AMNOG: Chance vertan, Zukunft ungewiss

10. Dezember 2010
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Lange Gesichter gab es bei den Interessenvertretern der Apothekerschaft und des Großhandels, als das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz am 11. November den Bundestag passierte. Ein elitäres Problem einzelner Berufsgruppen? Sicher nicht, steht doch langfristig die Zukunft eines Eckpfeilers des Gesundheitssystems auf dem Spiel.

Gleich nach der Abstimmung meldete sich Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler euphorisch zu Wort: „Mit dem Reformgesetz machen wir den Weg frei für fairen Wettbewerb und eine stärkere Orientierung am Wohl der Patienten. Wir schaffen eine neue Balance zwischen Innovation und Bezahlbarkeit von Medikamenten. Zusatznutzen und Wettbewerb bestimmen künftig den Preis“. Wirklich ein Reformgesetz? In der Tat lohnt ein Blick auf die eigentliche Bedeutung dieses Begriffs. „Reform bezeichnet in der Politik eine größere, planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse und Systeme“, heißt es dazu bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Dieses hehre Ziel mag beim AMNOG nur schwer erkennbar sein, werden doch vor allem die Apotheken zur Kasse gebeten, und das nicht zum ersten Mal.

Reformvorhaben oder Klientelpolitik?

In der jetzigen Form ist das bundesdeutsche Gesundheitssystem nicht überlebensfähig, das steht außer Frage. Rösler kämpft derzeit mit einem Defizit von etwa neun Milliarden Euro. Warum allerdings gerade die Apotheken in der Schusslinie sind, mag erstaunen. In Zahlen: Die gesetzlichen Krankenkassen gaben im vergangenen Jahr rund 32 Milliarden Euro für Arzneimittel aus, Tendenz steigend. Gerade mal 2,5 Prozent dieser Summe gehen dabei auf das Konto der Apotheken – die Verwaltungskosten der Versicherer sind etwa doppelt so hoch einzuordnen.

Auch die Lockerung der Wartezeit bei einem Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wird zu Verlusten in Höhe von etwa 300 Millionen Euro führen. Durch die Aufhebung der so genannten Drei-Jahres-Regel können nämlich ab 2011 rund 40.000 Versicherte zusätzlich zu privaten Versicherern wechseln. Zieht man die verringerten Ausgaben der GKVen ab, bleiben immer noch 200 Millionen Euro rechnerischer Verlust.

So wird klar, warum Heinz-Günther Wolf, der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, konstatiert: „Die Regierung schüttet bei anderen Leistungserbringern das Füllhorn aus. Apotheker und Patienten zahlen die Zeche“. Der Raubbau an den Apotheken und ihren Mitarbeitern werde zum Gesetz. Die Koalition aus Union und FDP nehme tausenden Apotheken die Luft zum Atmen, so Wolf weiter, und bedrohe anscheinend bewusst die hochwertige flächendeckende Arzneimittelversorgung in Deutschland.

Das Netz wird löchrig

Bricht die pharmazeutische Versorgung zusammen, hat das Gesundheitssystem in den nächsten Jahren dicke Probleme: In einer Gesellschaft, deren Mitglieder immer älter werden, ist gerade die wohnortnahe Apotheke wichtig, und zwar nicht nur bei Arzneimitteln. Viele chronisch kranke Patienten könnten diese als Partner in strukturierten Behandlungsprogrammen aufsuchen, so der Plan. Dort laufen künftig alle Fäden der Arzneimitteltherapie im Rahmen der pharmazeutischen Versorgung zusammen. Auch im Pandemiefall, glücklicherweise noch nicht eingetreten, sichert ein Netz, das noch mehr oder minder engmaschig das ganze Land umspannt, die rasche Versorgung der Bevölkerung. Eine Forderung lautet also: Apotheken sollen künftig noch mehr leisten. Es muss allen Beteiligten dann aber auch klar sein, dass dies auch finanziell zu honorieren ist.

