Neurobiologie: Religion ist meine Droge

23. Dezember 2016
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Wer gläubig ist, lebt länger. Das wollen umstrittene epidemiologische Studien beweisen. Mit bildgebenden Verfahren wagen Forscher erstmals einen tieferen Blick ins Gehirn betender Probanden. Religion ist neurobiologisch betrachtet eben doch „Opium fürs Volk“.

„Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen“, denken sich gläubige Christen. Ihnen bleiben offensichtlich ein paar Monate mehr Lebenszeit als ungläubigen Menschen, berichtet Shanshan Li. Sie forscht an der Harvard T. H. Chan School of Public Health in Boston, Massachusetts. Ihre Arbeit wirft neue Fragen auf.

Wie gesund sind Krankenschwestern?

Basis ihrer Studie war die Nurses Health Study, eine US-amerikanische Längsschnittstudie mit verheirateten Krankenschwestern. Eine erste Kohorte wurde ab 1976 aufgebaut und umfasst zirka 122.000 Frauen. Bei der zweiten Kohorte ab 1989 sind mittlerweile rund 117.000 Frauen an Bord.

Li wertete Daten zum spirituellen Verhalten von knapp 75.000 Frauen aus. Sie begegnete methodischen Schwächen älterer Arbeiten schon mit ihrem Studiendesign. Indem Wissenschaftler Probandinnen alle vier Jahre befragten, wollten sie Artefakte ausschließen. Schaffen es Frauen regelmäßig zum Gottesdienst, leiden sie kaum an lebensbedrohlichen Krankheiten, so die Kritik an früheren Papers.

Kirche gegen Krebs und Kreislauf

Im Schnitt waren Teilnehmerinnen 60 Jahre alt, gingen mehrmals (19 Prozent), einmal pro Woche (41 Prozent) oder noch seltener (16 Prozent) zum Gottesdienst. Etwa 24 Prozent hielten sich von Kirchen fern. Teilnehmerinnen waren katholischen, protestantischen oder jüdischen Glaubens. Daneben gab es auch Atheistinnen.

Zu den Resultaten: Innerhalb von 16 Jahren starben 4.500 Frauen an kardiovaskulären Erkrankungen und 2.700 an Krebs. Shanshan Li berücksichtigte unabhängige Risikofaktoren wie das Alter, das Einkommen oder kardiovaskuläre Vorerkrankungen. Sie fand die höchste Sterberate bei Frauen, die mit Religion nichts anfangen konnten. Wer gelegentlich zur Kirche ging, hatte ein um 29 Prozent verringertes Risiko. Bei regelmäßigen Gottesdienstbesucherinnen verringerte sich die Sterberate sogar um 45 Prozent.

Hier sehen die Autoren sogar „Dosis-Wirkungs-Beziehungen“ als Hinweis auf eine Kausalität. Trotzdem bleibt die Kritik, dass Beobachtungsstudien Zusammenhänge nicht zweifelsfrei belegen. Dazu wären Interventionsstudien erforderlich.

Hinter dicken Mauern

Ähnlich viele Fragen wirft die sogenannte „Kloster-Studie“ auf. Wissenschaftler fanden heraus, dass Nonnen eine vergleichbare Lebenserwartung wie Frauen außerhalb der Klostermauern haben. Mönche leben im Schnitt ein bis zwei Jahre kürzer als die beiden Frauengruppen.

Noch deutlicher ist der Unterschied zur männlichen Normalbevölkerung. Das vermeintlich starke Geschlecht lebt durchschnittlich sechs Jahre weniger als Nonnen und Frauen der Allgemeinbevölkerung. Verglichen mit Mönchen sind es viereinhalb Jahre weniger. Ob sich die Unterschiede mit weniger Stress, anderen Ernährungsgewohnheiten oder tatsächlich mit religiösen Ritualen erklären lassen, bleibt offen.

