Brustkrebs: Die vorsorglichen 4

26. Januar 2017
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Beim Mammakarzinom sind die Aussichten besser, je früher der Tumor entdeckt wird. Mit der Kegelstrahl-Brust-CT oder der High-Definition-Tomosynthese wird die ärztliche Krebsvorsorge optimiert – bei der Selbstuntersuchung helfen Geräte wie iBreastExam oder Braster.

Um eine bösartige Veränderung möglichst früh zu erkennen, sollten Frauen mindestens einmal im Jahr ihre Brust durch einen Frauenarzt untersuchen lassen. Gängige Untersuchungsmethoden sind das Abtasten der Brust sowie die Ultraschalluntersuchung, die Kernspintomografie oder das Mammografie-Screening. Mit Letzterem lassen sich bereits sehr kleine Tumoren nachweisen, sodass etwa 90 Prozent der Betroffenen geheilt werden können. Welche Methode in welchem zeitlichen Abstand angewandt wird, hängt vom Alter der Frau sowie von der „Vorbelastung“ ab. Eine ideale Ergänzung zu den ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen ist das bewusste Abtasten der eigenen Brust. Denn ein Großteil der Brustkrebserkrankungen wird von den Frauen selbst entdeckt.

Braster: Für die Selbstkontrolle daheim

Diese Selbstuntersuchung zu Hause möchte das polnische Unternehmen Braster erleichtern und hat daher ein gleichnamiges, mitnehmbares Gerät entwickelt – den sog. Braster. Im Inneren des Geräts befinden sich flüssigkristalline Verbindungen, die Temperaturveränderungen auf der Hautoberfläche messen können. Denn Tumore setzen bei ihrer Entstehung Energie frei und dadurch besitzt das Gewebe eine höhere Temperatur. Für den Test setzt man das Gerät auf die linke bzw. rechte Brust. Nun fertigt der Braster Wärmebilder an und überspielt diese anschließend auf das Tablet oder Smartphone. Hierfür wird allerdings eine App benötigt, für die man bei dem Unternehmen ein Monatsabonnement abschließen muss. Verfügbar ist der Braster bereits in Polen. Andere Länder sollen folgen.

iBreastExam: Einfach anzuwenden

Nicht für die Selbstuntersuchung daheim, sondern um die Vorsorgeuntersuchung zu optimieren, entwickelte UE LifeScience ein kostengünstiges Gerät mit dem Namen iBreastExam. Erhältlich ist dieses Gerät derzeit in Indien und den USA.

Vorteil des iBreastExam ist, dass die Frauen nicht zu der Vorsorgeuntersuchung, sondern die Vorsorgeuntersuchung zu den Frauen kommt. Das Gerät ist nämlich nur handtellergroß und kann dadurch überall mithingenommen werden. Zudem ist es einfach zu bedienen. Radiologieexperten sind daher nicht notwendig. Die Untersuchung kann von einem Hausarzt, einer Krankenschwester oder einem Sozialarbeiter durchgeführt werden.

Der iBreastExam ist mit speziellen Sensoren ausgestattet, die eine unterschiedliche Gewebeelastizität – beispielsweise aufgrund eines Tumors – registrieren. Für die Untersuchung wird das Gerät nacheinander auf unterschiedliche Brustbereiche gehalten. Welche das genau sind, gibt der Untersucher in einem webbasierten Programm an. Bezahlt wird pro Test, was bei vielen durchgeführten Untersuchungen teuer werden kann. Problematisch ist auch, dass für die Untersuchung eine Internetverbindung benötigt wird. Fehlt diese, ist ein Zugriff auf das Programm nicht möglich.

Studien von teilweise Firmen gesponsert

iBreastExam und Braster sollen laut Studien, die teilweise von den Firmen gesponsert wurden, die Tumorentdeckungsraten verbessern: Der Braster beispielsweise entdeckt laut einer klinischen Studie, an der etwa 700 Frauen teilgenommen hatten, bei 72 von 100 erkrankten Frauen das Krebsleiden (Richtig-Positiv-Rate). Die Zahl erhöhte sich auf 96 Prozent, wenn das Verfahren mit einem Mammografie-Screening kombiniert wurde.

