Ernährung: Fit wie ein Nussknacker

16. Dezember 2016
Teilen

Patienten, die regelmäßig Nüsse verspeisen, haben seltener mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes zu kämpfen. Das zeigen Forscher mit einer aktuellen Metaanalyse. Ob sich ihre Resultate eins zu eins in die Praxis übertragen lassen, ist unklar.

Bei Ernährungswissenschaftlern stehen Nüsse hoch im Kurs. Sie enthalten je nach Sorte mehr oder minder große Mengen an ungesättigten Fettsäuren, an Eisen, Kupfer, Magnesium, an diversen B-Vitaminen sowie an den Vitamin A, C, D und E. Jetzt wertete ein Team unter Leitung Dagfinn Aune aus Norwegen die aktuelle Literatur aus.

Mehr als 800.000 Teilnehmer

Wissenschaftler fanden 29 Publikationen mit insgesamt 819.000 Personen. Dabei gab es 12.331 Patienten mit koronaren Herzerkrankungen (KHK), 9.272 mit Schlaganfall, 18.655 mit kardiovaskulären Erkrankungen und 254.240 mit Krebs.

Wer Nüsse konsumierte, verringerte sein KHK-Risiko um 24 % und sein Schlaganfall-Risiko um 11 %. Das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, ging um 19 % nach unten. Bei der Krebssterblichkeit waren es minus 18 %. Insgesamt, so Dagfinn Aune, hätte die Gruppe mit Nusskonsum eine um 19 % niedrigere Gesamtsterblichkeit. Die Ergebnisse sind statistisch signifikant.

Dazu ein paar Zahlen mit mehr Praxisbezug. Der tägliche Konsum von 28 Gramm an Nüssen – Unterschiede im botanischen Sinne waren hier nicht relevant – führte bereits zu wünschenswerten Effekten. KHK gingen um 29 % zurück, und Schlaganfälle um 7 %. Die Gesamtsterblichkeit sank um 22 %, die Krebssterblichkeit um 15 %, und die Sterblichkeit aufgrund von Atemwegserkrankungen um 52 %. Beim Diabetesrisiko waren es minus 39 %.

Daten auf der Goldwaage

Bleibt zu klären, welche Relevanz die Arbeit hat. Hier verweist Dagfinn Aune vor allem auf die große Zahl an Probanden. Seine Metaanalyse zeigt schon länger bekannte Trends auf.

Ob Heilberufler ihren Patienten den Nusskonsum im wahrsten Sinne des Wortes ans Herz legen sollten, ist aber fraglich. Nicht immer decken sich Erkenntnisse aus Beobachtungsstudien mit Ergebnissen randomisierter klinischer Studien. Die PREDIMED-Studie (Prevención con Dieta Mediterránea) zeige jedoch ähnliche Effekte. Hier handelte es sich um eine randomisierte, prospektive Interventionsstudie mit 7.447 Teilnehmern zwischen 55 und 80 Jahren.

Wo viel Licht ist, sucht man nicht lange nach Schatten. Zu den unerwünschten Folgen des Nusskonsums gehören Allergien, zu hohe Energiemengen und speziell bei gesalzenen Nüssen große Mengen an Natriumchlorid.

5 Wertungen (4.8 ø)
Forschung, Pharmazie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

1 Kommentar:

NUSS IST NICHT GLEICH NUSS!!!
Bei “PREvención con DIeta MEDiterránea” war nicht nur mediterrane Kost entscheidend. Diese erste große prospektive multizentrische Studie untersuchte die Auswirkungen mediterraner Kost bei über 7.400 Personen mit erhöhtem Risiko (30% Diabetiker, 40% Statin-Behandlungen) ohne Gefäßerkrankungen.
Die Randomisierung erfolgte dreigeteilt:
1. eine mediterrane Kost, ergänzt durch extra-virgines Olivenöl (1 Liter pro Woche für die ganze Familie)
2. eine mediterranen Kost, ergänzt durch 30 g verschiedene Nüsse (15 g Walnüsse, 7,5 g Mandeln und 7,5 g Haselnüsse) pro Tag für jeden einzelnen Studienteilnehmer
3. eine Kontrollgruppe, die die Empfehlung erhielt, Nahrungsfette zu reduzieren.
Vorsicht also mit Erdnüssen, Paranüssen, Pecanüssen. Bei diesen ist auch noch der Aflatoxin-Gehalt problematisch. MfG

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: