnehmen ? – Sprich in fester Berufsanstellung sind, sozial integriert in Familie und Freundeskreis und ohne Erkrankungen ?…
Sondern nur Nutzer die zu einer Gruppe von ca. 5% aller Konsumenten gehören (..und wie ja beschrieben schon ein Problem hatten zu dem Zeitpunkt als Sie für diese “Studie” heran genommen wurden !..) ?
Und wie wurde die Menge und Häufigkeit der Cannabisnutzung ermittelt – ebenso welche Qualität dieses C. hatte ( Stichwort “Streckmittel” und Verunreinigungen ) ? …Da ich nicht glaube das Sie dieses in gleicher und konstanter Qualität von den Ärzten bekammen,oder doch ?… Und welche Konsummuster konnten den Probanden noch nachgewiesen werden, welche hier aber nicht aufgelistet und bewertet wurden – sprich welche Medikamente erhielten Sie bzw. nahmen Sie zum Zeitpunkt der Studie noch ein, da ja wie erwähnt die Personen “krank” waren und somit mit Sicherheit nicht ohne Medikamente behandelt wurden.
Und wie sah es mit dem Alkoholkonsum aus ?…
Nun ja, für mich bleiben da mehr Fragen offen als hier Antworten gegeben wurden wodurch mir scheint dass das alleinige Ziel wohl war etwas Negatives zu finden, ohne das ein wirklicher Bezug zum Cannabiskonsum gegeben ist !
MfG

#6 |
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Gast
Gast

…sondern erlöse uns von dem Blöden. AMEN!
Wat für’n Scherz-Cookie, der Danny-Boy…

#5 |
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Gast
Gast

Ha, Ha… Dieser Satz aus Dr. Amens Wikipediabeschreibung ist besonders geil:

“However, Amen’s use of SPECT scans to aid in psychiatric and neurological clinical diagnosis is based on unproven claims and has been criticized by psychiatrists and neuroscientists on ethical and safety grounds.”

#4 |
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Gast
Gast
#3 |
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Gast
Gast

Wer sich mal über Dr. Amen schlau macht, erkennt schnell, dass diese Studie ein “Geschmäckle” hat.
Dr. Amen ist in amerikanischen Fachkreisen hochumstritten und wird von einigen seiner Kollegen als Quacksalber bezeichnet. Er verdient sein Geld mit unseriösen Ratgebern und Nahrungsergänzungmitteln. Darüber hinaus betreibt er mehrere Kliniken in denen er seine Patienten mit höchst umstrittenen aber kostenintensiven Verfahren behandelt. Ebenfalls gilt er als Neo-Phrenologe mit unwissenschaftlichen Überzeugungen. Seriös ist anders.
Auch die Washington Post hat ihn schon in der Luft zerrissen.
Ist schon interessant was einem alles so als seriöse Wissenschaft verkauft werden soll…

#2 |
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Johann
Johann

http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/medizin/demenz/wie-alzheimer-durch-cannabis-aufgehalten-werden-kann-aid-1.4512293.amp?

Und jetzt? Für mich eher ein weiterer Versuch, die Legalisierung schlecht zu reden.

#1 |
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