Neues Jahr, neue Sorgen

In wenigen Wochen greifen die AMNOG-Änderungen. Bald werden Apotheken allein durch die Anhebung des Zwangsrabatts an die Krankenkassen sage und schreibe 200 Millionen Euro pro Jahr verlieren. Bei einem durchschnittlichen Umsatz fehlen pro Chefin oder Chef rund 7.500 Euro an Rohertrag, so ein Rechenmodell. Der Großhandel wird ebenfalls 200 Millionen Euro in Form eines preisabhängigen Anteils abdrücken müssen. Das Fatale daran: Einige Firmen haben bereits klar gestellt, diese Summen zumindest teilweise der Apothekenbranche aufs Auge zu drücken. Laut Aussage des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) etwa muss mit Leistungseinschränkungen gerechnet werden. Im Klartext fallen bald nicht nur Rabatte unter den Tisch. Denkbar wären auch Versandpauschalen, eine seltenere Belieferung oder ungünstigere Zahlungsziele aus Apothekensicht.

Innovative Arzneimittel – kreative Preisvorstellungen?

Die Preisgestaltung für neue, innovative Arzneimittel stieß im Ausland schon immer auf Verwunderung – konnten die Firmen bis dato selbst einen Obolus festlegen. „Der Preis für ein Medikament hat nichts mit den Produktions- und Entwicklungskosten zu tun“, so der Arzt und Apotheker Wolfgang Becker-Büser, Herausgeber des Arznei-Telegramms. „Die Hersteller verlangen, was der Markt hergibt“. Bereits Anfang des Jahres hatte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, Änderungen angemahnt: „Wenn es nicht gelingt, mit der Arzneimittelindustrie eine Vereinbarung über wesentlich niedrigere Arzneimittelpreise zu schließen, dann brauchen wir eine gesetzliche Lösung“. Diese ist mit dem AMNOG zwar in Form von Zwangsrabatten gekommen. Am Nährwert der Regelungen haben aber Experten wie Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen so ihre Zweifel. Das neue Procedere: Auf Basis von Zulassungsstudien kann eine Firma mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss den späteren Preis aushandeln. Glaeske: „Dieses Verfahren ist nicht rational, weil es in Wirklichkeit keine Kosten-Nutzen-Bewertung ist, sondern eine vorgezogene, auf Basis von unsicheren Daten entwickelte Kostenschätzung“. Ein Fazit des Wissenschaftlers: „Die kostendämpfenden Maßnahmen tun der pharmazeutischen Industrie sicher weh. Aber über allen anderen Regelungen des AMNOG sehe ich den großen Schatten des Lobbyismus der pharmazeutischen Hersteller“.

Wo ließe sich sinnvoll sparen?

Niemand kann die genauen Folgen des AMNOG voraussagen. Allerdings haben viele Apotheken, meist Klein- und Kleinstbetriebe, mittlerweile die Existenzgrundlage unterschritten. Als unternehmerische Entscheidungen bleiben theoretisch nur noch die Ankurbelung der Zusatzverkäufe – unwahrscheinlich und heilberuflich oft nicht moralisch, die betriebsbedingte Kündigung von Angestellten – ebenfalls unmoralisch und unsinnig, denn die Arbeit an sich wird nicht weniger, oder eben die Schließung der Apotheke. Zumindest ließen sich durch die Bildung von Einkaufsverbünden bessere Konditionen beim Großhandel herausschlagen.

Bereits jetzt machen sich erste Folgen bemerkbar, sicher nicht allein durch das AMNOG-Sparpaket, sondern auch durch zahlreiche Vorgängerreformen. Eine Umfrage der Apothekengewerkschaft ADEXA ergab, dass sich bei Angestellten in großem Umfang Überstunden anhäufen. Rund 42 Prozent gaben an, regelmäßig Mehrarbeit zu leisten, und 55 Prozent mussten gelegentlich aufstocken. Barbara Neusetzer, Erste Vorsitzende von ADEXA: „Überstunden sind an sich dazu gedacht, flexibel auf nicht im Voraus kalkulierbare betriebliche Erfordernisse reagieren zu können“. Es sei nicht Sinn und Zweck der Sache, dadurch Mitarbeiter einzusparen.

Perspektive: zwei Jahre warten

Aus Sicht der Apothekenbranche gäbe es weitaus bessere Lösungsansätze als das AMNOG: Allein durch eine Absenkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 16,5 Prozent könnten die Kassen um 600 Millionen Euro im Jahr entlastet werden. Dabei ist diese Forderung im europaweiten Vergleich recht harmlos – fast alle anderen Länder wenden einen verminderten Satz an. Der Durchschnittswert liegt Untersuchungen zufolge bei etwa zehn Prozent. Nicht nur aus Apothekenkreisen kommen entsprechende Forderungen. In ihrem Jahresgutachten empfiehlt auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, besser bekannt als „Wirtschaftsweise“, entsprechende Maßnahmen allein schon unter dem Aspekt der steuerlichen Vereinfachung. Doch momentan scheint Abwarten die einzige Perspektive zu sein: Erst ab 2013 kann der Apothekenrabatt zwischen dem Deutschen Apothekerverband und dem Spitzenverband der GKV wieder angepasst werden.

