STI-Studie: An den Schamhaaren herbeigezogen

21. Dezember 2016
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Ob man einen behaarten Intimbereich hat oder nicht, ist Geschmackssache. Vielleicht steht dies aber in Zusammenhang mit dem Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten. In einer US-Studie wurden über 7.500 Menschen zum Thema Schambehaarung und Sexualverhalten befragt.

Das Risiko, an einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) zu erkranken, ist möglicherweise erhöht, wenn die Schambehaarung oft und großflächig entfernt wird, legt eine aktuelle US-Studie des Urologen Dr. Charles Osterberg und seinem Team der University of California in San Francisco nahe.

Landesweite Sex-Umfrage

Bei Rasur oder Epilation können häufig Mikrorisse in der Haut entstehen, dadurch gelangen Bakterien und Viren während des Geschlechtsverkehrs leichter in den Körper, vermutet Osterberg. Sein Forscherteam befragte per schriftlichem Fragebogen über 7.500 Männer und Frauen zwischen 18 und 65 Jahren in den USA. In die Studie miteinbezogen wurden nur Personen, die in ihrem Leben mindestens einen Geschlechtspartner hatten. Sie sollten persöniche Angaben zu Intimhaarentfernung, Sexualverhalten und Geschlechtskrankheiten machen. Eine erste Erkenntnis: Wer die Schamhaare entfernt, hat im Schnitt auch eine höhere Zahl an Sexualpartnern – ein weiterer möglicher Grund für ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Vier Enthaarungs-Typen

Die Wissenschaftler stuften die Befragten in vier Typen ein: Never Groomers (ungetrimmte Schambehaarung), Ever Groomers (Schamhaare zumindest schon einmal im Leben gekürzt bzw. entfernt), Extreme Groomers (Schamhaare mindestens elf Mal pro Jahr komplett entfernt) und High Frequency Groomers (wöchentliche bis tägliche Haarentfernung).

Mit 74 % zählte sich die deutliche Mehrheit zu den Ever Groomers (84 % der Frauen und 66 % der Männer). Frauen verwenden bevorzugt einen Nassrasierer, Männer meistens einen elektrischen. Es folgen die Extreme Groomers mit 17 %. In die Kategorie der High Frequency Groomers fielen 22 % der Befragten. Das Ergebnis der dritten Frage: 13 % der Personen hatten schon mindestens einmal mit Herpes, HPV, Syphilis, Dellwarzen, Gonorrhoe, Chlamydien, HIV oder Filzläusen zu kämpfen.

Weniger Haare, höheres Risiko

Die Kernaussagen der Studie: Schamhaartrimming oder gänzliche -entfernung korreliert zu 80 % mit einem erhöhten Risiko für Geschlechtskrankheiten. Zudem sind Ever Groomers mit durchschnittlich 43 Jahren im Schnitt sieben Jahre jünger als Never Groomers und haben mehr Geschlechtspartner. Die Zahl der an den kutanen STIs wie Herpes- oder HPV-Erkrankten war bei den Extreme und High-Frequency Groomers besonders hoch. Eine Ausnahme zur zentralen These gibt es allerdings: Das Risiko, sich mit Filzläusen anzustecken, wird durch eine Intimhaarentfernung verringert. Denn die Lauseier bleiben an Haaren besser haften.

Berechtigte Skepsis

Da es sich um eine Briefumfrage handelt, sind die Ergebnisse dementsprechend mit Vorsicht zu genießen, was ihre Repräsentativität angeht. Von 14.409 eingeschickten Fragebögen, kam nur die Hälfte ausgefüllt zurück. Dabei muss man die Tatsache berücksichtigen, dass Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko bei solchen Umfragen oft aussetzen. Hinzu kommt, dass man die Befragten nicht konkret einordnen kann: Wie gut oder schlecht sie beispielsweise Zugang zum amerikanischen Gesundheitssystem haben, bleibt unklar, obwohl es eine große Rolle spielt. Auch auf die Frage, ob die Personen Safer Sex praktizieren, wurde nicht eingegangen.

Huhn oder Ei?

Die wichtigste Frage, die sich aus den gewonnen Erkenntnissen ergibt: Wird die Wahrscheinlichkeit, an STIs zu erkranken durch die Entfernung der Inthimbehaarung und der dadurch entstehenden Mikrorisse in der Haut erhöht? Oder greifen Menschen mit risikoreicherem Sexualverhalten einfach deutlich öfter und regelmäßiger zu Rasierer und Epiliergerät? Selbst wenn letzeres der Fall ist, handelt es sich um eine wertvolle Information. Gynäkologen sowie Urologen sollten gerade bei diesen Patienten auf das Thema STI-Risiko eingehen.

