Eine unschöne Bescherung

23. Dezember 2016
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Pünktlich zur Weihnachtszeit haben Forscher untersucht, welche Fehler wir bei der Wahl der Geschenke machen. Offenbar konzentrieren wir uns dabei zu sehr auf den Moment des Überreichens. Während die Beschenkten etwas ganz anderes vom Präsent erwarten: einen langfristigen Nutzen.

Vielen dürfte diese Situation vertraut vorkommen: Man überreicht ein Geschenk und erwartet vom anderen ein Leuchten in den Augen, einen Freudenschrei oder ein „Wow“. Denn die Tierpatenschaft muss ihn einfach umhauen. Die Deko-Schleife wird abgerissen, das Papier wandert in Fetzen auf den Boden und dann macht sie sich auf dem Gesicht des Gegenübers breit: Die Enttäuschung. Was ist passiert?

Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge machen wir bei der Suche nach einem passenden Geschenk für Familienmitglieder oder Freunde einen entscheidenden Fehler. Bei der Wahl denken wir zu sehr an den Wow-Effekt kurz nach dem Auspacken. Die Beschenkten hingegen erwarten etwas ganz anderes von dem Geschenk: dass sie lange etwas davon haben.

Auch Haushaltsgeräte machen glücklich

Studienleiter Jeff Galak, Carnegie Mellon University in Pittsburgh, und seine Kollegen analysierten mehrere Studien und kamen zum folgenden Ergebnis: „Wir beobachteten eine ganz klare Diskrepanz zwischen dem Gedankenprozess und der Motivation des Schenkers und der Beschenkten. Oder anders ausgedrückt: Manchmal kann es sein, dass der Staubsauger, eigentlich ein Geschenk, das am Weihnachtsabend bei den meisten wohl keine Wow-Reaktion hervorrufen wird, trotzdem relativ weit oben auf der Geschenkeliste stehen sollte, wenn der alte etwa nicht mehr will“, so Galak.

Außerdem zeigten die Forscher, dass die Enttäuschung auf beiden Seiten durch das Einhalten kleiner Regeln leicht zu vermeiden wäre: Wurden etwa vorher konkrete Wünsche geäußert, sollte man den anderen nicht mit einem kreativen Geschenk überraschen. Man sollte sich zudem weniger auf materielle Güter fokussieren, sondern eher auf Geschenke wie Theaterkarten oder Massage-Gutscheine. Diese bereiten dem Anderen auch zu einem späteren Zeitpunkt noch viel Spaß.

Auch Geschenke, die mit einer sozialen Verantwortung einhergehen – wie etwa Spenden an Wohltätigkeitvereine im Namen des Beschenkten –  würden zum Zeitpunkt des Überreichens zwar gut ankommen, dem Beschenkten aber keinen Nutzen für die Zukunft bieten.

Worum es eigentlich geht

„Wir beschenken Menschen, die uns was bedeuten, um ihnen eine Freude zu machen und  um unsere Beziehungen zu ihnen zu stärken“, fasst Galak zusammen. „Wenn wir beim Aussuchen der Geschenke also mehr darauf achten, wie nützlich das Geschenk im Laufe der Zeit für den Beschenkten sein wird, anstatt auf den kurzen Wow-Effekt, können wir dieses Ziel besser erreichen und mit unseren Geschenken einen Volltreffer landen.“

Originalpublikation:

Why Certain Gifts Are Great to Give but Not to Get: A Framework for Understanding Errors in Gift Giving.
J. Galak et al., Current Directions in Psychological Science, doi: 10.1177/0963721416656937; 2016

23 Wertungen (4.78 ø)
Medizin

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4 Kommentare:

Gast
Gast

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#4 |
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Ich bin Opa von 5 Enkelkinder und Taufpate für drei . Was schenkt man heutzutage Kindern zwischen 8 und 16 Jahren die sonst alles haben ? Was ist nützlich und was würde den Kindern eine Freude bereiten ? Viele Grossältern und Eltern packen, mit gutem Gewissen, große Geldbeträge im Schuhkarton und legen es schön eingepackt unter dem Weihnachtsbaum . Nach meiner Meinung verlieren die Kinder das Gefühl für Werte ,- alles wird sooooo selbstverständlich . Mit diesem Ballast starten sie dann eines Tages “ihr eigenes Leben ” und besitzen nicht mehr die Basis um relevante Werte nach Inhalt der ökonomischen Zustand zu akzeptieren.

Frohe Weihnachten !

#3 |
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Nichtmedizinische Berufe

Leider will mir meine Familie keine Dinge wie hochwertige Handtücher oder schöne Salatschüsseln schenken. Auch Socken – ich mag Socken, besonders aus Wolle – bekomme ich nie. Auch wenn ich noch so betone, dass ich jedesmal an den Schenker denke, wenn ich Handtücher aus dem Wäsche- oder Schüsseln aus dem Küchenschrank hole. Das Argument ist dann: “Das ist doch kein richtiges Geschenk!”

#2 |
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Studentin der Pharmazie

Naja, zumindest ist das bei uns nicht so in der Familie! Wir beschenken nicht mehr jeden, sondern wichteln ein paar Monate vorher und jeder schreibt 5 Sachen auf einen Zettel, die er sich wünscht. Budget 30 Euro! Das erleichtert das Ganze und ist auch viel schöner. Hierbei geht es nicht um den WOW- Effekt, sondern einfach um die Geste und inwiefern man sich mit der Person auseinandergesetzt hat. Selbstgemachte, kreative Geschenke kommen sehr gut an auch wenn sie nicht auf der Wunschliste standen.
Ich denke es hat auch viel mit dem Alter oder dem sozialen Umfeld zu tun. Wenn man älter ist, spielen ganz andere Dinge eine Rolle als möglichst das teuerste und beste Geschenk zu machen mit dem absoluten Woweffekt. Was zählt ist, dass zu Weihnachten alle zusammen kommen und man eine schöne Zeit verbringt!

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