Lesen Sie hier den 1. Teil und den 2. Teil der DocCheck AMNOG-Serie.

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Pharmazie

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13 Kommentare:

Selbstst. Apotheker

Ein Pharma-Aussendienst sagte mir heute, es würde wohl Klagen gegen das AMNOG vorbereitet nur unser Verband ist still.

Wie können wir den zur Klage zwingen? Denn das Vorgehen der Politik ist doch mit Sicherheit nicht mehr verfassungsgemäß, da die Ausgewogenheit fehlt.

Bin gespannt ob endlich mal Zähne gezeigt werden. Ich kann nur beissen lassen, denn mir fehlt inzwischen Zeit und Geld gegen die Spiele der Politik und der GKVen vorzugehen.

#13 |
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Apotheker

Wieder einmal geht, unter dem Strich betrachtet, die öffentliche Apotheke für Grosshändler, Krankenkassen und Banken auf denselbigen……..
Wer weiterhin wie bisher unnötige Dienstleistungen erbringt wie z B die Dummschau, Botenzustellung eines Maggiwürfels bis in den 5.Stock, umsonst Kopien zieht und teuer eingekaufte Zugaben wie Schwimmtiere, Cremesachets, die im Müll landen oder , wie man im Kohlenpott sagt, “Tittenklümpkes” ( auch als Brust-Karamellen bekannt)en masse unters Volk schmeisst, wird mit AMNOGs ohne zahlenmässige Obergrenze belohnt werden, denn ein jeder wird seinen Lohn empfangen, heute, morgen übermorgen…..
Wenn dann noch die letzte Kleinstapotheke ein steuersubventioniertes Dasein als Filiale führt, wird die Zahl der Apotheken nicht merklich nach unten zeigen.
Die Aussage vom EsPeDe Menschen Dressler aus dem Jahre 1994 bezüglich einer Halbierung eines Zahlenwertes ist eingetreten : der Wählerstimmenanteil seiner Partei.
Eines ist seit der neuesten Politikergrotestke augenscheinlich : die Fraktion der Apothekenhasser und Zerstörer ist parteiübergreifend : wer als eine Personengruppe wie Politiker ein derart schlechtes Ansehen in der Stimmviehherde, sprich Bevölkerung hat, versucht mit allen Mittel, von hausgemachten Makeln abzulenken, indem eine Gruppe mit sehr geringem zu erwartenden Widerstand niedergemacht wird : welcome to the club!

#12 |
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Selbstst. Apotheker

Viele unserer Kolleginnen und Kollegen sehen ihr Heil leider nur in Super- Sonderangeboten. Ein Beispiel fand ich jetzt wieder in unserer Regionalzeitung. Für einen Stadtteil-Weihnachtsmarkt gab es einen mehrseitigen Informationsbericht mit mehr als 20! Inseraten drumherum. Ich fand hierunter nur ein EINZIGES Inserat mit Sonderangeboten und das War eine APOTHEKE, während ein Handwerker nur mit einem einzigen Wort für seinen Betrieb warb, das kiess “KOMPETENZ”. Für mich vorbildlich,aber wir Akademiker unter den Selbständigen sind soweit heruntergestiegen, dass uns nur noch das Wort “Rabatt” einfällt. Soll uns da die Politik noch ernst nehmen, wenn wir die Produkte fast verschenken?

#11 |
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Ingrid Heberle
Ingrid Heberle

Was muß noch geschehen, bis unsere Branche aufwacht? So lange es Apotheken gibt, die Arzneimittel zu Diskountpreisen verramschen, Rabatte auf Rezepte geben etc, so lange wird die Politik glauben, dass bei Apotheken noch viel zu holen ist. Es wird Zeit, dass unsere Leistung ordentlich honoriert wird und die Kosten aller am Gesundheitswesen beteiligten der Öffentlichkeit präsentiert werden. Mehrwertsteuer runter, Verwaltungskosten der Krankenkassen offenlegen. Aber das ist ja politisch nicht gewünscht.

