Mutation schützt vor Magenkeim

21. Juni 2013
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Wissenschaftler kommen nun im Zuge eines Kooperationsprojektes zu dem Ergebnis, dass Mutationen im TLR-1-Gen vor einer Helicobacter pylori-Infektion im Magen schützen.

Helicobacter pylori ist ein spiralförmiges Bakterium, das 1982 von Barry Marshall und Robin Warren in Australien entdeckt und erstmals kultiviert wurde. Es ist die mit Abstand häufigste Ursache, warum Patienten eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder ein Magen– oder Zwölffingerdarmgeschwür entwickeln. In der westlichen Welt sind zwischen 30 und 60 Prozent der Bevölkerung in der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori infiziert, ohne dass unbedingt ein Magen-Ulcus daraus entstehen muss.

Neben Magenulcera ist Helicobacter pylori auch für die Entstehung von Magenkrebs verantwortlich und das einzige von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Bakterium, das gesichert eine Krebserkrankung auslösen kann. In Entwicklungsländern steigt die Infektionsrate der Bevölkerung auf bis zu 90 Prozent. Trotzdem wird der Magen mancher Menschen nie in ihrem Leben mit Helicobacter pylori besiedelt, obwohl sie in Ländern mit einer sehr hohen Infektionsrate und damit Übertragungsrate leben. Die Gründe hierfür waren bisher völlig unbekannt.

Dieser Frage haben sich jetzt zwei Arbeitsgruppen aus Greifswald (Deutschland) und Rotterdam (Niederlande) gewidmet. In einer genomweiten Analyse an insgesamt 10.938 Probanden aus zwei bevölkerungsbasierten Studien, konnte das Gen identifiziert werden, das dafür entscheidend ist, ob Helicobacter pylori im Magen an die Schleimhaut binden kann und so ein Individuum infiziert wird. Probanden, die nicht mit Helicobacter infiziert sind, tragen häufiger eine genetische Veränderung im TLR1-Gen (Toll like Receptor 1), das eine wesentliche Rolle für die angeborene Immunität spielt. Ein Aminosäureaustausch in der extrazellulären Domäne von TLR1 führt zu einer geringeren Bindungskapazität für triacetylierte Lipopeptide, einen Bestandteil der Bakterienmembran von Helicobacter pylori.

Von Bedeutung bei der Entwicklung zukünftiger Impfstrategien

In einer Expressions-Analyse aus dem Vollblut der teilnehmenden Probanden konnte die Arbeitsgruppe eine direkte Abhängigkeit der TRL1-Expression zum quantitativen Nachweis von Helicobacter pylori im Stuhl der Probanden zeigen. Weitere experimentelle Untersuchungen müssen jetzt belegen, ob TLR1 der direkte Bindungspartner für Helicobacter pylori im Magen ist oder ob noch weitere Faktoren Einfluss haben.

Der Aminosäureaustausch im TLR1-Gen bei Homozygoten reduziert das Risiko für eine Helicobacter pylori-Infektion um 41 Prozent. Die Arbeit der beiden Gruppen ist soeben in der Zeitschrift „Journal of the American Medical Association“ erschienen und stellt einen wichtigen Schritt in der Erforschung des Helicobacter pylori dar. Sie kann nicht nur zum Teil erklären, warum Professor Barry Marshall, der Entdecker von Helicobacter pylori, nach einem Selbstversuch zum Beweis der klinischen Bedeutung des Bakteriums nie selbst Antikörper gegen das Bakterium entwickelt hat, sondern wird auch für die Entwicklung zukünftiger Impfstrategien gegen Helicobacter pylori von großer Bedeutung sein.

Originalpublikation:

Identification of genetic loci associated with Helicobacter pylori serologic status
Julia Mayerle et al.; JAMA, doi: 10.1001/jama.2013.4350; 2013

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1 Kommentar:

Gesundheits- und Krankenpflegerin

der Artikel ist sehr ermuntigend

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