AMB-FUBINACA: Verbot für Zombie-Droge

3. Januar 2017

Das synthetische Cannabinoid AMB-FUBINACA versetzte in Brooklyn etliche Konsumenten in tranceähnliche Zustände. Die Phase-1-Studie wider Willen zeigt Details zur Wirkung. Von Legal Highs kann seit November keine Rede mehr sein – das Gesetz für psychoaktive Stoffe wurde verschärft.

12. Juli 2016, ein Nachmittag im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Mehrere Männer liegen auf dem Gehweg oder lehnen an Bäumen. Sie sprechen unverständliche Sätze, versuchen aufzustehen, torkeln. Was an Szenen aus „The Walking Dead“ erinnert, ereignete sich tatsächlich. Rettungskräfte sammelten mehr als 30 Patienten ein und brachten sie in umliegende Notaufnahmen. Alle Betroffenen überlebten. Ihre Symptome deuteten auf Drogen hin, wobei kein bekanntes Molekül den Effekt erklären konnte. Jetzt fand Axel J. Adams vom Clinical Toxicology and Environmental Biomonitoring Laboratory und der School of Medicine, University of California, des Rätsels Lösung.

Ein neuer Stern am Drogenhimmel

Späteren Befragungen zufolge hatten alle Betroffenen „AK-47 24 Karat Gold“ geraucht. Die Matrix pflanzlichen Ursprungs enthielt das synthetische Cannabinoid AMB-FUBINACA (oder FUB-AMB bzw. MMB-FUBINACA). Hier handelt es sich um einen potenten Agonisten am Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1). In-vitro-Untersuchungen zufolge ist die Affinität 85 Mal höher als bei Tetrahydrocannabinol (THC).

Ursprünglich stammt die Substanz aus Forschungslabors. Chemiker synthetisierten sie, um das Endocannabinoid-System zu erforschen. AMB-FUBINACA wurde 2009 von Pfizer entwickelt und später patentiert. Über entsprechende Unterlagen gelangte die Strukturformel in alle Welt. Derartige „Legal Highs“ eroberten kurz darauf den Drogenmarkt.

Keine nennenswerten Nebenwirkungen

Axel J. Adams gelang es kurz nach der „Zombie-Epidemie“, AMB-FUBINACA selbst oder Metabolite der Substanz bei allen 33 Patienten nachzuweisen. Ihm lagen Blut- oder Urinproben vor. Darüber hinaus lieferten Patientenakten einige aus pharmakologischer Sicht interessante Fakten. AMB-FUBINACA dämpft das Zentralnervensystem, was nicht überrascht. Bei der „klinischen Phase-1-Studie“ in den Straßen von New York kam es aber nicht zu Arrhythmien, Hyperthermien, Tachykardien oder zu Krämpfen, wie dies von anderen Derivaten bekannt ist. Schäden am Herzen oder an den Nieren wurden ebenfalls nicht beobachtet. Trotz dieser erfreulichen Nachrichten warnen deutsche Behörden vor dem Konsum und drohen Händlern mit strafrechtlichen Konsequenzen.

NpSG schließt Gesetzeslücken

Das hat folgenden Hintergrund: Mit dem altbekannten Betäubungsmittelgesetz (BtMG) gelang es nicht, gegen neue Designerdrogen vorzugehen. „Legal Highs“ fallen laut Einschätzung des Bundesgerichtshofs und des Europäischen Gerichtshofs nämlich nicht unter den Arzneimittelbegriff (Az. C-358/13 u. C-181/14).

Deshalb hat die Bundesregierung am 21. November 2016 ihr Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) erlassen. Das NpSG verbietet, mit einem neuen psychoaktiven Stoff Handel zu treiben, ihn in den Verkehr zu bringen, ihn herzustellen, ihn zu verlagern, ihn zu erwerben, ihn zu besitzen oder ihn einem anderen zu verabreichen (§ 3 Abs. 1 NpSG). Zu den Stoffgruppen gehören neben Cannabinoidmimetika und synthetischen Cannabinoiden auch Derivate des 2-Phenylethylamins.

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4 Kommentare:

Apothekerin

Vielleicht wäre das ei n neues Arzneimittel gegen Schmerzen? Wer kann jetzt noch damit forschen? Gibt es noch Möglichkeiten?

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Antje Sonntag
Antje Sonntag

Allgemein stelle ich durch die (schräge) gesetzliche Überregulierung fest: alles, was nicht buchstäblich verboten ist, ist erlaubt. Das ‘Gewissen’ ist degeneriert. Zum Glück ist ‘Crystal maths’ keine neue Droge…. ;-). Die Nebenwirkungen sind ja wirklich unwichtig..
Aber so lange man nur mit Verboten arbeitet (ist in manchen Bereichen der Kindererziehung genauso) braucht man sich nicht näher mit Details und konstruktiven Lösungen auseinanderzusetzen. Manch ein Drogenabhängiger wäre heute vielleicht nicht so tief gesunken, wenn eine andere Politik gefahren werden würde. Aus Holland kenne ich es z.B. so, dass ‘ganz normale Menschen’ mal einen Joint kaufen gehen und diesen genießen. Sollen sie doch! Aber sie bekommen sauberes Zeug!!! Und da beginnt nach meinem Verständnis für einige die Karriere nach unten durch den gemixten illegalen Stoff…