Correlation between pubic hair grooming and STIs: results from a nationally representative probability sample

E. Charles Osterberg et al.; Sex Transm Infect, doi: 10.1136/sextrans-2016-052687; 2016

33 Wertungen (3.76 ø)
Gynäkologie, Medizin, Urologie

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12 Kommentare:

DocGerit
DocGerit

Naja, wer lange sucht, der findet immer irgendeine Korrelation. Da die Personen nicht in ihrem sozialen Umfeld mit ihren darin üblichen sexueller Aktivitäten, dem verfügbaren Zugang zu medizinischen Hilfen und ihrer Anzahl an Sexualpartnern betrachtet werden, halte ich den Zusammenhang für möglich, aber zweifelhaft.

#12 |
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Dazu auf Twitter:
@DocCheck Surrogat-Studie:Sexuelle In-/Aktivität, Orientierung, Partnerzahl, Monogamie/Polygamie? – egal: genitaler Haar-Kahlschlag interessiert!

#11 |
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Wie bereits in #4 von Herrn Dr. Kruse angesprochen, können die Zahlenangaben nicht wirklich überzeugen. Ich komme allerdings bei 74+17+22 auf 113…

#10 |
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Gast X
Gast X

Das lässt sich bestimmt alles ganz leicht widerlegen: einfach die gleiche Studie mit den Althippies durchführen, die in ihrer Jugend naturbelassen, ungeschützt und völlig unrasiert die “freie Liebe” gefeiert haben. Ich bin sicher die hatten ein ähnliches Infektrisiko wie jene die sich heute frisch getrimmt, jedoch genauso ungeschützt in ein reges Nachtleben mit vielen wechselnden Sexualpartnern stürzen.
Entscheidend ist wohl nur folgendes: verwende ich Kondome? wieviele verschiedene Sexualpartner habe ich? wie hoch ist die Prävalenz für sexuell übertragbare Krankheiten in der Population in der ich mich bewege (internationale Partymetropole > eher hoch; ländliche Dorfdisco > eher gering)?

#9 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Da ist so viel Nicht-repräsentatives enthalten, dass das Lesen der Studie vertane Zeit ist.
Das – möglichst perfekte – weibliche Schamhaardreieck zählt zu den angeborenen evolutionären Auslösern ! ; Auch für Warnschilder im Straßenverkehr u.a.

#8 |
  4
Medizinische Dokumentarin

Schambehaarung hat nicht das geringste mit mangelnder Hygiene zu tun.

#7 |
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Eine reine Surrogat-Parameter Studie. Damit man nicht kompliziert nach sexueller Aktivität, Inaktivität, Präferenzen, Orientierung, Partnerwahl, Partneranzahl, Monogamie, serieller Monogamie und Polygamie fragen muss, bezieht man sich lieber auf die Art und Weise des genitalen Haar-Kahlschlags.
Und siehe da! Prompt liegen die Ergebnisse bei 7.580 Antworten alteradjustiert und angepasst an die Zahl der biografisch erfassbaren (?) Sexualpartner im vorher avisierten Bereich [“Results Of 7580 respondents who completed the survey, 74% reported grooming their pubic hair, 66% of men and 84% of women. After adjusting for age and lifetime sexual partners, ever having groomed was positively associated with a history of self-reported STIs (OR 1.8; 95% CI 1.4 to 2.2), including cutaneous STIs (OR 2.6; CI 1.8 to 3.7), secretory STIs (OR 1.7; CI 1.3 to 2.2) and lice (OR 1.9; CI 1.3 to 2.9)”].
Aber was ist mit denen, die gar nicht erst geantwortet haben? [“We conducted a probability survey of US residents aged 18–65 years”]. Alles klaro: Das war doch alles nur ein Wahrscheinlichkeits-Überblick, den man bei 18-65 Jährigen als Bewohner der USA gewinnen wollte!

#6 |
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Muschi-Sprech …

#5 |
  6

So ein Quatsch: 109% aller Befragten haben schon zumindest einmal die Haare entfernt???(74+17+22) Und dann soll die Statistik stimmen??? Never ever!!!!!!!

#4 |
  1

Originelle Aufgabenstellung ohne praktische Relevanz. Nicht wenige Leute führen eine optische Anpassung an den Sichtbereich der Bikinizone bei tatsächlich vorhandener Badebekleidung durch, ohne aktuelle oder zukünftige Partner zu berücksichtigen.

#3 |
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Margo Luxi
Margo Luxi

… immerhin Filzläuse haben die dann seltener!

#2 |
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Arzthelferin

Das ist doch Quatsch.
Ich trage keine schon seit langem, hatte nicht einmal eine Erkrankung im Intimbereich! Es geht nur ums Wohlfühlen und die Hygiene.
Augen roll****

#1 |
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