Auch für Neurobiologen sind gläubige Menschen interessant. Sie wollen verstehen, was im Gehirn betender Menschen vor sich geht. Welche Prozesse werden im Gehirn angestoßen und verändern sich auch die Vitalparameter?

Feel the Spirit

Beim „Religious Brain Project“ untersucht Professor Jeffrey Anderson, University of Utah School of Medicine, freiwillige Probanden im funktionellen Magnetresonanztomografen (fMRT). Für eine aktuelle Studie begaben sich 19 Mormonen in Andersons Labor. Sie waren im Schnitt 27 Jahre alt. Im Tomographen sollten sie an das Jenseits oder an ihren Erlöser denken, Gebete aufsagen, Videobotschaften von frommen Vordenkern ansehen oder fromme Texte lesen. Alle Probanden gaben an, ein Gefühl von Wärme und Frieden zu spüren.

Neuronen beim Beten beobachtet

 fMRI-Scan des Gehirns

Ein fMRI-Scan zeigt, dass bestimmte Regionen im Gehirns aktiv werden, wenn fromme, religiöse Studienteilnehmer eine spirituelle Erfahrung haben. Darunter befindet sich auch der Nucleus accumbens, ein Belohnungszentrum. Quelle: Jeffrey Anderson

Dabei wurde das Belohnungszentrum im Nucleus accumbens aktiviert. Auch der präfrontale Kortex arbeitet auf Hochtouren. Er steht unter anderem mit der Planung und Steuerung von Handlungen sowie mit der Antizipation möglicher Konsequenzen in Verbindung. Gleichzeitig wurde die Atmung tiefer, und das Herz schlug schneller. Alle Ergebnisse ließen sich gut reproduzieren.

Anderson gibt zu bedenken, aus religiösen Gründen würden gute und schlechte Entscheidungen getroffen. „Für uns ist es wichtig, zu verstehen, was auf neuronaler Ebene abläuft“, sagt der Forscher.

„Von „Liebe deinen Nächsten“ bis „Folge deinem Führer“ ist der Weg nicht weit.“ Er hält vergleichbare Mechanismen, um Signale zu verstärken, für möglich. „Werden bei einer Frau, die unsere Bibel liest, und bei einem IS-Kämpfer, der Parolen schreit, ähnliche Bereiche im Gehirn aktiviert?“, fragt er sich. Die Antwort lässt sich nur mit weiteren Experimenten finden.

Fest steht schon heute: Dass Religion „Opium fürs Volk“ ist, wie Karl Marx einst proklamierte, lässt sich neurobiologisch beweisen. Der Nucleus accumbens ist Zielstruktur für euphorisierende Drogen und für spirituelle Empfindungen.

89 Wertungen (4.1 ø)

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37 Kommentare:

Dr. med. Michael Freytag

Wundert mich nicht ganz. Wenn Religion keinen Selektionsvorteil hätte, sollte es sie auch nicht geben. Es gibt meines Wissens keine menschliche Kultur, die nicht ein Religion entwickelt hätte. D.h. bedeutet natürlich nicht, dass es einen Gott gibt (sondern eher das Gegenteil). Trotzdem muss das Vertrauen in einen Gott einen Selektionsvorteil darstellen, was mir angesichts der Widrigkeiten des Lebens durchaus plausibel erscheint.
#1 | 23. Dezember 2016 um 12:41

Genau!
Sehr geehrter Herr Kollege Freytag,
ich denke, dass Sie eine gute Interpretationsmöglichkeit formuliert haben.
Denn nur darum kann es m. E. in der Studie gehen, nicht weniger, aber auch nicht mehr lässt sich aus den Untersuchungen ableiten. Glauben, Ethik, Moral, Philosophien sind Haltungen, die einem subjektiven Bereich zuzuordnen sind und gerade um die geht es in der Studie nicht!

#37 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Genauer zitieren:
“Opium des Volkes” – Marx;
“Opium fürs Volk” – Lenin!
das ist ein Unterschied!

#36 |
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Gast
Gast

Ist die Senkung der Mortalität denn statistisch bewiesen?

