Notdienst: Tausche Klappe gegen Gans

28. Dezember 2016
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Dieses Jahr verbrachte ich Weihnachten etwas anders als sonst. Statt zuhause mit meiner Familie gutes Essen zu genießen, entschied ich mich nach zwölf Jahren einmal bewusst für den Apothekennotdienst – eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.

Der 24. Dezember, Heiliger Abend, gemeinsame Stunden mit der Familie – eigentlich. In diesem Jahr tauschte ich Gans und Rotkohl jedoch gegen die ND-Klappe. Seit 12 Jahren bin ich im Dienst, doch bisher war ich am Heiligen Abend immer zu Hause bei Familie und Kindern. Auch wenn ich Mutter von bereits erwachsenen Kindern bin, genieße ich das gemeinsame Beisammensein, das leckere Essen und das Geschenke-Auspacken unter dem Tannenbaum.

Um 16.30 Uhr ging es in die Apotheke. Von der erwarteten, besinnlichen Ruhe war allerdings relativ wenig zu spüren. Viele Patienten haben mir an der Klappe und am Telefon ihre Krankheitssymptome geschildert: Schmerzen im Rücken, starke Halsschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen, Scharlach bei Kleinkindern, Vaginalpilz  und und und – auch am Heiligen Abend war so ziemlich jede Beschwerde vertreten.

„Haben Sie auch Pre-Milch?“

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Anruf mit der Nachfrage nach Säuglingsnahrung. Kaum zu glauben, doch neben den zahlreichen Weihnachtseinkäufen haben die Eltern des drei Tage alten Neugeborenen vergessen, entsprechende Nahrung einzukaufen. Ich habe sie an die Flughafenapotheke in Köln verwiesen und hoffte, dass diese damit bevorratet sei. Ich konnte leider nicht mit entsprechender Säuglingsnahrung aus unserer Apotheke dienen.

Verstopfte Nasen und Harnwegsinfekte hielten mich die restliche Nacht auf Trab. Doch trotz zahlreicher Kunden und Patienten war es ein angenehmer Dienst. Ich hatte das Gefühl, man spürte die besinnliche und festliche Stimmung. Viele Patienten schienen besonders dankbar für meine Hilfe zu sein.

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Pharmazie, Pharmazie

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1 Kommentar:

Viele Menschen haben nach meiner Erfahrung inzwischen das Bedürfnis, an Weihnachten zu verschwinden, ggf. auch zur Arbeit, um dem Extremrummel zu entgehen. Früher hat es mich psychisch belastet und mit Schuldgefühlen erfüllt, wenn ich Weihnachten oder Silvester Dienst hatte und die Familie mit 3 kleinen Kindern allein sitzen lassen musste. Inzwischen kommt bei mir bei der immer größer werdenden Verwandtschaft so manchmal ein Fluchtreflex zu Weihnachten hoch. Geht aber nicht. Habe einen behinderten Bruder der seit dem Tod meiner Eltern immer Weihnachten 2-3 Wochen bei uns ist, und den ich niemandem aufs Auge drücken kann. Kann nicht weg. Na ja, war trotzdem wieder schön.

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