#10 |
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dr. ralph brachvogel
dr. ralph brachvogel

kann man wohl sagen!!!

#9 |
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Uwe Dietze
Uwe Dietze

Herr van Heuvel hat gut recherchiert, aber etwas übersehen:auch Einkaufsverbünde der Apotheker können keine Besserung herbeizaubern, das wurde oder wird ja schon versucht, mit bescheidenen Erfolgen. Zudemm besteht die GKV ja darauf, dass ihr die von den Apothekern erzielten Rationalisierungsrabette gehören – mit welchem Recht überhaupt? Der Apotheker wird bestraft, wenn er klug einkauft! Dabei ist er doch ein “e.K.” der muss das doch um zu überleben. Im Grunde ist das System korrupt: die GKV erpreßt mit staatlicher Unterstützung die Hersteller mit ihren Rabattforderungen und die Apotheker helfen unfreiwillig mit der folgsamen Umsetzung der Verträge und werden dafür auch noch bestraft. Das ist doch zum Ko…..

#8 |
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Michael Erren
Michael Erren

Kein seriöses OTC- Arzneimittel dürfte unter, sagen wir, 8 Euro kosten. Was soll denn das: 20 Tabletten Paracetamol 1,48 EUR, die gleiche Menge Cetirizin 2,99, Ibuprofen akut 400 10 Tabletten ebenfalls 2,99 etc.etc. Aber bitte 10 Minuten Beratung jeweils durch approbierte ApotherInnen. Grotesker gehts nicht mehr. Trotzdem suchen “Kollegen” in Anführungszeichen ihr weiteres Heil in noch niedrigeren Discounterpreisen. Kein Wunder, dass bei soviel Doofheit die Politik bedenkenlos zugreift. Außerdem sollte Konsens darüber herrschen, dass viele Serviceleistungen kostenlos nicht mehr anzubieten sind, z.B. Botendienste, Zeitschriften, Plastiktüten, Kalender, aber auch die ständige Fotokopiererei der Privatrezepte.

#7 |
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Zum Glück ist mein Berufsleben bald beendet. Nach mittlerweile 60 Stunden die Woche ohne Urlaub in den letzten 5 Jahren auf Grund einer Konkurrenzsituation, freue ich mich auf meinen (Un-)ruhestand. Ich fühle mich durch die Vertragsschikanen und die verkorkste N-Regelung (z.B. N3 = 98/100 oder 56/60), nach über 1 Jahr kommt dann der Regress, extrem schikaniert. Das entspricht nicht dem Beruf, den ich nach Praktikantenzeit,Vorexamen und Studium gelernt habe… Heute kam dann die Krönung: Nachforderung von Herstellerrabatten durch die BEK aus 2006 (!!!). Mir reicht es, ich habe auf gut deutsch gesagt die Schn…. gestrichen voll. Aus Berlin hört man dann, es hätte auch schlimmer kommen können. Wie kann man nur solche Verträge abschliessen. Unserem Stand geht es offensichtlich noch zu gut, es existiert immer noch der Futterneid. Es werden Taler, Rabatte, Zeitungen und Zugaben verteilt um dem Kollegen die Rezepte abzujagen. Die Patienten freuen sich und spielen einen gegen den anderen aus. Eine Einheit beim zurück zu den Wurzeln ist nicht zu erwarten: Der grösste Feind des Apothekers ist der ( Versand-) Apotheker selbst.

#6 |
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Apotheker

wen wundert es, dass die politik glaubt, bei den Apothekern sei noch genug zu holen, wenn unsere Standeszertreter jetzt noch die Jägerstrasse vergrössern für Millionen. Das ist nue ein Beispiel für viele, auch Umschau, Zugaben etc. gehören dazu.

#5 |
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Apotheker

Die Apotheker schlucken und machen wie bisher weiter, denn eigentlich müsste ich nach der AMNOG-Pleite als Schatzmeister des Vereins Freie Apothekerschaft e.V. http://www.freie-apothekerschaft.de wegen deutlichen Mitgliederzuwachses Überstunden schieben, was ich gerne täte. Aber die Apotheker beuten sich lieber weiter aus. Sie sind Aufmucken nicht gewohnt, obwohl die Möglichkeit jetzt da ist.