(Ich bitte um Entschuldigung für meinen schnoddrigen Kommentar in diesem schiefen Deutsch. Daher versuche ich es nochmal.)

In medizinischen Studien erzielt man bei der Frage, ob die Mortalität gesenkt wurde selten ein wichtiges Kriterium: statischtische Signifikanz. Daher sind solche Aussagen immer höchst bemerkenswert, wenn nicht fragwürdig.

Bei Studien ist immer auch die Frage: wer hat sie finanziert?
Ich würde mich sehr wundern, wenn es nicht reiche kirchennahe Vereinigungen wären.

Aus einer guten Studie resultiert eine Verhaltensempfehlung. Das ist hier m.E. nicht zu sehen, denn man hat nicht die Wahl, gläubig zu sein, oder nicht; es ist schlicht eine Frage der Persönlichkeit.
So reduziert sich die Frage auf etwas sehr Simples: ist die Lebenserwartung abhängig vom persönlichen Umgangs mit den Herausforderungen des Lebens?
Und das wiederum scheint mir doch sehr wahrscheinlich zu sein.

Wenn man aus der Studie also etwas herausholen will, muss die Frage beantwortet werden, welcher Aspekt des Glaubens, den man auch vom Glauben losgelöst leben könnte, hier entscheidend ist?

#35 |
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Gast
Gast

P-Werte? Signifikanz?

Seltsam, dass ausgerechnet die Mortalität, deren signifikante Senkung man in medizinischen Studien so selten nachweisen kann, hier bewiesen wurde, oder etwa doch nicht?
Wie auch immer, Obst kann ich essen, gläubig werden nicht. Entweder man ist es, oder nicht.
Da ist doch die Frage, warum überhaupt so eine Studie???

#34 |
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Christine Kutschke
Christine Kutschke

Religion oder nicht – ich denke, dass ethische Werte im Leben zählen und ein zumindest in den Grundzügen daran orientiertes Leben Sinnhaftigkeit, Zufriedenheit und alle daraus resultierenden neurologisch positiven Auswirkungen zu einer Lebensverlängerung führen KÖNNEN, zumindest aber zu mehr Lebensglück!

#33 |
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Gast
Gast

Religion, speziell die monotheistischen, sind nur für Menschen geeignet die nicht selber denken können.
Das Christentum im besonderen ist eine Religion des Todes und nicht des Lebens.
Sogar das Symbol, ein verlängertes Kreuz ist das Symbol des Todes schlechthin.

#32 |
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Gennadij Eistrach
Gennadij Eistrach

Start up!
Es geht um Gebot der Liebe, um die Kunst des Sprechens, nicht um d. Retorik.
Warum geht Diskussion, Besprechung des Artikels, auch des O.G., in das Streiten mit- und gegeneinander über?
Die Kurze Darstellung der Studien ist nicht neu, aber belehrend, hoffe nicht nur für mich.
Warum bin ich von der Fragen – Opium, Menschen und Religion, das Leben – zu der Frage “Was war als Erste: Leben oder Tod, oder Tod oder Leben?” gekommen?
Ich verstehe unter Religion das Leben.
… Wenn Menschen haben die Begabung mit der Technik (CT bzw. MRT, oder anderes) umgehen, warum denn nicht. Wichtig, dass die Ethische, Rechtliche Normen beibehalten sind.
MfG
Gena
“Antizipanten”, habe ich richtig unterzeichnet?
Aber herzlicher: Guter Rutsch ins Neues Jahr!
Dürfen wir wohl trotzallem auch 2017 erleben.

#31 |
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Gast
Gast

Nein nein, mein lieber Herr Dr. Schätzler, Sie bleiben gefälligst hier ( Sie werden doch auch gebraucht, gerade dann, wenn Sie nicht selbst palavern, sondern gefragt werden und sich auch mal für Antworten honorarfrei verantwortlich fühlen ). Mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit aber kommen Sie ( immer ) wieder, denn, wie Sie schon mal zitatmäßig begründeten, ” ohne Hut nix los “. Ist doch o.k. so, hm ?