Problematisch war allerdings die Spezifität: Nur 58 Prozent der gesunden Probandinnen wurden auch als gesund erkannt. Anders der iBreastExam. Das Gerät erkannte laut einer Studie [Paywall] vom Juni 2016 bei 84 von 100 Frauen das Karzinom und bestätigte bei 94 von 100 Frauen dessen Abwesenheit. Die Sensitivität lag damit 19 Prozent über der einer Brustuntersuchung durch einen Arzt. Ob diese Geräte in Deutschland eine Alternative zu der ärztlichen Tastuntersuchung bzw. zu der Selbstuntersuchung sind, muss sich noch zeigen – unter anderem wegen der teilweise hohen Fehlalarme sowie der zusätzlichen Kosten.

Doch auch das Standardverfahren, die Mammografie, hat ihre Schwächen: Die falsch negativen und die häufigen falsch positiven Befunde. Als kritisch wird zudem der Einsatz von Röntgenstrahlen gesehen. Allerding unterliegt die Strahlendosis vorgegebenen Grenzwerten. Bei Frauen mit dichtem Brustdrüsengewebe stößt die Methode zudem an ihre Grenzen: Je dichter die Brust ist, desto schwieriger wird es, bösartige Tumoren zu erkennen. „Hier zeigen Studien, dass der Mammografie von 100 bösartigen Tumoren etwa 40 entgehen“, so Dr. Susanne Wienbeck, Radiologin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Brustzentrum der Universitätsmedizin Göttingen, die derzeit die Kegelstrahl („Cone-Beam“)-Brust-CT, ein neues Screening-Verfahren, testet.

Cone-Beam-CT: Neues Screening-Verfahren?

Verdächtiges Gewebe lässt sich mit diesem neuen Screening-Verfahren bei geringer Strahlenbelastung präzise in alle Raumrichtungen lokalisieren. Weiterer Vorteil ist, dass Befunde sofort über die Entnahme von Gewebe abgeklärt werden können. Last but not least ist die Untersuchung mittels Kegelstrahl-Brust-CT für Frauen angenehmer als bei einer Mammografie. Grund hierfür ist, dass die Brust nicht zusammengedrückt werden muss, was vielen Frauen Schmerzen bereitet. Nachteil der Cone-Beam-CT ist zum einem, dass die Erkennungsraten – ähnlich wie bei der Mammografie – von der Brustdichte abhängen.

Mithilfe von Kontrastmittel kann die Detektionsrate jedoch verbessert werden. „Weltweit gibt es nur sieben derartige Geräte, und wir sind in Europa die einzigen, die diese Technologie in der Brustkrebsdiagnostik einsetzen“, betont Wienbeck. Wie die Kegelstrahl-Brust-CT im Vergleich zur Mammografie abschneidet, wollen die Göttinger jetzt in einer größeren klinischen Studie untersuchen.

High-Definition-Tomosynthese

Tomosynthese2

Die Röntgenröhre schwenkt in einem 50°-Bogen um die Brust. Aus den aufgenommenen Einzelbilder werden anschließend 3D-Bilder konstruiert © Universitätsklinikum Freiburg/Britt Schilling

Präzisere Bilder ohne Strahlenbelastung: Das zumindest verspricht das Universitätsklinikum Freiburg von ihrer neuen Röntgentechnik, die erstmals in Zentraleuropa zum Einsatz kommt. Laut den Medizinern stellt High-Definition-Tomosynthese „eine deutliche Weiterentwicklung der diagnostischen Sicherheit ohne eine relevante zusätzliche Strahlenbelastung dar“. Für die Methode werden die zweidimensionalen Mammografieaufnahmen des Brustgewebes mit denen der Tomosynthese kombiniert.

 

Die Tomosynthese ist ein Screeningverfahren, bei der eine Serie von Schichtaufnahmen erzeugt wird, mit deren Hilfe sich die Brust dreidimensional darstellen lässt. „Dank der 3D-Darstellung lässt sich mit großer Sicherheit feststellen, ob Verdichtungen in der 2D-Aufnahme lediglich auf eine Überlagerung im Gewebe oder tatsächlich auf ein Karzinom zurückzuführen sind. So können falsch positive Befunde minimiert werden“, sagt Prof. Dr. Mathias Langer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Radiologie.

