Neuer Genotyp: Der Novo-Virus

23. Dezember 2016
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Die alljährliche Welle der Norovirus-Infektionen erreicht Deutschland relativ früh und stark. Das könnte an einem neuen Genotyp liegen. Um das Risiko einer Ansteckung zu verringern, bleibt nur, auf Hygienetipps der Fachgesellschaften zu achten.

Es geht steil nach oben: Im aktuellen epidemiologischen Bulletin veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) aktuelle Fallzahlen zu labordiagnostisch bestätigten Infektionen mit Noroviren. Für den November 2016 geben Epidemiologen bundesweit 14.519 Fälle an. In den letzten Jahren war zur gleichen Zeit von 6.131 bis 10.884 Erkrankten die Rede.

Neues Virus – neues Pech

„Jahre beziehungsweise Saisons mit einem frühen Anstieg und außergewöhnlich hohen Fallzahlen gingen in der Vergangenheit häufig mit dem Erscheinen eines neuen Norovirus-Genotyps einher“, heißt es als Begründung. Dass es sich hier um keinen Einzelfall handelt, zeigt ein Blick auf die Saison 2007/2008. Damals zirkulierte der Genotyp II.4 („GII.4 2006b“). Auch in diesem Jahr könnte eine neue Norovirus-Rekombinante den Trend erklären.

RKI-Virologen hatten in einzelnen Proben bereits neue Pathogene isoliert. Für eine abschließende Beurteilung und eine Prognose des Verlaufs sei die Datenlage aber noch nicht ausreichend. Daher bittet das RKI Ärzte weiterhin um Zusendung von Stuhlproben an das Konsiliarlabor.

Kritische Kontakte

Doch was können Patienten tun? „Die banalste, aber dennoch wichtigste Maßnahme, um das Risiko einer Ansteckung zu verringern, ist deshalb häufiges und gründliches Händewaschen“, sagt Professor Dr. med. Ansgar W. Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Das Virus wird nicht nur durch den Kontakt mit Erkrankten oder durch verschmutzte Oberflächen übertragen. Auch über die Luft werden Partikel übertragen. Schon 10 bis 100 Partikel reichen aus, um sich zu infizieren.

Ruhepausen einlegen

Sollte es dennoch zur Infektion kommen, rät die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) Patienten, auf alle Fälle zu Hause zu bleiben. Wichtig sei, viel zu trinken. „Kinder unter fünf und ältere Menschen ab 70 haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe“, sagt Lohse. „Wenn Angehörige oder Pflegende feststellen, dass sich der Allgemeinzustand eines Patienten verschlechtert, sollten sie medizinische Hilfe suchen.“

Da Noroviren nach Abklingen der Symptome noch bis zu zwei Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden werden, müssen alle Kontaktpersonen auf eine besonders gründliche Hand- und Toilettenhygiene achten. Lohse: „Um sich und auch andere zu schützen, ist es wichtig, nicht zu früh wieder in den Alltag zu starten, sondern die Erkrankung gut auszukurieren.“

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Forschung, Pharmazie

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3 Kommentare:

Arzthelferin

Entweder es erwischt einen oder nicht. Wenn man eine Ansteckung ausschließen möchte, sollte man sich in einem Zimmerchen einschließen. Das ist im wirklichen Leben kaum umzusetzen und auch nicht erstrebenswert. Panikmache hilft niemandem weiter…..

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Gast CDF
Gast CDF

Was leider dem Beenden von Infektionsketten auch nicht zuträglich ist:
Selbst Arbeitgeber im Gesundheitswesen – die es besser wissen müssten – bestehen häufig darauf dass Mitarbeiter mit Gastroenteritis so schnell wie möglich wieder zum Dienst erscheinen. Wie viele Viren so weiter übertragen werden….ich will kaum darüber nachdenken….

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Ulrike Busbach
Ulrike Busbach

Schade, dass so viele “Otto-Normalverbraucher” noch immer nicht wissen wie wichtig Hygiene ist und wie richtige Hygiene-Maßnahnen funktionieren. Ich meine mich zu erinnern, dass im US-Fernsehen (damals) Werbespots mit einer entsprechenden Aufklärung zu Übertragungswegen von Viruserkrankungen und zum richtigen Hygiene-Verhalten ausgestrahlt wurden.
Wie kann man die breite Masse besser erreichen, als zur besten Sendezeit im Fernsehen?!?
Hierzulande wissen ja viele nicht mal, dass man besser in die Armbeuge niest und hustet…

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