#30 |
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Was sollen eigentlich alle diese an mich persönlich gerichteten Fragen und Statements (#28, #26, #25, #22, #21, #18, #15, #14)?
Die Damen und Herren Kommentatoren machen sich nicht mal ansatzweise die Mühe, ihre eigenen Fragen gefälligst s e l b s t argumentativ zu beantworten bzw. ihre Statements auf Grund persönlicher Erfahrungen oder sonstiger Belege zu untermauern.
“Ich bin da mal weg!”

#29 |
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Gast
Gast

@Dr. Schätzler
Und wie viele Gottlose waren dabei die Angst vor dem Tod hatten?
Bestimmt auch manche?

#28 |
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Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: Ich habe “MANCHE” geschrieben, nicht Alle!
Aber ich habe auch von 1975 bis heute, Weihnachten 2016, ca. 25.000 bis 30.000 Patientinnen und Patienten ein gutes Stück ihres Lebens begleitet und bei manchen ihrer Lebensbilanz gelauscht. MfG

#27 |
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Gast
Gast

@ Dr Schätzler.
Sieht er

https://www.misereor.de/ueber-uns/geschaeftsfuehrung/

so aus wie wenn er nie richtig gelebt hätte

#26 |
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Gast
Gast

@ Dr Schätzler.
Was hindert einem die 10 Gebote am “richtigen” Leben.
Ich kenne ich sehr viele Menschen die mit Ihrem Glauben sehr gut leben.

#25 |
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Aktuell auf Twitter:
@DocCheck Manche Gottesfürchtige, 10-Gebote-Befolger, strenggläubige Kirchgänger merken erst auf dem Sterbebett: Ich habe nie richtig gelebt!
Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#24 |
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Martin Bökenkamp
Martin Bökenkamp
#23 |
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Gast
Gast

Menschen die gläubig sind haben oft ein Wertesystem, dass sie vor einigem Unsinn bewahrt.
Des Weiteren haben sie oft ein Urvertrauen, nach dem Motto “Man kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand”.
Diese beiden Faktoren reduzieren einmal negativen Stress und führen oft dazu dass man einen gesünderer Leben führt.

#22 |
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Da produzierste schon ziemlich kindlichen Widersinn.

#21 |
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Heute auf Twitter:
@DocCheck Unsinn:Es wurde nur die Teilnahmefähigkeit zum Gottesdienst untersucht!Schwer-und Todkranke mit hoher Sterblichkeit ausgeschlossen
und
@DocCheck MRT-Einblicke ins Gehirn Betender mit nur 19 gläubigen Mormonen: Keinerlei Vergleichsgruppe z.B. von Fußballfans beim Rudelgucken.

#20 |
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“Wer’s glaubt, wird selig”?
Was hier von Shanshan Li et al. mit “Association of Religious Service Attendance With Mortality Among Women” im JAMA Internal Medicine publiziert worden ist, reicht allenfalls für eine zufällige Koinzidenz, nicht zu einer Assoziation. Ebenso könnte man die Geburtenrate in post-industriellen Gesellschaften mit der Anzahl der Klapperstörche korrelieren.
Wer noch gesundheits- oder krankheitsbedingt zur regelmäßigen Teilnahme am Gottesdienst in der Lage ist, ist selbst mit Rollator von der “letzten Ölung” weit genug entfernt.
Wissenschaftstheoretisch liegt hier eine Verwechslung der gegensätzlichen Begriffe von Zweck und Kausalität vor. Teleologie als Weltanschauung bedeutet die Annahme entweder äußerer (transzendenter) oder innerer (immanenter) Zweckursachen. Wer sich zum Zwecke der Erbauung, der Wiedererlangung des äußeren und inneren Gleichgewichts, der Kontemplation und der bio-psycho-sozialen Stabilität in ein Gotteshaus begibt, handelt zweckorientiert.
Will man aber dagegen Kausalität bestimmen, müsste man einen randomisierten Doppel-Blindversuch starten (“RCT-Design”): Eine Gruppe mit “echtem” Gottesdienst muss mit der einer gefakten Zeremonie verglichen werden, um dann noch signifikante Morbiditäts- bzw. Mortalitätsunterschiede zu belegen.
Nur so können Hypothesen geprüft, verworfen, verifiziert oder falsifiziert werden. Sonst müsste es heißen, dass Frauen in der Allgemeinbevölkerung im Gegensatz zu Männern nie kriminell werden, es sei denn, sie sitzen in Frauen-Gefängnissen ein. Doch wie sind sie dann hinein gekommen? Oder Frauen ohne hochhackige Schuhe wären kleiner als diejenigen mit “high-heels”, hätten dafür aber seltener “Hallux valgus”.
Die JAMA-Autoren S. Li et al. irren unter
JAMA Intern Med. 2016;176(6):777-785. doi:10.1001/jamainternmed.2016.1615, ihre vage Assoziation ist in Wahrheit “Mittel zum Zweck”, und die Gottesdienst-Besuche sind in Wahrheit Surrogat-Parameter. Aber wie schon gesagt, “der Zweck heiligt die Mittel”! Amen!!!

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Was die angesprochene Ideologie untermauert, Herr Schätzler.

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@ Ines Triphaus-Giere:
Als Mitarbeiterin der Fachgebiete Pastoraltheologie / Religionspädagogik an der UNIVERSITÄT OSNABRÜCK, FB 3, Katholische Theologie, sollte es Ihnen doch geläufig sein, dass dies hier ein Blog und kein akademisch-dünkelhafter Bildungs- und Lesekreis ist.
Im Übrigen ist der europaweite Rückgang von Religiosität, Spiritualität, Empathie, Achtsamkeit und Emotionalität neben den immer härter werdenden, wirtschaftlich diktierten Lebens- und Arbeitsbedingungen auch darauf zurückzuführen, dass die evangelische und katholische Theologie außer “frommen Bibelsprüchen” keine zukunftsweisenden Antworten hat.
Deplatziert und völlig weltfremd tragen auch kryptische Sätze wie “Die befremdlich unakademischen und respektlosen Kommentierungen zu diesem individuellen Thema Religiösität sind wiederum desillusioniert hinsichtlich des Diskursnivaus unter Nutzern dieser Seite” bei. Damit entfernt sich gerade die Theologie weiter von denjenigen Menschen auf unserer Welt, welche sie eigentlich dort abholen sollte, wo sie gerade stehen. MfG und Fröhliche Weihnachten!!!

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@ Franz Geyer: Was soll denn “die ideologische Ablehnung der Gegner dieses Themas” sein? Etwa eine “doppelte Verneinung” also Bejahung?

#16 |
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Liebe Ines, das flache Niveau der Kommentare bestätigt nur die hohe Ansiedlung dieser Arbeit und gibt lediglich die ideologische Ablehnung der Gegner dieses Themas wider.

#15 |
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Ines Triphaus-Giere
Ines Triphaus-Giere

Seit längerer Zeit wundere und ärgere ich mich über das sehr befremdlich niedrige sprachliche und inhaltliche Niveau sehr vieler Kommentare von Menschen die hier selbstverständlich ihren akademischen Titel (und damit eine höhere Bildungslaufbahn) angeben.
Die befremdlich unakademischen und respektlosen Kommentierungen zu diesem individuellen Thema Religiösität sind wiederum desillusioniert hinsichtlich des Diskursnivaus unter Nutzern dieser Seite. Schade!

#14 |
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Abgesehen davon, dass Opium nach derzeitigem Kenntnisstand die Lebenserwartung nicht erhöht ;-) , kommt es wohl doch auf den Inhalt des jeweiligen Glaubens an. Vermutlich dürfte ein streng gläubiger Islamist einen eher lebensverkürzenden erhöhten Katecholaminspiegel haben. Und dies insbesondere dann, wenn er sich zum Selbstmordattentat entschließt…

#13 |
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Zunächst einmal ist “Opium fürs Volk” ein Musikalbum von “Die Toten Hosen”! Und da ich 1967 in der Vietnam-Bewegung (Lesekreis Horlemann/Gäng: Der Vietnamkrieg) aktiv war, 1968 (Abi) in der Anti-Notstandsgesetzgebung (“lass den Kaffee und Kuchen, wolln wir mal den Benda – Bundesinnenminister – suchen!”) eine schulische Podiumsdiskussion leitete, habe ich natürlich als junger “Salonsozialist” auch meinen Karl Marx gelesen.
Und der beschreibt Religion als „das Opium des Volkes“, ein Zitat aus der um die Jahreswende 1843/44 verfassten Einleitung zu seiner Schrift “Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie”. Häufig wird sein Zitat in der späteren Lenin’ schen Variante als “Religion ist Opium für das Volk” verwendet.
“Wer gläubig ist, lebt länger”, ist nicht nur eine höchst umstrittene bevölkerungs-epidemiologische These, sie ist auch sozialpsychologisch gefährlicher Unsinn! Denn Studien unterschätzen systematisch die Gefahren von religiösem Fanatismus, Fundamentalismus und Allmachts- bzw. Weltbeherrschungs-Fantasien.
Im aktuellen Diskurs ist z. B. in den Krisenherden des nahen, mittleren und fernen Osten die Gefahr wesentlich höher, das massenweise vermeintlich “Ungläubige” durch fanatisiert-terroristische, religiös motivierte IS/ISIS-Kämpfer systematisch getötet werden und deren Lebenserwartung entscheidend sinkt.
Selbst Menschen, die noch an ein religiös motiviertes Weihnachten glauben, können, wie jüngst in Berlin, auf tragische Art und Weise Opfer islamistischer “Gotteskrieger” werden.

Doch auch in der Mitte unserer Gesellschaft sind christlich-religiöse und andere Menschen, unabhängig von ihrer Glaubens- und Religionszugehörigkeit, a n d e r s als der Rest der Bevölkerung:
Sie rauchen, saufen, fluchen, fressen und furzen weniger bzw. seltener, sie haben weniger oder keine Sexualpartner, sie betreiben so gut wie nie Risikosportarten wie Paragliden, Surfen, Kitesurfen, Sport- und Segelfliegen, Fallschirmspringen, Autorennen, Skispringen, Abfahrtski, Tauchen usw. Oder haben Sie schon einmal Nonnen/Mönche auf dem Skateboard bzw. Snowboard gesehen?
All das sind banale Gründe, für die insgesamt verringerte Lebenserwartung risikofreudigerer, Nicht-religiöser Bevölkerungsgruppen.

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Dr. med. Siegfried Schlett
Dr. med. Siegfried Schlett

Vernunft, d.h. eine einigermaßen vernünftige Gestaltung von Lebensabläufen, und Glaube sind kein Widerspruch, sondern sich gegenseitig stärkende Grundkräfte.

#11 |
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Gast aus Köln
Gast aus Köln

Was für ein Blödsinn! Welche Gehirnareale waren wohl bein Karl Marx aktiv, als er das kommunistische Manifest schrieb?

Welche Gehirnareale sind tätig beim Lesen, Sprechen, beim Lösen mathematischer Aufgaben?

Wenn Neuronen sich bei bildgebenden Verfahren sichtbar werden, weiss man von den Inhalten des Denkens nichts.

#10 |
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Dr. med. Joseph Andreas Schmitt
Dr. med. Joseph Andreas Schmitt

Zum professoralen Beitrag
Auch Professoren können die Dummheit der monotheistischen Religionen ignorieren und dem postfakischen zeitalter weiter frönen. Für denkende wissenschaftliche orientierte zeitgenossen ist spätestens seit Nietzsche der Gottesglaube tot an Naivität oder direkter intellektueller Dummheit nicht zu überbieten.