Für einen verlässlichen Befund mussten die Ärzte – insbesondere bei hoher Brustdichte – zusätzlich zur 3D-Tomosynthese zwei 2D-Mammografien aus verschiedenen Ebenen aufnehmen. Eine der beiden Mammografie-Aufnahmen kann nun mithilfe der High-Definition-Tomosynthese gemacht werden. Dadurch verringert sich die gesamte Strahlenbelastung um ca. 20 bis 30 Prozent.

Das Fazit

Ein standardisiertes Vorgehen bei der ärztlichen Vorsorgeuntersuchung bringt zwar viele Vorteile mit sich, allerdings eignet es sich nicht für jede Frau. Dr. Susanne Wienbeck und andere Radiologen plädieren daher für eine individualisierte Herangehensweise an das Screening. Ihrer Meinung nach erhöht dies die Trefferquote und damit auch die Erfolgsrate. Dies bedeutet aber auch, dass verschiedene Methoden wie die Kernspintomografie oder High-Definition-Tomosynthese mit der Mammografie kombiniert werden sollten.

42 Wertungen (4.19 ø)

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6 Kommentare:

Studentin der Pharmazie

#1 Das eigenständige Abtasten der Brust bei sehr dichtem und knotigen Brustgewebe ist wohl eher schwierig…bzw. eigenmächtig nicht gut zu beurteilen.

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Tierarzt

Mich würde auch interessieren inwiefern diese Methoden das Vorliegen von IBC aufzeigen können. Ich kenne einige Fälle mit unauffälligem Tastbefund und Mammogrphie.

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Dr. Dr. med. Richard Westhaus, Diagnostik und Vorsorge Zentrum, München
Mitglied der Arbeitsgemeinschaft individuelle Mammadiagnostik AIM

Grundsätzliches:
Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Noch versterben > 20.000 Patientinnen pro Jahr an dieser Erkrankung. Für viele von ihnen hätte eine Heilungschance bestanden, wenn der Brustkrebs früher erkannt worden wäre.
Früherkennung ist wichtig, weil die Behandlungs- und Heilungschancen von Brustkrebs umso besser sind je kleiner der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose ist. Schon tastbar, hat Brustkrebs in aller Regel bereits eine Größe von rund 2 cm.
Ziel der Früherkennung ist es, die Diagnose von Brustkrebs zu stellen, solange der Tumor noch klein und nicht tastbar ist.
Frauen müssen nicht warten bis sie einen Knoten ertasten. Denn inzwischen stehen Diagnostikverfahren zur Verfügung, durch die sich Brustkrebs und sogar seine Vorstufen erkennen lassen – und zwar bevor ein Knoten tastbar und damit unter Umständen zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung geworden ist. Hierzu gehören die digitale Mammographie, die Sonographie und die Kernspintomographie (auch MRT- Magnet-Resonanz- Tomographie).

Allerdings: trotz aller medizinischen Fortschritte wird die Früherkennung von Brustkrebs in Deutschland immer noch halbherzig betrieben. Die aktuellen Krebsfrüherkennungsrichtlinien empfehlen für Frauen unter 50 Jahren als Früherkennungsmaßnahme nach wie vor die Selbstuntersuchung der Brust und die Tastuntersuchung beim Frauenarzt. Und dies, obwohl wir wissen, dass die Brustkrebserkennung dann, wenn ein Knoten getastet wird, schon fortgeschritten ist. Die Tastuntersuchung ist somit keine wirkliche Früherkennung, sondern entspricht eher einer “Spätentdeckung”:

Mit Tasten allein können Sie sich NICHT sicher fühlen!!

Die vorgestellten Verfahren stellen Diagnostikmethoden dar, die erst noch auf breiter Basis evaluiert werden und ihre Evidenz erst unter Beweis stellen müssen. Sie sind mit erhöhter Strahlenexposition verbunden (warum spricht man in Deutschland immer von Strahlenbelastung?), deshalb ist ihr flächendeckender Einsatz, sollte es jemals dazu kommen, besonders kritisch zu hinterfragen. Wir verfügen mit der Sonographie und Kernspintomographie über zwei herausragende bildgebende Verfahren, die richtig und qualitätsgesichert angewendet, als harmlos und für Betroffene völlig unschädlich sind.

Durch die Kombination der unterschiedlichen Diagnostikverfahren lässt sich die Detektionsrate i. Vgl. z. Anwendung einer Einzelmethode (Mammographie-Screening) erheblich steigern.

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Weitere medizinische Berufe

Der Beitrag von Dr. Brandenbusch ärgert mich etwas, weil er (als Mann) nicht wissen kann, wie schmerzhaft und eben nicht nur “unangenehm” eine Kompression der Brüste ist. Abgesehen sollte er seine Grammatikkenntnisse und sein Wortwahl (eben z.B. nicht “”Wording”) überprüfen. In anderen Dingen mag er Recht haben.

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Dr Brandenbusch – Brustzentrum Frankfurt
Dr Brandenbusch – Brustzentrum Frankfurt

Anmerkungen:
– Die Thermographie und sämtliche Abwandlungen (zu denen Braster auch zählt) haben sich nie bewährt und werden dennoch regelmäßig wieder “aus der Schublade” raus geholt und als die neue/beste Entwicklung bezeichnet. Hier wäre ich sehr skeptisch!
– Thema Tomosynthese und Strahlenbelastung: Das die Tomosynthese die Strahlenbelastung senkt, ist pauschal nicht zu sagen. Das hängt vom Kippwinkel der Geräte/Anzahl der Aufnahmen und von der Herstellerfirma ab! So kann die Strahlendosis auch erheblich steigen!
– Das Thema Strahlendosis wird insbesondere bei neuen Verfahren wie dem Mamma CT ein Thema sein. Die Strahlendosen sind hierbei nach ersten Aussagen erheblich höher als die bisherige Mammographie. Da macht sich insbesondere die Kompression bemerkbar. Diese ist unangenehm, aber spart Strahlendosis!
– Überhaupt wird die Strahlendosis der Mammographie stets überschätzt und oftmals falsch wieder gegeben:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/mamma-karzinom/article/893284/mamma-screening-strahlenbelastung-geringer-gedacht.html
– Eine Tomosynthese ist als Screeningverfahren nicht zugelassen! Hier laufen aber Studien z.B. Per Skaane, Oslo. Der generelle Rat zur Tomosynthese für alle Patienten kann daher nicht gegeben werden!
– Bei dichtem Gewebe werden eher selten weitere 2D Mammos angefertigt, sondern direkt die Sonographie. Damit senkt man die Strahlenbelastung am sinnvollsten!
– Das eine Kombination von Verfahren die Erkennungsrate erhöht, ist bekannt und nichts neues. Eine Mammographie incl. Tomosynthese plus Sonographie plus MRT ist natürlich optimal, aber dürfen die Kosten letztlich nicht vergessen werden. Das MRT zum Beispiel ist immer noch keine generelle Kassenleistung und nur in sehr speziellen Fragestellungen refinanzierbar. Ein Rat zum MRT bringt Patienten dann rasch in den IGeL Bereich, der überhaupt nicht qualitätsgesichert ist. Auch hier ist Vorsicht geboten!
– Wording überprüfen: Verhindern können wir den Brustkrebs nicht, sondern nur – wie richtigerweise geschrieben wird – frühzeitig erkennen. Damit ist eine Mammographie stets eine Früherkennung, keine Vorsorge!

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Physiotherapeutin

Die klinische Untersuchung der Brust ist sicher unerlässlich. Es sollte aber jede Frau wenigstens einmal monatlich die Brust selbst abtasten. Dazu gibt es hervorragenden Methoden, u.a. das MammaCare Programm. Bei diesem lernen die Frauen ihre Brust gezielt abzutasten, so dass das gesamte Brustgewebe untersucht wird. Die Methode ist schon viele Jahre gängig und wird Frauen in kleinen Gruppen gelehrt. Das ist effektiv, preiswert und von allen Altersgruppen zu erlernen – ohne App und Internet.

#1 |
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