Geophagie: Heißhunger auf Lehmerde

13. Dezember 2016
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Süßes stillt häufig unseren Hunger zwischendurch. Menschen in Afrika, insbesondere Frauen, bevorzugen hingegen Lehmerden und schwören auf deren heilende Kräfte. Nun zeigte sich aber: Erdeessen entspricht einer Suchterkrankung. Die toxische Belastung ist zudem gefährlich.

Zwischen 30 und 80 Prozent der Menschen in Afrika, insbesondere Frauen, essen regelmäßig lehmhaltige Erde. Dabei werden täglich zwischen 100 und 400 Gramm konsumiert. „Vor allem schwangere und stillende Frauen haben praktisch immer Erde dabei. Man kann das am Markt günstig erwerben“, sagt Ruth Kutalek vom Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien. Auch aus Afrika stammende Migranten in Europa greifen aus Gewohnheit zu Erde. Portioniert gibt es sie in exotischen Supermärkten zu kaufen. Und selbst in Reformhäusern wird „Heilerde“ zur inneren Anwendung angeboten. Ein Verzehr dieser Erde ist allerdings nicht ratsam.

Ursachen von Geophagie, die es früher auch weit verbreitet in Europa und Asien gab, ist noch ungeklärt und weitgehend unerforscht. Jetzt konnte eine Studie an der Medizinischen Universität Wien zeigen, dass es sich dabei um ein suchtartiges Verhalten handelt.

Erde gegen Schwangerschaftsübelkeit

Beschrieben wird das Erdeessen als „Craving“, als Substanzverlangen. Die Autoren sehen es ähnlich wie Heißhunger auf Schokolade oder als eine Art „Belohnung“. Kutalek erklärt: „Diese Menschen konsumieren Lehmerde oft als Snack zwischendurch und berichten, dass sie ohne die Substanz nicht auskommen können.“

Der Hintergrund könnte aber ein anderer sein – und ist zugleich vielschichtig: In der Erde sind Lehmanteile enthalten, die Toxine binden, ähnlich wie in Kohletabletten gegen Durchfallerkrankungen. Diese Lehmanteile können einerseits den pH-Wert der Magensäure beeinflussen und gegen Sodbrennen wirken – viele der Frauen in Afrika ernähren sich hauptsächlich von Mais, Maniok und Bohnen –, andererseits gibt es Hinweise, so Kutalek, dass die Erde auch gegen Schwangerschaftsübelkeit wirkt.

Schwermetallbelastung ist problemtisch

Daher gilt das Erdeessen bei vielen afrikanischen Ethnien als „weiblich“ und der vermehrte Verzehr von Erde steht als Zeichen dafür, dass eine Frau schwanger ist. Männer greifen aber, so die Experten, immer häufiger zu Erde, vor allem weil Lehmerde auch als natürliches Stimulans gilt.

Jedoch ist das Erdeessen bedenklich – zumindest in großen Mengen. Denn in der Erde wurden, insbesondere in Afrika, sehr viele Schwermetalle wie etwa Blei oder Quecksilber nachgewiesen, was vor allem den ungeborenen Babys, aber auch den Müttern und anderen Erwachsenen schadet. „Eine Reduktion des Konsums ist daher unbedingt ratsam“, sagt Kutalek. Die Empfehlung, gänzlich damit aufzuhören, ist schwierig umzusetzen, weil suchartiges Verhalten nicht von heute auf morgen zu ändern ist. Weitere Forschungen zur Ursache des Verlangens nach Erde laufen bereits.

Originalpublikation:

Geophagy in Northern Uganda: Perspectives from Consumers and Clinicians
Lena Huebl; The American Journal of Tropical Medicine and Hygiene, doi: 10.4269/ajtmh.15-0579; 2016

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1 Kommentar:

Interessant vielleicht : nach meiner zweiten Schwaangerschaft hatte ich eine noch unentdeckte Anämie . In der Zeit habe ich Sand gegessen, wo immer ich Sauberen fand , bis ich die erste Eiseninfusion bekam. Damit war der Appetit darauf für immer verschwunden. Könnte nicht das Erdeessen einen ganz ähnlichen Mangelzustand zeigen??

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