#4 |
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Apotheker

Fast das gesamte politische Spektrum hat seit 1971 mit
fadenscheinigen Argumenten am System herumgeschraubt.
Schlimmer noch: Unsere (?) StandesVERtreter haben nur
genickt, abgenickt. Sie tun es immer noch. Wenn es drauf
ankommt. Eine (einseitige) Kündigung aller Verträge durch
die ABDA, Rezepte nur noch gegen Barzahlung. Nach etwa vier
Wochen dürften die Apotheken dann den Stellenwert haben, der ihnen gebührt.Aber da der größte Feind der Apotheker in den eigenen Reihen sitzt… So wird es unter noch weiteren AMNOGS, Knocks, und Knockouts gepaart mit
Talern, Punkten auf Rx wetergehen. Bis zum bitteren Ende.
Aber unsere jungen PTA´s sind tapfer, sozusagen die
pharmazeutischen Trümmerfrauen von morgen.
Gesegnete Weihnachtszeit ! Und Friede den Menschen, die
guten Willens sind.

#3 |
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Ich erinnere nur an das politische Statement aus der Mitte der 90er: Wir drehen so lange an der Schraube, bis die Hälfte der Apotheken verschwunden ist.
Was also wundert uns?

#2 |
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Selbstst. Apotheker

Es ist gewagt beim AMNOG von einer Reform zu sprechen. Eine Reform kennzeichnet aus, dass neue Strukturen geschaffen werden, die vorhandene nicht mehr funktionsfähige ablösen sollen. Ein Fortschritt durch Verbesserung.
Hier wird aber mal wieder nur Geld umverteilt, Zwangsrabatte erhöht und eingeführt. Die Umverteilung ist aber nicht gerecht, wird der Leistungsbringer Apotheke mit dem geringsten Wertschöpfungsanteil wieder bestraft, während Ärzte und Verwaltung der GKVen wieder zulangen dürfen. Ein festschreiben der Verwaltungskosten auf das Niveau von 2010 bedeutet doch das die GKV nun nochmals Geld raushaut damit sie nächstes Jahr mehr in der Tasche hat. (vermutlich)
Wir schaffen es nicht auf unseren geringen Anteil an den Kosten des Gesundheitssystem aufmerksam zu machen. Wir werden an den kompletten Ausgaben für die Medikamente gemessen und für diese auch noch verantwortlich gemacht. Wir haben 19% MwSt zu verantworten, schaffen wir es doch nicht, die Politik zu bewegen diese auf europäisches Niveau zu senken. Wir verantworten die hohen Arzneimittelpreise der Hersteller, fehlt uns doch die Marktmacht die zu drücken( ein leichtes für 2-3 große Apo-Ketten). Wir verantworten unseren unverschämt hohen Anteil, den wir für unsere Arbeit verlangen, weigern wir uns doch kostenlos zu arbeiten.
Wir verantworten die vielen Patienten die Rezepte verlangen und die Medikamente bei uns holen, machen wir Ihnen in der Beratung doch nicht klar dass sie keine Medikamente brauchen. Die nicht so schwerkranken werden von alleine gesund , die anderen sterben halt früher( positiver Nebeneffekt für die Rentenkasse). Und selbstverständlich holen wir die ganzen Patienten von der Strasse und treiben diese zum Arzt, wegen der Rezepte .
Und das wir den Großhandel für die Anlieferung der Medikamente bezahlen verstehe ich sowieso nicht, denn unser Lieferservice ist doch auch kostenlos.
Ok nun mal wieder ernst! Die Politik will auf dem Apothekenauge blind sein, wird sie doch von gesundheitspolitischen Beratern geführt, die aus der Ecke der Kettenbeführworter kommen, also ist es Ziel die vielen Kleinbetriebe in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben, damit dann die Kette als Retter hervorspringen kann, um die Arzneimittelversorgung zu gewährleisten. Erst stirbt die Landapotheke und das flächendeckende Apothekennetz wird zerrissen, dann kommen Celesio und Konsorten und versprechen dies zu beheben wenn man nur dürfe. Wenn dann der Fremdbesitz erlaubt ist macht man erstmal die verbliebenen eigenständigen Apotheken platt und dann können die Preise für Medikamente angehoben werden, denn mit nur paar Marktbeteiligten ist die Politik diesen ausgeliefert und muß machen was die wollen.
So oder ähnlich sieht die Apothekenzukunft aus und ich hoffe ich habe Unrecht.

#1 |
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