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Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker
Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker

Feiner Zusammenhang der da verabreicht wird: Cannabis, Zombies und eine “angepasste Gesetzgebung”.
Nur gut das wir da so auf Zack sind und gelernt haben schnell zu reagieren und unsere Jugend vor Schlimmeren zu bewahren.
Das dabei einmal mehr das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, dem organisiertem Schwarzmarkt Vorschub geleistet und eine ganze Subkultur kriminalisiert wird – na und – Hauptsache man zeigt Flagge und ein, zugegebenermaßen mit kleinen Karos ausgestattetes, Schwarz / Weiß denken das populistische Ansichten und Gräben weiter vertieft.
Wie schon Herr Keller deutlich ausgeführt sind derartige Maßnahmen eher als Beschäftigungsprogramm für die Bundesdruckerei, Justiz und entsprechende Analyselabore zu betrachten denn als wirkliche Maßnahme gegen den ausufernden Drogenkonsum inklusiv Alkohol (der ja gerne als Kulturgut unanfechtbar verteidigt wird trotz erwiesenermaßen unzähliger Gewalt- und Verkehrsdelikte mit häufig schlimmsten Ausgyng).
Das Menschen sich berauschen wollen (und manchmal auch scheinbar müssen) ist kulturhistorisch ein alter Hut, das immer mehr zur Flucht aus seelisch prekären (oft gekoppelt aber nicht notwendig wirtschaftlichen) Umständen naheliegende Mittel ergreifen sollte weniger den Gesetzgeber als vielmehr die zuständigen Familenminister, Sozial- und Arbeitsminister(in) auf den Plan rufen.
Restriktionen und Verbote in einer “freien Gesellschaft” sind sowieso mit deren Grundsätzen nur schwer vereinbar, ob ein Bürger sich am Ende des Tages mit Cannabis, Wein und Bier, oder einer Stunde auf der Yogamatte besser entspannen kann sollte nicht Teil der Gesetzgebung sein, zumal auch die Polizeikräfte und andere Behörden aktuell – nicht zuletzt aufgrund chronischer Unterbesetzung schwerwiegendere Probleme sprich Straftaten verfolgen muss.

insofern ist dies, um die Frage des Vorkommentars zu beantworten, vermutlich ein Irrweg der aktuell beschritten wird, Vergleichbar mit einer Erhöhung der Anzahl der Kameras um Terrorangriffe präventiv zu vermeiden. Auch hier werden die Ursachen (Immigration vs. Kriegsflüchtling, Beschäftigungspolitik (“Fachkräftemangel) vs. real vorliegender Qualifikation) nicht beleuchtet bzw. ausreichend modifiziert.

Am Ende bleibt ein Nachbessern mit ungewissem Ausgang und einem schlechtem Geschmack im Raum. Beispiele aus Portugal, den Niederlande, Italien oder einigen US Bundesstaaten sollten vielleicht einmal heran gezogen werden um ein noch weiteres abdriften mit noch tieferen Gräben zeitnah zu vermeiden und die Glaubwürdigkeit in die Gesundheitspolitik, gerade bei der jüngeren Generation wieder zu verbessern.

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Dipl. Psychologe Rainer Keller
Dipl. Psychologe Rainer Keller

Ob das der richtige Weg ist ?
-> Das NpSG verbietet, mit einem neuen psychoaktiven Stoff Handel zu treiben, ihn in den Verkehr zu bringen, ihn herzustellen, ihn zu verlagern, ihn zu erwerben, ihn zu besitzen oder ihn einem anderen zu verabreichen (§ 3 Abs. 1 NpSG)
Man kann nicht alles verbieten. Und Verbote sind die Grundlage des Schwarzhandels, hier speziell des Drogenhandels. Und wo das hinführt, haben wir bei der Prohibition in den USA gesehen und sehen es aktuell in den mittelamerikanischen Ländern. Aber Politiker werden aus Schaden selten klug.
Und wieder ist es Wasser auf die Mühlen der Cannabis-“Jäger”, die die Begrifflichkeiten meist nicht differenzieren und alles, was nicht Alkohol ist, als Droge verteufeln, während sie dabei gemütlich ihre Flasche Bier oder ihr Weinglas leeren…..
Missbrauch ist immer bescheiden. Das ist auch beim Alkohol nicht anders. Da aber zuviel Menschen den Alkohol in seinen vielen Formen nicht missen möchten, nimmt man lieber eine kleinere Gruppe ins Visier mit ihrer sicherlich weniger gefährlichen “Droge”, da deren Lobby ja klein ist. Und in diesem Zusammenhang trifft der Begriff des Postfaktischen… “Ich will nichts hören, Cannabis ist eine gefährliche Droge und die das nehmen sind alles Junkies und Arbeitsscheue”…..
Was in der Öffentlichkeit bzgl. des obenstehenden Artikels hängenbleibt, ist nicht die sachliche Auseinandersetzung, sondern “da steht’s wieder: Cannabis ist gefährlich.. ” Dass zum Glück – was bei synthetischen Produkten leider auftritt – keine Arrhythmien, Hyperthermien, Tachykardien oder Krämpfe auftraten und auch keine Schäden am Herzen oder an den Nieren zu beobachten waren, das wird geflissentlich übersehen.

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