#9 |
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Gast
Gast

Was für ein Blödsinn!

#8 |
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Gast
Gast

Herkunft des Zitats, von Dr. D. Rietbrock-Mönke richtig gestellt:
” Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des
wirklichen Elendes und in einem die Protestation
gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seuf-
zer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlo-
sen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist.
Sie ist das Opium des Volks.”
[Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW Bd. 1, S. 378]

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Dr. Dina Rietbrock-Mönke
Dr. Dina Rietbrock-Mönke

korrekterweise lautet das Zitat von Marx: “Religion ist Opium des Volkes” mit durchaus etwas differenter Bedeutung zum späteren Zitat von Lenin: “Religion ist Opium fürs Volk”

#6 |
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Gast
Gast

Zum Selektionsvorteil
Ja, vermutlich wird es einen solchen Vorteil geben, der sich jedoch nicht zwangsläufig auf einzelne Individuen beziehen muss, wohl eher auf Gemeinschaften. Zumindest nicht auf die Lebensdauer, siehe Katastrophentod

#5 |
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Länger Leben hat aber keine Beziehung zu Opium

#4 |
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Gast
Gast

so, wie Emotionen bei Beschäftigung mit positiven Dingen im Körper positive und gesundheitsfördernde somatische Reaktionen bilden, so funktioniert das auch umgekehrt. Beschäftigt sich d Frau mit positiven Leseinhalten ( hier biblischer Lesestoff ), die zB das zwischenmenschliche Miteinander fördern, wird dies sicher ganz andere Reaktionen bewirken als bei einem IS-Kämpfer, der das zwischenmenschliche Miteinander in negativstem Sinn versteht u auslebt. Wenn jemand derart auf Vernichten und Zerstören fixiert ist, gibt es sicher auch negative körperliche Auswirkungen. Das zu verstehen braucht weder eine Studie noch Uni-Ausbildung:-).

#3 |
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Prof.Dr.Bruno Müller-Oerlinghausen
Prof.Dr.Bruno Müller-Oerlinghausen

Wie dämlich und irreführend kann eigentlich Forschung bzw. ihre Commerzialisierung noch werden? Es ist ein grundlegender Jammer dass so viele naturwissenschaftliche Forscher und auch Mediziner erkenntnistheoretisch scheinbar ahnungslos sind. So kommt es zu derartigen absurden mechanistischen Reduktionismen. Die Faszination der bunten Bildchen..brain imaging. Wenn ich da im Cortex praefrontalis ein wenig andere Farbe sehe, glaube ich endlich, dass sich beim Beten oder der Meditation etwas im Gehirn tut… O felix simplicitas!..Warum sollte sich da denn nichts tun?? Der Geist Gottes schwebte bekanntlich einmal über den Wassern,- seitdem sind Seele und Körper eine Einheit, die man freilich methodisch sauber auf der einen oder anderen Ebene untersuchen kann. Dimasio und Gerald Hüther und viele Andere haben daszu kluges gedacht und gesagt. Anti-Cartesianisch.. Die Vermischung der verschiedenen Erklärungsebenen im Sinne eines materiellen Reduktionismus ist vielleicht Opium fürs Volk , panem et circenses… aber bringt keinen Erkenntnisgewinn,– nur Publizität.

#2 |
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Dr. med. Michael Freytag
Dr. med. Michael Freytag

Wundert mich nicht ganz. Wenn Religion keinen Selektionsvorteil hätte, sollte es sie auch nicht geben. Es gibt meines Wissens keine menschliche Kultur, die nicht ein Religion entwickelt hätte. D.h. bedeutet natürlich nicht, dass es einen Gott gibt (sondern eher das Gegenteil). Trotzdem muss das Vertrauen in einen Gott einen Selektionsvorteil darstellen, was mir angesichts der Widrigkeiten des Lebens durchaus plausibel erscheint.

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