Mammakarzinom: Chili con Heilung

23. Dezember 2016
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Capsaicin ist ein in Paprika-Arten natürlich vorkommendes Alkaloid. Der Stoff zählt zu den schärfsten Substanzen auf der Erde. Forscher fanden nun heraus, dass der Stoff das Wachstum von Krebszellen bei einer besonders aggressive Brustkrebsform, dem Triple-negative-Typ, hemmt.

Capsaicin, ein Inhaltsstoff von scharfen Substanzen wie Peperoni oder Pfeffer, hemmt das Wachstum von Brustkrebszellen. Das berichtet ein Team um den Bochumer Duftforscher Prof. Hanns Hatt und Dr. Lea Weber von der Ruhr-Universität Bochum nach Experimenten an kultivierten Zellen.

Die Versuche erfolgten mit der Zelllinie SUM149PT, die ein Modellsystem für eine besonders aggressive Brustkrebsform ist, den Triple-negative-Typ. Für diese Krebsart ist die Chemotherapie derzeit die einzige mögliche Behandlung.

Duft von Meeresbrise aktiviert Rezeptor ebenfalls

In den kultivierten Zellen fand das Team eine Reihe klassischer Riechrezeptoren. Besonders häufig vertreten war aber vor allem ein Rezeptor, der sonst im fünften Hirnnerv, dem Nervus trigeminus, vorkommt. Er gehört zu den sogenannten Transient-Receptor-Potential-Kanälen und trägt den Namen TRPV1. Neben dem Schärfemolekül Capsaicin aktiviert auch Helional – ein Duft nach frischer Meeresbrise – diesen Rezeptor.

In Kooperation mit Dr. Gabriele Bonatz vom Brustzentrum der Augusta-Kliniken Bochum bestätigte Hatts Team die Existenz von TRPV1 in Tumorzellen in neun verschiedenen Burstkrebsproben.

Die Forscher aktivierten den TRPV1-Rezeptor in Zellkultur mit Capsaicin oder Helional, indem sie die Stoffe für mehrere Stunden oder Tage zu der Kultur hinzugaben. Dadurch vermehrten sich die Krebszellen langsamer. Außerdem starben durch die Behandlung verstärkt Tumorzellen ab. Die überlebenden Zellen waren zudem nicht mehr in der Lage, sich so schnell zu bewegen wie zuvor; das lässt darauf schließen, dass sie im Körper schlechter Metastasen bilden könnten.

Ein neuer Therapieansatz?

„Wenn wir den TRPV1-Rezeptor gezielt durch Medikamente anschalten könnten, könnte sich ein neuer Ansatz für die Behandlung dieser Krebsform ergeben“, sagt Hatt. Eine Aufnahme über die Nahrung oder durch Einatmen reicht dazu nicht aus.

Originalpublikation:

Expression and functionality of TRPV1 in breast cancer cells
Lea V. Weber; Dovepress, doi: 10.2147/BCTT.S121610; 2016

22 Wertungen (4.5 ø)

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5 Kommentare:

Gast
Gast

@ Sabine Stawiarski: Ein interessanter Ansatz, allerdings müßte man die hautreizende Wirkung bedenken. Generell etwas für eine Studie, ich würde es nicht als individuellen Behandlungsversuch unternehmen, da hierzu aktuell keine Daten verfügbar sind (s. pubmed-Suche “capsaicin cancer topical”).

Sollte es um einen konkreten Fall gehen, dann würde ich die Diskussion in einem interdisziplinären Tumorboard empfehlen, um die bestmögliche palliative Therapieempfehlung zu erhalten. Womöglich kann eine lokale Bestrahlung Linderung und eine Verlangsamung des Tumorwachstums erzielen.

#5 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Frau Stawiarski: suchen Sie einen Arzt ,der Photodynamische Therapie macht, möglichst mit dem Farbstoff Chlorin e6 , der i. V. u. direkt in oder um den Tumor gespritzt werden kann.
Pfeffer erhöht die Wirksamkeit von Curcumin ( Curcuma) u. führt dazu , dass am Ende der Atmungskette in den Mitochondrien mehr “Energie” in Form von ATP freigesetzt wird

#4 |
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Heilpraktikerin

Könnte man dann die Hautinfiltration der Krebszellen (also das Durchbrechen nach außen) beim inoperablen Karzinom durch Auftragen von Capsaicin-Salbe hinauszögern?

#3 |
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Dr. med. Alexandra Heumann-Bahner
Dr. med. Alexandra Heumann-Bahner

Danke für den letzten Satz!

#2 |
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Chemiker

Echter Pfeffer enthält zwar Piperin, dies gehört aber wie Capsaicin zu den Vanilloiden (die TRPV1 aktivieren), ebenso wie der Riechstoff Helional. Vanillin selbst gehört auch dazu und auch die Scharfstoffe aus Ingwer und weiteren Pflanzen.
Ein interessanter Ansatz!

#1 |
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